- 28.10.26
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- Bayern
Zur Kaufentscheidung
Wireless ist und bleibt alternativlos für mich, Kabel gehen mir einfach immer im Weg um. Auf größeren Bühnen sind sie mir immer zu kurz oder wickeln sich ungewollt um die Sängerin, und auf kleinen Bühnen nervt mich das Kabelknäul zu meinen Füßen dann. Dem Pie kann man es eben nicht recht machen.

Daher habe ich in der Vergangenheit immer über ein Sennheiser XSv72 (ebenfalls von mir reviewed) gespielt, nur ist dessen Bodypack relativ klobig und schwer am Gurt, und irgendwas war da auch noch mit den Frequenzen und deren Vergabe, so dass ich mir nicht sicher bin, wie lange man dieses System noch problemlos in Deutschland nutzen können wird.
Also war ich auf der Suche nach was Kleinerem. Ich habe in der Vergangenheit auch bereits diverse kleine Plug-in Systeme ausprobiert, war dann aber nie komplett zufrieden mit denen. Eines, das ich getestet hatte, kollidierte damals massiv mit meinem Haus WLAN – wenn das Wireless eingeschaltet wurde, war der PC plötzlich offline. Geht natürlich gar nicht!
Umso überraschter war ich, als ich neulich ein Konzert meines guten Bekannten Frank Pané besuchen durfte, dass der Bassist über so ein kleines Xvive Plug-in System spielte. Ich hatte die seit meiner Erfahrung damals immer als Spielerei abgestempelt, und nun sehe ich sowas im Profilager in Verwendung? Des Pie's Neugierde war geweckt – Set bestellt.
Der erste Eindruck
Im Lieferumfang befinden sich ein Transmitter (Sender) und ein Receiver (Empfänger), die sich auf den ersten Blick optisch kaum voneinander unterscheiden.
Des weiteren ist ein USB-A auf 2x USB-C Ladekabel dabei, das ermöglicht, sowohl den Sender als auch den Empfänger in einem Vorgang zu laden:
Das System verspricht sechs Kanäle, die Option, es auf den Betrieb mit aktiven oder passiven Pickups einzustellen und eine Spieldauer von bis zu fünf Stunden bei vollem Akku. Wie praxisnah und realistisch das ist, wird wohl erst ein Langzeittest zeigen. Es funkt laut Hersteller im 5,8 GHz Bereich, der somit nicht mit den einfachen WLANs der FoH Leute kollidieren und weltweit nutzbar sein sollte – naja, so weit komme ich vorerst ja dann doch nicht.
Leider musste ich feststellen, dass der Plug, den man abwinkeln kann, bei der Les Paul mit einem 90° Knick gut zu benützen, bei der Saber mit versenktem Klinkeneingang auf der Decke aber auch in gerader Position nicht wirklich einsteckbar ist. Ferner bietet das System sonst keine Möglichkeiten der Befestigung, es trägt sich nur durch den festen Steckkontakt in der Buchse.
In meinem Fall also bei einer Gitarre gut brauchbar, bei der anderen eher gar nicht.

Die nähere Betrachtung
Daher entschloss ich mich, das Set noch um eine passende Tasche, die man am Gitarrengurt befestigen kann*, zu erweitern. Dieses weitere Set kam dann mit einer 6,5mm Klinkenverlängerung mit ca. 60cm Länge, die das Problem mit der Saber behob, aber auf der Les Paul dann wieder rechtwinklig abstand, wenn eingesteckt. Daher behelfe ich mir jetzt bei der Les Paul wie so oft mit einem Winkelsteckeradapter, der allerdings nicht im Lieferumfang enthalten ist:
Das nächste Problem entstand dann in der Kombination des Steckers mit der Tasche. Der Stecker hat auf der einen Schmalseite eine USB-C Buchse zum Laden, auf der anderen zwei Knöpfe, davon einen zum Kanalwechsel und einen Schiebeschalter zum Ein- und Ausschalten:
Die Tasche hätte an und für sich an den Seiten für all diese Bedienelemente Lücken gelassen, aber:
Seltsamerweise imponiert die Tasche seitenverkehrt gefertigt – wenn ich den Sender so einschiebe, dass dessen Klinkenstecker auf der dafür vorgesehenen(?) Öffnung heraus schaut, dann sind weder die Übersicht über die Kanäle auf der Oberseite, noch die Öffnung für die USB Buchse und die Knöpfe auf den beiden Schmalseiten wirklich gut zugänglich. Die Öffnung zum Einschieben des Senders müsste sich meiner Meinung nach genau auf der anderen Seite befinden, so dass die Lücken, die man in der Tasche gelassen hat, genau zu Display und Knöpfen passen… oder der Pie kapiert hier was nicht?!?

Egal. Wenn man auf einer Intensivstation arbeitet, hat man immer ein Skalpell zu Hause. Mit dem habe ich mir dann in meiner üblichen hemdsärmeligen Art selbst beholfen und ein Loch in den Boden geschnitten, um den Sender anders herum einlegen zu können:
Jetzt passt das komischerweise auch mit den Löchern und den Knöpfen / Schaltern / Buchsen.
Aber ist halt "kaputt gemacht":
Die Tasche ist mit einer Klettlasche sehr komfortabel am Gitarrengurt zu befestigen und lässt sich optimal auf dessen Breite einstellen. Sehr schön! Dadurch, dass der Sender nach meiner Operation nun aber "auf dem Kopf" in der Tasche liegt, ist auf der Unterseite zum Klettverschluss nun etwas Spielraum, so dass der Sender so tief in die Tasche hineinrutschen kann, dass sich dies dann im schlechtesten Fall wieder ungünstig auf die Erreichbarkeit der Knöpfe auswirken könnte.
In jedem Fall ist leider auch der Schalter zum Wechsel des Kanals auf der Schmalseite des Senders so leichtgängig, dass man den Kanal auch versehentlich verstellen kann, was auf der Bühne sehr doof käme, wenn das wie gesagt versehentlich und unbemerkt passieren sollte. Da muss ich mir auch noch was überlegen – vielleicht den Knopf mit Tape so überdecken, dass man ihn nicht ungewollt betätigt.
Bei der Konzeption der Tasche müsste / könnte / sollte Xvive meiner Meinung nach also noch nachbessern, da ist Luft nach oben.
Weitere Praxistests
Da ich auf der Bühne immer zwei Gitarren verwende (aktuell meine 2014er Gibson Les Paul Standard sowie meine 2001er Ibanez* Saber), verwende ich jetzt zwei Sets, also bekommt jede Gitarre ihren eigenen Sender, und ich habe potentiell zwei Empfänger zur Verfügung.
Leider kann das System nicht zwei Sender auf einen einzelnen Empfänger routen. Mein altes Sennheiser* konnte das, so dass ich quasi bei Gitarre A nur das Volumenpoti zudrehen und diese wegstellen, und Gitarre B dann nur aufdrehen musste. Das ist auf der Bühne natürlich super bequem, wenn man zwischen den Songs die Gitarre wechseln möchte.
Wie gesagt, das Xvive kann das nicht. Somit habe ich folgende Optionen:
Ich verwende für jede Gitarre einen eigenen Sender und einen eigenen Empfänger, die jeweils einen eigenen Kanal nutzen. Dann könnte ich mit einem A/B Schalter immer den Empfänger in Betrieb nehmen, der zu der aktuell verwendeten Gitarre gehört:
Oder ich nutze einen Empfänger und zwei Sender auf ein- und demselben Kanal, muss aber beim Gitarrenwechsel dann den nicht genutzten Sender ausschalten.
Den Sender umstecken und den Empfänger gleich lassen ist keine Option, da müsste ich den kompletten Sender in seiner Tasche von einem Gurt an den anderen montieren – unrealistisch. Was ginge, wäre bei gemutetem Amp kurz den Empfänger umzustecken, aber mir ebenfalls zu umständlich.
Ob ich nun die Variante mit dem A/B Schalter und den beiden Empfängern nutzen werde, oder die mit nur einem Empfänger und dem Ausschalten des Senders von Gitarre A, wenn ich den von Gitarre B einschalte, um diese zu benutzen, weiß ich noch nicht. Das werde ich in der Praxis herausfinden müssen, was mir davon besser liegt. Ich werde berichten!
Zum Sound
Bisher habe ich nur wenige Stunden Testzeit mit dem System verbracht, und bisher auch nur für mich alleine, noch ohne Bandbetrieb.
Ich möchte erst alles fertig aufgebaut und für mich alleine ausgetestet haben, bevor das System auf einer Bandprobe eingesetzt wird. Weil wenn dann was nicht klappt, geht das ja von der Probenzeit ab und hält den Betrieb auf, was dann wiederum ja auch die Kollegen mit ausbaden müssten.
Ich reiche aber gerne weitere Praxiserfahrungen nach!

Bisher habe ich beim Spiel keine wahrnehmbare Latenz bemerken können. Ich habe mich mit dem Sender auch ca. zwölf Meter vom Empfänger entfernt, mich dabei auch um ein Stockwerk höher bewegt sowie einige Mauern zwischen die beiden Komponenten gebracht – Verbindungsabbrüche konnte ich nicht feststellen.
Ich hatte nicht den Eindruck, dass das System den Klang beschneidet oder Frequenzen verfälscht, alles klang offen und klar, ohne Klirren oder unerwünschte digitale Verzerrungen. Passt für mich gut.
Reviews auf Youtube
Es scheint auch eine Variante mit einem "Charging Case" zu geben. Ich habe dieses nicht:
View: https://www.youtube.com/watch?v=czoK2KCVa-Q
Ich habe diese Variante gekauft:
View: https://www.youtube.com/watch?v=FT6apyezSAE
Die automatische Synchronisation des zweiten Videos ist ja unterirdisch...

tl;dr bzw. Fazit
Das Xvive A58 System macht für mich grundsätzlich einen guten ersten Eindruck, nur ist es "out oft the Box" nicht problemlos und ohne Weiteres an jede Gitarre anstöpselbar.

Die Tasche mit der Möglichkeit, denn Sender dann am Gurt zu befestigen, und die mitgelieferte Klinkenverlängerung machen da einiges einfacher, weisen aber auch wiederum dann neue und unerwartete Nachteile auf. Für die habe ich aber ja wie gesagt meine Workarounds gefunden.
Jetzt bin ich gespannt, wie sich das System im Bandkontext bewähren wird, und vor allem, wie sich die Akkus schlagen werden – Zweifelsohne der größte Schwachpunkt an dem System, wenn man es mit welchen vergleicht, bei denen man Batterieakkus verwenden kann, bei denen ein langfristiger Verschleiß egal wäre, weil unkompliziert auswechselbar.
Und vor allem auf den Einsatz Livebetrieb bin ich gespannt.
Aber wenn auch Profis das einsetzen... ich lass mich mal überraschen.

Schau ma mal, aber bisher stimmt der Spaßfaktor.


Nun bin ich gespannt auf Eure Reaktionen, Eure Fragen und Gedanken zu meinem Review, falls da welche kommen sollten, und vielleicht hat ja der eine oder andere von Euch ebenfalls bereits Erfahrungen mit dem System gesammelt, und möchte sie hier teilen.
*) Affiliate/Werbung
