Melodie und Gesang

von Lisa1996, 06.08.19.

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  1. Lisa1996

    Lisa1996 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.08.19   #1
    Hallo Leute!
    Ich bin neu hier und hätte mal zwei Fragen.
    Gebt ihr die Melodie mit dem Klavier zuerst vor oder singt ihr einfach drauf los wenn ihr Akkorde habt?
    Ich würde gerne einen Pop Song machen!

    Mit der Metrik tue ich mich auch noch sehr schwer.
    Wie kommt ihr da beim Texte schreiben am besten zurecht?

    Würde mich freuen wenn jemand mit Erfahrung ein paar wichtige Tipps hätte mit denen oft im Studio gearbeitet wird.
    Ich suche schon seit Monaten im Internet aber ich finde leider nichts.
    Vielen Dank schonmal im vorraus.

    Liebe Grüße

    Eure Lisa
     
  2. Piano1071

    Piano1071 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.08.19   #2
    Hier vielleicht zum Start:
    Die Enstehung von Songs ist sehr unterschiedlich. Mal ist zuerst die Harmoniefolge oder eine hamonische Abfolge da. Bei anderen ensteht das Ganz komplett im Kollektiv oder reifen über Jahre.
    Einfache Popsongs leben in der Regel vom Refrain, da würde ich an Deine Stelle ansetzten. Hamonisch eher konservativ, C F G Am Dm. Wenn Du dann eine eingängig Hookline, ev sogar mit Textfragment gefunden hast (das klingt viel einfacher, als es ist), versuche die zu variieren und such dann eine davon aus.
    Dann die Strophe, die so ähnlich erstellen, aber harmonisch einfacher und weniger melodiös. Dann noch ein Intro (da reichen 4-16 Takte instrumental auf den Strophenharmonien) vorpappen, fettich. Naja, in der Theorie jedenfalls. Wenns so einfach wär, wär jeder Musiker Millionär...

    -Sprichst Du von der musikalischen Metrik oder der textlichen?
    -Texten kann ich auch nicht, daher kein Input hier von mir. Manch einer schreibt einfach mal auf, was er so für mitteilenswert hält und biegt dann das Versmass so zurecht, dass es passt.
    -Geh erst ins Studio, wenn alles steht... Studio ist teuer..
     
  3. Vali

    Vali Vocalmotz Moderator HFU

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    Erstellt: 06.08.19   #3
    Ich verschiebe deinen Thread mal zu den Songwritern. Die haben Erfahrung :great: wenn du nur mit Sängern plaudern wolltest wie andere ihre Lieder schreiben, dann kannst du gerne nochmal in der Plauderecke schreiben :great:
     
  4. Filztier

    Filztier Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.08.19   #4
    Als erstes kommt das Thema. Also die Grundstimmung. Ohne die kannst du keinen dazugehörigen Text schreiben und auch keine Melodie, geschweige denn eine stimmige Akkordfolge.
    Danach kannst du beliebig ansetzen. Entweder du hast eine Akkordfolge über die du nun drüber summst (oder eine Melodie drüber spielst mit deinem Instrument) - diese Melodie vertextes du anschließend.
    Oder du hast einen Text zu deinem Thema geschrieben, den du ganz ohne Akkordfolge singst und dir diese dann anhand deiner Melodie erarbeitest.
    Wie rum ist egal und je nach Thema und Songwriter auch unterschiedlich.
    In jedem Fall wirst du während dem Prozess immer mal wieder an deinem Text , deiner Melodie oder dem Arrangement feilen müssen.
    Denke in Bausteinen (Refrain, Verse, Intro, Bridge, etc.) und forme erst diese seperat aus bevor du sie zusammensetzt.
    Ein Song muss auch nicht an einem Tag entstehen. Konzentriere dich lieber auf einen Punkt pro Tag und arbeite nur dran wenn du in Stimmung bist.

    1) Thema
    2)Text
    3) Musik (Melodie, Akkordfolge)
    4) Arrangement

    2) und 3) sind austauschbar.

    Ins Studio gehts erst wenn der Song fertig ist und sicher sitzt.
     
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  5. Claus

    Claus Brass/Keys Trompete Moderator HCA

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    Erstellt: 07.08.19   #5
    Wieviele bekannte Songs kannst Du denn auswendig spielen und halbwegs nachvollziehen (Form und Harmonien)?
    Wenn das nur eine handvoll sind (oder weniger), dann fehlt es dir einfach an praktischer Erfahrung.

    Der beste Tip zum Musik machen ist immer, das spielen zu können, was man mag. Spielen können bedeutet in diesem Zusammenhang "im Schlaf draufhaben", denn durch diese Verinnerlichung bildet sich musikalische Erfahrung, die dann in eigene Kompositionen einfließen wird. Diese Grundlage muss man sich ganz praktisch und meist recht geduldig erarbeiten.
    So haben jedenfalls alle mir bekannten Folk, Rock, Pop & Jazz-Musiker ihr Handwerk gelernt.

    Die Methode beim freien Schreiben ist vermutlich immer dieselbe:
    man hat einen Kerngedanken, formuliert ihn schriftlich, denkt darüber weiter nach, baut ihn ihn aus und feilt schließlich an einzelnen Formulierungen und der Form.
    Bei poetischen Inhalten kommen anders als bei sachbezogenen Texten natürlich vermehrt Sprachbilder und Verslehre zur Anwendung, ggf. werden solche Mittel aber auch bewusst unterlassen.

    Gut ist es bestimmt, mit einer einfachen musikalischen Form und schlicht formuliertem Inhalt anzufangen.
    Besonders die Popmusik von Anfang bis Mitte der 1960er Jahre (The Kingsmen - Louie Louie, The Beatles - Love Me Do usw.) liefert dafür unzählige gute Beispiele, aber man wird auch bei Ed Sheeran fündig.

    Gruß Claus
     
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  6. mjchael

    mjchael Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.08.19   #6
    10 % Inspiration 90% Transpiration

    Texte schreiben, da muss man sich mit Zeit, Person, Umgangssprache, und Umschreibungen beschäftigen.
    Man hat eine Idee und schreibt die einfach mal hin.
    Man bildet Sätze und Reime und setzt diese einfach mal hin.
    In der Umgangssprache kann man vieles einfacher ausdrücken.
    Sätze in der 1 und 2. Person Singular (ich Dur) sind meist kürzer
    Einfache Vergangenheit ist meist kürzer ("ich kam - ich sah - ich siegte" anstelle von "ich bin gekommen, ich habe gesehen, ich habe gesiegt")
    Umformulieren, ("ich kam, sah und siegte")
    Ähnliche Formulierungen und Umschreibungen finden
    Sich aus einem Pool an Formulierungen schon vorhandener Texte bedienen.

    https://www.openthesaurus.de/
    https://www.reimlexikon.net/
    https://www.lyrikecke.de/reimlexikon
    siegte
    _____________
    wiegte
    kriegte
    schmiegte
    bekriegte
    gewiegte
    abkriegte
    aufkriegte
    einkriegte
    herkriegte
    hinkriegte
    mitkriegte
    nachwiegte
    rumkriegte
    wegkriegte
    anschmiegte
    hochkriegte
    rauskriegte
    vollkriegte
    überkriegte
    spitzkriegte
    abgekriegte
    herumkriegte
    rumgekriegte
    unterkriegte
    angeschmiegte

    Nichtssagende oder redundante Füllwörter finden um das Metrum voll zubekommen.
    ich kam, sah und ach ich siegte....

    Mit Reimen spielen.
    Es muss nicht immer das AA BB-Schema sein.
    Auch A B A B oder AB BA kann funktionieren.

    Text überprüfen was Logik, Folgerichtigkeit und Merkbarkeit angeht.

    Und zuletzt der Rotstift.
    Alles, was nicht unbedingt nötig ist wieder streichen.

    Gedichte lesen, Liedtexte lernen kann helfen.

    Nur ein paar Tipps, die mehr oder weniger hilfreich sein können.
     
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  7. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 09.08.19   #7
    Sowohl als auch oder alles auf einmal. Irgendwas Kleines (Textzeile, Akkorde, Melodiefragment) steht immer am Anfang und dann beginnt die Arbeit. Die basiert dann teilweise auf Wissen - und wo man das nicht hat, durch Rumprobieren oder Klauen

    Ich kann das besser an Beispielen demonstrieren (man möge mir verzeihen, dass ich eigene olle Kamellen poste, die ich vor Jahren auch schon mal einzeln in den Hörproben vorgestellt habe. Aber ich finde so nachvollziehbarer, da jeder nach einer anderen Vorgehensweise entstanden ist, was man eventuell ja auch hören kann, wenn man es weiß):

    Bei diesem Song wollte ich ganz bewusst einen Song schreiben, der in der Form ähnlich ist wie "Let's Do it, let's fall in love" von Cole Porter, nachdem ich den schon mal gecovert hatte. Ich habe also die Akkorde geklaut und simplifiziert. Und auch die Textstruktur mit den ständigen Wiederholungen desselben Textmotivs ist ähnlich. Hier stand also ein anderer Song Pate.

    https://soundcloud.com/lrstd/du-mit-deinem

    Beim folgenden Song waren die ersten vier Textzeilen des Refrains als erstes da und der Rest wurde drum herum gebaut. Beim Refrain schwirrte mir von anfang an aus irgendeinem Grund "I hope that I don't fall in love with you" von Tom Waits im Kopf herum. Hier wren als Refraintext und "Melodieinfluss" zuerst und gleichzeitig da. Die Akkorde dazu zu finden recht simple, da es sich um Grundkadenzen mit Paralleltonarten handelt.

    https://soundcloud.com/lrstd/neu2

    Hier war es praktisch eine ungewollte Auftragsarbeit. Die albernen Worte "Doofie Schwienowie..." waren der Auslöser. Ich improvisierte sie eigentlich als Lautmalerei auf die Akkorde zum ersten Song oben (Du mit deinem) und hatte nie vor, damit irgendwas zu machen. Aber meine Freundin war dabei und sang diese Worte fortan mit einer anderen Melodie und drängte, einen Song draus zu machen. Hier war also eine ziemllich blöde Text-Improvisation der Anfang. Musikalisch war dieser Song (und "Der Kreis") für mich am Schwierigsten. Ich hatte ziemlich schnell Text und Melodie des Refrains im Kopf fertig, musste die Akkorde dazu aber durch Ausprobieren rausfrickeln. Das ging dann nicht wie von selbst, da es sich nicht um einfache Grundkadenzen handelt, sondern viel mit Dur/Moll-Wechseln ect. Hier endet mein harmonisches Basiswissen und ich musste mir die Harmonien erarbeiten.

    https://soundcloud.com/lrstd/du-bist-ein-doofer-mann-1

    Inspiration: Faulheit/Ideenlosigkeit. Ich brauchte noch etwas Programm und mir fiel nichts Gescheites ein. Also einfach auf das bewährte Bluesschema zurückgegriffen, irgendwas geht damit bestimmt. Das Riff und die erste Textzeile waren praktisch sofort da (typisches Bluesthema halt: man ist irgendwie "down & out"), das eigentliche Thema wurde darauf basierend erst entwickelt. Also hier nach dem Prinzip: Wenn dir nichts einfällt, spiel einfach ein bisschen Blues.

    https://soundcloud.com/lrstd/systemischer-berater-neu


    Als Regel würde ich das nicht bezeichnen. Dafür habe ich aus meiner eigenen Praxis lediglich ein einziges Beispiel. Es war Muttertag und ich wollte mir einen Jux mit meinen fb-Freundinnen erlauben, die Mütter sind. Da ich ansonsten keinen größeren Anspruch an den Song hatte, war er praktisch in einer halben Stunde fertig, indem ich einfach auf Basiswissen zurückgegriffen habe, ohne viel nachzudenken. Aber hier stand das Thema selbst am Anfang.

    https://soundcloud.com/lrstd/mutter
     
  8. mjmueller

    mjmueller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.08.19   #8
    Hallo :hat:
    Nur zu sagen "ein Text wird gemacht und dann der Rest", finde ich falsch. Es ist doch eher eine Frage, aus welcher Ecke die Inspiration kam. Das kann eine Akordfolge sein, eine Melodie, ein Text, eine Stimmung, ein Bild, ...
    Dann wird drauflosprobiert und weitere Ideen aufgesammelt.
    Dann muss sich der Kopf wieder einschalten und Fragen klären wie: Tonart, Tempo, Rhythmik, Arrangement, Instrumentierung usw. (es wird also strukturierter).
    Dann kommt der für mich langweiligste Teil: muskalisches Abarbeiten. Also Umsetzung der Komposition (einschl. Text). Da steht dann vielleicht ein total blöder Song - also alles für die Tonne.
    Oder der Song ist klasse und die Feinarbeit beginnt. Dh alles noch mal von vorne unter dem Aspekt "Gesamtwerk": Passen Textrhythmik und Musikrhythmik zusammen? Wird die Stimmung im Text oder der Musik vermittelt? Wo sind emotionale Höhepunkte? Wo sind emotionale Tiefpunkte? Welches Instrument/welche Melodie übernimmt in welchem Teil die Führung? Wie kann ich die ZuhörerInnen an die Hand nehmen? Wollte ich mit dem Song dahin, wo ich jetzt bin?
    Und dann kommt der anstrengende Teil, nämlich der gesamte Recordingprozess einschl. Mix. Dann das Mastering. Und schon ist der Popsong fertig :)
     
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  9. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 09.08.19   #9
    So sehe ich das auch.

    Das würde ich dann eher im Bereich Arrangement und Produktion sehen. Ich gehöre ja zur alten Schule, wo das Songwriting i.d.R. mit einem Instrument und einer Meldodie stattfindet. Funktioniert ein Song bereist in dieser schlichter Form, dann ist er grundsätzlich fertig. Was dann daraus gemacht wird, steht auf einem anderen Blatt.
     
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  10. mjmueller

    mjmueller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.08.19   #10
    Das geht mir auch oft so. Wenn ein Song schon nur mit Gitarre und Stimme funktioniert, dann sollte man/frau dranbleiben - die Chance ist groß, dass da gerade ein Hit entsteht.

    Im Popgenre werden/wurden Songs aber auch einfach gemacht i.S.v. "zielgruppenspezifischer Produktentwicklung". Und das geht halt heute auch mit einem einfachen Rechner und entsprechender Software.
    Das fand ich früher irgendwie moralisch fragwürdig. Mittlerweile habe ich Respekt vor Leuten, die in Sachen "Produktentwicklung Popspong" punktgenau abliefern können.
    Ich versuche mich selbst immer mal wieder daran. ZB ein Song für einen Liebesschnulzen-Film. Kann ich nur jedem raten mal zu probieren. Man/Frau könnte meinen, das sei einfach, isses aber nicht.
    Hier mal ein Versuch von mir. Da stand das Piano und die Flöten als erstes, also Tempo, Tonart, Stimmung und Melodie.
    https://soundcloud.com/mjmueler/wonderful
    Dann erst habe ich einen schmalzigen Text dazu gemacht, der vor allem rhythmisch passen musste (und natürlich auch vom Thema):
    https://soundcloud.com/mjmueler/test-gmk-a
    Tja, hat nicht wirklich funktioniert :rolleyes: - also ab damit in die Tonne.

    Edit:
    Hier war der Ausgangspunkt eine Akordfolge auf der Gitarre bzw. "Hookline" und die Vorstellung eines thematischen Bezugs. Das hat für mich schon nur mit Gitte funktioniert, aber mit Bandinstrumentierung ists einfach besser (und den Devil, die Talkboxgitarre, passt besser in so einen Kontext).
    https://soundcloud.com/mjmueler/devil-n-gun
     
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