Lautstärke

von WupperRock, 01.09.05.

  1. WupperRock

    WupperRock Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.09.05   #1
    Hallo zusammen!

    Ich singe jetzt knapp ein halbes jahr lang und habe immer wieder neue Entdeckungen gemacht, Sachen an- und abgewöhnt. Das läuft eigentlich recht gut und ich habe auch Unterricht. Ich habe nur ein sagen wir psyschiches Problem :-)) ). Ich habe mich noch nicht an meine Stimme im Kopf gewöhnt und denke (Was totaler Blödsinn ist), dass ich unbedingt laut singen muss, damit sich diese Stimme gut anhört. Habe heute mal was aufgenommen und festgestellt, dass es in Sprechlautstärke gesungen ziemlich gut klingt. In meinem Schädel hört sich die Stimme aber so weng kräftig an. Wenn ich allerdings in meinem Kopf für mich selbst gut klinge, hört es sich draußen quäkig und gepresst an!

    Meine Frage ist eigentlich folgende: Trainieren Sänger, wie z.B. Chris Cornell von Audioslave oder Miles Kennedy von Alter Bridge an die hohe Laufstärke zu gewöhnen oder trainieren sie die kräftige Stimme leise zu singen? Schließlich singen Sänger, wie Chris oder Brandon Boyd von Incubus mit geschlossenen Augen, was ja auf totale Entspannung hinweist! Irgendwann sagte meine Lehrerin mal, dass ich mich gewundert hätte, wie leise sich ein Freddy Mercury ohne Mikro angehört hat, was ja heißt, dass er ohne viel Kraft diese gewaltige Stimme produzieren konnte, auf der anderen Seite liest man hier oft, dass klassische Sänger ohne Mikro ein Orchester übertönen können! Was ist denn der richtige Weg??? Soll ich versuchen unverkrampft lauter zu singen oder die versuchen leise viel Volumen zu bekommen?? Gibt es eine Faustregel im Vergleich zur Sprechlautstärke? Kleine Selbstdiaknose: Ich meine mit Lautstärke Volumen zu erreichen, was aber wahrscheinlich verkehrt ist!

    Soll ich vielleicht nur mit dem mikro üben, um mich besser an meine Stimme zu gewöhnen? Vielleicht sogar mit Kopfhörern?

    Gruß Sebastian
     
  2. Mucker01

    Mucker01 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.09.05   #2
    Wenn ich es mir recht überlege, kommt doch beides mal das gleiche raus.
    Habe oft den gleichen Fehler gemacht. Wenn du zu sehr presst, also auf Lautstärke mit der Brechstange gehst, geht die Ausgewogenheit des Frequenzbildes flöten.
    Sprich du betonst nur noch gewisse Obertöne oder Formanten, es kommen also nicht alle Frequenzen deines Gesanges auf den gleichen Level bzw. bleben nicht im gleichen Verhältnis zueinander.
    Dann klingt´s Sch….. unausgewogen, quäkig usw. usw.
    Ich vergleich das mal mit einem Kompressor, da kenne ich mich wenigstens einigermaßen aus. Ein Kompressor hebt nicht den Gesamtpegel wie bei einem Volumenregler an, sondern gleicht die leisen Anteile den lauten Anteilen an ( zumindest bei Extremeinstellung ). Du hast also nicht mehr Lautstärke, insgesamt nimmt aber die „Lautheit“ zu. Im übertragenen Sinn: Der Gesang wird also insgesamt lauter wahrgenommen, wenn alle Frequenzanteile deines Gesangs in der Amplitude dichter zusammenrücken.
    Formanten also gewisse Anhebungen im Frequenzbild bleiben natürlich bestehen, die machen ja unter anderem deine Stimme aus.
    Wenn du jetzt falsch, verkrampft, zu laut singst, dann arbeitest du also eher wie ein Expander - du rückst also bestehende Lautsärkeverhältnisse weiter auseinander.
    Also, beides was ich oben zitiert habe wäre demnach richtig bzw. du kommst so zu dem gewünschten Ergebnis.
    Ich habe das deshalb etwas ausführlicher beschrieben, damit du siehst, dass sich die beiden Aussagen eigentlich nicht widersprechen bzw. hier liegt die Gefahr, dass du die Begriffe Lautstärke / Volumen falsch interpretierst.
    Schau dir doch mal die Links hier an. Ich stehe selber gerade am Anfang ( Gesangstechnik ), deswegen kann ich dir dazu nicht viel mehr sagen, außerdem ist das Thema, wie du das erreichst doch recht komplex.
    Atmung, Kehlkopf, Zwergfell :), Bauch, Resonanzräume........

    An den Unterschied wie höre ich selber und wie klinge ich „draußen“ wirst du dich gewöhnen müssen, da du dich beim singen zusätzlich über deinen Körper hörst ( hauptsächlich Bassanteil ) Bässe gehen ja auch durch Wände ( in dem Fall durch Knochen usw. ), während die Höhen von der Oberfläche reflektiert werden.
    Ich habe nicht die Erfahrung gemacht, dass das durch ein Mikro großartig anders wird. Ein bisschen schon, aber ich habe das Gefühl, der interne Bassanteil ist einfach zu groß.
    Ist dann quasi so ein Mittelding - zum dran gewöhnen aber vielleicht ok – musst du mal ausprobieren und gucken womit du dich wohler fühlst.
    Grundsätzlich kann ich aus meiner Erfahrung aber nur empfehlen, so früh wie möglich mit Mikro zu singen.
    Ich habe schon viele Sänger gesehen, die überhaupt keine Mikrofontechnik draufhaben.
    Also bei lauten Passagen mal etwas weiter weg vom Mikro usw. Je eher du das miteinfliessen lässt, desto selbstverständlicher wird das dann für dich.
    Es klingt dann nachher wesentlich lebendiger, als wenn man dann zu stark mit technischen Mitteln nachbessern muss. Das gilt bei der Musikaufnahme oder Auftritt eigentlich grundsätzlich ( auch für Instrumente ) aber das ist dann schon mehr Thema MIX.
    Aber übertreib es nicht, wenn das am Anfang schon zu viele Eindrücke sind, dann konzentriere dich erst einmal auf deine Technik ohne Mikro.

    Was ich auch sehr interessant finde: Ich habe mal gehört, dass das verkrampfen beim „laut“ singen, erzieherische bzw. gesellschaftliche Ursachen hat.
    Ein Kind kann ohne viel Kraftaufwand recht laut werden. Mit der Zeit verändert sich das, weil man immer gesagt bekommt, „ Sei leise“, „Nicht so laut“ usw. Wenn wir dann älter werden und eine gewisse Lautstärke erreichen wollen, müssen wir erst einmal diese Blockade wieder los werden. Sonst kommt es alleine schon kopfmäßig zu Verkrampfungen, die zusätzlich zu einer falschen Technik, also zu einem unausgewogenen Klang führen.

    Ich meine, logisch klingt es ja.
     
  3. Whych

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    Erstellt: 01.09.05   #3
    Und ist auch wirklich so. Als Baby/Kind kannst du stundenlang durchschreien ohne heiser zu Werden und diese Technik gilt es sich wieder anzugewoehnen.

    PS: Uebrigens ein sehr gut geschriebener Beitrag :great:
     
  4. Mucker01

    Mucker01 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.09.05   #4
    Danke Whych,
    das ermutigt mich noch etwas dazu zu schreiben.
    Aber bevor ich zu dem Technik-blabla komme…. Hab ich noch etwas vergessen.

    @ Wupperrock
    Ich finde das natürlich gut, dass du Sachen ausprobierst, vergleichst und Fragen stellst.
    Nur so, kann man ja seine Erfahrungen sammeln.

    Also es gehört hier nicht direkt her, aber weil ich schon dabei war, wollte ich noch mal allgemein etwas zur Lautstärke sagen – ich fasse mich wirklich kurz.
    Wenn wir etwas hören, was lauter ist, haben wir automatisch den Eindruck, dass sich das gut anhört. Wenn man 2 Stücke z.B. von der CD abspielt und eines lauter macht als das andere, werden wir fast immer sagen, dass das lautere Stück besser klingt. Das hat psychoakustische Gründe und sprengt jetzt etwas den Rahmen.
    Das wissen aber natürlich auch die Techniker, die bei einer Musikproduktion verantwortlich sind. Also wird es auf laut gemischt bzw. komprimiert. Einmal schon in den Einzelspuren, dann noch mal beim Mastering. Leider ist das immer mehr auf die Spitze getrieben worden und man hat im Moment einen Level erreicht, der kaum noch zu toppen ist.
    Jetzt wird es aber noch „schlimmer“. Der Radiosender komprimiert das Signal zusätzlich auch noch einmal. Spätestens jetzt geht auf Kosten der Lautheit, die Frische des Musikstückes flöten. Alles klingt mächtig laut.
    Daraus resultiert, dass die Hörgewohnheiten sich extrem verändert haben.
    Somit also auch unsere Vorstellung davon, wie unser eigener Gesang zu klingen hat.
    Da der Mensch ja immer nur aus Vergleichen etwas beurteilen kann.
    Wenn wir jetzt also versuchen beim singen schon so laut zu klingen, wie die Stimme aus dem Radio, ist das zum scheitern verurteilt und es kann die Gefahr bestehen, das man wegen dieser Hörgewohnheiten zuviel „Gas“ gibt.
    Wie gesagt ist nicht ganz das richtige Thema, aber ich finde es immer ganz wichtig, das Sesamstraßenprinzip „ Wieso, Weshalb, Warum“ mit einfließen zu lassen, damit man keine falschen Rückschlüsse zieht bzw. beim Singen nicht Gefahr läuft in die falsche Richtung zu laufen.


    Bevor ich mir jetzt aber den Titel „ Klugscheißer der Woche“ einhole, höre ich jetzt erst einmal auf. Aber auch aus Zeitgründen - wenn ich ehrlich bin.:)
     
  5. Elisa Day

    Elisa Day Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 03.09.05   #5
    Da wir "Ottonormalsänger" die Hilfe einer PA haben, ist es erstmal wichtig eine volle Stimme zu entwickeln und weniger eine laute Stimme. Denn das volle Klangbild ist Basis für eine starke, kraftvolle Stimme und klingt auch direkt so.
    Dass Klassiker eine Durchsetzungsfähigkeit der Stimme erreichen, die für uns völlig unbegreiflich ist, liegt an perfekter Technik, Körperbeherrschung und jahrzehntelangem Training. Da sich die Technik von der einen Pop/Rock Sängers unterscheidet, wage ich zu behaupten, dass ein solche dieses Volumen nie erreichen wird. (Ausnahmen bestätigen die Regel...)

    Ich übe ohne Mikro und Köpfhörer, um den "wirklichen" Klang der Stimme zu hören. Jeder technische Zwischenschritt verändert die Stimme leicht - und außerdem ist es sehr "bequem", wenn ein Mikro einem die Stimme verstärkt und dann eventuell auch noch Hall draufgelegt wird (weil es ja sonst wieder unnatürlich trocken klingt).

    Liebe Grüße
    Elisa
     
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