[Review] Framus Legacy Series FP 14 M Parlor

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Meine neue Couchgitarre für zwischendurch: Legacy Series FP 14 M Parlor

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Ausgangslage:

Ein guter Freund von mir hat schon längere Zeit eine Parlor-Gitarre. Genauer gesagt eine Sigma 000M 15s. Hin und wieder habe ich auf dieser gespielt und ich mag diese Bauform. Vor kurzem ist mir dann auf einer Internetplattform das Angebot für die hier vorgestellte Gitarre über den Weg gelaufen. Angerufen, hingefahren, angespielt, bezahlt und mitgenommen.


Hersteller: Framus / Warwick GmbH & Co Music Equipment KG

Framus wurde ursprünglich 1946 gegründet und war in seinen besten Zeiten der größte europäische Musikinstrumentenhersteller. Jedoch ging diese Firma Ender der 70er Jahre in Konkurs und stellte seine Produktion 1980/81 ein.

Heute gehört die Marke Framus der Warwick GmbH & Co Music Equipment KG, die 1982 von dem Sohn des Framus-Gründers gegründet wurde. Warwick ist zwar ein deutsches Unternehmen, die hier vorgestellte Gitarre wird jedoch in China produziert.

(vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Warwick_(Unternehmen) und https://de.wikipedia.org/wiki/Framus)


Preis: ca. 340 € (neu)

Ich habe für meine gebrauchte in fast neuwertigem Zustand 250 € auf den Tisch gelegt.

Ohne Tonabnehmer kann man diese Gitarre für rund 300 € neu bekommen.

Exkurs: Definition Parlor-Gitarre

„Parlor-Gitarren haben ihren Namen von ihrem ursprünglichen Verwendungszweck – nämlich der Unterhaltung von Gästen in den Parlors der eleganten viktorianischen Häuser jener Zeit […]. Neben dem kleinen Korpus mit den schmalen Schultern haben Parlor-Gitarren meist auch eine kurze Mensur (zwischen 55,9 und 63,5 cm) sowie einen 12-Bund-Hals, was ihnen insgesamt sehr kompakte Abmessungen verleiht. […] Angesichts der wachsenden Popularität größerer und lauterer Gitarren stellten die meisten Hersteller zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Produktion von Gitarren mit Parlor-Korpus ein. Da der schieren Lautstärke bei modernen Verstärker- und Aufnahmetechniken keine solche Bedeutung mehr zukommt, haben in letzter Zeit viele Musiker aber den Charme der Parlor-Gitarre wieder entdeckt und mittlerweile werden derartige Modelle gleich von mehreren Herstellern wieder angeboten.“

(Zitat aus: https://www.musik-produktiv.de/media/005/5357/Beispielseiten_I.pdf)

Konstruktion:
  • Bauform: Parlor
  • Decke: massiv Mahagoni
  • Zargen und Boden: Mahagoni
  • Hals: Mahagoni
  • Creme Binding mit schwarz/creme/schwarzen Linien
  • Griffbrettradius:16"
  • Dot Griffbretteinlagen
  • Sattelbreite: 45 mm
  • Breite am 12. Bund: 52,5 mm
  • Mensur: 628 mm
  • 18 Neusilber Medium Bünde
  • Fishman Sonicore Piezo Tonabnehmer
  • Fishman Isys+ Preamp mit Reglern für Volume / Tuner / Bass / Treble / Phase
  • Knochensattel und kompensierte Knochenstegeinlage
  • Farbe: Natural Transparent Satin
Wirklich angenehm finden meine recht großen Hände den kräftigen Hals. Auch wenn diese Parlor-Größe eben eine kleine Gitarre ist, habe ich so nie das Gefühl eine Kindergitarre in den Händen zu halten.

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Bei Thomann steht, dass die Mechaniken dieser Gitarre geschlossen sein sollen. Bei meiner Legacy Series FP 14 M Parlor sind sie offen. Vielleicht ist Thomann hier ein Fehler unterlaufen, vielleicht wurde die Konstruktion aber auch geändert inzwischen.

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Nicht so toll finde ich die offenbar aus Nylon gefertigten Wellen der Mechaniken. Hier würde mich Metal deutlich mehr ansprechen. Das eine der Seiten der Mechaniken auch nicht wirklich perfekt angesetzt wurde, werde ich vermutlich bei Gelegenheit die Mechaniken gegen welche mit Metalwellen austauschen. Ist doch schön, da hab ich mal wieder was zum Basteln…

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Wirklich Mist ist das im Bedienfeld des Preamps eingebaute Stimmgerät. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendwer solch ungenauen Mist nutzen würde. Das hätte man entweder weglassen oder gescheit machen sollen. Gut, dafür habe ich meine Polytone-Clips…

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Verarbeitung:

Die Zeiten in denen Gitarren aus China unbesehen als schlecht einzustufen waren sind Geschichte. Heute kommen Gitarren aller Qualitätsstufen aus diesem Produktionsland. Die Framus Legacy Series FP 14 M Parlor muss sich ihrer Herkunft nicht schämen, denn hier haben sich die Chinesen Mühe gegeben und sorgfältig gearbeitet. Alle Verleimungen sind tadellos ausgeführt ohne jegliche Klebespuren. Auch die Bünde sind gut gesetzt und bilden keine scharfen Kanten an den Seiten. Die Saitenlage war für meinen Geschmack etwas zu hoch, dies ließ sich aber mit einer knappen Vierteldrehung am Halsstab schnell einstellen.

Dennoch würde ich die Verarbeitung nur mit einer 2- bewerten, denn zumindest an einer Stelle wäre durchaus noch Luft nach oben gewesen: Eine Ungenauigkeit ist bei dem Ansetzen der Mechaniken zu finden. Von vorne stimmt alles, aber wenn man an der einen Seite von hinten schaut, dann fällt ein ungewöhnliches Spaltmaß auf. Das scheint der Funktion keinen Abbruch zu tun, aber es sollte doch in einem Review Erwähnung finden.

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Klang:

a) unverstärkt

Die Intonation und die Klangreinheit der Gitarre stimmen absolut. Den Klang selber würde ich als stramm aber offen und transparent bezeichnen. Aufgrund der Bauform ist die Gitarre nicht besonders bassstark, aber sie klingt auch nicht nach einem Mangel an Bass. Die Mitten und Höhen sind klar und fein differenziert. Insgesamt gefällt mir der Klang wirklich gut und sie ist lauter als ihre Größe vermuten lässt.

Der Klang einer Gitarre wird ganz wesentlich von den aufgezogenen Saiten beeinflusst. Als ich die hier vorgestellte Gitarre beim Verkäufer erstmalig anspielte, gefiel mir der Klangcharakter aber ich merkte sofort, dass die Saiten nicht optimal waren. Ich vermag nichts zu den Saiten zu sagen mit denen diese Gitarre vom Hersteller ausgeliefert wird. Zuhause habe ich der Gitarre dann gleich einen Satz Martin Silk & Steel 11.5 verpasst, die ihr klanglich hervorragend stehen.

Im direkten Vergleich mit der Sigma 000M 15s des Freundes von mir ist sie einen Ticken weicher im Klangbild. Persönlich finde ich das sogar angenehmer, aber das ist Geschmacksache und mag sicherlich auch an den Silk & Steel Saiten liegen. Um einen wirklichen Vergleich anzustellen müsste man auf beiden Klampfen die gleichen Saiten aufziehen.

b) mit Tonabnehmer

Der verstärkte Klang der Gitarre geht in Ordnung. Das System funktioniert und mit etwas EQ bekommt man einen schönen Klang in die PA rein. Nothing to write home about, aber grundsolider Basicstuff den man durchaus benutzen kann. Alle Regler tun wa sie sollen und dies innerhalb eines Spektrums welches Sinn ergibt. Derzeit habe ich dafür erstmal keine Verwendung geplant, aber wert weiß was sich in Zukunft ergeben wird. So ist es erstmal nicht schlecht das Ding an Board zu haben.

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Fazit:

Ich mag diese kleine Gitte. Sie klingt schön und sie spielt sich gut. Sie hat nicht das Zeug was es bräuchte um zu meiner Lieblingsgitarre zu werden, dazu fehlt ihr der Wow-Faktor und sie hat wirklich harte Konkurrenz. aber sie wird wohl meine neue Couchgitarre sein, die immer mal wieder nach kurzem Griff bequem gespielt wird. Auch hat sie das Zeug dazu, sich als Urlaubsgitarre zu qualifizieren. Die Qualität stimmt trotz der Einschränkung mit der nicht ganz plan angebrachten Mechanik. Insgesamt ist es erstaunlich, was man heute für solch einen Preis bekommen kann.

Weitere Reviews:

bonedo.de: https://www.bonedo.de/artikel/export/framus-legacy-series-fp-14-m-parlor-test.html?noredirect=1

Gleiche Gitarre aber mit Fichtendecke: Framus Parlor FP-14SVE VNT Legacy Series von Goschenhobel: https://www.musiker-board.de/threads/review-framus-parlor-fp-14sve-vnt-legacy-series.602046/
 
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Kleine Gitarren sind super und die Framus ist ein schönes Instrument!

...werde ich vermutlich bei Gelegenheit die Mechaniken gegen welche mit Metallwellen austauschen. Ist doch schön, da hab ich mal wieder was zum Basteln…

Das scheint gerade bei Palors die Krux zu sein. Meine CLF 200 hat ebenfalls Klassikgitarrenmechaniken mit 10 mm Achsen und damit fällt das Stimmen wirklich schwer. Ich habe für meine Gitarre die für Fensterköpfe geeigneten Grover H97N auserkoren. Der Umbau scheint aber nicht ganz so schön zu sein: Eigentlich müsste man im Mittelsteg ja nur Adapterhülsen einbauen, die dann eine dünnere Welle zulassen würden. Die dafür infrage kommenden Hülsen sind aber leider etwas klein, da die Bohrung für die 10 mm Achse etwas mehr Spiel haben muss. Es bleibt also nur das Einkleben der selben.
 
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Warum nicht einfach die ganzen Mechaniken austauschen? Irgendwie stehe ich auf dem Schlauch in der Denke...
 
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Mit dem Wechsel auf die oben genannte Grover tausche ich die Mechaniken, allerdings sind Stahlwellen üblicherweise dünner, weshalb Adapterhülsen für die Führung im Mittelteil des Fensterkopfes erforderlich sind.
 
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Ah, jetzt habe ich es geschnallt! Danke!
 
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Ich mag Parlours auch sehr gerne ... vllt. grade weil ich etwas "stärker gebaut" bin als der Durchschnitt :D
Sie sind halt wirklich sehr bequem zu handeln und stehen/liegen immer bereit und rum.
Zu meiner James Neligan hat sich erst letztes Jahr eine Recording King gesellt.
 
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Nicht so toll finde ich die offenbar aus Nylon gefertigten Wellen der Mechaniken. Hier würde mich Metal deutlich mehr ansprechen.
Ich würde das deutlich weniger diplomatisch ausdrücken. Eine Steelstring mit Mechaniken für Klassikgitarre auszuliefern ist in meinen Augen dreist und disqualifiziert den Hersteller! Sorry ... Wer sich für eine offene Kopfplatte entscheidet, der muss sich auch darüber im Klaren sein, dass er für die Mechaniken etwas mehr einkalkulieren muss. Ich fand das schon schlimm bei der Thomann CLF200, aber Framus tut damit seinem Markenimage erst recht nichts gutes ....
 

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