Musikstudium - ein paar Anmerkungen

von tantrix, 16.08.06.

  1. tantrix

    tantrix Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    22.05.05
    Zuletzt hier:
    25.07.13
    Beiträge:
    607
    Ort:
    Paderborn
    Zustimmungen:
    4
    Kekse:
    404
    Erstellt: 16.08.06   #1
    Nun ja,
    bei mir ist es auch dreißig Jahre her, aber das waren andere Zeiten. Daher frage konkret bei einer Musikhochschule nach den Aufnahmebedingungen von heute.

    Aber du musst dich auf den Standpunkt des Profs stellen.
    "Kann man es verantworten einem jungen Menschen die wertvolle Jugendzeit, welche nunmal für Berufsausbildung vorbehalten ist, zu nehmen um ihn für ein "Hobby" auszubilden von dem er nicht leben kann"?
    Es tickt nunmal die biologische und soziale Uhr! Mit 25 noch eine andere Berufsausbildung/Lehre zu machen ist fast unmöglich! Übernehme selbst diese Verantwortung!!!
    So manch einer versucht sein Hobby zum Beruf zu machen. Aber wer als Rockopa nicht Mick Jagger heißt geht baden. In fünf Jahren wollen die Kids auch keinen HipHop Opa mehr in ihrem Jugendclub sehen, die können das nicht mal schreiben - und dann bist du dort bereits ein alter Sack.

    Wer hats geschafft?
    Bei mir sah es so aus, dass die meisten meiner Komilitonen schon etabliert waren, eine Kantorstelle hatten, ein Blasorchester leiteten, Musikunterricht erteilten, Chöre leiteten, eine Bigband betreuten, Tanzkapelle hatten. Das Studium war die professionelle Überhöhung. Daher kein Risiko.
    Aber das hieß morgens um 8 Orgel in der Kirche spielen, bis 2 Uhr war dann Zeit für Einkäufe oder Arrangements schreiben. Danach kamen die Blagen zum Einzelunterricht und Abends war dann Blaskapelle, Posaunenchor oder Gesangsverein dran, so bis ca 22 Uhr. Am Samstag Mucke und Sonntags 10 Uhr Orgel fürs Hochamt.

    Teilweise waren wir Jazzbesessen und ich spielte auch mit Glen Buschmann und lernte andere kennen. Ich erlebte die Gründung von vier Dixiebands, eine lebt noch. Einer erwarb sich einen Namen und lebt davon. Wir hatten auch so diverse Gigs zusammen. Ich habe damals aufgehört, weil mit aufkommen der Discos keine Bands mehr gebraucht wurden, Jazz nicht mehr gefragt war und der Markt zusammenbrach bzw. in die Hände der Amateure und Musikindustrie ging mit kurzfristige Moden ohne Haltbarkeit. Zudem bin ich ein häuslicher Typ der keine Lust aufs rumtreiben hatte,kein Lust auf billige Absteigen und wo ist der nächste Waschsalon für die Unterwäsche. Ich war ein eingefleischter wilder Jazzer, der sich irgendwann die Hörner abgestossen hatte. Zuvor hatte ich noch einen anderen Beruf gelernt.
    Erst heute kann ich spielen was ich möchte.
    So versuche ich wieder einzusteigen, aber der erforderliche Selbstanspruch ist hoch, will man ältere Leute vom Fernseher weglocken. Schon schiebt sich wieder der Jobgedanke in den Vordergrund, denn ich muss ja irgendwie den Fuß in die Tür kriegen. Um Profis als Mitspieler zu engagieren gibt es noch nicht genug Kohle, zumal die ihre Finger in jeder Nische haben und sich frei machen müssten, und mit Hobbyisten hat man Probleme. Man könnte ja viell. ein bischen Ausbildung einfließen lassen, aber dann schlägt bei denen der Hobbygedanke wieder durch und aus ists mit dem Lernen. Heißt das Beispiel Hänschen klein und nicht heavymetal wars das. Die meisten Hobbyisten, welche ihr Hobby zum Beruf machen möchten, fallen schon beim Vorgespräch durch. Ich hatte Musik nie als Hobby begriffen und die Berufsmusiker, die ich kennengelernt habe, auch nicht.

    Musik machen zu können ist eine Sache -
    sie machen zu müssen um die Miete zusammenzukratzen eine andere!


    Ein Bekannter spielt heute in einem Rundfunkorchester, versteht sich aber nicht als angekommen, es geschafft zu haben. Im Wandel der Zeiten machte er alles mögliche, Free jazz, Tanzmusik, Swing - da spielt er Bassposaune, modern shit und spielt jetzt wieder nebenher in Dixiebands. Die Zeiten bessern sich wohl leicht, nachdem die Popindustrie über Probleme klagt.
    Der Charakter dieser Leute ist extrem umtriebig. Bist du das? Man muss dafür gebaut sein.
    Auch mein Prof hatte bis zu Professur eine durchwachsene Karriere. Vom Salonorchester im Kurort bis zum Leipziger Gewandhausorchester. Auch er hatte zuvor einen anderen Beruf gelernt. Mein Vetter hat sich als Kantor einen Namen gemacht und sitzt bis zur Rente fest im Sattel.

    Abraten möchte ich von dubiosen Rock-und Popakademien oder Jazzschulen. Das sind nur Arbeitsbeschaffungsmassnahmen für deren Betreiber. Als Bandleader oder Leiter einer quasie öffentlichen Stelle würde ich solche Bewerbung mit solchen Scheinen gleich in den Papierkorb werfen. (Job an der Jugendmusikschule läuft so unter Bademeister). Auch professionelle Swingorchester verlangen klassisches Studium. Man muss in der Lage sein, alles zu spielen was auf den Tisch kommt.
    Das ist Job, nicht Hobby!
    These: Du machst dein Talent zum Beruf, nicht dein Hobby!

    Sorum sieht es wohl ganz gut aus. Klavier als Pflicht- und Nebenfach ist gut. Pianisten gibt es ja viele und als Hauptfach müsste man 10 Stunden täglich vor der Kiste hängen. Gilt wohl auch für Saiteninstrumente. Für Bläser nicht zumutbar. Gitarre ist kein Orchesterinstrument, nur hauptsächlich für Jugendliche. Da bliebe nur der freie Markt als extreme Problemzone. Arrangements für die Blasorchester wirst du später schreiben müssen. Gesang und Chorleitung würde ich dazunehmen da auch Chöre ein Betätigungsfeld sind - Kirchenchor, Kinderchor, Gospelguppe etc. du musst ja schließlich deine Sachkunde verkaufen.
    Außerdem empfehle ich dir einige Selbsterfahrungsgruppen zu besuchen. Du hast es immer mit Menschen zu tun und manche Musiker und Musikanten sind recht verquere Typen mit denen man umgehen können muss. Du musst ja auch Kunden gewinnen. In manchen Fällen ist Musik selbst Therapie und es bedarf Mitmenschlichkeit und ein hohes Einfühlungsvermögen. Psychotherapien, hier Gruppentherapien, sind probat und eine weiterentwickelte Persönlichkeit ganz ganz wichtig.

    Du hast auch die Wahl ob du Instrumentalist (wie ich) werden willst mit Ziel Konzertexamen oder Musiklehrer. Letzteres hört sich einfacher an, ähh, aber empfehlenswert wäre dann noch eine Pädagogische Überhöhung um an Schulen landen zu können (So als Zweitstudium an einer PH? Das geht viell. wenn du keinen Fernseher hast und eine 60-70 Std Woche akzeptierst).

    Viel Kraft wünsche ich allen, die nach einem Musikstudium schielen. Mögen einige Bemerkungen hilfreich sein und nachdenklich machen.
     
  2. jenny184

    jenny184 Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    12.08.06
    Zuletzt hier:
    22.08.06
    Beiträge:
    8
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 16.08.06   #2
    An wen richtet sich denn, deine Statement. so weit ich es verstanden habe, steht da kein Bezug.

    Unabhängig davon: Ich bin aber schon der Meinung, dass man für sich seine Ziele und Träume auch reinhängen muss und vielleicht an das unmögliche zu glauben. Natrülich nicht 10, 20 Jahre, aber wenn man bspw. versuch während des Studiums für ein paar Jahr seinen Traum vom Profimusiker zu realisieren, finde ich das gut und sogar mutig. Wichtig ist aus meiner Sicht der Plan B. Der kann aber auch Producer, Komponist oder Manager heißen....
     
  3. tantrix

    tantrix Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    22.05.05
    Zuletzt hier:
    25.07.13
    Beiträge:
    607
    Ort:
    Paderborn
    Zustimmungen:
    4
    Kekse:
    404
    Erstellt: 17.08.06   #3
    Ich habe mich wohl zu weit aus dem Fenster gelehnt.
    Wie kann ich meinen Beitrag löschen?
     
Die Seite wird geladen...