Öffentliche Vergewaltigung einer Maton

von Heinrich III., 28.08.10.

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Gravity Stands
  1. rw

    rw Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.08.10   #21
    Hmm, "C.G.P." ist ein Titel, den sich - so weit ich recherchieren konnte - Atkins sich etwas selbstironisch selbst vergeben hatte. (Ohne dass dahinter eine Schule stände, wie bei Robert Fripp mit "Guitar Craft".) Darf er auch, er ist klasse. CAs Einfluss auf Fingerstyle ist klar. Aber CA ist 1924 geboren, TE 1955. Dazwischen gab es noch ein paar andere: Die alten Blueser (John Hurt,...) sowieso, die sind auch in der Regel älter als CA. In den USA auch noch John Fahey, Leo Kottke und ein paar andere, in UK Davy Graham und John Renbourn, ein paar Lateinamerikaner usw. In F Marcel Dadi, aber der ist schon wieder so Atkins-like, dass ich ihn nicht als wirklich sehr innovativ bezeichnen würde. (Muss man ja auch nicht sein, Dadi war schon klasse und TE ist es auch.)
    Auch jünger als TE, wenngleich nur etwas: Michael Hedges aus den USA, der aber in der ersten Hälte der 1980er schon sehr neue Dinge gemacht hat (Aerial Boundaries, 1984), auch andere Windham Hill-Musiker. In D evtl. Kolbe / Illenberger Ende der 1970er. (Nein, Lämmerhirt ist in diesem Kontext ebenfalls nicht sehr innovativ, er war nur in D einer der ersten.)

    Im Gegensatz dazu zeigen die frühen TE-Platten einen ordentlichen Gitarristen, der aber eigentlich nichts "Unerhörtes" gemacht hatte. Und auch die neuen Platten bringen hier IMHO nichts, was nicht schon irgendwo her bekannt ist.

    Um nicht missverstanden zu werden: TE ist ein sehr guter Gitarrist (und Lämmerhirt und Dadi und wie sie alle heißen auch). Aber gerade mit etwas historischer Kenntnis von GitMusik könnte sich die Einschätzung seiner Bedeutung schon relativieren. Sicherlich ist er ein "wichtiger Enflussgeber" auf viele jüngere Gitarristen. Aber vielleicht kennen die nur die älteren nicht... (Die weißen US-Kids haben schließlich "ihren" Blues auch über den Umweg über die englischen Rockgitarristen kennen gelernt.) - Falls du diese Einschätzung nicht nachvollziehen kann, dann interpretier's einfach als meinen "Altersstarrsinn";-)
     
  2. Heinrich III.

    Heinrich III. Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 31.08.10   #22
    Ich war nun schon auf einem Konzert bei Werner Lämmerhirt und auch bei einem "kleinen Workshop" von ihm. Auf dem Konzert von Tommy Emmanuel war ich am Freitag..... aber diese beiden Herren sind irgendwie nicht zu vergleichen geschweige denn, dass man sie in einem Atemzug erwähnen kann. Ich kann Dir wirklich nur empfehlen, zu TE mal live zu gehen, danach denke ich, wirst Du Deine Meinung vielleicht etwas ändern.
     
  3. rancid

    rancid Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 31.08.10   #23
    Es gibt schon einige Bands und Künstler, die Live einen ganz anderen Eindruck hinterlassen als auf CD. TE gehört für mich eindeutig dazu, denn auch wenn ich seine Musik an sich im Schnitt nicht besonders mag, so ist ein Livekonzert von ihm doch ein Erlebnis, das auch mich mitreißt.
    Ich würde sogar sagen, dass TE für mich nur live "Sinn macht".

    Insofern kann ich Heinrich III. da schon zustimmen.


    Es gibt auf der anderen Seite auch Bands oder Künstler, die sich live für mich nicht gelohnt haben, weil man außer der Tatsache, dass die "Idole" vor einem stehen keinen großen Mehrwert zu den Aufnahmen bekommen hat.
     
  4. rw

    rw Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 31.08.10   #24
    Sie sind sicherlich von der Stilistik und von der Bühnenpräsenz deutlich verschieden, sind aber - und deshalb hatte ich sie zusammen erwähnt - in meiner Wahrnehmung nicht so sehr musikalisch innovativ als "einfach gute Gitarristen", die ihre Bedeutung aus einem bestimmten Kontext heraus haben: TE als herausragender Bühnenperformer, WL als einer der ersten deutschen Picker, die die US-amerikanische Stilistik sehr swingend (und er nimmt ja bewusst Bezug auf Dadi und damit auf CA) dem deutschen Publikum nahe brachte.
     
  5. rw

    rw Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 31.08.10   #25
    Völlig einverstanden.
    Nachtrag: Hier fällt es mir immer wieder gerade bei englischen Musikern auf, dass ihre Alben bzw zur Schmerzgrenze (und gelegentlich darüber hinaus) "überproduziert" sind und gegen das Liveereignis überhaupt keine Chance haben (z.B. Richard Thompson, Julian Dawson). Allerdings tritt dies Erlebnis auch bei einem Audio-Livemitschnitt im Radio ein (jedenfalls bei mir).
     
  6. Heinrich III.

    Heinrich III. Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 31.08.10   #26
    Was verstehst Du unter "musikalisch Innovativ"?
    Lämmerhirt höre ich gerne, wegen seiner Texte. Als Mensch ist er, in meinen Augen ein angenehmer Zeitgenosse und außerdem plaudert es sich nett mit ihm und gute Tipps gibt er auch noch.
    Zu Tommy Emmanuel würde ich jederzeit wieder gehen, sein Konzert hat für mich so etwas wie der Chinesische Staatszirkus ...... man ist die ganze Zeit am Staunen und am meisten lässt mich staunen, mit welcher Inbrunst er Musik macht.

    ..... tu Dir selbst den Gefallen und geh mal zu TE hin und schaue ihn Dir live an, Du wirst es bestimmt nicht bereuen.
     
  7. Gast 64587

    Gast 64587 Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 31.08.10   #27
    Das ist genau das Ding. Da schert es mich, ehrlich gesagt, relativ wenig, ob der gute Tommy jetzt immer innovativ ist oder nicht. Dieses komplette "da und drin sein" findet man schon nicht bei allzu vielen anderen Musikern. Der Kerl will's halt einfach so richtig und kann das selbst musikalisch weniger bedarften Zuschauern/hörern super rüberbringen. Finde ich großartig.

    - Sascha
     
  8. rw

    rw Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 31.08.10   #28
    Hmm, z.B. hat Graham die DADGAD-Stimmung eingeführt und "Picking" in freie musikalische Formen gebracht (im Vergleich zu Blues und Ragtime). Renbourn hat eine Brücke zwischen Folk- und Renaissance-/Barock-Musik geschlagen, Kottke hat die Bottleneck-Gitarre in einen anderen Kontext eingeführt als in Blues bzw. Hawaianische Musik bzw. Country. Hedges hat u.a. viel mit Korpusgeräuschen gearbeitet usw. usf.

    Übrigens ist IMHO auch Stefan Grossmann, dess Bedeutung für die Popularisierung der Fingerstylegitarre kaum überschätzt werden kann, nicht richtig innovativ gewesen. Er hatte einfach diese fabelhafte Idee, diese Musik (einem weißen Gitarristenpublikum) bekannt zu machen.

    Die Texte finde ich zwar nicht soooo toll, aber gut und ich höre ihn auch gerne und seine Konzerte machen sehr viel Spaß.

    Leider hat es bisher noch nicht geklappt, aber das steht schon lange auf meinem Plan - ich habe ihn jetzt seit vielleicht 15 Jahren regelmäßig im Visier. Und auch wenn Graham, Fahey und Hedges (oder Nick Drake oder oder oder) das eine oder andere früher gemacht haben, sie sind tot, andere treten nicht mehr (zusammen) auf oder kommen kaum nach Deutschland usw.... - Der Spaß an einem solchen Liveerlebnis hat aber mit der Einschätzung nix zu tun - oder vielleicht gerade, ich habe ja oben geschrieben, dass er als Performer vermutlich wichtiger sei.
     
  9. Klangverstand

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    Erstellt: 31.08.10   #29
    Hi,

    Wie soll denn gerade die Meinung, dass TE sich nicht durch musikalische Innovativität von der Masse der Gitarristen abhebt, sich durch den Besuch eines Konzerts ändern - spielt er dann andere Harmonien, Noten, Rhythmen als auf einem Mitschnitt oder Studioalbum?

    Ich bin ja auch TE-Fan und gehe im November wohl auf mein sechstes Konzert, aber das hat viel mit seiner Show zu tun. Damit stehe ich sicher nicht allein: Die meisten Leute mögen TE nicht deswegen, weil er so ein toller Gitarrist ist. Viele Zuschauer, die begeistert aus einem seiner Konzert kommen, können diese Punkt gar nicht beurteilen. Sie finden es aber toll, dass da jemand auf der Gitarre trommelt und dem Mikro eine Kopfnuss gibt, eingängige Songs spielt und einen fetten Sound hat, den man so von Gitarren nicht kennt. Dann sieht der Kerl noch gut aus, kommt selbstbewusst und witzig rüber - fertig ist das Gesamtpaket.

    Ich stelle TEs Qualität als Gitarrist nicht in Frage, das hat hier m.E. auch sonst niemand getan. Ich weiß auch nicht, ob Tommy ein bisschen schneller oder grooviger spielen kann als etwa Michael Fix oder auch Chet Atkins, wenn er heute leben würde. Aber ich behaupte mal, dass Tommy mehr ins Publikum und seltener auf's Griffbrett schaut als die Konkurrenz, dass er eine modernere Frisur und schickere Kleidung trägt als z.B. Igor Presnyakov und immer gute Laune ausstrahlt (die ich ihm auch nicht immer abnehme, die Lobpreisungen seiner Persönlichkeit gehen mir da manchmal zu weit), sind für seinen Erfolg entscheidendere Faktoren.

    Gruß
    Pida
     
  10. saitentsauber

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    Erstellt: 31.08.10   #30
    Soviel ich weiß, hat er in seinen Anfangsjahren tatsächlich Schlagzeug gespielt. Wahrscheinlich aber ohne Schneebesen :rolleyes:
     
  11. Bylethum

    Bylethum Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 31.08.10   #31

    hat er und tut er auch immer noch. Tommy nutzt die Gitarre als Drumset, das könnte er nicht ohne vorher auch Schlagzeug gespielt zu haben. In einem Interview hat er mal gesagt das er jeden Rhythmus zuerst auf dem Schlagzeug "hört" und es erst dann auf der Gitarre umsetzt, die Verschieden technik( Schneebesen, Kopf ans Mikro) nutzt er um mehr Tonvielfalt zu haben.
     
  12. Plektomanic

    Plektomanic Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.02.14   #32
    Ich hab jetzt noch nicht SO viel gehört/gesehen von Tommy Emmanuel ,ABER was ich gesehen hab ist schon Genial , er gehört absolut verdientermaßen zu den ganz grossen , neben Kottke , Tony Rice etc das beatles Medley ist ja mal Übertrieben Geil , der hat seine finger 100% unter kontrolle (zupft auch mit dem Pinky der rechten;))
    Yo , Davon will ich mehr
     
  13. rainbowxxl

    rainbowxxl Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.10.15   #33
    er war letztends auf deutschlandtour (ü50 euro das ticket), kann das lied levis und clark von ihm spielen, aber nicht ansatzweise mit so viel dynamik
     
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