Wil_Riker
Helpful & Friendly Akkordeon-Moderator
- 28.10.26
- 04.11.06
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Einleitung
Vor ungefähr vier Jahren platzierte US-Hersteller Mackie mit der Thrash eine PA-Aktivbox unterhalb der vorherigen Einsteigerserie Thump, um ohne viel Schnickschnack günstig und gut Proberäume oder kleine Locations beschallen zu können. Mit der kürzlich vorgestellten nächsten Generation Trashv2 fand eine komplette Überarbeitung statt, und einige Features wurden von der neuen Thumpv4 übernommen. Ich durfte fürs Musiker-Board als einer der ersten Tester nach Veröffentlichung die 12"-Ausführung Mackie Thrash12v2 ausprobieren, die zum Verkaufsstart zu einem Straßenpreis von 369 € (September 2026) erhältlich ist.Mackie Thrash12v2*
Anm.: Die als Thumbnails eingebundenen Fotos öffnen sich nach einem Klick/Touch in Vollansicht.
Lieferumfang, Ausstattung, technische Daten
Die neue Mackie Thrash12v2 kommt in einem bunten Verkaufskarton ins Haus und enthält neben der Box selbst das benötigte Kaltgeräte-Netzkabel (200 cm), ein paar Beipackzettel sowie den Quick Start Guide. Das Handbuch in ausführlicher Form (und momentan nur englischer Sprache) gibt's auf der Internetseite des Herstellers zum Download.Bereits der erste optische Eindruck der neuen Thrash sorgt für Verblüffung: Vorbei ist die Zeit des martialischen Designs der ersten Serie mit den Mackie-grünen optischen Akzenten - das 614 mm x 353 mm x 348 mm (H x B x T) große Gehäuse besitzt ein unauffälliges/dezentes Design in PA-Schwarz
. Nicht nur deshalb wirbt der Hersteller auf der Verpackung mit dem Slogan "Keep it simple, smart". Die Aktivbox wiegt rückenschonende 13,9 kg.Von vorne betrachtet erinnert die Thrash12v2 aufgrund des stabiles Frontgitter sehr an die Thump12v4; der (drehbare) Running Man ist inkl. Umrandung komplett in Silber gehalten und die auf drei Waben des Gitters verteilte grüne Betriebs-LED sind identisch - lediglich anhand der Form der Gitterschlitze, die sich an den zu beiden Gehäuseseiten hin abgekanteten Rändern befinden, kann man beide Modelle unterscheiden.
Das Gehäuse ist nicht symmetrisch aufgebaut, denn es besitzt nur an einer Seitenfläche, nämlich der von vorne gesehen linken, einen Tragegriff - zum Glück nicht in der unbequemen Ausführung der ersten Serie, sondern abgerundet, ohne Kanten und mit ordentlicher Aussparung zum Anfassen
.Auf der Gegenseite ist lt. Hersteller die kleinere Aufstellfläche zur Rückseite hin für den Einsatz der Thrashv2 als Bühnenmonitor vorgesehen. Der Winkel beträgt 45°, aber leider sind weder Füße noch Gummierung vorhanden, so dass das Gehäuse vollflächig auf dem Untergrund zu liegen kommt und deshalb einerseits vermutlich leicht Kratzer abbekommt (was man auf den Fotos erkennen kann
), andererseits akustisch überhaupt nicht vom Bühnenboden entkoppelt wird
.Insgesamt wirkt die Formgebung modern, da keine durchgehende Seitenfläche vorhanden ist.
Zum Glück hat sich Mackie auch hier vom unergonomisch geformten und schlecht platzierten Griff auf der Oberseite verabschiedet und bietet genau wie an der Gehäuseseite einen richtig guten mittigen Anfasser ohne Ecken und Kanten und großer Aussparung von hinten
Auch auf der Unterseite ist die Thrash12v2 eher einfach verarbeitet/ausgestattet: Die Gummierung der Standfüße hätte ruhig etwas großzügiger ausfallen dürfen
. Hilfreich in manchen Situationen könnte aber sein, dass am 35-mm-Stativflansch in Richtung Rückseite eine Rändelschraube vorhanden ist, um die Box gegen ein Verdrehen auf den Ständer zu arretieren.Auf der Rückseite befinden sich sämtliche Bedien- und Anschlusselemente der Thrash; im unteren Bereich sind links neben dem Typenschild der Netzschalter und die Kaltgerätebuchse für das Anschlusskabel platziert. Und im Gegensatz zur alten Thrash hat sich Mackie hier beim Schriftzug dankenswerterweise für eine Standardschriftart statt für ein Signet im Stil eines Heavy-Metal-Logos entschieden
.Beim Blick auf die Mixing Sektion offenbaren sich die signifikanten Unterschiede der Thrash12v2 zur vorherigen Thrash212: Nur noch ein einzelner kombinierter Klinken-XLR-Eingang, der zwischen Mic- und Line-Pegel umgeschaltet werden kann und nicht mehr mehrere. Dies unterscheidet die neue Thrash nun auch von Mackies höheren Lautsprecherserien - (vermutlich nicht nur) für mich sinnvoll und logisch
. Der für meinen Geschmack etwas zu leichtgängige Gain-Regler rastet bei 12-Uhr-Position, und die danebenliegende Sig/OL-LED leuchtet grün bei anliegendem Eingangssignal und wechselt auf Rot bei Übersteuerung des Inputs.Die Ausgangslautstärke lässt sich mit dem Speaker Level Poti einstellen. Hier warnt eine rote LED, wenn das Limit überschritten ist, d. h. wenn der Limiter eingreift
.Aus der Thump Serie hat die neue Thrash die Bluetooth-Funktionalität (Protokollversion 5.0), den Feedback Eliminator und die Voicing Modes übernommen - allesamt Features, auf die in der Vorgängergeneration verzichtet wurde. Die Möglichkeit, die Thrash12v2 mit Hilfe einer zugehörigen mobilen App zu steuern, fehlt aber nach wie vor; ich vermisse sie nicht
... Kurz zusammengefasst lassen sich zwei Thrashs mit Hilfe der Link Funktion zu einem Stereosystem koppeln und/oder mit einem Zuspieler "paaren"; der Feedback Eliminator setzt nach einem Scan automatisch 12 schmalbandige Filter, um Rückkopplungen zu minimieren, und die Voicing Modes verändern die generelle Klangcharakteristik der Box (Flat = neutral, DJ = Loudness "Badewanne", Live = Optimierte Mitten-/Höhenwiedergabe bei reduzierten Bässen, Wedge = deutlich beschnittene Höhen, um die Bodenkopplung beim Einsatz als Wedge zu minimieren).Außerdem hat Mackie der Thrashv2 einen USB-C-Port spendiert, der allerdings nur zum Einspielen möglicher Firmware Updates dient und nicht als Audioschnittstelle.
Zuletzt kann man mit Hilfe der Mix Out Buchse das Summensignal (inkl. Bluetooth
) zu einer weiteren Box weiterschleifen.Mackie gibt im Datenblatt eine Spitzenleistung der konfektionsgekühlten Class-D-Endstufe von 1300 W an; diese verteilt sich in 1000 W (320 W/RMS) auf den 12"-Tieftöner und 300 W (180 W/RMS) auf den 1"-Hochtöner - letzterer übernimmt ab einer Frequenz von 2 kHz die Wiedergabe. Voll ausgefahren soll der Frequenzbereich von 45 bis 18.000 Hz mit einem Maximalpegel von 129 dB wiedergegeben werden, bevor der Limiter abriegelt (Peak und RMS). Als zusätzliche Schutzeinrichtungen sind ein Subsonic Filter sowie ein Überspannungsschutz und ein Überhitzungsschutz vorhanden. Die Thrash12v2 deckt einen akustischen Bereich von 90° x 60° (H x V) ab.
Und wie sie klingt, speziell im Vergleich zur größeren Schwester Thump12v4, hören wir uns jetzt einmal an!
Praxistest, Fazit
Nach dem Einschalten der Aktivbox hört man ein minimales Rauschen des Hochtöners, und dann geht's auch schon los: Der erste Test im "Trockendock" erfolgt mit per Bluetooth gekoppeltem Smartphone und beiden untereinander verlinkten Thrashs - dies funktioniert intuitiv und "funkt" stabil. Er fällt überraschend aus, denn trotz des typischen Mackie-Sounds, den ich seit Jahren kenne, ist die Abstimmung der Thrash12v2 etwas anders als bei den höheren Serien; "In Your Face" bedeutet dabei, dass sie in der Einstellung Flat zunächst etwas flacher klingt als z. B. die kürzlich von mir getestete Thump12v4, nämlich einen Tick weniger bassig und brillant, was der Box einen direkten Sound verleiht und damit gut zu Gesicht steht! Vereinfacht könnte man sagen: Etwas weniger auf Hochglanz poliertes Wohnzimmer, etwas mehr bodenständiger Hobbykeller
. Das Setup DJ schiebt den Klang für den Standalone-Einsatz als "Ghettoblaster" etwas mehr in Richtung Stereoanlage, Live gefällt mir als Instrumentenverstärker für mein Akkordeon mit integriertem Tonabnehmer gut.Diese positiven Eindrücke reichen mir, um die Thrash12v2 wenige Tage nach Teststellung schon für einen größeren Beschallungsjob einzuplanen: Freilichtbühne, Tanzdarbietungen (teilweise mit Konserve, teilweise mit wechselnden Kleinbesetzungen) - eine Thrash als Monitor an der Vorderkante der Tanzfläche, die andere als Musiker-Monitor, beide auf Wedge konfiguriert. Direkt positiv fällt mir beim Aufbau schon die gegenüber der Vorgängergeneration um 90° gedrehte Netzanschlussbuchse auf - prädestiniert für den liegenden Einsatz. Dadurch, dass nur auf einer Seitenfläche ein Tragegriff vorhanden ist, ergibt sich die auf dem Boden liegende Seitenfläche automatisch
. Da die Mühe allerdings eine gepflasterte Fläche ist, bekommt die beiden Boxen direkt die ersten Kratzer ab; warum Mackie nicht wenigstens eine minimale Gummierung oder kleine Standfüße vorgesehen hat, ist für mich ein Rätsel und führt zu einem dicken Minuspunkt 14 Tage später dürfen die beiden Thrash12v2 dann noch einmal bei einem anderen Event ihr Können unter Beweis stellen: Bei einem großen Kinderfest gilt es, eine etwa 25 m x 8 m große Tanzfläche im Freien mit Konserve zu beschallen. Da DJ-Platz, Licht und Ton aus bestimmten Gründen an einer der langen Seiten aufgebaut werden müssen, dient das Pärchen Aktivboxen zusammen mit dem zeitgleich vorhandenen Testobjekt Mackie Thump18Sv4 (Aktiver 18“ Subwoofer) für etwa die Hälfte der Fläche; für die Kinder und Jugendlichen ist kein extremer Tiefbass gefordert, deshalb passt das so mit einer einzigen Bassbox
. Um die beiden Topteile zu entlasten, schließe ich sie selbstverständlich an die Ausgänge der integrierten Frequenzweiche des Subwoofers an und lasse meine Ohren beim Soundcheck entscheiden, welche Trennfrequenz für diese Kombination am besten passt: Letztendlich lande ich beim vorgegebenen Setup Thump 12 (Crossover 140 Hz); die beiden Thrash12v2 belasse ich im Modus Flat. Zu abendlicher Stunde sorgt das 2.1 System von Mackie dann anderthalb Stunden für Partystimmung - in diesem Tanzflächenbereich tummeln sich etwa 150 Kids - zumal der DJ mit einer zielgruppengerechten Playlist aufwartet
. Den Subwoofer lasse ich dabei auf "Vollgas" laufen, die beiden Thrash etwa auf 3/4 Kraft. Reichweite und horizontale Abdeckung sind für diese Location passend.Insgesamt hinterlässt die Mackie Thrash12v2 als PA-Box der Einsteigerklasse einen guten Eindruck bei mir: Einige Kritikpunkte der ersten Generation hat Mackie ausgemerzt (Griffe) und die Features so angepasst, dass eine sinnvolle Abgrenzung zur Thump12v4 vorhanden ist (mit Bluetooth und Voicing Modes, aber nur einem XLR-Eingangskanal; "einfacherer" Klang). Gut gefällt mir auch das bessere Gehäusedesign - warum Mackie allerdings keine Füße oder gummierten Abstellflächen für den Einsatz als Wedge spendiert hat, weiß wohl nur Mackie selbst
. Dies gibt von mir einen dicken Minuspunkt, zumal die Thrash sich akustisch gut als Monitorbox eignet. Wer sich die Aktivbox für diesen Zweck anschafft, wird wohl eine eigene Lösung finden müssen, um einerseits das Gehäuse zu schonen und andererseits für einen guten Stand zu sorgen. Einplanen sollte man bei einem Kauf auch ein zusätzliches Budget für die zugehörige Transporttasche*, die auch als Trolley* erhältlich ist.Angesichts des Preises ist die Mackie Thrash12v2 eine gute Wahl für Proberaumbeschallung oder kleine Gigs - egal ob Band oder DJ. Wer hinsichtlich Ausstattung und Klang etwas mehr möchte, greift zur 70 € teureren Thump12v4.
*) Affiliate/Werbung