[Review] Elysia Xpressor

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Mein nächstes Review beschäftigt sich mit einem meiner Lieblingsgeräte im Studio, dem Elysia Xpressor.

Kapitel 1: Kompressor für die meisten Lebenslagen

Der Elysia Xpressor steht jetzt schon eine ganze Weile bei mir im Studio und erfreut sich großer Beliebtheit, nicht nur bei mir. Ich nutze ihn sehr oft auf Drumgruppen und zur Summenbearbeitung, seltener auf Gesang oder Instrumenten. Ich finde werde ihn auf keinen Fall wieder hergeben :D
Im Innern des Kompressors befindet sich ein diskreter Class-A VCA-Stereokompressor. Die Ein- und Ausgangsschaltungen sind die Originalschaltungen aus dem Alpha Kompressor.

Kapitel 2: Aufbau des Elysia Xpressor



Der Xpressor ist im Prinzip sehr Intuitiv aufgebaut. Die Regler sind allesamt sehr gut verarbeitet und in 41 Stufen gerastert.
Auf dem Frontpanel befinden sich auf der linken Seite "Treshhold", "Attack", "Release" und "Ratio". Diese Einstellungsmöglichkeiten sollten jedem ein Begriff sein. Anzumerken wäre hier das Attack- und Releasewerte sowie die Einstellungen des Treshholds einen recht weiten Bereich abdecken. Da der Elysia Xpressor dem großen Bruder Mpressor nachempfunden ist, ist diese weite Range wohl dem Hintergrund geschuldet einen sehr breiten Arbeitsbereich bereit zu stellen.


  • Treshhold: -42dB - 22dB
  • Attack: 0.01ms - 120ms
  • Release: 5ms - 1,3s

Direkt neben den ersten 4 Reglern befinden sich einige für mich sehr interessante Einstellungsmöglichkeiten.
Hinter dem "Hit It!" Schalter versteckt sich nichts anderes als ein waschechter Hardwirebypass, mit dem sich das Signal folgerichtig unkomprimiert weiterleiten lässt.
Direkt daneben folgt einer meiner Lieblingsschalter im Studio. Der "Warm Mode" stellt durch die Veränderung im Frequenzgang und Zeitempfinden noch mal einen ganz anderen Klangcharakter des Xpressor bereit. Dies geschieht durch einen sogenannten Slewrate-Limiter, welcher die Anstiegsgeschwindigkeit der Ausgangsstufen verlangsamt. Meinem Empfinden nach wirkt sich das besonders auf die höheren Frequenzen aus. Insgesamt wirkt das ganze Signal ein wenig runder. Eines muss jedoch klar sein, transparente Kompression ist im Warm Mode nicht mehr wirklich möglich.
Als dritter Schalter schließt sich dann der sogenannte "Log Release" an, welcher ganz einfach den linearen Releaseverlauf in einen logarithmischen umwandelt. Um das ein wenig zu veranschaulichen habe ich mal etwas gezeichnet.


  • Linearer Release:

lin release.png

Der lineare Releaseverlauf eignet sich durch sein geradliniges Profil eher für Einzelsignale und wurde von mir zum Beispiel bei Gitarrenaufnahmen schon verwendet.


  • Logarithmischer Release:

log release.png

Der logarithmische Releaseverlauf eignet sich im Gegensatz zum linearen Verlauf eher für Gruppen- oder Summenkompression. Er hat eben den Vorteil das schnelle, hohe Frequenzen auch einen angepasste schnelle Releasezeit haben, während der Präsenzbereich eher langsame Realeasezeiten aufzeigt. Ich nutze diesen Modus immer bei Drumgruppen um Snares in den Griff zu bekommen oder eben beim Mastering.

Als letzten Schalter bietet uns der Xpressor noch die "Auto Fast" Funktion. Mit dieser kann man sich das Leben ein wenig erleichtern. Um diese Funktion auschöpfen zu können sollte man eine recht lange Attackzeit einstellen und den Schalter dann betätigen. Was nun passiert, ist Folgendes. Der Kompressor orientiert sich nun vorerst an der eingestellten Attackzeit. Kommt es jedoch im Signal zu schnellen, lauten Impulsen, so verkürzt der Kompressor die eingestellte Attackzeit selbst. Nach dieser Verkürzung geht der Kompressor direkt wieder auf die eingestellte Attackzeit zurück. In der Praxis funktioniert dieses System ziemlich gut, besonders bei Signalen die sehr dynamisch sind. Um dies wiederum zu veranschaulichen habe ich mich wieder an Zeichnungen gemacht.


  • Attack ohne Auto Fast:

Attack ohne auto.png


  • Attack mit Auto Fast:

Attack mit auto.png


Auf der rechten Seite des Kompressors befinden sich dann die Regler für "Sidechain Filter", "Gain Reduction Limiter", "Gain" und "Mix".
Hier sticht vorallem der integrierte Sidechain Filter heraus, welcher eigentlich ein Low-Cut Filter ist. Mit diesem kann man recht simpel die tiefen Frequenzen in den Griff bekommen.
Der Gain Reduction Limiter arbeitet direkt im Regelweg des Kompressors, quasi als zweiter Treshhold und verhindert ganz einfach ab dem eingestellten Pegel eine zu starke Kompression. In der Praxis verhindert dies einen zu starken Dynamikverlust.
Zu Gain und Mix Regler muss eigentlich bei Kompressoren nicht mehr viel gesagt werden.

Leider, wie erwartet, is der Netzschalter hinten am Gerät verbaut, finde ich persöhnlich für ein 19" Rackgerät etwas schlecht gewählt.

Kapitel 3: Die Praxis

In der Praxis bewährt sich der Xpressor vor allem bei der Kompression von Gruppen und Summen. Besonders im "Warm Mode" verschwinden lästige Höhen und die Tiefen werden prägnanter. Schöne Klangfärbung wie ich finde, irgendwie ähnlich wie ein EQ. Tolles Feature ist die zusätzliche Gain-Reduction, welche in Zusammenarbeit mit dem Treshhold eine Kompression ermöglicht, die nur die leisen Anteile des Audiosignals anhebt. Im Grunde muss man einfach sagen das der Xpressor trotz meiner Fokussierung, sehr breit einsetzbar ist. Man kann durchaus kraftvolle Färbungen erreichen, aber auch recht transparent arbeiten. Aufgefallen ist mir eben besonders das Snares sehr schön "bereinigt" werden, vor allem wenn man bei eingeschalteter Auto-Fast Funktion ein wenig herumspielt.
Ich glaube ehrlich gesagt dass ich, in den Jahren in denen sich der Kompressor nun in meinen Besitz befindet, die Möglichkeiten des Xpressors noch nicht voll ausgeschöpft habe. Da gibt es noch einiges zu entdecken. Anfangs sind seine vielen Einstellungsmöglichkeiten auch nicht einfach in den Griff zu bekommen. Es ist eben kein No-Brainer bei dem man nur Input und Output Gain einstellt.
Manche wird wohl stören, das der Kompressor nicht für den DUAL-MONO Betrieb ausgelegt ist. Er ist eben ein reiner, ehrlicher Stereokompressor.

Kapitel 4: Fazit

Pro:
  • Class-A Schaltung
  • Extrem breiter Einsatzbereich
  • Sidechain-Filter
  • Viele Einstellungsmöglichkeiten
  • Klangvielfallt von transparent bis färbend

Contra:
  • Powerswitch auf dem Rearpanel



So, dann kann ich mich nur noch fürs Durchlesen bedanken!!

liebe Grüße Viktor
 
Eigenschaft
 
Interessanter Test :)

Noch zwei Fragen hätte ich:
Kennst du auch andere Hardware-Kompressoren zum Vergleich?
Wo gibt es Soundsamples? :D
 
Ich hab einen 2-1176 von UAD im Rack und früher einen DBX 166. Außerdem hatte ich den Elysia als ich ihn kaufte zuerst gegen einen Drawmer getestet.

Zum letzteren kann ich ehrlich gesagt nicht mehr viel sagen.
Zum DBX nur so viel, als das ich ihn direkt verkauft habe nachdem der Elysia ins Rack wanderte.

Vergleich von 2-1176 zu Xpressor:

Im vergleich dieser beiden Kompressoren muss man sagen, dass der 2-1176 unter herum mehr Gas gibt. Der Xpressor arbeitet gerade bei tiefen Frequenzen zwar prägnant aber im Prinzip ziemlich unauffällig. Gei Gesang nutze ich kaum Kompression im Aufnahmeweg, bei Gitarren mache ich das recht gerne. Hier hilft der 2-1176 sehr dabei die Präsenz zu Erhöhen, da setzt sich die Gitarre im Mix einfach ganz anders durch. Beim Xpressor habe ich das jetzt nicht so schön in Erinnerung. Um mit lästigen Höhen fertig zu werden sind beide Kompressoren super geeignet. Der 2-1176 pumpt einfach mehr als der Xpressor und arbeitet an sich einfach auffälliger.

Wenn ich beide mit einem Wort beschreiben müsste:


  • 2-1176: kernig
  • Xpressor: vielfältig

Ich weiß nicht wann ich dazu komme, aber ich kann natürlich mal ein paar Soundbeispiele basteln. Müsst ihr euch einfach nur ein wenig gedulden!
 
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