[Review] AKG C3000 - Großmembranmikrofon

von unixbook, 27.11.16.

  1. unixbook

    unixbook Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.11.16   #1
    AKG C3000

    Das C3000 ist bei mir nun seit etwa zwei Jahren immer mal wieder in Benutzung. Es ist Zeit, meine Erfahrungen damit zu teilen. Vorab ist es jedoch wichtig darauf hinzuweisen, dass AKG die Bauweise des C3000 immer wieder geändert hat. So gab es beispielsweise zwischen 1993 und 1999 ein zweikapseliges Mikrofon mit dieser Bezeichnung, welches einen legendär guten Ruf genießt. Bei meinem AKG C3000 handelt es sich um eines aus dem Jahr 2013.

    FullSizeRender-2.jpg

    Aufbau und Ausstattung

    Bei diesem Mikrofon handelt es sich um ein Großmembranmikrofon mit Nierencharakteristik. Die goldbeschichtete Membran hat eine Größe von 1 Zoll und ist zum Abdämpfen von Trittschall und Berührungen am Mikrofon bzw. Mikrofonständer federnd aufgehangen im Mikrofon. Der Frequenzbereich liegt zwischen 20-20000 Hz. Es verfügt über einen schaltbaren Tiefpassfilter bei 500 Hz, und einen Schalter zur Signalabsenkung um 10 dB. Die Impedanz liegt bei unter 100 Ohm. Der Rauschabstand beträgt 80 dB. Der Ausgangspegel liegt bei 25 mV/Pa.

    Mein AKG C3000 kam noch mit einem stabilen Mikrofonkoffer. Allerdings scheint dieser derzeit nicht mehr zum Lieferumfang zu gehören.

    FullSizeRender-3.jpg

    Neben dem Mikrofon befand sich noch eine Spinne in dem Koffer. Diese Spinne ist jedoch eher minderwertiger Qualität. Sie ist aus Kunststoff gefertigt und mutet billig an. Über Kopf würde ich ihr mein AKG C3000 nicht anvertrauen. Allerdings ist eine Über-Kopf-Aufhängung auch nur bei Röhrenmikrofonen wirklich notwendig.

    FullSizeRender-1.jpg

    Der Anschluss erfolgt über die bei diesem Mikrofonen üblichen XLR-Kabel. Die Stifte des XLR-Anschlusses sind vergoldet.

    Zum Betrieb dieses Mikrofons ist eine Phantomspeisung erforderlich. Allerdings ist es hier nicht so wählerisch. Es läuft z.B. auch an einer Phantomstromquelle, die nur 9 V zur Verfügung stellt. Maximal verträgt es 52 V.

    Klang

    Das AKG C3000 bietet bei einer Vielzahl von Anwendungen einen wirklich sehr angenehmen Klang. Der Ausgangspegel ist hoch.

    Es gefällt mir besonders gut für Frauenstimmen. Hier spielt es seine Stärken in der Detailzeichnung in den hohen Lagen besonders gut aus. Aber auch für Männerstimmen ist es wirklich gut zu gebrauchen. Bei Stimmen sollte unbedingt ein Popfilter zum Einsatz kommen, da sonst S- und P-Laute sehr unangenehm werden können. Der eingebaute Popfilter bringt hier wenig.

    Die Bässe sind knackig und trocken. Insgesamt ist es wirklich detailreich und schnell in der Wiedergabe ohne dabei steril zu wirken. Es ist tendenziell recht neutral mit einer Tendenz zu Wärme im Klangbild. Es matscht auch bei höheren Lautstärken nicht. So habe ich es beispielsweise auch bei der Abnahme zweier Posaunen verwendet und damit ein vernünftiges Ergebnis erzielen können.

    Bei der Abnahme von Gitarrenverstärkern gefiel es mir persönlich nicht so gut, allerdings bevorzuge ich hier generell andere Mikrofontypen.

    Am häufigsten benutze ich es für die Aufnahme akustischer Gitarren. Hier empfinde ich es als wirklich großartig.

    Als besonders rückkoplungsempfindlich habe ich es nicht erfahren. Das Rauschen des Mikrofons ist wirklich sehr gering ausgeprägt.

    Es ist wichtig zu bedenken, dass ein Mikrofon immer nur das erste Glied in der Kette bei der Abnahme ist. Das Ergebnis wird wesentlich vom verwendeten Vorverstärker und dem weiteren Aufnahmeequipment mitbestimmt.

    Fazit

    Das AKG C3000 ist ein tolles Großmembranmikrofon für eine Vielzahl von Studioanwendungen. Für den Preis von rund 120 € bietet es ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis. Gespart wurde vor allem bei der Qualität der mitgelieferten Spinne.
     
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  2. Hotspot

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    Erstellt: 27.11.16   #2
    Danke für das schöne Review eines Mikrofons, bei dem die Meinungen sicher auseinandergehen. Das war vor 16 Jahren oder so mein erstes Großmembraner, dem ich nicht wirklich nachtrauere.
    Hast du gegen ein anderes Mikrofon getestet?
     
  3. unixbook

    unixbook Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.11.16   #3
    Nicht direkt. Ich habe aber Zugriff auf zwei weitere Großmembranmikrofone (ein Behringer C3 und ein MXL 770). Beide finden bei mir nicht wirklich Benutzung, da ich das C3000 lieber benutze.

    Es gibt allerdings Situationen, wo ich verschiedene Kleinmembrankondensatormikrofone (z.B. Chorabnahmen Overhead) bzw. dynamische Mikrofone (z.B. Ampabnahme) vorziehe.
     
  4. Astronautenkost

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    Erstellt: 27.11.16   #4
    Das C3000 ist ein Elektretkondensatormikro. Es klingt nicht klar sondern mumpfig, was man eigentlich hören sollte.

    Zum discontinued 3000er:

     
  5. unixbook

    unixbook Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.11.16   #5
    Aha. Danke für die Belehrung.

    Möglich, dass es sich hier um verschiedene Versionen des C3000 handelt? Meines mumpft definitiv nicht.

    Aber ich sehe schon, das AKG C3000 polarisiert... Spannend!
     
  6. Astronautenkost

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    Erstellt: 27.11.16   #6
    Auch Dein 3000er wird mumpfen! Das ist bei den Einsteiger-AKGs eine Geburtskrankheit. Die Frage ist, ob Du das in deiner Abhörsituation wahrnehmen kannst oder ob Dir (noch) die Vergleichsmöglichkeiten fehlen.
     
  7. unixbook

    unixbook Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.11.16   #7
    Einen Vergleich mit einem Neumann U 87 AI konnte ich nicht machen. Möglich, dass es sich im Vergleich mit dieser Klasse mumpfig anhört.
     
  8. mjmueller

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    Erstellt: 27.11.16   #8
    Hallo,
    erst mal besten Dank für Deine Eindrücke!
    Aber zwei Sachen würde ich gerne noch mal kurz anreissen.
    Die Spinne: Wenn ich mich nicht täusche, müsste das die H-85 sein, richtig? Ja, die ist aus Kunststoff, aber der Bajonettverschluss ist in meinen Augen recht praktisch und verlässlich. Und Kunststoff an sich ist auch nicht perse schlecht.
    Ich vermute mal diese Spinne wird mich überleben :)
    Und eine Sache ist mir nicht klar: Was hat denn das "Über-Kopf-Hängen" mit Röhre oder nicht zu tun?
    Grüße
    Markus
     
  9. unixbook

    unixbook Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.11.16   #9
    Da schaue ich nachher nochmal nach und gebe dann Rückmeldung, wenn ich was dazu darauf finde.

    Eine Röhre entwickelt Wärme. Folglich steigt die erwärmte Luft auf. Wenn die Röhre nun unterhalb der Membran ist, dann bewegt sich die erwärmte Luft an der Membran vorbei. Das kann man unter bestimmten Voraussetzungen hören. Hängt man das Röhrenmikro aber über Kopf, dann tritt dieses Problem nicht auf.
     
  10. Hotspot

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    Erstellt: 27.11.16   #10
    Das wäre auch sicherlich kein angemessener Vergleich.
    Ich denke, ein AT2020 oder AT2035 wären adäquate Vergleichsmikrofone.
    So um die Jahrtausendwende herum wurden die AKG C 3000 noch deutlich teurer angeboten und wurden oft für "gehobenes Homrecording" empfohlen. Die gewisse Mumpfigkeit führte da auch schon zu kontroversen Meinungen.
    Ich finde, in dem Preisbereich gibt es heute einige Alternativen, die sich lohnen würden anzutesten.
    Aber wenns passt....ich habe auch ein paar Jahre mit dem Teil aufgenommen.

    Das Überkopf-Hängen hat aber v.a. mit der gewünschten Klangcharakeristik zu tun. Schräg von oben mikrofoniert, wird der kehlige Anteil erhöht, grad bei dünneren Männerstimmen ganz hilfreich.
     
  11. unixbook

    unixbook Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.11.16   #11
    Ich habe nochmal nachgeschaut und kann leider keine Bezeichnung an der Spinne finden.

    Die habe ich leider beide nicht.

    Schräg von oben lässt sich aber auch realisieren ohne das Mikrofon über Kopf zu hängen.
     
  12. Astronautenkost

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    Erstellt: 27.11.16   #12
    Ein paar Techniker haben Röhrenmikrofone früher gehängt. Es gibt aber auch genügend Fotos mit Frankie oder den Beatles, wo das U 47/48 aufrecht ist. Gleiches gilt für das C 12.
     
  13. Hotspot

    Hotspot Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 27.11.16   #13
    Klar. Man kann auch einen Kopfstand machen.
     
  14. unixbook

    unixbook Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.11.16   #14
    Z.B., oder einfach den Mikrofongalgen und die Spinne entsprechend einstellen.
     
  15. mjmueller

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    Erstellt: 28.11.16   #15
    Hallo,
    ich hatte erst 1 Röhrenmikro in der Hand und als ich mit dem Neumann Gefell UM57 aufgenommen habe, hatte ich es aufrecht. Mir ist nichts Störendes aufgefallen und auch keine starke Wärmeentwicklung:nix: Aber den Hinweis nehme ich gerne mal mit fürs nächste Mal :)
    Grüße
    Markus
     
  16. Basselch

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    Hallo,

    ...das auf-dem-Kopf-stehend-hängen hat für den Sänger den Vorteil, daß er unbewußt eine aufrechtere Haltung einnimmt, was Atmung, Stütze und Klang zugute kommt. Ferner noch ein praktischer Vorteil: Ein eventuell notwendiges Textblatt wird weniger verdeckt ;)

    Viele Grüße
    Klaus
     
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