[Review] C. F. Martin & Co. - MA130 Silk & Steel

von unixbook, 21.01.20.

  1. unixbook

    unixbook Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.01.20   #1
    Andere Saiten aufziehen…

    Ursprünglich standen die anderen Saiten in der Redensart „andere Saiten aufziehen“ überwiegend für ein milderes Vorgehen (vgl. https://www.redensarten.net/andere-saiten-aufziehen/). Und ganz in diesem Sinne möchte ich in diesem Review eine mildere Saite vorstellen, die ich an meiner Parlor sehr schätze.

    Martin MA130 Silk & Steel

    IMG_0180.jpg

    Preis:
    knapp 10 Euro pro Satz

    Hersteller:
    C. F. Martin & Co.

    Bei C. F. Martin & Co. Handelt es sich um ein seit 1833 bestehendes amerikanisches Familienunternehmen. Gegründet wurde es von dem deutschen Emigranten Christian Friedrich Martin (1796–1873). Der Schwerpunkt des Unternehmens liegt seit 1838 beim Bau von Gitarren. In den 1970er-Jahren kaufte C. F. Martin & Co. einige Firmen auf. Dazu gehörte u.a. die Darco String Company (Besitzer war die Familie D’Addario).

    Verpackung:

    Die Saiten kommen in einem verschweißten Plastiktütchen. Darin sind sie einzeln in Papierheftchen verpackt. Diese Doppelverpackung könnte man unter Gesichtspunkten des Umweltschutzes sicher sparsamer lösen.

    Aufbau:

    IMG_0181.jpg

    Bei dem Satz Martin MA130 Silk & Steel sind die ersten beiden Saiten normale Stahlsaiten. Das Silk & Steel bezieht sich auf die Saiten G, D, A und E. Diese unterscheiden sich von konventionellen Stahlsaiten. Dabei ist der Begriff „Silk“ im Namen ist leicht irreführend. Denn tatsächlich kommt hier statt echter Seide ein seidenähnliches Nylonfilament zum Einsatz. Dieses Nylonfilament befindet sich zwischen dem inneren Stahlkern und der äußeren Metallwicklung. Auf Music Practice & Theory findet man ein Bild welches diesen Aufbau gut veranschaulicht:

    Schema.jpeg
    Quelle: https://music.stackexchange.com/questions/52393/what-are-silk-and-steel-strings

    Dieser Aufbau führt zu einer geringeren Saitenspannung. Aber Achtung: Für eine klassische Gitarre sind diese Saiten nicht geeignet. Für diese ist auch die Spannung der Silk & Steel Saiten noch zu hoch. Wer auf einer klassischen Gitarre mehr „Steel“ haben will, für den könnte Thomastik-Infeld Classic S Rope Core KR116 eine Möglichkeit sein. Zu dieser gibt es hier ein entsprechendes Review: https://www.musiker-board.de/thread...-kr116-flat-wound-saiten.679070/#post-8578204

    Klang und Bespielbarkeit:

    Der Klang der Martin MA130 Silk & Steel ist deutlich weicher als der normaler Stahlsaiten. Das kann, je nach persönlichen Vorlieben, dem jeweiligen Instrument und/oder verwendeter Spieltechnik als Vor- oder als Nachteil empfunden werden. Auf meiner Dreadnought mag ich dieses Klangbild gar nicht leiden. Aber auf meiner Parlor empfinde ich den Klang als sehr ausgewogen und stimmig.

    Auch wird das ganze Instrument mit diesen Saiten merklich leiser. Erhalten bleibt jedoch die Differenziertheit und die Klarheit des Klangs.

    Martin überarbeitete nach und nach alle seine Saiten. Dabei kam es auch zu einer Überarbeitung der Silk & Steel Saiten. Auch die alten Silk & Steels Saiten von Martin waren mir bekannt. Allerdings hatte ich mit diesen ein Problem: Neu klangen sie super. Aber nach wenigen Tagen bereits klangen sie dumpf und leblos. Dieses Problem hat Martin bei seiner Überarbeitung lösen können. Die MA130 Silk & Steel klingen wirklich über viele Wochen prima.

    Nicht nur der Klang ist etwas weicher, auch die Bespielbarkeit. Im Vergleich mit normalen Stahlsaiten fühlt es sich auf noch nicht mit Hornhaut gesegneten Fingerkuppen deutlich angenehmer an. Meine Frau spielt idR nur Nylonsaiten und hat ob ihrer Fingerkuppen eine Antipathie gegenüber Stahlsaiten. Meine Parlor mit den Silk & Steel Saiten spielt sie jedoch gerne. Bendings lassen sich damit sehr einfach spielen. Es ist sogar so, dass diese schnell versehentlich geschehen, sobald man zu viel Druck auf die Saite gibt.

    Fazit:

    Diese Saiten sind definitiv nicht die richtigen für jeden und nicht die richtigen für jede Gitarre. Wenn aber jemand einen weicheren Sound und eine weichere Bespielbarkeit für sein Instrument sucht, dann können die Martin MA130 Silk & Steel genau das sein was man sucht. So wenig wie ich sie auf meinen Dreadnoughts mochte so sehr liebe ich sie auf meiner Parlor. Frühere Probleme bei der Haltbarkeit von Martins Silk & Steel gehören der Vergangenheit an.

    Produktinformation des Herstellers: https://www.martinguitar.com/1833-shop/authentic-acoustic-sp/c-24/p-1263
     
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  2. peter55

    peter55 Gitarren, Off- & On-Topic Moderator HFU

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    Erstellt: 21.01.20   #2
    Ok, hast mich überredet ... dei Saiten stehen jetzt auf meiner Liste beim T :D

    Mal sehen, wie sie sich auf meiner Recording King anhören ...
     
  3. Blues-Opa

    Blues-Opa Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.01.20   #3
    Die ursprüngliche Bedeutung von "andere Saiten aufziehen" ist wohl weitgehend verloren gegangen, ich kenne die Redensart auch nur negativ, im Sinn von "strenger sein", auch aus eigener leidvoller Kindheitserfahrung … :)

    Das Review kann ich in allen Punkten bestätigen - bewährt haben sich diese Saiten nach Tests auf verschiedenen Baugrößen wie 00 und 000 bei mir auch bei vor allem bei einzelnen Parlors.

    Wenn es um etwas weichere Saiten bei vollem Klang geht, spiele ich am liebsten die Pyramid Monel Classics Roundcore-Saiten … ich mag das schöne Schwingungsverhalten und den "Vintageklang".
     
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