@Eiko und @Tseh-M'oll
Das ist tatsächlich ein Gedanke bzw. eine Thematik, die mich stark beschäftigt, zumal ich auch sowohl englische wie deutsche Texte schreibe.
Ich habe den Eindruck, dass mich manchmal die deutsche Sprache bremst - und zwar gerade beim assoziativen Schreiben. Oft suche ich dann doch nach Worten, die sich reimen oder habe den Eindruck, dass es plattitüdenhaft ist, während ich das bei einem englischen Text erst mal umgehen kann. Zudem habe ich früher eher zum Englischen gegriffen, wenn es bei mir um Gefühle ging. Möglicherweise aus ähnlichen Gründen, möglicherweise aber auch deshalb, weil eine fremde Sprache auch Distanz schafft. Und vielleicht ist es gerade die Kombination von intimem Inhalt mit fremder (distanzierter) Sprache, die es mir leichter ermöglicht hat, Texte zu schreiben mit sehr emotionalem Gehalt, mit Gedanken, mit Gefühlen.
Wie Ihr an den Formulierungen merkt: Hier sprechen keine Gewissheiten, sondern Vermutungen - und Vermutungen hängen mit Erfahrungen zusammen und darüber kann man sich gut austauschen.
Aus meiner Sicht hat es auch mit Erfahrung zu tun, wie man schreibt - also eher assoziativ, ohne Reime (oder zumindest ohne ein sehr enges Reimschema) oder eher stark formal. Denn ich merke, dass ich bei englischen Texten und starren, engen Reimschemata (a a b b oder a b a b) gerne zu einem Reimlexikon greife, gerade um ausgewalzte Reimpaare zu umgehen und sozusagen neue Spuren zu legen. Beim Texten im Deutschen habe ich von vorne herein ein größeren Wortschatz. Je nach der Art des Textes liegt mir also entweder Englisch oder Deutsch näher - bzw: noch, denn das hat sicher (auch) mit Erfahrung zu tun.
Wenn über Textsprache diskutiert wird, fallen oft zunächst die auffällig gleichen Argumente: das "Internationale" des Englischen, dessen Kürze etc. versus dem Vertrauten und Verständlichen des Deutschen (zumindest für ein deutschsprachiges Publikum, das es bei den meisten Bands aber auch faktisch ist) plus, dass man bei einem englischen Text (als deutsche Person) eher weghören kann bzw. der (eigene) Anspruch an einen deutschen Text höher ist (gerade, weil er verstanden wird). Es ist ja nicht so, dass da nichts dran ist - es ist eher so, dass beim Schreiben von Texten in der einen oder anderen Sprache auch andere Aspekte (zum Beispiel die oben Genannten) eine Rolle spielen - die aber bei solchen Diskussionen oft untergehen.
Welche Rolle spielt die Sprache bei Euch im Prozess des Schreibens bzw. welche Aspekte spielen bei Euch eine Rolle?
Herzliche Grüße
x-Riff