Menderes - peinlich oder zu unrecht unterschätzt?

Das ist interessant, hätte nicht gedacht, dass es bis zu ner Terz verzeiht. Es kommt aber nicht nur auf die Tonhöhe an. Ich habe ja mal mit dem Studio sehr schlechte Erfahrung gemacht, wo auf meiner Stimme sehr hart Melodyne und Autotune eingesetzt wurde. Ich schätze mich schon als eher intonationssicher ein, aber weil alles glatt gebügelt wurde (jegliches Vibrato, jegliches absichtliches rein- und rausschleifen, jeder absichtlich eingestreute Kiekser und sogar einzelne Verziehrungen), klang das dann ähnlich roboterartig wie bei dieser Single. Da hätte man das auch gleich mit ner Talkbox einspielen können.

Aber eine die ich noch schlimmer finde ist Ke$ha. Da wirkt ja Menderes wie ein Gesangsgott daneben:

Aber da ist da gehört das trashige wohl zum Konzept.
 
Ich denke Foxx hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich kann mir auch nicht wirklich vorstellen, dass er sich wirklich selber so vermarkten könnte. Was den Song angeht: Ich bin zwar generell kein Mainstream-Feind, aber dieses Genre, ich weiß gar nicht wie es heißt, wahrscheinlich irgendwas mit Dance, wo man das Autotune und die Effekte auf der Stimme stärker hört als den eigentlichen Gesang, finde ich absolut grauenvoll. Da ist dieser Song keine Ausnahme (Kesha auch nicht).
 
Hallo,


...und wie langweilig. Derartige Korrekturtools können natürlich im Musikbiz, wo Zeit Geld ist und es oft ja nun wirklich nicht mehr auf eine gute Gesangsstimme ankommt, Gold wert sein (aus ökonomischer Sicht). Da bin ich froh, daß ich mir als Hobbyrecordler im Kellerstudio stets genug Zeit nehmen kann, um einen guten Gesangstake aufzunehmen ;)

@Vali : Die Parameter beim Melodyne lassen sich einstellen, so daß auch ein Vibrato und auch ein Anschleifen noch möglich sind - da muß der Mensch am Pult allerdings wissen, was er tut. Im Zweifelsfall muß jede einzelne Note (der "blob" im Melodyne) einzeln behandelt werden, das wiederum kostet Zeit. Wenn natürlich die Voreinstellung der Autokorrektur auf 100 % steht, wird's sofort fade...
In dem Video, was Du verlinkt hast, sind einige extreme Eingriffe via Melodyne zu hören, z. B. das "Abziehen" von Tönen, außerdem haben die wohl an den Formanten rumgespielt, da die Stimme extrem nach Plastik klingt. Aber Du hast recht, da geht es ums Konzept "Trash".

@lil : Manchmal kommt's noch schlimmer:



Ach so - aus eigener Erfahrung: Aufnahme eines Hip-Hoppers mit einem Mic, das zu seiner Stimme paßte: Miserable Performance, auch nach zahlreichen Wiederholungen und Tips meinerseits keine Besserung. Daraufhin entnervrt das "passende" Mic durch ein ganz massiv gebautes mit goldfarbenem Frontgitter ersetzt: Der war nicht wiederzuerkennen. Goldkettchen-Faktor... :(

Viele Grüße
Klaus
 
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Menderes sagt ja selbst über sich, dass er kein guter Sänger ist... aber dass es ihm einfach Spass macht (den Entertainer zu geben)
natürlich gehen die Kandidaten mit einem gewissen Kalkül in eine Sendung wie Dschungelcamp
mit einer gekonnten Präsentation kann man da einiges reissen - Larissa Marolt hat das mustergültig vorgemacht

das Ziel aus der trash Kasper-Rolle rauszukommen nehme ich Menderes durchaus ab
einerseits könnte man sagen, dass er es gegen die geballte Prolligkeit ziehmlich leicht hatte...
andererseits war seine Phantasie und Konsequenz beim Suchen nach 'Lösungen' in Stress-Situationen schon beeindruckend
das Musik-Video finde ich auch cool: jeder hätte das mit einem Ford Mustang gedreht
bei Menderes tut's ein alter Capri :D

cheers, Tom
 
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Derartige Korrekturtools können natürlich im Musikbiz, wo Zeit Geld ist und es oft ja nun wirklich nicht mehr auf eine gute Gesangsstimme ankommt, Gold wert sein (aus ökonomischer Sicht)
:( Genau so klingt es dann halt auch. Wie Du schreibst, langweilig. Austauschbar.
Aufnahme eines Hip-Hoppers mit einem Mic, das zu seiner Stimme paßte: Miserable Performance, auch nach zahlreichen Wiederholungen und Tips meinerseits keine Besserung. Daraufhin entnervrt das "passende" Mic durch ein ganz massiv gebautes mit goldfarbenem Frontgitter ersetzt: Der war nicht wiederzuerkennen. Goldkettchen-Faktor..
Jessas. Also dem passenden Mic ein Goldkettchen verpassen ;)
Manchmal kommt's noch schlimmer:
LOL.
 
Aber eine die ich noch schlimmer finde ist Ke$ha. Da wirkt ja Menderes wie ein Gesangsgott daneben
Also "Don't Stop" von Kesha mag ich, das gefällt mir. Vielleicht hab ich es auch schon zu oft gehört, dass der entsprechende Effekt eingesetzt hat. Aber ich mag auch die Stimmung, die der Song und das Video transportieren. Ich finde, das hat was ;)
 
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...das ist materialabhängig. Ich habe aus Wissensdurst mal bei einer Demoaufnahme, die ich technisch betreut habe, nachher im stillen Kämmerlein aus der Originalgesangsspur mit Melodyne eine zweite Stimme für den Refrain kreiert. Verschiebungen bis zu einer Terz sind da eigentlich völlig rückstandsfrei, je nachdem hört man ab der Quinte recht deutliche Artefakte. Eine Oktave paßt dann wieder recht gut - darüber ist es dann reine Glücksache.
Andersrum mit böser Zunge gesagt: Ohne Melodyne oder den Antares Autotune (eine 19-Zoll-Hardware-Entsprechung fürs live-Rack) hätten die Charts in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten sicherlich manches "Sternchen" weniger gehabt :D Nicht in der Rede: Der Kreativeinsatz von solchem Material, das geht auch. Stichwort "Cher-Effekt" - dieses komische "Blubbern" in "If you believe". Da wird ein Antares Autotune bewußt mit unpassenden Parametern belegt, und fertig ist der Effektsound.

In der Klassik ist es da dann doch wesentlich ehrlicher und ungeschönter, da muß man eben wirklich singen können um erfolgreich zu sein.
Trotzdem gibts sicherlich im Charts-Bereich auch viele die wirklich gut singen können und zugleich eine schöne Stimme haben, auch ohne Effekte. Ich gehe mal davon aus, wer sich lange am Markt halten kann und immer wieder Erfolge mit Songs hat, wird auch wirklich musikalisch was können.

--- Beiträge wurden zusammengefasst ---
Menderes Bagci, ewiger DSDS Kandidat, ist als amtierender Dschungelkönig wieder in aller Munde - wenn auch nicht als Sänger. Mich interessiert, was ihr von ihm als Sänger eigentlich denkt?

Trotzdem wundert mich das Ursprungs-Thema von dir, ich will ja nicht wissen, was hier los wäre, wenn ich den Thread mit diesem Thema eröffnet hätte. :D
 
Hallo,

In der Klassik ist es da dann doch wesentlich ehrlicher und ungeschönter, da muß man eben wirklich singen können um erfolgreich zu sein.

...mal ganz ehrlich - müssen wir das schon wieder auspacken??? Übrigens wird auch bei Klassik-Einspielungen geschnitten, und zwar teilweise deftig (eigene Erfahrung).
Ich wehre mich dagegen, die Pauschalkeule "Klassiker sind die besseren Sänger" zu schwingen, weil das so nicht stimmt (ich darf das sicherllich behaupten, da ich gesanglich aus der Klassik komme). Die technischen Möglichkeiten heutzutage spülen halt nur eben auch neben denen, die wirklich singen können, auch viele Leute hoch, die es sonst nicht schaffen würden. Da wird aber dann auch was anderes vermarktet. Punkt.

Viele Grüße
Klaus

ERGÄNZUNG: Das kann man sowieso nicht vergleichen - z. B. ist Herbert Grönemeyer mit Sicherheit kein "begnadeter" Sänger, zumindest in den Anfangszeiten, aber die z. B. seine "Flugzeuge im Bauch" sind für mich absolut authentisch und genial rübergebracht. Hier tritt auch die Persönlichkeit und die Interpretation hinzu...
 
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Übrigens wird auch bei Klassik-Einspielungen geschnitten, und zwar teilweise deftig (eigene Erfahrung).
Es soll auch contemporary-Aufnahmen geben, die ohne Melodyne oder Autotune auskommen. Zumindest hatte ich den Eindruck bei den Aufnahmen, bei denen ich dabei war. Da wurde vielleicht geschnitten; ganz schick waren einzelne Töne, die eingefügt wurden, aber alles echt gesungen und teilweise x-mal aufgenommen.
 
Hallo, Monika,

...danke, genau dies vergaß ich, oben noch zu sagen.

Viele Grüße
Klaus

EDIT: Ach so, auch hier zur Abrundung nochmal die eigene Erfahrung: Wir haben 2006 mit einem Chor eine CD mit Pop-Arrangements für Chor und Band eingespielt. Die längste ungeschnittene Chorpassage, die da drauf ist, ist 12 Takte lang...
 
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Es soll auch contemporary-Aufnahmen geben, die ohne Melodyne oder Autotune auskommen. Zumindest hatte ich den Eindruck bei den Aufnahmen, bei denen ich dabei war. Da wurde vielleicht geschnitten; ganz schick waren einzelne Töne, die eingefügt wurden, aber alles echt gesungen und teilweise x-mal aufgenommen.

So hab ichs mit meinen Coveraufnahmen bisher ja auch immer gehandhabt. Wenn ein Ton daneben war, oder nicht schön, hab ich ihn, bzw. die Passage x-mal neu eingesungen, bis ich zufrieden war. Intonation nachträglich korregieren wäre irgendwie gegen meinen Anspruch, zu zeigen was ich gesanglich zum derzeitigen Zeitpunkt kann und nur darum geht es mir ja bei meinen Aufnahmen.
Aber auch wenn ich meiner Phantasie freien lauf lasse und mir vorstelle, daß ich Profi wäre und im Studio ein Album aufnehmen würde, hätte ich etwas gegen Intonationsanpassung und würde mir schon abverlangen korrekt zu intonieren, auch wenn ich dann einzelne Stellen duzende Male einsingen müßte. Letztendlich könnte ich dann sagen, daß hab alles ich gesungen, ohne faule Tricks.
Bei Live-Konzerten aber kann ich schon verstehen, daß man so eine Intonationshilfe nutzt, da wird ja auch viel getanzt beim Singen und die Aufregung kommt noch hinzu. Ein falscher Ton krazt dann sehr am Ego und Ruf, da kann man die Stellen ja nicht x-male einzelnd aufnehmen und zusammenschneiden, bevor man das Gesamtprodukt präsentiert.
 
auf einmal wird die Unbelehrbarkeit umgedeutet in "beharrlich seinen Traum verfolgen". Das macht sich prima in unserer heutigen "Du muss nur wirklich wollen, dann kannst Du alles erreichen"-Zeit. Ich persönlich weiß nicht so recht, was ich davon halte soll.

Aber ich weiß, was ich davon halte. Für jeden Menderes oder Elton, der talentfrei zum Star aufgebaut wird, bekomme ich zehn Schüler bzw. Schülerinnen, die ihre Ausbildung vernachlässigen, weil sie sich aufgrund eines halben Prozents mehr Talent einbilden, ebenfalls zu Stars aufzusteigen. :gruebel:

Von mir aus können die all ihre Freizeit dazu aufwenden, ihren Träumen nachzurennen, solange sie realistisch genug bleiben, ihre Ausbildung trotzdem konzentriert weiter zu verfolgen. :rolleyes:

Alex
 
guter Vergleich - weil... da sehe ich eindeutige Parallelen in Anspruch und Qualität
im Klartext: was heute als Aus- und Weiterbildung propagiert wird, ist genauso 'talentfrei'
einer möchte Medienstar werden, der andere sabbelt sich von einem Meeting zum nächsten Geschäftsessen ;)
Schaumschläger galore...

cheers, Tom
 
Hallo,

...im vorliegenden Falle ja eh nebensächlich, da Menderes ja vom TV mittlerweile so "aufgebaut" worden ist, daß er, geschickt gemacht, für den Rest seines Lebens die Schäfchen im trockenen hat. Schlimm jedoch tatsächlich, daß solche "Schein"-Karrieren gerne von zahrleichen Jugendlichen als Vorbild, da offenbar leicht erreichbar, gesehen werden...
Back to topic: Jedenfalls ist es bestimmt nicht der Gesang, der Menderes so populär (??) gemacht hat. Da wird ein ganz anderes Paket vermarktet...

Viele Grüße
Klaus
 
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...im vorliegenden Falle ja eh nebensächlich, da Menderes ja vom TV mittlerweile so "aufgebaut" worden ist, daß er, geschickt gemacht, für den Rest seines Lebens die Schäfchen im trockenen hat.

Hm. Gegen ihn persönlich hab ich nix, deshalb würde ich ihm das nicht missgönnen müssen. Aber um das zu beurteilen, müsste ich über das Business mehr wissen. Die Mädels von TicTacToe haben einige Jahre nach ihren Hits auch wieder am Schalter gesessen und Eintrittskarten für den Zoo verkauft. Und ob unser aller Küblböck (bzw. Daniel Kaiser) für den Rest seines Lebens ausgesorgt hat, ist IMHO noch lange nicht raus. Siegerin Elli aus der zweiten DSDS- Staffel ist inzwischen Lehrerin geworden und hat ein Buch über ihren kurzen Ruhm verfasst, welches ihre Schüler angeblich gern lesen. :gruebel:

Alex
 
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eine davon hat's auch im Dschungel probiert und ist kläglich/peinlich gescheitert...
Menderes müsste man schon etwas differnzierter betrachten: mehr als ein running Gag zu DSDS ist der nie gewesen
im Fahrwasser dieser Geschichte hat er (bezahlt) den Partykasper gemacht... mehr schlecht als recht
das Fernsehen hat ihn im Dschungel sicher nicht aufgebaut
sie haben dabei nicht im Weg gestanden, aber durch die Nummer musste er schon selbst durch...

cheers, Tom
 

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