Review Deeflexx H!1 Edition V2.0

dr_rollo

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Deeflexx - die Wunderwaffe, um den Gitarrensound in den Griff zu bekommen?​

Ich hatte hin und wieder schon von einem Deeflexx gehört, mich bislang aber noch nicht wirklich damit beschäftigt. Doch wie es sich kürzlich ergeben hat, die Möglichkeit bekommen, so einen ‚Diffuser‘ zu testen. Vorweg, ich habe früher hauptsächlich Gitarre gespielt, seit gut 20 Jahren bin ich hauptsächlich am Keyboard, greife nur gelegentlich auf der Bühne mal zur Gitarre, dann aber ohne Amp, sondern direkt in die PA. Da ich aber in meinen Bands für den GesamtSound zuständig bin, und daher auch mit den typischen Problemen, die die Gitarristen mitbringen, kämpfen muss, könnte dies durchaus eine Verbesserung mit sich bringen, und ich war gespannt.
Erst einmal hab ich mich erneut eingelesen, was so ein Teil überhaupt genau macht, nämlich den Beam eines Speakers abzufangen und besser zu verteilen. Also praktisch gesehen, sollte dies eine Lösung für das typische Gitarristen-Problem sein, die ihren Amp gerne hinter sich platzieren, ihre Kniekehlen beschallen, und oft einfach zu laut drehen, damit sie sich überhaupt hören. Zudem verspricht der Hersteller auch eine bessere Verteilung des Sounds auf der Bühne, so dass auch die anderen Musiker davon was haben. Insofern war ich also interessiert, diesen ‚Plastik-Shield‘ in verschiedenen Szenarien zu testen.
Das Unpackaging ist eher unspektakulär, das Deeflex kommt in einem Karton in Luftpolsterfolie verpackt und kann sofort genutzt werden. Kein zusammenbauen, einfach unter die Box klemmen und gut. Mitgeliefert wird eine 18-seitige Anleitung, die Hälfte auf deutsch, die andere Hälfte in englisch. Eigentlich überflüssig, da es nichts einzustellen oder zu justieren gibt, lediglich ein paar nette Bilder, wie es wirkt, sowie ein paar Hinweise, wie es nicht genutzt werden sollte.
Die Idee ist, dass die Box tatsächlich auf dem Boden platziert wird, nicht angeschrägt oder erhöht, was den Vorteil hat, dass der Sound voller ist, gerade der Bass-Bereich. Das Deeflexx wird lediglich unter die Box geschoben, und das war’s.
Ich hab das als erstes bei mir zu Hause probiert, besitze immer noch ein MesaBoogie TA15 als Topteil den ich über eine 1x12er Box spiele.
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Ab einer gewissen Lautstärke kann man schon deutlich einen Unterschied hören. Es ist ohne Frage eine bessere Verteilung des Sounds im Raum wahrzunehmen. Nun sehe ich den Vorteil aber weniger zu Hause, sondern auf der Bühne, natürlich auch im Proberaum.

Der Proberaum​

Bei uns im Proberaum hat der Gitarrist seine 1x12er Box auf dem Boden hinter sich stehen, und dreht den Amp entsprechend laut, damit er sich vernünftig hört.
Mit dem Deeflexx klappt das deutlich besser. Hier mal eine einfache Darstellung unseres Proberaums und die Schallverteilung mit dem Deeflexx:
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Nun hätte ich das auch gerne Live mal getestet. Da wir häufig kleinere Events in nicht so großen Räumen spielen, und der Gitarrenamp durch seinen Direktschall es schwieirg macht, vorne einen einigermaßen homogenen Sound hinzubekommen. Das Drumset nehmen wir meistens nur minimal ab, Bassdrum, Snare, ggf. ein Overhead und evtl. ein Mikro für Hänge- und Standtom. Der Bass geht über DI in die PA, Keyboards wie üblich direkt in die PA. Hier ist der typische Beam der Gitarrenbox das Problem, genau das, was der Deeflexx ja umgehen soll.

Deeflexx im Live-Einsatz​

Beim ersten Gig spielte unser Gitarrist über die vorhandene 4x12er, für die der Deeflexx nicht geeignet ist, da hätte man zwei davon verwenden müssen. Beim nächsten Gig war ein Bugera Combo mit 1x12er Zusatzbox vorhanden, leider auch nicht optimal, weil wir das nicht umbauen wollten/sollten. Ich hab lediglich die untere Box abgezogen, den Deeflexx direkt unter den Combo geschoben (s. Bild).
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Aber zumindest konnte der Beam nach vorne so vermieden werden, und der Gitarrist hat sich trotzdem gut gehört. Für die anderen, Drummer und Sängerinwar das auch ok, Bassist und ich (Keyboard) hatten In-Ear-Monitoring.
Jetzt hab ich noch eine weitere Band, die bis vor einiger Zeit weitestgehend ‚Silent-Stage‘ unterwegs waren. Nach und nach hatte der Drummer das E-Drum wieder gegen ein Akustik-Set getauscht, weil er keinen Bock mehr auf E-Drum hatte, und dann hat auch der Gitarrist wieder seinen Combo auf die Bühne gebracht. Bass, Keyboard und zweite Gitarre gehen nach wie vor weiter direkt in die PA. Auch hier das Problem, dass der Gitarren-Amp durch seinen Beam den FOH Sound erschwert. Ich hatte ihn zwar inzwischen davon überzeugt, den Amp angewinkelt vor sich zu platzieren, was die deutlich bessere Option ist, aber neulich stand er wieder hinter ihm, angewinkelt und nach vorne gerichtet. Kurzerhand hatte ich den Deeflexx organisiert, seinen Amp auf den Boden gestellt und den Deeflexx darunter positioniert.
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Er war mit dem Sound leider überhaupt nicht zufrieden, keine Ahnung, was das Problem war. Er meinte, der Amp hätte durch die veränderte Abstrahlung Feedback über die Bühnen-Mikrofone erzeugt. Leider konnte ich dieser Sache nicht näher auf den Grund gehen, und muss das einfach mal so stehen lassen.

Mein Fazit:​

Ich hatte gehofft, den Deeflexx für ein paar mehr Einsatzmöglichkeiten zu testen, was leider dann auf ein paar wenige Optionen beschränkt war. Ein großes Problem haben wir in unserem Club, wo wir regelmäßig Live-Veranstaltungen durchführen, wo die Gitarrenamps immer direkt in das Publikum strahlen, was sich aufgrund der Bühne nicht ändern lässt, bzw. wo man auch nichts ändern möchte. Da dort aber für die Gitarrenamps jeweils eine 4x12er steht, kann ein Deeflexxx alleine dort nicht eingesetzt werden, und zwei hatte ich leider nicht zur Verfügung. Der Abstand zwischen Box und Gitarrist beträgt leider keine 2 Meter, was bedeutet, dass sie die Amps immer zu weit aufreißen, damit sie sich hören, auch wenn sie auf die Monitorboxen vor ihnen geroutet werden, und das Publikum oft weggeblasen wird.
Für Gitarristen, die über einen 1x12er spielen, egal ob Combo oder Top mit Box, sehe ich den Deeflexx aber als eine super Option, einen guten Sound bei moderater Lautstärke zu bekommen, wobei da auch zusätzlich der Direktschall nach vorne umgangen zumindest eingedämmt werden kann, was einem Gesamtsound deutlich zu Gute kommt. Vor allem bei kleinen Bands, wo man gemischte Soundquellen hat, wird der FOH Sound deutlich homogener.
Die Kosten für ein Deeflexx (derzeit 269 EUR) sind nicht ganz unerheblich und wird sicher für viele ein Grund sein, ihn sich nicht anzuschaffen.
Ein weitere Nachteil ist auch, dass hier ein zusätzliches Teil transportiert werden muss, und da es leider nicht platzsparend einklappen kann, ist es trotz seiner überschaubaren Größe letztlich doch ein weiteres sperriges Teil. Ich hab es bislang immer im Originalkarton mitgenommen, das geht theoretisch, ist aber dennoch on Top zu dem vorhandenen Equipment. Für meine 1x12er Box hatte ich mir einen ‚Schallschutz‘ aus Plexiglas gebastelt, den ich einklappen und in der Box verstauen konnte. Hat den Beam nach vorne minimiert, und der Sound auf der Bühne war mir nicht so wichtig, da ich In-Ear nutze. Es ging lediglich darum, den reinen Amp-Sound zu haben, was man heutzutage mit den IR-Simulationen, nicht nur bei Kemper und Co, sondern auch bereits in günstigen Geräten (in meinem Fall ein Mooer GE200) sehr gut geregelt bekommt, und in sofern auch überbewerten kann. Aber das ist nun mal Geschmacksache, und wer weiterhin mit Amp auf die Bühne gehen will, sollte ernsthaft bzw. konsequenterweise über einen Deeflexx nachdenken.
 
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Ein weiterer Nachteil (der die unbestreitbaren Vorteile leider aufwiegt…) ist, dass das Ding chronisch im Weg ist! Auf kleinen Bühnen ist das Mist. Bei einem Amp auf dem Boden ist fast noch schlimmer, weil das dann eine super Stolperstelle ist. Ich habe noch zwei von den Teilen und warte immer noch auf die Gelegenheit, wo ich mit mal zwei Combos, so 5 m hinter mir, so eine Profi Backline aufbauen kann.
Bis dato finde aber Amp Stands mit denen man Combos kippen kann, praktischer. Der Beam wird dann dahin gelenkt wo er „gut“ ist: Meine Ohren.
 
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Der Beam wird dann dahin gelenkt wo er „gut“ ist: Meine Ohren.
Meiner Erfahrung nach ist es egal, welche Strategie ursprünglich angedacht ist, der Beam landet leider immer bei mir am FOH Pult. Genauso wie Trompeter immer, IMMER, in Richtung FOH spielen :weep: *rantmode off*
 
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Das bringt mich noch zu einem zweiten Punkt. Der Effekt von den Paddeln ist IMO Lautstärke abhängig bzw. ist das Problem das sie lösen, lautstärkeabhängig.
Je leiser die Band, desto weniger machen sich die Teile bemerkbar.
 
Ich habe auch mal Kopien des Deeflexx gebaut und eine davon meinem Sologitarristen vor die 4*12er gestellt. Erst machte er leiser, dann drehte er die Höhen noch ein wenig ab. Damit hatten wir (Drummer und ich) auf der anderen Seite des Proberaums einen Traumsound nach Jahren von klingelnden Ohren. Der Effekt ist nicht unbedingt, dass man den kompletten Sound umlenkt, sondern eher, dass man dem Gitarristen genau das auf die Ohren gibt, womit er sonst immer nur das Publikum und seine Mitmusiker gequält hat. Ja, wir waren laut.
 
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