Literatur und Musik

von Brigde, 19.05.07.

  1. Brigde

    Brigde Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.05.07   #1
    Hallo zusammen!
    Ich eröffne hier mal einen Thread zum Thema Literatur und Musik. Neben der Musik ist die Literatur meine zweite Leidenschaft und ich finde es immer wieder spannend, wenn sich beide Welten begegnen. Vielleicht könnte hier eine Sammlung von Büchern entstehen, in denen die Musik eine besondere Rolle spielt. Hiervon ausnehmen würde ich allerdings musikalische Fachbücher und auch (Auto)Biographien von Musikern.

    Das Ganze sollte also eher eine Sammlung von Prosa und Lyrik werden. Dabei ist es egal, ob es sich nur um kurze Schlüsselszenen handelt oder das ganze Buch/Gedicht einen Bezug zur Musik hat.Wer also Romane oder Gedichte kennt, in denen die Musik eine tragende Rolle spielt,kann diese mit Titel, Autor und kurzer Erläuterung als Lesetipp hier reinschreiben.

    Ich fang mal an mit:

    Heinrich Böll, Ansichten eines Clowns:
    Die Szene am Ende des Buches, in der Hans auf den Stufen des Bahnhofes sitzt und Gitarre spielt. Hier ist auch das Zitat zu finden: "Nirgendwo ist ein Professioneller besser versteckt als unter Amateuren". Ein gutes Buch mit einem großartig und intensiv geschilderten Ende.

    Freu mich auf eure Beteiligung und bin gespannt, was für Lesetipps so zusammenkommen.

    Gruß Brigde
     
  2. madeye

    madeye Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.05.07   #2
    "Die Blechtrommel"

    ..mit Oskar, dem Drei-Käse-Hoch. ;)
     
  3. Brigde

    Brigde Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.05.07   #3
    Ein moderner Klassiker...Oskar gehört auf jeden Fall hier hin:great:

    Ich leg noch mal einen nach mit....

    Das Glasperlenspiel von Hermann Hesse:
    Der Versuch, die Gemeinsamkeiten aller Künste und Wissenschaften aufzuzeigen, auch im Hinblick auf die Musik. In dem Roman finden sich viele interessante Gedanken über die Musik. Auch das bekannte "Stufen"-Gedicht ist Teil des Buches.
     
  4. Vali

    Vali Vocalmotz Moderator HFU

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    Erstellt: 20.05.07   #4
    Da fällt mir "Aus dem Leben eines Taugenichts" von Eichendorff ein. Da wird ein junger Bursche mit seiner Geige in die weite Welt geschickt. Habe das Buch allerdings nicht durchgelesen, weil ich es von Tag zu Tag immer mehr gehasst habe (mussten wir im Deutschunterricht lesen).
     
  5. wilbour-cobb

    wilbour-cobb Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.05.07   #5
    "torture the artist" von Joey Goebel, einem der zur Zeit herrausragensten Autoren.

    Ein rundumschlag durchs pop-; rock-; und alternative business mit tausenden anspielungen auf lebende und tote musikgrössen. aber ein romas mit einer tollen story, an vielen stellen möchte man lachen und heulen gleichzeitig.

    es geht um ein riesen medienunternehmen, dass in einer schule besonders begabte texter, songwriter und autoren ausbildet, um die welt wieder mit anpsruchsvoller popmusik zu versorgen. die autoren schreiben, gesichtslose popstars singen das zeug - der unterschied zu heute ist, es hat qualität!
    damit die stücke aber diese qualität haben, müssen die autoren unter ständiger trauer und pech leiden, denn nur aus dem leid eines begabten künstlers entsteht "wahre" musik - kann man ja in der vergangenheit gut erkennen - so die theorie des medienunternehmens.

    so auch der junge vincent. dessen mentor, aus dessen sicht der roman geschrieben ist, muss dafür sorgen, dass der junge immer tottraurig ist. so sorgt er dafür, dass seine mutter ihn sitzen lässt, seine freundin ihn verlässt oder er tötet seinen hund.

    kann ich nur empfehlen, der deutsche titel lautet interessanterweise "vincent"

    Auch Goebels anderer Roman "Freaks" hat mit Musik zu tun. es geht um eine band bestehend aus einem irakischen kriegsveteran, einem manischen sänger der immer selbstgespräche führt und glaubt, alle menschen sind mit drähten mit einer maschine verbunden, einer 80jährigen gitarristin, einer 8jährigen bassistin die alle menschen umbringen will und einer im rollstuhl sitzenden satanistin am keyboard. liegt bei mir aber noch auf dem "bücher, die noch gelesen werden müssen"- stapel

    Beide romane sind sehr angenehm geschrieben, auch gut übersetzt. frische literatur mit neuen ideen aus unserer zeit, noch nicht so angestaubt wie hesse oder eichendorff
     
  6. Brigde

    Brigde Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.05.07   #6
    Wunderbar...die Mischung macht's!

    Ich erinnere mich daran, "Vincent" mal im Laden in der Hand gehabt zu haben, hab aber dann doch nicht zugegriffen. Das werde ich aber wohl nachholen...klingt interessant, irgendwie schräg, aber mit ernstem Hintergrund.
     
  7. Enza

    Enza Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 21.05.07   #7
    Die Paradoxität des Seins
    ergreift den Geist der Zeit.
    Musik, mein Freund, sei wie ein guter Wein,
    der uns im tiefsten Kern erfreut.

    So sei das Licht im Dunkel offenbart,
    denn alle Noten haben ihren Platz.
    Die Eine hart, die And´re zart...

    Musik ist unser grösster Schatz !​

    21.05.07 enza​
     
  8. wilbour-cobb

    wilbour-cobb Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.05.07   #8
    achja, ein MUSS für jeden musiker - besonders die, die damit tatsächliche ihre brötchen verdienen, ist der roman "fleisch ist mein gemüse" von Heinz Strunk.

    Einfach wundervoll, eine herrliche beschreibung des musikunterrichts und der mucker-szene. und auch für neorddeutsche ein traum, spielt im hamburger umland..
     
  9. LaeWahn

    LaeWahn Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.05.07   #9
    Terry Pratchett - Rollende Steine

    Ich denke mit dem Namen Terry Pratchett können hier viele etwas anfangen. Sollte kein Unbekannter sein.

    Es geht um eine Band, die auf magische Weise eine neue Musikrichtung erfindet - die "Musik mit Steinen drin". Diese neuartige Musik stellt kurzerhand das Leben aller Leute auf den Kopf, indem es sie veranlasst anatomisch eigenartige Tänze zu vollführen und den Wunsh weckt, selbst "Musik mit Steinen drin" zu machen.

    Habe das Buch (412 Seiten) innerhalb von zwei Tagen verschlungen. Es ist vor allem für Musiker ein herrliches Buch, weil es das Wesen der Musik und des Musikers an sich sehr gut und immer mit einem Augenzwinkern begleitet beschreibt.

    PS: Schlagzeuger kommen in dem Buch nicht so gut weg ^^
     
  10. Brigde

    Brigde Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.05.07   #10
    Dass es eine Geschichte über Musik auf der Scheibenwelt gibt, wusste ich gar nicht. Guter Tipp!

    Naja, die sind ja hier durch Oskar schon mit einem Nobelpreisträger geadelt. Das sollte es wieder aufwiegen;)
     
  11. Floh

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    Erstellt: 27.05.07   #11
    "Vincent" wollte ich auch unbedingt noch lesen.

    Wundert mich ja, dass 'High Fidelity' noch nicht genannt wurde...
    Meines Erachtens auch ein gutes Buch, indem Musik ja recht intensiv thematisiert wird.

    Die Art wie Musik in der Beatgeneration benutzt wird, zum Beispiel im wohl bekanntesten Werk Kerouacs, On The Road, ist auch interessant.
     
  12. Zack ab!

    Zack ab! Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.05.07   #12
    Dr. Faustus von Thomas Mann.
    Habs leider immer noch nicht ganz gelesen.

    Wie der name schon sagt, wird mal wieder das Thema ''faustischer Pakt'' behandelt.
     
  13. Günter Sch.

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    Erstellt: 27.05.07   #13
    Dr. Faustus sollte jeder lesen, der sich für die musik und das musikleben des 20. jh.s interessiert. Es ist ein verwirrspiel mit werken, die wirklich existieren, und vieles ist sehr realistisch geschildert, Th.Mann hatte gute kontakte zu musikern.
    Aber auch das kapitel im "Zauberberg", das von der schallplattensammlung handelt, ist lesenswert.
     
  14. MatthiasT

    MatthiasT Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.05.07   #14
    Absolut herrliches Buch. Ich habs an einem Abend durchgelesen, aber ich bin sowieso riesiger Terry Prachett Fan.
    Allein Schnapper ist in dem Buch genial... so viel beißende Satire hat nicht mal das Musikbiz verdient ;)
     
  15. PissingInAction

    PissingInAction Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.05.07   #15
    Sicherlich DAS Buch schlechthin zumindestens für den Bassisten ist Patrick Süskinds "Kontrabass": Hier stellt unser namenloser Protagonist seinen Bass als sperriges Unding und Verhinderer jeglicher Liebesbeziehung, gleichzeitig aber auch als heimliche Liebe und absolut wichtigstes Orchesterinstrument dar; eine Wechselbeziehung, die sicherlich jedem Tieftöner irgendwie mal wiederfahren ist; so raffiniert geschildert, dass man fast meinen mag, Süskind selbst hat mal Hand an den Viersaiter angelegt.
     
  16. peter55

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    Erstellt: 28.05.07   #16
    Hi all,

    ich hab auch etwas Fantasy: A.D.Foster - Der Bannsängerzyklus (ins. 8 Bände)

    ein amerikanischer Jurastudent und Hobbymusiker findet sich nach einem "Trip" in einem anderen Universum wieder, in dem Tiere reden können und stellt dort fest, daß die Musik und die Lieder aus seinem Heimatuniversum jetzt magische Fähigkeiten haben.

    Ich hab die Serie sicher schon 4 oder 5 mal geslesen - bin immer wieder sehr angetan :great:

    Greetz :)
     
  17. Effjott

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    Erstellt: 29.05.07   #17
    Interessant auch der Roman über das Klavier:

    "Pianoforte" von Dieter Hildebrandt(nicht der Kabarettist),

    mittlerweile auch bei Dtv als Taschenbuch erhältlich.
    Wendet sich zwar in erster Linie an Klavierspieler, aber es gibt ne Menge Anekdoten über das Instrument an sich, über bekannte Komponisten und geschichtliche Hintergründe(19.Jahrhundert).
    Amüsant auch die Darstellung, dass die sog. "höheren" Töchter zur "Einzelhaft am Klavier" verdammt wurden.

    Beste Grüße
    Effjott
     
  18. Floh

    Floh Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.05.07   #18
    Für ganz großartig halte ich auch 'Schlafes Bruder' von Robert Schneider.

    Habe mich erst durch die Nennung Süskinds wieder daran erinnert, da ja in Schlafes Bruder wie im Parfüm ein seltsames, verkanntes Genie Protagonist ist.
     
  19. wilbour-cobb

    wilbour-cobb Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.05.07   #19
    beide haben noch eine wirklich schlechte und unverdiente verfilmung gemeinsam, bei denen man sich die sitte der öffentlichen auspeitschung für den regisseur wieder zurück wünscht, dass man sieht wie er die gleichen schmerzen durchmacht wie man selbst im kino...

    aber zurück zur literatur


    inzwischen habe ich "freaks" von joey goebel auch durch, hat mir sehr gefallen, aber obwohl es um eine band geht, geht es erstaunlich wenig um musik. aber um die beweggründe, eine band zu starten. ich kann es auch sehr empfehlen.
     
  20. Brigde

    Brigde Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.05.07   #20
    Ich habe jetzt "Vincent" von Goebel fertig gelesen und muss sagen, dass mich das Buch sehr beeindruckt hat. Eine starke Geschichte und zudem noch gut geschrieben. Das Buch ist wirklich eine Empfehlung wert.