Hallo,
Fabrikneu von Musicstore in Köln, damals billigstes Angebot in ganz Deutschland aber keine Akkordeonwerkstatt.
Ich glaube, die goldenen Zeiten, in denen Akkordeons in Fachgeschäften verkauft wurden, wo das Personal auch über ein technisches Verständnis dieses Instruments verfügte, sind längst vorbei. Heute wird alles außerhalb Europas in Massenproduktion hergestellt: Kleidung, Schuhe, Elektronik, Maschinen. Hergestellt in China, Bangladesch, Indien, den Philippinen. Im heutigen Geschäftsleben ist es völlig normal, mit fehlerhaften Waren zu rechnen -innerhalb eines gewissen tolerierbaren Prozentsatzes. Ein brandneuer Winkelschleifer funktioniert nicht – kein Problem, er wird ersetzt. Alle diese Güter werden in Ländern mit billigen Arbeitskräften und niedrigen Steuern in großem industriellem Maßstab hergestellt. Die vollständige Automatisierung und Robotisierung eliminiert zufällige und grobe Produktionsfehler, die bei menschlicher Arbeit normalerweise häufig vorkommen. Warum geschieht das alles? Aus Gründen der Kosteneffizienz.
Ein Akkordeon betritt eine solche Umgebung, wobei es niemals vollständig automatisiert hergestellt werden kann. Niemand wird jemals einen softwaregesteuerten Roboterarm bauen, der Stimmplatten mit Wachs an einem Stimmstock befestigt. Es gibt noch nirgendwo eine vollautomatische Produktionslinie für Stimmplatten.
Anders gesagt, in dieser neuen Welt, die für die automatisierte Massenproduktion geschaffen wird, betritt ein "Dinosaurier", der sich niemals so perfekt an die gegebenen Bedingungen anpassen kann, wird wie beispielsweise Elektronik (z.B. Keyboards).
Darüber hinaus müssen die heutigen modernen Musikgeschäfte (sofern sie überhaupt noch in physischer Form existieren) alles bieten, um zu überleben. Es ist logisch, dass sie es sich nicht leisten können, technisch versierte Mitarbeiter zu bezahlen. Ich erinnere mich an einen Text im Internet, in dem sich ein ehemaliger Verkäufer einer renommierten italienischen Akkordeonmarke darüber beklagte, dass fast keines der neuen Instrumente, die er im Geschäft erhielt, ohne Überprüfung (und mögliche Korrekturen) an Kunden verkauft werden konnte. So etwas gibt es heute einfach nicht mehr.
Ein Instrument wird bestellt. Es wird in Taiwan/China hergestellt, verpackt, zusammen mit anderen Instrumenten in einen Versandcontainer verladen und um die halbe Welt nach Europa verschifft. Hier wird die Ware entladen und in den Laden oder das Lager des Online-Shops gebracht. Die Folgen sind (wenn auch wahrscheinlich nur selten) dann folgende:
Garantie ja, aber die Kölner hätten das Instrument nur direkt zu Hohner schicken können. Wohin genau, wussten sie nicht. Deutschland? China?
Aber darauf gibt es keine einfache Lösung. So ist die Realität.
Gruß, Vladimir