[review] Beyerdynamic DT 30 IE - Ear Candy on a budget

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Intro

In Bandproben nutze ich drahtgebundenes IEM - und das hat einen Grund: Ich habe ein LD MEI 1000 G2 Wireless* System, das EXTREM wählerisch bei Kopfhörern ist und mich bislang nicht abgeholt hat (außer in Verbindung mit AKG 240 MK II, die ich aber schlecht als Sänger auf der Bühne tragen kann ;)). Alle - ausnahmslos alle - In-Ear Hörer, die ich bislang getestet habe, erzeugten mit dem MEI derartige Rauschfahnen, dass das System für mich nicht nutzbar war. Nicht für Gesang und erst Recht nicht für Keyboards, bei denen es auch mal "leiser" zugehen kann.

Die Hörluchs HL1050* zeigten sich da bisher als die besten Kandidaten, aber noch immer nicht überzeugend. Ich hatte mal kurz die Beyerdynamic* 70er Serie hier, die in einer ganz anderen Preisklasse spielt. Auch die habe ich nach Sekunden wieder eingepackt, weil sie mit dem Rauschfahnen-Generator nicht klar kamen.

Umso gespannter war ich, als @hack_meck die beyerdynamic DT 30 IE Testrunde auslobte, bei der ich als Tester ausgelost wurde. Gleichzeitig hatte ich kaum Erwartungen, dass ich hier "abgeholt" werde.

Die IEMs

Dass Beyerdynamic* gute Geräte baut, steht außer Frage. Dass sie diese auch ansprechend präsentieren, ist auch bekannt. So ist es nicht verwunderlich, dass die DT 30 IE in einem eleganten, mattschwarzen Karton geliefert werden. Darin befindet sich ein stabiles, schwarzes Etui, rundum mit sauber laufendem Reißverschluss und darin die Ohrhörer.

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Allein schon das Etui strahlt Wertigkeit aus, ist sauber verarbeitet und zum Transport gut geeignet. Bei mir im Saxophonkoffer habe ich da keine Bedenken. Andere Hersteller spendieren Geräten in der Preisklasse kleine Säckchen, die man suchen muss, die sich in der Ecke verkrümeln und in denen die Kabel ständig verknotet sind. Beyerdynamic* lädt hier mit dem Etui alleine schon zum ordentlichen Umgang mit dem Kabel ein.

Die abnehmbaren, weißen Kabel nutzen MMCX Stecker zu den Treibern, die sich erstaunlich leicht anstecken lassen, aber trotzdem sehr gut halten. Ich hatte zunächst Bedenken, dass sie sich genauso leicht lösen würden, das ist aber noch nicht passiert. Die Kabel sitzen gut fest und sind bislang über jeden Zweifel erhaben. Die Ohrstücke sind gut lesbar beschriftet (L/R) und die Kabel farbcodiert (rot ist schwarz und Plus is Minus, äh - rot/orange markiert die rechte Seite). Die Kabel sind weiß - hier hätte ich transparente Kabel bevorzugt, die besser zu den transparenten Treibern gepasst hätten, aber das ist eine Kleinigkeit.

Also zusammenstecken und passende Ohrstücke finden. Ich kenne das Spielchen schon - mit Schaumstoff komme ich bei meinen sehr kleinen Gehörgängen (in großen "Ohrwascheln") nicht zurecht, so auch hier. Also auf zu den Silikon-Stücken. Hier fällt mir sofort etwas auf:

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Die Silikon-Passstücke sind nicht rund, wie bei den meisten anderen Herstellern, sondern oval. Für mich perfekt passend (Größe S) und sehr angenehm zu tragen. Runde Passstücke funktionieren bei mir nicht so gut. Entsprechend hoch ist auch die passive Dämpfung, die Beyerdynamic* mit "bis zu 39 dB" angibt. Messen kann ich es nicht, aber im Vergleich mit meinen angepassten Gehörschützern mit 25dB Filter wirkt es mit dem DT 30 IE doch ein gutes Stück leiser.

Technische Daten

Das Kopieren der Datenblätter spare ich mir hier, die kann man auf der Produktseite des Herstellers nachlesen. Die Impedanz von 18 Ohm verspricht einen hohen Wirkungsgrad. Ein Versprechen, das auch gehalten wird.

Der Hörtest

Wie klingen sie denn jetzt? Soll ich, oder soll ich nicht gleich am MEI 1000 testen? Ach, was soll's, gleich ran damit :)

Ich habe die DT 30 IE in meinen LD Empfänger gesteckt, mich ans E-Piano gesetzt und war erschrocken. Habe ich aus Versehen die Hörer direkt in den Kopfhörerausgang gestöpselt? Nein, hab ich nicht. Was ich da hörte kam tatsächlich über Wireless IE. Ich nahm beim ersten Test nahezu keine Rauschfahnen wahr, lediglich klaren, gut durchzeichneten Klang. Ebenso beim Gesang: Sauberes Klangbild ohne störende Fahnen und selbst der Hall, den ich mir gerne leicht auf die IEMs gebe, ging nicht im Rauschen unter.

Das schaffen nicht mal teurere IEMs bei mir. Chapeau!

Um mich etwas weiter mit den Teilen anzufreunden habe ich sie in mein MacBook gestöpselt und verschiedene Quellen aus der Konserve angehört. Für mich besonders aussagekräftig, was Auflösung und Zeichnung angeht ist "Biko" von den Simple Minds aus der "Street Fighting Years" CD, die mir als Wave vorliegt. Das Stück hat sehr viel "Ambient" Sound im Intro, den ich mit den Hörern ausgezeichnet wahrnehmen konnte und auch gut lokalisieren konnte. Danach habe ich die Hörer auf meine eigenen Mixe losgelassen und die im Tonstudio von unserer Band angefertigten Master. In jeder Situation bekam ich ein angenehmes, gut auflösendes, nicht zu analytisches (aber auch nicht zu HiFi) Klangbild präsentiert.

Also nochmal zurück zum LD MEI 1000 G2. Ich habe eine Mehrspur-Aufnahme aus unserem Proberaum in mein XR 18 eingespielt um eine echte IEM Situation zu simulieren. Mikrofon in die Hand und dazu gesungen. Auch hier bestätigte sich der Eindruck: Selbst mit dem von mir sonst so geschmähten Wireless IEM System bekam ich eine gute Qualität, gute Durchzeichnung, sehr gute Abschirmung - und das zu einem sehr günstigen Preis.

Mein Fazit

Ich bin beeindruckt. Beyerdynamic* ist es hier gelungen, einen rundum stimmigen In-Ear Hörer zu bauen, der sehr gut sitzt (durch die ovalen Silikon-Passstücke), dadurch ordentlich abdichtet, sehr fein klingt und dazu noch mit "schwierigen" IEM Funksystemen umgehen kann. Präsentiert in einem wertigen Etui, in dem die Geräte gut geschützt sind, zum aktuellen (07/2026) Straßenpreis von 119 Euro.

beyerdynamic DT 30 IE*
*

Anmerkung: Ein "echter" Einsatz in einer Probe oder bei einem Gig steht noch aus. Wird nachgeliefert, sobald alle gesund sind und Zeit haben ;)
 
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Danke für den interessanten Bericht! Kannst Du noch ergründen, warum diese Hörer weniger Rauschfahnen wiedergeben? Andere Impedanz o.ä.?
 
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  • #3
Kannst Du noch ergründen, warum diese Hörer weniger Rauschfahnen wiedergeben?
Danke für die Frage. Ich hatte mich vor einiger Zeit mit dem LD Support ausgetauscht, wir hatten auch Hörbeispiele erstellt. Die erste Annahme vom Support war, dass der Empfänger eine hohe Impedanz auf dem KH braucht. Diese Theorie liess sich nicht "validieren", denn auch mit simulierter hoher Impedanz (ich hatte ein Sennheiser P2 nachgeschaltet mit hoher Eingangsimpedanz, auch mal versucht in ein Pult (Hi-Z) zu gehen) blieben die Fahnen.

Darum hatte ich zunächst als ich bei den beyerdynamic was von 18 Ohm las auch keine Hoffnungen.

Die Fahnen sind bei niedrigem Pegel noch wahrnehmbar, aber wesentlich geringer als bei allen anderen Hörern. Der Frequenzgang der DT 30 IE ist jetzt auch nicht so drastisch anders als bei Vergleichsmodellen, die mir vorliegen.

In Summe: ich habe keine Ahnung, genieße es einfach im Moment. Vielleicht kommt noch irgendwann ein Aha-Erlebnis.
 
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Offensichtlich haben die InEar Empfänger eine gewisse Unzulänglichkeit.
Dann kommen so Faktoren wie Impedanz und Empfindlichkeit des Hörers ins Spiel. Es kann sein, dass mit gerade dem Hörer ein Arbeitspunkt des IEM Empfängers getroffen wird, wo die Probleme mit der Rauschfahne minimal sind.
Vermutlich einfach Glück gehabt, dass der Empfänger bei dem Hörer mit genau diesen Eigenschaften gerade gut performt.

Bei einem guten IEM Empfänger sollte das Hörermodell eigentlich in weiten Bereichen gar keinen Einfluss haben.
 
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  • #5
Bei einem guten IEM Empfänger sollte das Hörermodell eigentlich in weiten Bereichen gar keinen Einfluss haben.
So sollte es sein. Erneut würde ich mir nicht dasselbe System zulegen, hier habe ich deutlich am falschen Ende gespart und es daher auch so gut wie nicht eingesetzt. Umso glücklicher bin ich, dass es jetzt vielleicht doch noch zum Einsatz kommt statt in den Elektroschrott...
 
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  • #6
Update

Gestern hatten wir endlich wieder Probe. Einerseits schön, dass hier in Hessen die Schulferien zu Ende gehen, andererseits - ach, das ist ein anderes Thema ;) (und nein, ich bin kein Lehrer, hab keine schulpflichtigen Kinder, nur eine schulpflichtige Ehefrau ;) )

Mal wieder bin ich gleich "den ganzen Schritt" gegangen und hab die LD Einheit mit den DT 30 IE Hörern mitgenommen und dort angeschlossen, wo normalerweise der PowerPlay P2 sitzen würde.

Dämpfung und Tragekomfort

Zunächst mal zum Grund, warum ich überhaupt IEM nutze: Ich stehe im Proberaum direkt neben dem akustischen Drumkit, der Proberaum ist klein und damit automatisch laut, auch wenn unser Drummer durchaus auch "zart" spielen kann. Die Dämpfung der DT 30 IE mit den von mir gewählten Silikonpolstern ist sehr gut, Drums, Gitarre und Bass dringen nur leise und dezent an mein Ohr.

Über die gesamte Probe (ca. 90 Minuten) konnte ich die Stöpsel im Ohr haben ohne Druckgefühl oder Ähnliches, der Tragekomfort ist für mich sehr gut. Nichts rutscht raus oder stört. Anmerkung: Sehr zum Leidwesen meiner Band-Kollegen stehe ich beim Singen selten starr, sondern laufe auch mal gerne durch den Raum oder Steppe hier und da mal. Die Hörer halten auch "in Bewegung". Dazu trage ich noch einen Saxophongurt um den Hals für die Momente, in denen ich Gesang gegen Tenorsax tausche. Auch hier kein Problem.

Klang

Auch wenn im Proberaum keine Zeit war, das IEM System richtig einzupegeln (der LD MEI 1000 will schon ordentlich Pegel am Eingang sehen um gut zu arbeiten) hat sich der gute Klangeindruck im Zusammenspiel der beiden Komponenten bestätigt. Die Vocals kamen klar, deutlich und ohne störende Nebengeräusche bei mir an. Das Klangbild war sehr detailliert (und hat mir jeden Fehler sofort deutlich gemacht) ohne übertrieben spitz zu sein. Die Instrumente aus dem Proberaum (die nur über Raummikro, aka Mikro Bleed) bei mir ins IEM kamen waren differenziert abgebildet. Einzig bei einer sehr sanft in hoher Lage gespielten E-Gitarren-Passage hatte ich mal eine störende Rauschfahne, die ähnlich wie ein schnarrender Snare Teppich klang. War aber in Summe zu verschmerzen.

Fazit (Bestätigung)

Die DT 30 IE sind allein für sich schon sehr gut, für mich komfortabel zu tragen, isolieren gut und im Zusammenspiel mit dem LD MEI 1000 scheinbar ein "Match". Für mich ist der Hörer eine Befreiung (vom Kabel-IEM :) ) und bekommt 5 von 5 Sternen (dazu noch zu dem Preis)
 
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Weiteres Update: Gestern Gig

Gestern ging es dann mal wieder in die Vollen und wir durften einen Gig spielen. Relativ kleiner Raum, kleine Bühne, hinter mir A-Drums, rechts hinter mir Gitarre (4x12), links hinter mir Bass (2x10 und 1x15). Auf der PA nur Gesang.

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Die Band Lautstärke hat sich an den nicht-abgenommenen A-Drums orientiert. Beim Publikum war es nicht zu laut, auf der Bühne schon.

Die DT 30 IE haben gut gedämpft, so dass ich den gesamten Abend gut durchgehalten habe und hinterher keine negativen Effekte auf dem Gehör hatte. Klanglich (über LD MEI 1000 G3) keine Probleme, keine Einschränkungen, Stimmen sehr klar und differenziert.

Was mir auffiel: Ich war nach dem Konzert weit weniger angestrengt, als mit klassischem Monitoring. Scheinbar hat sich die gute akustische Kontrolle auf eine entspanntere Stimmführung ausgewirkt.

Die DT 30 IE tragen sich super angenehm (für mich), klingen klasse und nach weit mehr Budget als aufgerufen. Mein positiver Erst-Eindruck hat sich bestätigt.
 
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