Die Gitarre klingt auch sehr nasal, hoffe das geht dann auch weg.
Das hängt natürlich auch möglicherweise an den PUs selbst, die eher auf rockige Durchsetzung getrimmt sind. Oft verwendet Wilkinson auch Ceramic-Magneten, was mir persönlich nur bei wenigen HB-Typen wirklich gefällt, etwa dem Gibson 500t, Duncan Custom und Distortion. Der Magnet ist bei einem HB aber auch meist nicht schwer zu wechseln, zumindest, wenn man keine Kappen auf den PUs hat. Kann sich durchaus lohnen und ist halt viel billiger als den ganzen PU zu tauschen. Ein A5 Magnet wird idR etwas weniger Mitten bringen, ein A2 eher mehr, und ein A4 lässt den Ton in vielen HB ausgeglichener werden - was postiv sein kann, aber umgekehrt auch etwas "langweiliger" klingen kann. In der Halsposition mein absoluter Liebling, weil er Wummern und Matschen bekämpft und am Hals besonders schöne "Flötentöne" bei Soli bringt, wenn es Gitarre und PU hergeben. Wenn man erst mal die Kappen wegmachen muss, ist es natürlich etwas mühsamer, fürs Ablöten der dicken Lötpunkte empfehle ich einen anderen, stärkeren Lötkolben zu benutzen - kurz und heiß vertragen Beuateile besser als lange Lötorgien mit zu wenig Power und zu feiner Spitze.
Wenn Du die Caps messen kannst, sollten die Potiwiderstände kein Problem sein, dazu hast Du noch nichts geschrieben. Sollten sie deutlich unter 500 KOhm liegen, kann es schon sein, dass die Resonanzfrequenz so weit nach unten verlagert ist, dass es nicht so schön klingt. Umgekehrt könnte es aber auch sein, dass der "Peak" der PUs mit 500 KOhm einfach zu ausgeprägt ist, sodass es vielleicht sogar besser klingt, wenn Du den Widerstand herabsetzt. Technisch recht simpel, dazu musst Du nur einen Widerstand parallel zum Volume einsetzen, also vom Eingang zur Masse. Dazu kann man ein Trimmpoti nehmen, aber auch einfach mal mit 1 MOhm anfangen und dann runtergehen. Festwiderstände kann man im E-Fach ja recht leicht in die Ösen pfriemeln und provisorisch befestigen, um verschiende Werte auszutesten.
Auch sonst gibts noch viele klangliche Stellschrauben an so einer Les Paul. Als ganz wesentlicher Punkt hat sich für mich immer wieder die Hardware erwiesen, und da vor allem die Bridge. Die meisten Tunomatics sind aus Gussmaterial, auch die Originale. Das ist jetzt schwingungstechnisch nicht unbedingt das Optimum, vor allem wenn auch die Saitenreiter aus diesem Zeug sind, die bei Gibson zumindest ursprünglich aus Messing bestanden. Denn da liegt die Saite ja nun unmittelbar auf, also sollte das Material die Saite nicht schon hier dämpfen. Mit "nasal" umschreibt man ja meistens, dass es ausgeprägte Spitzen im (oberen) Mittenbereich gibt und die Bässe und Höhen dahinter zurücktreten. Das ist schon etwas, was billige Gussteile eher fördern, zumal auch die Passungen bei Guss technisch bedingt nie so ganz exakt sind.
Ich bin ein großer Fan der Hardware von ABM, bei der gar nichts gegossen wird, sondern die ganze Bridge aus Messing gefräst ist. Bei den Gitarren, bei denen ich diese Bridges verbaut habe, wurde der Ton bisher immer stabiler, ausgeglichener und breitbandiger im Spektrum. Leider nicht ganz billig, halt Made in Germany, Top-Materialien und sehr exakte Fertigung. Gibt es in vielen Varianten für diverse Befestigungen, entsprechend auch für die vermutlich bei Dir verwendeten dicken Gewinde (8mm?), die man bei asiatischen Gitarren findet.
Es gibt aber auch Adapter von ABM und Göldo, mit denen man eine Bridge mit 4mm-Löchern (Standard bei Gibsons Ur-Tunomatic und vielen anderen) in 8mm-Gewinde schrauben kann. Ich habe damit auch mal eine Duesenberg Radius-Bridge verbaut, die ich auch sehr gut finde, die aber etwas brillanter und neutraler klingt. Im Prinzip baugleich, nur mit gerader Oberseite (und 20 € billiger) gibt es noch die Göldo 3-Point Vario-Bridge. Bei beiden sind die Reiter aus gesintertem Edelstahl, und sie sind so gelagert, dass sie auf beiden Seiten aufliegen und nicht durch zuviel Spiel rappeln (auch ein Problem bei vielen Tunomatics, das ebenfalls "Ton klaut"). Zu giter Letzt kann man auch noch das Tailpiece gegen eines aus Alu oder Messing tauschen, das bringt dann oft auch nochmal eine Verbesserung in Sachen Transparenz und Sustain.
Die Bridge halte ich für die Tonqualität allerdings für eines der wichtigsten Bauteile überhaupt, gleich bei welcher
E-Gitarre. Schade, dass ausgerechnet hier manchmal bis in hohe Preisklassen gespart wird. Na ja, manchmal auch einfach aus Vintage-Wahn", weil die Hersteller das vor 80 Jahren halt auch schon getan hatten...
Nach meiner Erfahrung profitiert eine GItarre jedenfalls oft mehr aus solchen Modifikationen als aus edlen Boutique-PUs. PUs sind für mich eher Geschmackssache, wie die Einstellung des eigenen Amps. Mit anderen PUs klingt die Gitarre erstmal nur "anders", mit der optimalen Hardware kann man unabhängig vom Sound die Vorgaben verbessern, mit der ein PU arbeiten muss.
Gruß, bagotrix