Melodie und Akkorde für Gesang bilden

von Lisa1996, 06.08.19.

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  1. Lisa1996

    Lisa1996 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.08.19   #1
    Hallo Leute!
    Ich bin neu hier und hätte mal zwei Fragen.
    Gebt ihr die Melodie mit dem Klavier zuerst vor oder singt ihr einfach drauf los wenn ihr Akkorde habt?
    Ich würde gerne einen Pop Song machen!

    Mit der Metrik tue ich mich auch noch sehr schwer.
    Wie kommt ihr da beim Texte schreiben am besten zurecht?

    Würde mich freuen wenn jemand mit Erfahrung ein paar wichtige Tipps hätte mit denen oft im Studio gearbeitet wird.
    Ich suche schon seit Monaten im Internet aber ich finde leider nichts.
    Vielen Dank schonmal im vorraus.

    Liebe Grüße

    Eure Lisa
     
  2. Piano1071

    Piano1071 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.08.19   #2
    Hier vielleicht zum Start:
    Die Enstehung von Songs ist sehr unterschiedlich. Mal ist zuerst die Harmoniefolge oder eine hamonische Abfolge da. Bei anderen ensteht das Ganz komplett im Kollektiv oder reifen über Jahre.
    Einfache Popsongs leben in der Regel vom Refrain, da würde ich an Deine Stelle ansetzten. Hamonisch eher konservativ, C F G Am Dm. Wenn Du dann eine eingängig Hookline, ev sogar mit Textfragment gefunden hast (das klingt viel einfacher, als es ist), versuche die zu variieren und such dann eine davon aus.
    Dann die Strophe, die so ähnlich erstellen, aber harmonisch einfacher und weniger melodiös. Dann noch ein Intro (da reichen 4-16 Takte instrumental auf den Strophenharmonien) vorpappen, fettich. Naja, in der Theorie jedenfalls. Wenns so einfach wär, wär jeder Musiker Millionär...

    -Sprichst Du von der musikalischen Metrik oder der textlichen?
    -Texten kann ich auch nicht, daher kein Input hier von mir. Manch einer schreibt einfach mal auf, was er so für mitteilenswert hält und biegt dann das Versmass so zurecht, dass es passt.
    -Geh erst ins Studio, wenn alles steht... Studio ist teuer..
     
  3. Vali

    Vali Vocalmotz Moderator HFU

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    Erstellt: 06.08.19   #3
    Ich verschiebe deinen Thread mal zu den Songwritern. Die haben Erfahrung :great: wenn du nur mit Sängern plaudern wolltest wie andere ihre Lieder schreiben, dann kannst du gerne nochmal in der Plauderecke schreiben :great:
     
  4. Filztier

    Filztier Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.08.19   #4
    Als erstes kommt das Thema. Also die Grundstimmung. Ohne die kannst du keinen dazugehörigen Text schreiben und auch keine Melodie, geschweige denn eine stimmige Akkordfolge.
    Danach kannst du beliebig ansetzen. Entweder du hast eine Akkordfolge über die du nun drüber summst (oder eine Melodie drüber spielst mit deinem Instrument) - diese Melodie vertextes du anschließend.
    Oder du hast einen Text zu deinem Thema geschrieben, den du ganz ohne Akkordfolge singst und dir diese dann anhand deiner Melodie erarbeitest.
    Wie rum ist egal und je nach Thema und Songwriter auch unterschiedlich.
    In jedem Fall wirst du während dem Prozess immer mal wieder an deinem Text , deiner Melodie oder dem Arrangement feilen müssen.
    Denke in Bausteinen (Refrain, Verse, Intro, Bridge, etc.) und forme erst diese seperat aus bevor du sie zusammensetzt.
    Ein Song muss auch nicht an einem Tag entstehen. Konzentriere dich lieber auf einen Punkt pro Tag und arbeite nur dran wenn du in Stimmung bist.

    1) Thema
    2)Text
    3) Musik (Melodie, Akkordfolge)
    4) Arrangement

    2) und 3) sind austauschbar.

    Ins Studio gehts erst wenn der Song fertig ist und sicher sitzt.
     
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  5. Claus

    Claus Brass/Keys Trompete Moderator HCA

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    Erstellt: 07.08.19   #5
    Wieviele bekannte Songs kannst Du denn auswendig spielen und halbwegs nachvollziehen (Form und Harmonien)?
    Wenn das nur eine handvoll sind (oder weniger), dann fehlt es dir einfach an praktischer Erfahrung.

    Der beste Tip zum Musik machen ist immer, das spielen zu können, was man mag. Spielen können bedeutet in diesem Zusammenhang "im Schlaf draufhaben", denn durch diese Verinnerlichung bildet sich musikalische Erfahrung, die dann in eigene Kompositionen einfließen wird. Diese Grundlage muss man sich ganz praktisch und meist recht geduldig erarbeiten.
    So haben jedenfalls alle mir bekannten Folk, Rock, Pop & Jazz-Musiker ihr Handwerk gelernt.

    Die Methode beim freien Schreiben ist vermutlich immer dieselbe:
    man hat einen Kerngedanken, formuliert ihn schriftlich, denkt darüber weiter nach, baut ihn ihn aus und feilt schließlich an einzelnen Formulierungen und der Form.
    Bei poetischen Inhalten kommen anders als bei sachbezogenen Texten natürlich vermehrt Sprachbilder und Verslehre zur Anwendung, ggf. werden solche Mittel aber auch bewusst unterlassen.

    Gut ist es bestimmt, mit einer einfachen musikalischen Form und schlicht formuliertem Inhalt anzufangen.
    Besonders die Popmusik von Anfang bis Mitte der 1960er Jahre (The Kingsmen - Louie Louie, The Beatles - Love Me Do usw.) liefert dafür unzählige gute Beispiele, aber man wird auch bei Ed Sheeran fündig.

    Gruß Claus
     
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  6. mjchael

    mjchael Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.08.19   #6
    10 % Inspiration 90% Transpiration

    Texte schreiben, da muss man sich mit Zeit, Person, Umgangssprache, und Umschreibungen beschäftigen.
    Man hat eine Idee und schreibt die einfach mal hin.
    Man bildet Sätze und Reime und setzt diese einfach mal hin.
    In der Umgangssprache kann man vieles einfacher ausdrücken.
    Sätze in der 1 und 2. Person Singular (ich Dur) sind meist kürzer
    Einfache Vergangenheit ist meist kürzer ("ich kam - ich sah - ich siegte" anstelle von "ich bin gekommen, ich habe gesehen, ich habe gesiegt")
    Umformulieren, ("ich kam, sah und siegte")
    Ähnliche Formulierungen und Umschreibungen finden
    Sich aus einem Pool an Formulierungen schon vorhandener Texte bedienen.

    https://www.openthesaurus.de/
    https://www.reimlexikon.net/
    https://www.lyrikecke.de/reimlexikon
    siegte
    _____________
    wiegte
    kriegte
    schmiegte
    bekriegte
    gewiegte
    abkriegte
    aufkriegte
    einkriegte
    herkriegte
    hinkriegte
    mitkriegte
    nachwiegte
    rumkriegte
    wegkriegte
    anschmiegte
    hochkriegte
    rauskriegte
    vollkriegte
    überkriegte
    spitzkriegte
    abgekriegte
    herumkriegte
    rumgekriegte
    unterkriegte
    angeschmiegte

    Nichtssagende oder redundante Füllwörter finden um das Metrum voll zubekommen.
    ich kam, sah und ach ich siegte....

    Mit Reimen spielen.
    Es muss nicht immer das AA BB-Schema sein.
    Auch A B A B oder AB BA kann funktionieren.

    Text überprüfen was Logik, Folgerichtigkeit und Merkbarkeit angeht.

    Und zuletzt der Rotstift.
    Alles, was nicht unbedingt nötig ist wieder streichen.

    Gedichte lesen, Liedtexte lernen kann helfen.

    Nur ein paar Tipps, die mehr oder weniger hilfreich sein können.
     
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  7. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 09.08.19   #7
    Sowohl als auch oder alles auf einmal. Irgendwas Kleines (Textzeile, Akkorde, Melodiefragment) steht immer am Anfang und dann beginnt die Arbeit. Die basiert dann teilweise auf Wissen - und wo man das nicht hat, durch Rumprobieren oder Klauen

    Ich kann das besser an Beispielen demonstrieren (man möge mir verzeihen, dass ich eigene olle Kamellen poste, die ich vor Jahren auch schon mal einzeln in den Hörproben vorgestellt habe. Aber ich finde so nachvollziehbarer, da jeder nach einer anderen Vorgehensweise entstanden ist, was man eventuell ja auch hören kann, wenn man es weiß):

    Bei diesem Song wollte ich ganz bewusst einen Song schreiben, der in der Form ähnlich ist wie "Let's Do it, let's fall in love" von Cole Porter, nachdem ich den schon mal gecovert hatte. Ich habe also die Akkorde geklaut und simplifiziert. Und auch die Textstruktur mit den ständigen Wiederholungen desselben Textmotivs ist ähnlich. Hier stand also ein anderer Song Pate.

    https://soundcloud.com/lrstd/du-mit-deinem

    Beim folgenden Song waren die ersten vier Textzeilen des Refrains als erstes da und der Rest wurde drum herum gebaut. Beim Refrain schwirrte mir von anfang an aus irgendeinem Grund "I hope that I don't fall in love with you" von Tom Waits im Kopf herum. Hier wren als Refraintext und "Melodieinfluss" zuerst und gleichzeitig da. Die Akkorde dazu zu finden recht simple, da es sich um Grundkadenzen mit Paralleltonarten handelt.

    https://soundcloud.com/lrstd/neu2

    Hier war es praktisch eine ungewollte Auftragsarbeit. Die albernen Worte "Doofie Schwienowie..." waren der Auslöser. Ich improvisierte sie eigentlich als Lautmalerei auf die Akkorde zum ersten Song oben (Du mit deinem) und hatte nie vor, damit irgendwas zu machen. Aber meine Freundin war dabei und sang diese Worte fortan mit einer anderen Melodie und drängte, einen Song draus zu machen. Hier war also eine ziemllich blöde Text-Improvisation der Anfang. Musikalisch war dieser Song (und "Der Kreis") für mich am Schwierigsten. Ich hatte ziemlich schnell Text und Melodie des Refrains im Kopf fertig, musste die Akkorde dazu aber durch Ausprobieren rausfrickeln. Das ging dann nicht wie von selbst, da es sich nicht um einfache Grundkadenzen handelt, sondern viel mit Dur/Moll-Wechseln ect. Hier endet mein harmonisches Basiswissen und ich musste mir die Harmonien erarbeiten.

    https://soundcloud.com/lrstd/du-bist-ein-doofer-mann-1

    Inspiration: Faulheit/Ideenlosigkeit. Ich brauchte noch etwas Programm und mir fiel nichts Gescheites ein. Also einfach auf das bewährte Bluesschema zurückgegriffen, irgendwas geht damit bestimmt. Das Riff und die erste Textzeile waren praktisch sofort da (typisches Bluesthema halt: man ist irgendwie "down & out"), das eigentliche Thema wurde darauf basierend erst entwickelt. Also hier nach dem Prinzip: Wenn dir nichts einfällt, spiel einfach ein bisschen Blues.

    https://soundcloud.com/lrstd/systemischer-berater-neu


    Als Regel würde ich das nicht bezeichnen. Dafür habe ich aus meiner eigenen Praxis lediglich ein einziges Beispiel. Es war Muttertag und ich wollte mir einen Jux mit meinen fb-Freundinnen erlauben, die Mütter sind. Da ich ansonsten keinen größeren Anspruch an den Song hatte, war er praktisch in einer halben Stunde fertig, indem ich einfach auf Basiswissen zurückgegriffen habe, ohne viel nachzudenken. Aber hier stand das Thema selbst am Anfang.

    https://soundcloud.com/lrstd/mutter
     
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  8. mjmueller

    mjmueller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.08.19   #8
    Hallo :hat:
    Nur zu sagen "ein Text wird gemacht und dann der Rest", finde ich falsch. Es ist doch eher eine Frage, aus welcher Ecke die Inspiration kam. Das kann eine Akordfolge sein, eine Melodie, ein Text, eine Stimmung, ein Bild, ...
    Dann wird drauflosprobiert und weitere Ideen aufgesammelt.
    Dann muss sich der Kopf wieder einschalten und Fragen klären wie: Tonart, Tempo, Rhythmik, Arrangement, Instrumentierung usw. (es wird also strukturierter).
    Dann kommt der für mich langweiligste Teil: muskalisches Abarbeiten. Also Umsetzung der Komposition (einschl. Text). Da steht dann vielleicht ein total blöder Song - also alles für die Tonne.
    Oder der Song ist klasse und die Feinarbeit beginnt. Dh alles noch mal von vorne unter dem Aspekt "Gesamtwerk": Passen Textrhythmik und Musikrhythmik zusammen? Wird die Stimmung im Text oder der Musik vermittelt? Wo sind emotionale Höhepunkte? Wo sind emotionale Tiefpunkte? Welches Instrument/welche Melodie übernimmt in welchem Teil die Führung? Wie kann ich die ZuhörerInnen an die Hand nehmen? Wollte ich mit dem Song dahin, wo ich jetzt bin?
    Und dann kommt der anstrengende Teil, nämlich der gesamte Recordingprozess einschl. Mix. Dann das Mastering. Und schon ist der Popsong fertig :)
     
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  9. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 09.08.19   #9
    So sehe ich das auch.

    Das würde ich dann eher im Bereich Arrangement und Produktion sehen. Ich gehöre ja zur alten Schule, wo das Songwriting i.d.R. mit einem Instrument und einer Meldodie stattfindet. Funktioniert ein Song bereist in dieser schlichter Form, dann ist er grundsätzlich fertig. Was dann daraus gemacht wird, steht auf einem anderen Blatt.
     
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  10. mjmueller

    mjmueller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.08.19   #10
    Das geht mir auch oft so. Wenn ein Song schon nur mit Gitarre und Stimme funktioniert, dann sollte man/frau dranbleiben - die Chance ist groß, dass da gerade ein Hit entsteht.

    Im Popgenre werden/wurden Songs aber auch einfach gemacht i.S.v. "zielgruppenspezifischer Produktentwicklung". Und das geht halt heute auch mit einem einfachen Rechner und entsprechender Software.
    Das fand ich früher irgendwie moralisch fragwürdig. Mittlerweile habe ich Respekt vor Leuten, die in Sachen "Produktentwicklung Popspong" punktgenau abliefern können.
    Ich versuche mich selbst immer mal wieder daran. ZB ein Song für einen Liebesschnulzen-Film. Kann ich nur jedem raten mal zu probieren. Man/Frau könnte meinen, das sei einfach, isses aber nicht.
    Hier mal ein Versuch von mir. Da stand das Piano und die Flöten als erstes, also Tempo, Tonart, Stimmung und Melodie.
    https://soundcloud.com/mjmueler/wonderful
    Dann erst habe ich einen schmalzigen Text dazu gemacht, der vor allem rhythmisch passen musste (und natürlich auch vom Thema):
    https://soundcloud.com/mjmueler/test-gmk-a
    Tja, hat nicht wirklich funktioniert :rolleyes: - also ab damit in die Tonne.

    Edit:
    Hier war der Ausgangspunkt eine Akordfolge auf der Gitarre bzw. "Hookline" und die Vorstellung eines thematischen Bezugs. Das hat für mich schon nur mit Gitte funktioniert, aber mit Bandinstrumentierung ists einfach besser (und den Devil, die Talkboxgitarre, passt besser in so einen Kontext).
    https://soundcloud.com/mjmueler/devil-n-gun
     
  11. Katz23

    Katz23 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.10.19   #11
    Seit paar Wochen arbeite ich an zwei Liedern mit einem befreundeten Musiker und war in der Situation, dass ich zu seiner Musik eine Gesangslinie finden musste/sollte/wollte. (Text war vorher schon vorhanden, danach hat er die Musik arrangiert und ich hatte einen fertigen Track zum drübersingen)
    Ich mach das dann irgendwie nach Gefühl, aber leider geht meine Stimme meist den Weg des geringsten Widerstandes und folgt den Akkorden. Deshalb habe ich mir Hilfe von einem anderen Musiker geholt, um eine interessantere Melodie zu bekommen.

    Gern würde ich es auch allein schaffen, aber meine Erfolgsquote liegt in den letzten Jahren bei gefühlten 10% - also von 10 Melodien (und Akkordfolgen), die ich mir ausdenke ist mal 1 brauchbare dabei. Weil ich meine Texte gern singen will, versuche ich es immer wieder, bin aber meist enttäuscht und geb's dann einem Musiker :nix:

    Im aktuellen Fall ist schon mal gute Musik vorhanden und ich kann mich mehr auf die Melodie konzentrieren (inzwischen steht die auch und ist ganz okay).
    Ich frage mich trotzdem, ob man das effektiver gestalten kann?

    Den Tipp von @antipasti - einfach vorhandene Akkordfolgen zu adaptieren finde ich schon mal gut für's komplette Komponieren, aber für Gesangslinien wird es dann doch zu auffällig.

    Meine konkrete Frage: wie bekomme ich interessante Gesangsmelodien (ohne Notenkenntnisse) hin?
     
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  12. Piano1071

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    Erstellt: 26.10.19   #12
    Klug klauen

    Scherz beiseite. Sende doch mal einen Auschnitt aus der Hamoniefolge, damit wir wissen, über was wir hier sprechen.
     
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  13. mjchael

    mjchael Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.10.19   #13
    Eine Möglichkeit wäre es, Improvisieren zu lernen.

    Fange mit Durtonleitern an, denn die wirst du vermutlich am ehesten für Lieder verwenden.

    Improvisiere über Standard-Akkordfolgen. Du hast dadurch eine gewisse Struktur.

    Beschäftige dich mit verschiedenen Rhythmen.

    D A Bm G




    Imitiere den Gesang. Muss nicht perfekt sein, aber nur so bekommt man ein Gefühl für die Möglichkeiten.

    Schau dir mal meine Sammlung von Standard-Akkordfolgen an. Picke dir immer mal eine raus, und höre dich da durch.

    Wikibooks: Akkordprogressionen

    Mir geht es meist so, das ich nach einer Weile freie Melodien zu den Klischees finde. Ist nicht der einzige und vielleicht auch nicht der beste Weg, aber ein gangbarer.

    Ganz ohne Arbeit/ Lernen/ Üben geht es meist nicht. Wem die Melodien einfach so zufliegen, hat vermutlich einfach schon unheimlich viel gehört.

    Es gibt zwar ein Talent, also Leute, denen es leichter fällt, aber der Großteil erarbeitet sich seine Fähigkeiten.
     
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  14. Katz23

    Katz23 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.10.19   #14
    Wie gesagt, mit Hilfe (von meinem Mann) habe ich Melodien zu den aktuellen Stücken gefunden. Es wurmt mich aber, dass er das aus dem Ärmel schüttelt, während ich über Versuch und Irrtum mich mühsam an die Sache herantaste. Wenn ich dann mal was brauchbares gefunden habe, weiß ich allerdings nicht wie ich das gemacht habe - und kann die Methode demzufolge auch nicht beim nächsten Mal anwenden.

    Ich kann jetzt maximal das fertige Lied schicken. Das ist meines Erachtens ganz okay. Den Großteil der Melodie hab ich erarbeitet. An gewissen Stellen gab's Korrekturen von außen, weil sich der Gesang zu sehr an die Akkorde bzw. die Solo-Gitarre gehängt hat. (Text ist ausnahmsweise nicht von mir, ich habe ihn aber stark überarbeitet, dass er singbar ist)


    Aber vielleicht schaue ich zu sehr drauf, wie's bei anderen besser geht und bräuchte einfach mal einen Hinweis an was ich genau arbeiten müsste, um weiterzukommen. Denn ich hab das Gefühl, dass ich oft kurz davor bin, dass es Klick macht und ich es verstehe, aber beim nächsten Mal fange ich wieder bei (fast) Null an.
    Ja.
    Beim Bassspiel habe ich bestimmte Muster/Patterns auf die ich improvisieren kann - gibt es sowas auch für Gesang?

    Die 4Chord-Geschichten kenne ich :-)

    Chordprogressions habe ich mir im Sommer angeschaut und rumgebastelt, aber leider löst sich der Gesang zu wenig von der Begleitung.
     
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  15. Piano1071

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    Erstellt: 26.10.19   #15
    Ihr Investiert viel Herzblut, das merkt man sofort.
    Ich hätte spontan folgende Vorschläge (bitte nicht falsch verstehen, das ist nicht als Kritik gemeint)

    1. macht das Lied halb so lang
    2. Strophe und Refrain noch mehr voneinander abgrenzen.
    3. bei einigen mehrsilbigen Wörten stolpert der Flow
    4. Die Melodiefragmente sind eigentlich ohne Zusammenhang. Versuche die Melodie über mehrere Takte zu führen und nicht nur für einen Takt. So hat es irgendwie ÜRaum-Jam-Charakter
    5. vielleicht ist ja auch ein Stilmittel, aber ich würde mir viel mehr Dynamik wünschen. Das Lied plätscherte so Spannungsbogen dahin.
    6. Die Rythmik des Gesangs ist praktisch immer gleich. Genauso Deine Stimmfärbung. Vielleicht mit anderen Betonungen arbeiten

    Wie Du bereits schreibst: löst sich der Gesang nicht.
    Nochmal das ist nur meine bescheidene Meinung, ich kann’s auch nicht besser. Hör Dir doch mal Katie Melua an. Über ihre Musik kann bestimmt geteilter Meinung sein, aber Melodie und Melodiebogen kann sie.

    Vielen Dank fürs einstellen
     
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  16. McCoy

    McCoy HCA Jazz & Piano Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 27.10.19   #16
    • Nicht so viele Silben auf dem selben Ton singen.
    • Die Range Deiner Stimme besser ausreizen: Du kannst höher und tiefer singen.
    • Setze z.B. den Refrain in eine andere Range als die Strophe.
    • Auch mal Ausschnitte aus Tonleitern einbauen.
    • Lange und kurze Töne besser abwechseln.
    • Man kann auch mal eine Silbe über mehrere Töne ziehen.
    • Ab und zu einen größeren Intervallsprung einbauen. Sexte kommt immer gut.
    • Überhaupt ist es gut, sich etwas über die Qualitäten der Intervallsprünge klar zu machen: Quarte aufwärts hat oft etwas kräftiges, Sexte oft etwas melodisch/romatisch/melancholisches, ein Oktavsprung aufwärts hebt alles auf eine andere Ebene usw.
    • Welchen klanglichen/emotionalen Unterschied macht es, ob ich den Grundton, die Terz oder die Quinte eines Akkordes singen.
    • Man kann auch mal die None, die Sexte oder die große oder kleine Septim eines Akkordes singen.
    • Vorhalte einbauen: Ein Nicht-Akkordton löst sich nach unten in einen Akkordton auf.
    • Motive bilden und auf verschiedenen Tonstufen wiederholen (Umkehrung, Krebs, Krebsumkehrung)
    upload_2019-10-27_0-42-42.png

    :D

    Reicht erstmal ...

    Viele Grüße,
    McCoy
     
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  17. mjchael

    mjchael Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.10.19   #17
    Ein Bass ist eher weniger geeignet, als ein richtiges Melodie-Instrument. Gitarre Piano Flöte Bluesharp / Mundharmonika. Es geht da zum Teil auch um das Haptische begreifen. Da sind die Instrumente durch ihre Begrenzung auf die wenigen Noten einer Tonleiter einfacher als die Stimme, die den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.

    Ohne Instrument könnte möglicherweise ein Gesangslehrer bessere Tipps geben.
     
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  18. Katz23

    Katz23 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.10.19   #18
    Vielen Dank für eure Tipps, da kann ich mir viel draus nehmen. Mit Tonleitern singen und Intervallsprüngen hatte ich noch nicht viel am Hut - aber es klingt für mich nach einem machbaren Plan, wenn ich mir das in der nächsten Zeit anschaue. Eins nach dem anderen...

    Vielleicht kann ich die Melodie von dem anderen Lied nochmal auf eure Vorschläge hin überprüfen (darf es aber nicht vor der Veröffentlichung posten, weil die Musik nicht von mir ist).

    :D Haha, ja das kommt mir bekannt vor.
    Zum eigenen Komponieren mit Akkorden nehme ich meist die Ukulele (nur einmal hab ich was mit Bass entworfen).

    Habt nochmal Dank, für eure Hilfe.
    Btw: macht ihr auch eigene Lieder?
     
  19. Jongleur

    Jongleur Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.10.19   #19
    @ Hallo Katze,

    Merkt man dem harmonischen Gesang (beginnend ab 1:33) dieses Welterfolges an, dass er entscheidend auf "falschen" Tönen (Vorhalten) aufgebaut ist? Nein? ;-) Kannst du auf Anhieb die Tonika bestimmen? ;-)
    Das ganze Verwirrspiel passt optimal zu der Aussage der Lyrics: "Das Beste, was ich sagen kann, ist nichts zu all dem zu sagen"


    Ich empfehle dir, mal auszuprobieren, ob es überhaupt falsche Töne auf einem Akkord geben kann. Hier ein Vorschlag, das spielerisch heraus zu finden:

    Fang mal mit tonleitereigenen Tönen an. Also in C-Dur: C D E F G A B C . Und nun singe gaaaaanz langsam "Alle meine Entchen" und spiele

    - nur
    den C-Dur- Akkord. Bei "schwimmen auf dem" reibt sich die Melodie besonders stark an der Harmonie. Na und! :D Es ist andererseits nur eine weiche Sexte. Das Gleiche bei "Köpfchen in das" - hier reibt nur die beliebte Quarte.
    .
    - Nun kommt (nur) D-Moll dran. Da reiben sich u.a. plötzlich die "Entchen" - und repräsentieren dennoch nur ein geläufiges Dm/sus4. Dafür passen plötzlich "schwimmen auf dem" und "Köpfchen in das" harmonischer....

    - wiederhole die selbe Prozedur mit den Akkorden e, F, G und a. Bei jedem Ton nachschmecken: harmonisch wirkend oder reibend - das ist hier die Frage!

    Nach etwa einer Stunde könntest du nach jedem einzelnen Takt den Akkord wechseln - und DAS klänge sicher interessanter in deinen Ohren, als du vermutlich vorher angenommen hättest..,

    Fazit: Es gibt keine falschen Töne, nur harmonische kontra spannungsreichere. Nur verschiedene Tonscalen. Oder noch ermutigender: Es gibt noch eine Menge toller Phrasen, die der geneigte Zuhörer von dir nicht erwarten würde! :D

    Wenn du das regelmäßig machst, sinkt deine Angst vor nicht harmonischen Tönen und du beginnst lustvoll mit Spannung und Entspannung zu spielen. Wetten?
     
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  20. Claus

    Claus Brass/Keys Trompete Moderator HCA

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    Erstellt: 27.10.19   #20
    In deinem Video finde ich die Melodie voll ok. Ich würde gerne einmal eine "Baustelle" hören, um deine Ansicht besser verstehen zu können.
    Abstrakt lässt sich das nicht diskutieren, weil Du keine guten Kenntnisse der Harmonielehre hast und deine Aussagen auch auf einen Irrtum hinweisen: starke Melodien und auch Melodiefragmente bilden sehr wohl die unterlegte Harmonie ab.

    Ein prägnantes Beispiel ist der Anfang des berühmtesten Popsongs überhaupt, McCartneys Yesterday. Das Lied schildert den Verlust einer Liebe und folgerichtig beginnt die Strophe mit dem seit Jahrhunderten passend verwendeten Seufzermotiv, dem Sekundschritt abwärts - aber wohin?
    Zum Grundton, enger kann man gar nicht an die Harmonie gebunden singen. :eek:

    upload_2019-10-27_11-5-5.png

    Üben kannst Du natürlich, Akkordtöne gezielt anzusingen, diese auch einmal kontrolliert (Metronom verwenden) eine Achtelnotenwert vor oder hinter der Zählzeit zu bringen und die seit dem Barock und bis heute verwendeten Verzierungen zu verwenden.
    In der Popmusik nennt man die Akkordtonumspielungen Neighbor Tones und Approach Notes, dazu gibt es unzählige YT-Videos.
    Bei den Annäherungstönen (Approach Notes) gibt es einen, zwei oder mehr, die aus einer Richtung (oben oder unten) oder abwechselnd auf den Akkordton zusteuern können.
    Der wichtige Akkordton wird dadurch vorbereitet und die Melodie klingt je nach Art der Anwendung logischer oder raffinierter.
    Es ist trotzdem reines Handwerk und eher ein Basic der Improvisation bzw. Melodiebildung, genau wie die Verwendung von Akkordskalen und der richtigen Akkorderweiterungen.
    Diatonische Akkorderweiterungen werden in diversen YT-Videos oft als "Upper Structure Triads" erläutert.
    Schließlich gibt es u.a. noch die "Triad Pairs", aber das könnte im Augenblick zu weit fortgeschritten bzw. "jazzig" sein.
    Ein Einstieg ohne Lehrbücher:
    youtube.com/watch?v=IzWEyHTu_Zc
    youtube.com/watch?v=lVzhBqiGoY0

    Gruß Claus
     
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