Musicaldarstellerausbildung - klassische Stimme?

von Sini33, 12.07.10.

  1. Sini33

    Sini33 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.07.10   #1
    Hallo ihr Lieben, :)

    habe mich eben hier angemeldet, weil ich eine Frage an euch habe...:confused:
    Mein größter Traum wäre es, eine Musicaldarstellerausbildung zu starten...
    ...bin nächstes Jahr mit meiner Ausbildung zur Bürokauffrau fertig und dann 21 Jahre alt.

    So, dann hatte ich mir überlegt mich an der Joop van den Ende Schule in Hamburg zu bewerben.
    Ich habe seit 10Jahren Gesangsunterricht im klassischen Bereich, seit 1 einhalb Jahren Klavierunterricht, leider kein Tanzunterricht, hatte aber schon 2 Jahre HipHop Unterricht vor ein paar Jahren...hab ja auch noch 1 Jahr bis ich mit der Ausbildung fertig bin, könnte ja in der Zeit Tanzunterricht nehmen(?)...habe auch dieses Jahr den 2. Preis bei Jugend-musiziert im Bundeswettbewerb in der Wertung Gesangsduo erzielt...also im klassischen Bereich schon sehr viel Erfahrung...alles schön und gut, nun meine Frage:

    Passt eine klassische (Opern-) Stimme in den Musicalbereich? Ich bin mir nämlich ziemlich unsicher, sicherlich kann ich auch anders singen, hab aber keine Erfahrungen damit...MUSS man zwingend diese typische Musicalstimme haben oder werden auch klassische Stimmen gesucht? ;)

    Kenne mich da leider nicht aus und will mich da dann auch nicht bewerben wenn's da keine Chance geben, weil ich eben klassisch singe und kein Pop (kann aber natürlich auch anders singen, nur weiß ich nicht ob das dann so gut ist/klingt...)

    Freue mich auf eure Antworten :)

    Viele Grüße,
    Sina
     
  2. Bell

    Bell HCA Gesang HCA

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    Erstellt: 13.07.10   #2
    Liebe Sina,
    nach meiner bisherigen Erfahrung lautet die Antwort: nein. Klassisch klingende Stimmen haben im Musicalfach derzeit so gut wie keine Chance.
    Gesucht wird eher das genaue Gegenteil: Stimmen mit einem guten Belt bis in hohe Lagen. Eine klare, verständliche, manchmal fast schon scharfe Aussprache, einen vorne fokussierten, manchmal etwas bissigen Klang, wenn möglich eine satte Bruststimme und eine gute Höhe mit verläßlichem Belt bis f" und Kopfstimmumfang bis zum hohen c - also die eierlegende Wollmilchsau ;)

    Ich habe bis vor kurzem eine Schülerin unterrichtet, die an drei Musicalschulen abgelehnt worden war, Begründung: zu klassisch. Sie hatte jahrelang klassischen Gesangsunterricht und singt auch gut, konnte aber überhaupt nicht belten, konnte nicht rockig/dreckig klingen, weil sie nicht wußte, wie man das macht. Ich habe ihr zunächst gesagt, sie solle die Musicalsongs vergessen und sich diverse Rock- und Popsongs zu Gemüte führen. Wir haben uns anhand dieser Songs behutsam ans Belting herangetastet, ich wußte anfangs ja nicht, ob ihre Stimme überhaupt dafür geeignet ist. Aber es ging gut. Die letzte Aufnahmeprüfung hat sie bestanden und wird ab September Musical studieren, was mich ehrlich freut.

    Einer Musicaldarstellerin wird stimmlich (und auch tänzerisch, aber das ist eine Baustelle, mit der ich mich nicht auskenne) irre viel abverlangt. Sicher gibt es auch Musicals mit klassischeren Stimmen, in aller Regel brauchst Du aber für die Musicals, die derzeit angesagt sind, eine robuste Beltingstimme - wenn Du die nicht hast, überstehst Du diesen Beruf nicht lange.

    Ich würde an Deiner Stelle schleunigst auf Popgesang umsteigen, in einen sehr guten Lehrer investieren und schauen, was geht. Eine Opernstimme als Grundlage ist ja schon mal nicht schlecht, aber eben nur die halbe Miete.
     
  3. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 13.07.10   #3
    Auch wenn es ein bißchen OT ist: Gratuliere zu deiner guten Arbeit. Sicher nicht ganz einfach, eine gelernte Klassikerin an eine Musicalschule zu bringen.
     
  4. Bell

    Bell HCA Gesang HCA

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    Erstellt: 13.07.10   #4
    Danke :)
    Aber dazu gehören immer zwei. Das Mädel hat total viel geübt, sie brennt richtig für ihren Traum, Musicalsängerin zu werden, sonst hätten wir das gar nicht geschafft.
     
  5. Ferushan

    Ferushan Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.07.10   #5
    Zum Gesang hat Bell ja schon alles gesagt und da schließe ich mich vollkommen an. Wenn du deinen Traum aber nicht aufgeben willst (was ich gut verstehen kann, denn ich hatte eine Zeit lang den gleichen :D), dann such dir eine gute Musical/Pop-Lehrerin und nutze das eine Jahr.
    Allerdings wirst du auch unbedingt beim Tanzen was machen müssen. Tanz ist beim Musical und speziell bei den Aufnahmeprüfungen etwas, das man nicht unterschätzen darf. Es ist gleichberechtigt zum Gesang und macht im Studium eine Menge aus. Und auch das Schauspiel darfst du nicht vergessen. Schau dir am besten genau an, was in den Aufnahmeprüfungen verlangt wird. Ein Jahr ist eine gute Zeit, um sich vorzubereiten.
    An deiner Stelle würde ich mich an möglichst vielen Schulen bewerben. Die staatlichen Schulen in Berlin, Essen und Leipzig sind kostenfrei (oder haben evtl. die "normalen" Studiengebühren), dafür legen sie aber auch extrem hohe Maßstäbe an den Tag - was sie sich erlauben können. Denn das sind die besten Schulen in Deutschland und die Wahrscheinlichkeit hinterher auch als Musicaldarsteller arbeiten zu können, sind groß. Die Privatschulen hingegen kosten eine Menge Geld und nehmen viele nur auf, um von Ihnen leben zu können. Meiner Meinung nach hast du dir mit der Joop van den Ende schon die beste Privatschule rausgesucht, denn das ist ja quasi die hauseigene Schule der Stage Entertainment und die unterstützen ihre eigenen Gewächse natürlich auch - aber es ist auch die teuerste. Es gibt zwar Stipendien, die gelten aber wohl immer nur für ein Semester. Von den anderen Privatschulen (Stage School vor allem) halte ich ehrlich gesagt nicht viel. Natürlich gibt es auch da immer mal wieder ein oder zwei erfolgreiche Absolventen, aber die große Masse verschwindet unterm Teppich. Allein von der Stage School kenne ich drei Leute, die nach dem Studium nicht als Sänger/innen arbeiten. Und meine frühere Tanzlehrerin hat sowohl da, als auch an der GMA in Osnabrück unterrichtet und hat von beiden Schulen ehrlich gesagt nicht viel gehalten.
    Es gibt einfach extrem viele Musicaldarsteller/innen. Als Frau hast du es eh immer schwieriger, da die Konkurrenz größer ist. Aber wenn das dein großer Traum ist, dann lass dich nicht unterkriegen! Versuch einfach dein Glück und ich wünsche dir viel Erfolg dabei!

    PS: @Bell: Ich schließe mich Antipasti an. Herzlichen Glückwunsch! Das ist als Lehrer doch immer schön, wenn die Schüler Erfolg haben.
     
  6. Bell

    Bell HCA Gesang HCA

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    Erstellt: 13.07.10   #6
    Danke, Feru. Es ist sehr schön, da hast Du recht, denn so oft kommt es nicht vor, und oft genug zweifelt man an seinen Gesangslehrerqualitäten....
     
  7. Sini33

    Sini33 Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.07.10   #7
    Hallo ihr Lieben,

    vielen vielen Dank für eure Antworten. Haben mir sehr viel weitergeholfen...eine hohe Beltstimme kann ich allerdings auch vorweisen, aber hab natürlich überhaupt keine Erfahrung..MENSCH! das regt mich schon ein bisschen auf!!
    Vor allem gibt es ja soooo wahnsinnig viele, talentierte Sänger!

    Vielleicht sollte ich mich mal zu einem Schnupperkurs an einer Musicalschule anmelden oder gar mal Unterricht nehmen...
    zumindest um mal zu schauen, ob ich das auch kann...
    eigentlich ist ein Jahr als Vorbereitung viel zu kurz, und ich denke, dass ich mich schon viel länger damit hätte befassen müssen...
    aber versuchen kann ich es, vielleicht stecken in mir ja noch ungeahnte Talente *grins* :D

    Trotzdem vielen Dank für eure Antworten :-)
     
  8. stimme17

    stimme17 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.07.10   #8
    Liebe Sini33,

    obwohl du den Thread ja schon so ziemlich abgeschlossen hast, möchte ich gerne noch einige Dinge sagen.

    1. Ob eine eher klassisch gebildete Stimme an einer Musicalschule genommen wird oder nicht, kommt immer auf die Person an und auf das Potential. Das heißt gute Vorbildung im Bereich Musical vor allem was die Artikulation betrifft, die ja in der Klassik häufig stark verformt wird (gegenüber der Sprache) ist super, aber nicht unbedingt das einzige Kriterium. Außerdem ist auch der Belt keine Grundvorraussetzung. Es gibt Leute, die eine Musicalausbildung anfangen und überhaupt nicht belten können, es aber dann in der Ausbildung lernen. Eine gut trainierte Kopfstimme ist ohnehin gut für den belt, vielleicht bist du ja eine Person, die mit den richtigen Kniffen schnell umsteigen kann?
    Es werden nach wie vor auch viele alte Musicals gespielt, vor allem an Stadttheatern und bei Festspielen, und eine klassische Farbe ist da immer gefragt und wird in der Ausbildung auch gelehrt (erkundige Dich mal nach "Legit"-Gesang), also ist Deine Vorbildung auf jeden Fall eine gute Sache. Nur das andere, ja, das muss natürlich dazukommen, sonst hast du keine Schnitte. Also wie schon gesagt, sofort Lehrer suchen.
    2. Es gibt mehr als drei staatliche Schulen im deutschsprachigen Raum, es gibt außer Leipzig, Berlin und Essen noch München und Wien, und seit wintersemester 2010 (Aufnahmeprüfungen gerade gelaufen) auch in OSnabrück zusätzlich zur German Musical Academy ein staatliches Ausbildungsangebot an der FH. Ich gehe davon aus, alle staatlichen Hochschulen bezahlen den Bundesländerabhängigen Satz an Studiengebühren.
    Meine Vorredner haben vollkommen recht, wenn sie erstmal das private Unterrichtsangebot als qualitativ sagen wir mal, unbefriedigender einstufen als das staatliche. Dennoch rate ich Dir: Mache überall Aufnahmeprüfung und wenn du dann an einer privaten landest, kannst Du immernoch entscheiden, ob du da anfängst und danach nochmal an ner staatlichen versuchst (manchmal ist das bei den privaten schwierig mit Knebelverträgen, also gut erkundigen). Das Leute von privat nach staatl. wechseln, passiert häufig und die Leute, die dann anfangen, haben ja schon Erfahrungen gesammelt. Die Joop ist eine bekannte und wie schon erwähnt relativ erfolgsversprechende Schule, obwohl ich drei jahre zu wenig finde.
    3. Außer Tanz zählt vor allem an den staatlichen Hochschulen auch noch SCHAUSPIEL (auch wenn das schon erwähnt worden ist, will ich nochmal drauf aufmerksam machen, denn das ist oft ein Grund, weswegen Bewerber bei der Eignungsprüfung fliegen)! Das ist nichts, was man als Musicaldarsteller so nebenbei macht, sondern ein elementarer Bestandteil der Ausbildung und des Berufes. Also such dir sofort einen BERUFSschauspieler und nimm Unterricht.

    Viel Erfolg !!!!!
     
  9. Sini33

    Sini33 Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.07.10   #9
    Danke nochmal für deine Antwort Stimme 17 :-)
    Habe dir ja schon per PN geantwortet...

    was für Tanzunterricht wäre denn wichtig?? Standarttänze??
     
  10. Foxx

    Foxx Pop/Rock-Gesang HFU

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    Erstellt: 14.07.10   #10
    Eher so Disziplinen wie Jazztanz, Hiphop, Rock'n'Roll ..... alle Formations-/ Choreographietänze eben.


    Vermute ich wenigstens. ^^
     
  11. stimme17

    stimme17 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.07.10   #11
    und BALLETT !!!! Mach Ballett und Jazz. Aber auch was, was Dir Spaß macht und was DIr liegt.
     
  12. Foxx

    Foxx Pop/Rock-Gesang HFU

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    Erstellt: 14.07.10   #12
    Achja, auf Ballett hätte man natürlich kommen sollen. :D

    Meine Schwester hat früher Ballett getanzt, heute ist sie in einer Meisterschaftshiphopformation. Auf ihre Ballettgrundlagen kann sie da bis heute zurückgreifen, wie sie sagt.
     
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