[Review] Angel Lopez EC 3000CN - a stagg product

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- solid top classical guitar made in China -

Bei der Angel Lopez EC 3000C handelt es sich um eine klassische Nylon-Gitarre, die unter dem Suchbegriff Silent Guitar von mir gefunden wurde. Mit ihrem massiven Korpus kann sie nur über den Pickup (2 Band EQ) einen ordentlichen Ton entwickeln. Sie bringt ein Gewicht von etwas über 3 kg auf die Waage.

Gesamtansicht.jpg

Ich suchte nach einer leisen Klassikgitarre zum Üben. Der Händler um die Ecke hatte keine im Sortiment. Im Internet fand ich insgesamt auch nur drei Modelle, die theoretisch verfügbar waren. Die Silent von Yamaha lag über dem geplanten Budget, die Harley Benton Custom Line Nashville Nylon NT war ausverkauft und die Angel Lopez EC 3000 CN lieferbar. Nach den Rezensionen und dem bereits vorhandenen Review hier im Board würde ich eine brauchbare Bühnengitarre erhalten.

Erster Eindruck
Nach dem Öffnen des großen Kartons, kam der kleinere Gitarrenkarton zum Vorschein, auf dem auch vermerkt ist "A STAGG PRODUCT".
Verpackung.jpg ProductOfStagg.jpg Verpackung_innen.jpg

Im Karton in einer Plastiktüte befand sich die noch einmal in eine dünne Flieshülle gepackte Gitarre. Das hohe Gewicht überraschte mich. Nach dem Entpacken sieht sie genauso hässlich aus wie auf den Produktbildern. Zudem wirkt der Kopf klobig, die vergoldeten Mechaniken wirken plump und sind nicht mein Stil. Also: Gitarre wie im Shop beschrieben. Auf den Fotos klebt bereits die Kröte drauf, um die Optik in meinen Augen aufzuwerten.
Gesamtansicht_frontal.jpg Gesamtsicht_rueckseite.jpg

Inbetriebnahme
Die Gitarre lässt sich gut balancieren, der Hals ist dann fast waagerecht zum Boden. Als erstes habe ich dennoch einen Gurt befestigt, um das Gewicht zu verteilen. Der Gurt ging gut über die fest sitzenden Pins und hält seitdem.
Beim ersten Greifen fiel mir der sehr flache Hals auf, beim ersten Saitenwechsel das teilweise sehr raue Griffbrett. Die Bundstäbchen schließen ab, ich bleibe nirgends hängen, alles sitzt fest, der Lack ist gleichmäßig, keine Staubeinschlüsse, Wülste oder Kratzer. Die Bedienelemente sind leicht zu erreichen und funktionieren zufriedenstellend. Es gibt drei beschriftete Regler (AR 300). Das Batteriefach befindet sich bei den Reglern. Alles sitzt gut im Korpus und verselbständigt sich auch nicht. Die Mechaniken haben kein Spiel, lassen sich gut bedienen und die Saiten reagieren sofort, so dass im Sattel wohl alles passt. Der Steg ist fest, aber etwas rau, der erste Saitenwechsel ging problemlos vonstatten.
Bedienfeld.jpg Buchse.jpg Kopf.jpg Mechanik.jpgSteg.jpg
Spezifikationen:
  • massiver Fichtenkorpus
  • geschraubter Mahagonihals
  • gewölbtes Griffbrett: Composite Wood (Verbundholz)
  • Mensur: 646 mm
  • Sattelbreite: 48 mm
  • vergoldete Mechanik mit Pearloid Köpfen
  • eingebauter Pickup mit 2-Band EQ

Lautstärke unverstärkt
Meine Schallmessung hat ergeben, dass ich die Gitarre nicht über 66 dB (Messung mit Handy-App in 30cm Abstand) bekomme. Wenn ich sehr laut spiele (sowohl zupfen als auch schlagen), ist sie bei 60 +-5dB, leises Spielen 25 bis 40 dB. Meine App sagt, dass das lauteste, was die Gitarre unverstärkt schafft, der Lautstärke eines normalen Gesprächs entspricht.

Alltag
Zweieinhalb Wochen nach dem Saitenwechsel hält die Stimmung noch immer nicht über einen Tag, was mir zu lang vorkommt. Derzeit sind Belfort Klassik (028/043) drauf. Für das Stimmen mit App ist sie je nach Umgebungslärm zu leise. Meist stimme ich nur die tiefste Saite mit App und den Rest dann daran, da dies definitiv besser geht. Die Saitenlage ist recht hoch, die üblichen Messungen Euro-Stück zwischen 11. und 12. Bundstäbchen und Blatt Papier (80g) am 1. Bund bei gedrücktem 3. Bund ergeben, dass mehr als das Doppelte drunter passt. Ich hatte Westerngitarren in der Hand, die sich leichter spielen ließen. Aber vielleicht liegt das auch am ungewohnt flachen Hals und der für mich breiten Mensur.

Durch den Cutaway erreicht man auch hohe Bünde gut, ich kann keine Unreinheit hören, wenn ich mich über das Griffbrett bewege.

Im Spielalltag übe ich mittlerweile alles mit dieser Gitarre. Niemand wird gezwungen mitzuhören, so traue ich mich weiter zu üben, wenn ich selbst schon von den Wiederholungen genervt bin. Damit hat sie den Kaufzweck voll erfüllt. Der Klang ist unverstärkt natürlich grottig, aber ich kann meine Fehler hören. Dass unter den bisher beschriebenen Bedingungen keine Liebe entsteht, ist sicher verständlich. Dennoch animiert sie mich zum "Herumspielen". Über einen kleinen Kopfhörerverstärke kann ich meine Übungen aufwerten, gerade Schlagmuster abwechslungsreicher üben. Zudem ist sie meine erste Gitarre, die ich direkt an die Soundkarte anschließen bzw. auf die ich über den Kopfhörerverstärker Playalongs einspielen kann. Ich beschäftige mich so über meine normale Übezeit hinaus mit der Gitarre, was dem Lernfortschritt zugute kommt.

Klangbeispiel
Von künstlerischer Wertschöpfung weit entfernt, aber ich stelle es trotzdem für einen ersten Höreindruck ein.

mit Strippe direkt in die UR12

nur mit Mikro hatte ich Schwierigkeiten, die gezupfte Stelle überhaupt aufzunehmen, nach etwas Pfriemelei kann man es aber nun hören. Ich musste die Regler für Mikro und Eingang weit aufdrehen.

Fazit
Die Gitarre erlaubt mir unbefangenes Üben und ich kann über die Tonabnahme meinen Spieltrieb ausleben. Vom hohen Gewicht, Haptik und Optik her liegt sie mir nicht. Sie erfüllt aber ihren Kaufzweck und das Preis-Leistungs-Verhältnis finde ich in Ordnung. Sie ist einfach ein Ding zum Üben.

Pro
+ leise
+ Preis-Leistungs-Verhältnis

Contra
- hohes Gewicht
- sehr flacher Hals
- Saitenlage

Ende
Zwei Punkte zur Qualität meines Reviews.
  1. Es ist mein erstes.
  2. Ich bin Gitarrenanfängerin.
Ich gehe davon aus, dass Fragen offen sind, ich mich nicht genau ausgedrückt habe, interessante Themen gar nicht angesprochen habe usw. usf. Nachfragen werde ich sehr gern, im Rahmen meiner hoffentlich wachsenden Fähigkeiten, beantworten.
 
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rw
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Schönes Review, noch ein paar Hinweise: Dass 2.5 Wochen nach dem Saitenwechsel die Nylonsaiten keinen Tag durchhalten, ist völlig normal. Ich muss auf meinen teuren Gitarren mit teuren Saiten und teuren Mechaniken in der Ensembleprobe alle 2 oder 3 Stücke nachstimmen. Besonders lustig ist es, wenn man mit einer gut gestimmten klassischen auf die Bühne kommt - und dann in der Wärme des Scheinwerferlichts (noch in Vor-LED-Zeiten) im ersten Satz eines Stückes die Stimmung einen Viertelton abrutscht.
Außerdem ist die Saitenlage bei Nylonsaiteninstrumenten typischerweise merklich höher, als bei Steelstrings. Bei den von Dir angegebenen Werten würde ich mir keinen Kopf machen. Meine Hochpreisinstrumente haben am 12. Bund typischerweise Saitenlagen von gut 4mm über dem Bundstäbchen.
 
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trantuete
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Die Saitenlage lässt sich auch durch Austausch oder Abschleifen der herausnehmbaren Stegeinlage ändern.
 

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