„Old“ Fender American Deluxe Stratocaster mit SCN PUS (im Vergleich zur USA Standard)

Xanadu
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Fender brachte dieses Jahr eine neue Version seiner American Deluxe Stratocaster auf den Markt, die sich unter anderem durch neue Tonabnehmer (New Noiseless N3 Strat Single Coils anstatt Samarium Cobalt Noiseless Strat Pickups –kurz SCN-) von der vorherigen Version unterscheidet. Da man über die alten SCN PUs viel liest, und nicht nur gutes, möchte ich in diesem Review die „Old“ American Deluxe Strat vorstellen und mit dem USA Standard Modell vergleichen, denn jetzt ist guter Zeitpunkt für Schnäppchen da dieses ältere „Auslaufmodell“ nun teilweise zu reduzierten Preisen angeboten wird. Mit der neuen 2010er Deluxe kann ich sie leider nicht vergleichen, da ich dieses Modell noch nicht anspielen konnte.


Über die Optik brauche ich wohl nichts zu sagen, typisch Strat halt, mein Modell hat die klassische Dreiton-Sunburstlackierung, einen LSR Rollsattel, Fender Locking Mechaniken, einen (so weit ich es erkennen kann, bin mir aber ziemlich sicher) einteiligen Korpus und einen einteiligen Hals mit Palisandergriffbrett und 22 Bünden, alles so ab Werk eingebaut und unverändert. Das Gewicht beträgt knapp 3,5 kg.
Schon die American Standard ist tipp-topp verarbeitet, keinerlei Mängel oder Schlampereien und fühlt sich einfach wertig, teuer und gut an. Hier kann die Deluxe einfach nichts mehr drauflegen, perfekt ist eben einfach schon perfekt. Der Mehrwert gegenüber der Standard liegt in den Locking-Mechaniken, den SCNs und der S1-Schaltung über den Volume-Knopf, die 5 weitere Schaltungsmöglichkeiten bietet. Ob auch die verarbeiteten Materialien –noch besser- selektiert werden als bei der Standard weiß wohl nur Fender selbst.

Ok, kommen wir direkt mal zum wichtigen Punkt, dem Klang am Verstärker.
Hierbei habe ich meinen Fender Hot Rod Deluxe samt Proco Rat 2 Pedal für die Distortion Sounds benutzt.

Fangen wir mal clean an:
Nach einigen abwertenden Berichten macht sich bei den ersten cleanen Tönen zuerst Erleichterung breit: Ja, das klingt nach Strat, eindeutig! Allerdings doch irgendwie leicht anders als bei der Standard, aber nicht so stark, dass ich ohne direkten Vergleich genau sagen könnte, wie anders genau. Und irgendwie kommt auch nicht direkt Begeisterung bei mir auf, keine Liebe auf den ersten Ton wie bei manch anderem Instrument. Na dann stöpsel ich halt die Standard an und vergleiche. Ah, ok, die Deluxe hat eindeutig eine Nuance weniger an Höhen, die Standard hingegen schneidet richtig ins Ohr, besonders beim Steg-SC. Da muss man sich erst einmal dran gewöhnen, obwohl die Deluxe , neutral betrachtet, ausgeglichener und moderner klingt. Und der große Vorteil der SCN wird sofort deutlich: Sie rauschen nicht. Ich liebe den Klang eines Strat-Steg-SCs, allerdings habe ich im Endeffekt trotzdem die rauschfreien Zwischenpositionen der Standard häufiger benutzt als die Einzel-PUs, auch wenn dabei doch einiges vom typischen SC Klang verloren geht. Klar gibt’s Noise Gates, aber auch damit kann man das Rauschen nicht ganz beseitigen und hat den unschönen Nebeneffekt, dass teilweise auch gewünschte Klänge entschwinden, zudem ist das genaue Einstellen so wie man es haben möchte eine ziemliche Fummelei. Die Deluxe bietet hier eine extreme Freiheit, alle Positionen sind plötzlich ohne Einschränkungen benutzbar, und es klingt immer noch absolut strattypisch, klasse!

Ok, auf in den zweiten Kanal des Hot Rod und Gain etwas aufgedreht: Wow, hier spielen die SCN ihre große Stärke aus, sie klingen weiterhin wie SCs, absolut klar und brillant und rauschfrei, während das Rauschen der SC der Standard schon unangenehm wird und sich auch mehr vom cleanen Ton unterscheidet, sie klingen leicht dumpfer. Blues-Rock macht mit der Deluxe nun richtig Spaß, die gesamte Gitarre blüht noch einmal richtig auf.

Nun geht wieder in den ersten Kanal, aber das Proco Rat 2 mit Distortion-Regler auf Maximum kommt ins Spiel. Auch hier behalten die SCN ihren Klang, selbst im Distortionbereich hört man, dass es sich im Single Coils und damit auch, dass hier eine Strat spielt (naja, ok, jedenfalls, wenns mans eh schon wei߅ :)). Natürlich haben die SCs weniger Output als ein Humbucker, aber auch dies trägt dabei bei, dass der Distortionsound nicht verschwimmt, sondern identifizierbar bleibt. Dreht man sowohl Gain am Amp als auch am Pedal voll auf kommt der Lautsprecher früher an seine Grenzen als die SCs. 80er Metallica Sound ist locker drin.

Noch kurz zur S1-Schaltung: Für mich ist sie weniger interessant, da ich eben den reinen Strat-SC-Sound suche. Generell gehen die Optionen der S1-Schaltung alle eher in Richtung Humbuckerklang, der Klang wird wärmer, bassbetonter und auch härter. Ok, das nimmt man gerne mit, macht die Deluxe natürlich noch einmal vielseitiger und wer den Klang nicht mag benutzt die zusätzlichen Optionen einfach nicht. Die Schaltungsoptionen sind übrigens Neck + Mitte seriell, Neck mit Special Capacitor + Mitte seriell, Neck und Bridge parallel und Mitte seriell, Mitte + Bridge mit Special Capacitor seriell, und Mitte + Bridge seriell. Alles so ziemlich alles, was man sich jemals wünschen könnte.

Fazit
Ist die Deluxe nun die absolut beste Strat von der Stange? Generell eher nicht. Wer den absolut authentisch schneidenden cleanen Strat-Sound sucht ist mit einer Mexiko Classic Player 50 besser bedient, die es schon ab 629€ gibt, das ist nur knapp die Hälfte dessen, was eine Deluxe kostet. Allerdings hat sie nur eine rauschfreie Posistion, da Schalterposition 4 Bridge und Neck zusammenschaltet. Die American Standard kostet ebenso ca. 200€ bis 300€ weniger als die Deluxe und ist eine moderne, auch sehr authentische Strat, aber etwas wärmer und vielseitiger als die 50s. Für mich ist die Deluxe allerdings schon das Ende einer langen Suche und für mich persönlich auch die beste Strat, die ich jemals hatte. Es macht einfach Spaß ohne Einschränkungen alle Klang-Optionen nutzen zu können ohne durch Rauschen gestört zu werden, mit der Deluxe geht einfach alles von Clean bis High-Gain, und alles klingt nach Strat! Alleine schon dadurch ist sie extrem vielseitig, mit der S1-Schaltung wildert sie zudem noch im Revier der Humbuckergitarren. Mittlerweile gefällt mir auch der etwas mittigere Clean-Sound besser als der schneidende „Originalton“. Die Deluxe ist definitiv ein ausgiebiges Anspielen wert, vor allem, wenn man wie zur Zeit mit dem Argument „2010er Modell“ noch gut um den Preis feilschen kann!
 
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cooles review bzw vergleich:great:

steht auch auf meiner "zu testende Strats" liste
die s 1 schaltung ist sicherlich ne nette zusatzoption

mal schauen wann se n händler in der nähe reinbekommt

sunset metallic kommt auf den fotos schon mal sehr genehm rüber
 
XS5
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Gratulation, super Vergleich. Ich habe eine American Series aus 2007 mit RW-Hals. Sie klingt auch deutlich wärmer als die Classic Player 50´s meines Sohnes. Ist eh alles Geschmacksache. Hätte dich gern bewertet, geht aber nicht schon wieder...
Herzlichst
XS5
 
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Hallo Xanadu,

Frage am Rande: meinst Du mit "Rauschen" in Deinem Review wirklich Rauschen oder Brummen?

Gruß Michael
 
Xanadu
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Nach diesem Beispiel meine ich das typische Single-Coil-Rauschen, ein Brummen ist mir bisher nur bei fehlender Erdung aufgefallen.
 
svela4
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ich besitze die gleiche Gitarre (die teuerste, die ich mir je geleistet habe) und kann all Deinen Ausführungen nur zustimmen

das einzige was ich aus optischen Gründen gerne ändern würde, wäre ein helles Griffbrett

was mir aufgefallen ist (und das ist natürlich subjektiv): an eher günstigen und kleineren Amps (MicroCube z. B.) klang sie irgendwie seltsam "matschig" (insbesondere in den Switch-Positionen)

am Peavey Classic 30 und am Fender Frontmann 65 DSP einfach nur geil

mir ist schon klar, dass zwischen dem Cube und dem Peavey Welten liegen, aber sinnigerweise klang meine 160 €-Affinity am kleinen Cube bestens und am Peavey nur:bad:

tolles review:)
 
Xanadu
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Ich hatte vorher eine American Standard mit weißen Body und Ahorngriffbrett, die fand ich auch heiß. Ich Trottel hab sie dann neuwertig zum Schnäppchenpreis verkauft weil ich dachte, zu viele Gitarren zu haben. Aber ganz ohne Fender Strat gehts irgendwie nicht... :rolleyes: Allerdings fasst sich ein lackiertes Ahorngriffbrett immer etwas anders an als ein unlackiertes aus Palisander, selbst wenn es so hauchdünn lackiert ist wie bei der Standard. Ja,ich gebs zu, ich finde Ahorn auch schöner, zumal es die schöne, leicht "knallige" Note der Standard unterstützt hat, allerdings ziehe ich rein der Haptik wegen mittlerweile Palisander vor. Die Klangcharakteristik, die man Palisander zuschreibt (etwas wärmer und mittiger), passt aber auch wiederum perfekt zur Deluxe. :)
 

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