Pickup Modifikation als Entstörmaßnahme am Beispiel des Rickenbacker 4003

Uli

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So schön in Optik, Klang und Handling der Rickenbacker 4003 auch ist, es ist allgemein bekannt, daß sich die Singlecoils in Verbindung mit der 'traditionellen' Herstellung bei Rickenbacker gerne einiges an Störungen einfangen, je nach den anzutreffenden Randbedingungen. Daß man sich trotz jahrelanger Hinweise der Nutzer beim Hersteller absolut taub stellt und bis heute weder eine Abschirmung in den Korpus baut, noch eine Schaltungsänderung vornimmt, die einen großen Teil des Problems löst, ist zwar nicht nachvollziehbar, muß aber hingenommen werden, wenn man denn unbedingt so ein Teil haben möchte. Leider hatte auch mein neuer 4003 das Erscheinungsbild, daß ich auf der Bühne nur in einem bestimmten Winkel zu dem hinter mir stehenden Stack (1x15 + 2x10) stehen durfte, um unangenehmes Brummen zu vermeiden.

Bei anderen Herstellern wie z.B. bei Fender, hat man mit reinen Singlecoil Instrumenten wie dem Jazz Bass oder der Stratocaster Gitarre schon recht früh die Erfahrung gemacht, daß man das Humbucker-Prinzip auch bei benachbarten Einzelspulen von Singlecoils anwenden kann, indem man bei der zweiten Spule die Polarität ihrer Permanentmagnete und die Durchflußrichtung der Spule anders herum anordnet. So kann man z.B. mit einem kleinen Kompass nachvollziehen, daß bei einer Stratocaster die erste und die dritte Spule magnetisch gleich ausgerichtet sind, die Mittelspule hingegen umgekehrt. Das hat zur Folge, daß sich Störungen weitgehend eliminieren, wenn über den Schalter die Spulen 1 und 2 oder 2 und 3 angewählt werden, denn dann liegen jeweils zwei gegenläufig gepolte Spulen nebeneinander. Diese Anordnung ist allgemein als RWRP (reverse wind reverse polarity) bekannt, auch beim Jazz Bass hat man dieses Prinzip angewendet... nur bei Rickenbacker nicht, da sind beide nebeneinander liegenden Singlecoils in gleicher Polarität. Läßt sich aber nachholen! :)

Auch wenn viele diesen Mißstand beim Gitarrenbauer beseitigen lassen, sind die Arbeitsschritte nach meiner Einschätzung nicht so schwer, daß man sich da nicht auch selbst rantrauen kann. An welchem der beiden Tonabnehmer man die Umpolung vornimmt, ist grundsätzlich egal (nur nicht an beiden! :D ) Angeblich soll der Permanentmagnet des Neck-Pickups aber stärker mit dem Spulenkörper verklebt sein, was ihn für die Modifikation ungeeigneter erscheinen läßt, denn der Magnet muß ja gedreht werden. Aus diesem Grund beschreibe ich den Umbau am Beispiel des Bridge Pickups, außer dem Wenden des Magneten müssen anschließend auch die Lötanschlüsse der Spule vertauscht werden.

Im ersten Schritt müssen die Saiten entfernt werden, da sie durch den Bügel des Bridge Pickup laufen, was dessen Ausbau behindern würde.

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Eigentlich könnte die Kontrollplatte am Bass verbleiben, aber da ich außerdem die Fächer der Pickups bei der Gelegenheit mit Kupferfolie auskleiden möchte (die es kurioserweise bei diesem 2k+ Bass auch nicht gibt), nehme ich sie auch ab.

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Jetzt wird der Bridge Pickup mit den vier Schrauben des Blechgehäuses abgeschraubt und nach Herausdrehen der beiden Höhenverstellschrauben läßt sich der Pickup entnehmen. Zu beachten ist an dieser Stelle für den späteren Zusammenbau der Sitz der Federn, der Erdungs-Lötöse am Blechgehäuse und der Gummischeiben. Wenn die im Bild (noch eingedrehten) sichtbaren beiden Schrauben aus der Kunststoff-Montageplatte herausgedreht sind, läßt sie sich vom Tonabnehmer abheben.

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Für die geplante Modifikation muß der Permanentmagnet (hier noch zwischen der Kunststoff-Montageplatte und dem Spulenkörper) so gedreht werden, daß der im Bild momentan noch oben liegende Südpol (S) dann der Spule zugewandt ist, also unten liegt. Die Drehung erfolgt also etwa in dem Sinne, wie man ein Kalenderblatt oder eine Buchseite umdreht.

2714_1.jpg


Um den Magneten drehen zu können, müssen die Anschlüsse unter der Kontrollplatte erstmal abgelötet werden, beim späteren Zusammenbau werden sie umgekehrt wieder angelötet. Der 'heiße' Anschluß, der hier einen geringfügig dünneren Draht hat (und später der Masseanschluß wird), ist mit einem kurzen Schrumpfschlauch isoliert, der muß zum Entlöten natürlich weg...

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Jetzt muß der Magnet von der Spule getrennt werden, wozu die vier Polschrauben zunächst um den Betrag herausgedreht werden müssen, den sie in den Magnetkern ragen.

2725.jpg


Jetzt lassen sich Spule und Kern voneinander trennen, zur Sicherheit habe ich mir auf die (bisherige) Unterseite ein 'S' gemalt, damit ich den Kern nicht versehentlich wieder in gleicher Richtung montiere. Leider ist mir dabei ein mittlerer GAU passiert, eine der Spulenzuleitungen ist beim Hantieren abgebrochen!

2727.jpg


Glücklicherweise ist es das äußere Ende der Spule und auch nicht direkt der hauchdünne Spulendraht, sondern tatsächlich 'nur' die angelötete Zuleitung...

2728_1.jpg


...die sich nach vorsichtigem Öffnen des Isolierbandes seitlich herausziehen- und wieder neu verlöten läßt. Im Bild sieht man auch die teilweise herausgedrehten Polschrauben.

2729.jpg


Nach Wenden des Magneten wird alles wieder zusammengebaut und die Polschrauben wieder in den Magneten gedreht.

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Vor dem endgültigen Zusammenbau noch ein Test... die Spule hat ihre 12 kOhm, ist also gottseidank ok! Jetzt wird der Pickup wieder angelötet, diesmal kommt der dünnere Draht (der mir abgebrochen war) aber an die Masseöse und der ehemalige Massedraht wird hetzt das 'heiße' Ende!

2732.jpg


Vor dem Zusammenbau kommt wie gesagt noch etwas selbstklebende Kupferfolie in die Fräsung des Bridge PU. Boden und Seiten werden für einwandfreie Verbindung mit einem kleinen Lötklecks verbunden, die obere Kante so weit umgeschlagen, daß das (geerdete) Blech der Abdeckung darauf zu liegen kommt.

2733.jpg


Auch der Neck Pickup und das Schaltpanel werden noch etwas mit Folie abgeschirmt, dann kann wieder zusammengebaut werden. Der Klang ist gleich geblieben, aber die extreme Empfindlichkeit gegen Einstreuungen ist tatsächlich weg!

Grundsätzlich läßt sich diese 'RWRP Modifikation' bei allen Singlecoils durchführen, deren Konstruktion das Drehen des Magneten erlaubt... allerdings gibt es auf dem aktuellen Markt außer dem Rick so gut wie kein Instrument, das diese Anordnung nicht schon werksmäßig mitbringt.
 
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