Review "Jasmine S-35" Dreadnought

von IcyMcToe, 14.04.16.

  1. IcyMcToe

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    Erstellt: 14.04.16   #1
    Hallo geneigter Leser und Musiker-Board-User :great:,

    schön das du dich für dieses Review interessierst.

    In diesem Review möchte ich die "Jasmine S-35" näher vorstellen und meine Meinung, Erfahrung und auch Soundbespiele in Bezug zur S-35 mit Euch teilen.

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    Zur Vorgeschichte:



    Grundsätzlich bin ich eher aus der E-Gitarrenfraktion kommend, spiele aber liebend gern Western.
    In Bezug auf Western hatte ich bisher allerdings noch nicht so viel Geld investiert wie im Bereich der E-Gitarren. Ich habe folgende Western-Erfahrungen:
    Yamaha DWX-7c, Yamaha FG-700 MS, eine alte Eko Western und eine Ovation, sowie die Art&Lutherie meiner Freundin (Modell weiß ich nicht).

    Letztes Jahr im Spätsommer war folgende Situation dann ausschlaggebend für den Kauf der Jasmin:

    Meine Freundin wollte auf ein Festival und wollte, da sie auch Gitarre spielt, gerne eine Gitarre mitnehmen. Da ihre Art&Lutherie jedoch zu schade war und ich meine damalige FG-700 MS anderweitig brauchte, dachte ich mir das ich einfach mal in den nächst größeren Laden gehe und mal gucke was ich so im Bereich für unter 100€ bekomme um ihr diese dann mitzugeben.
    (Eine Zweit-Westergitarre ist aus beruflichen Gründen auch nicht verkehrt gewesen..mega teuer musste sie in diesem Fall jedoch nicht sein).
    Mit eher gedämpften Erwartungen ging ich dann in den Laden und schaute mir an was es so gibt.

    Mir waren spontan nur die üblichen Verdächtigen wie Jack&Danny zu dem Preis eingefallen und habe dann auch mal diverse in die Hand genommen. Meine Gedanken waren:
    ..ja..ist ok..nichts dolles...also weg gestellt.
    Weiter geschaut und irgendwann diese Jasmin gesehen...Preis: 69€. Hmm..ok...teste ich mal.

    Und ich war wirklich baff wie viel Gitarre, für diesen extrem schmalen Kurs, geboten wurde.
    Klanglich sehr ausgewogen (natürlich immer eine individuelle und subjektive Einschätzung) und lässt sich wirklich gut spielen. Der Hals ist nicht zu dick und liegt gut in der Hand.
    Saitenlage war auch sehr angenehm.

    Klanglich war sie für mich sehr präsent und der Sound wollte immer einen Schritt vorwärts machen, sich präsentieren und sich nicht hinter einer "Wolldecke" verstecken.

    Ich habe die Gitarre kurzerhand mitgenommen, also genau das Modell das ich auch angespielt hatte. Das Austellungs-Stück.

    Optisch sehr traditionell, ohne Firlefanz gehalten, gefiel sie mir vom Aussehen auch richtig gut. Und das ganze zu dem Preis von 69€.

    Noch ein Satz neuer Ernie Ball 12er Saiten eingepackt und dann mit der Klampfe kurz zur Werkstatt...mal drüber schauen lassen. Der Mitarbeiter nahm die Gitarre, spielte sie ein paar Takte lang..Picking und Strumming...schaute dann auf's Preisschild welches noch dranhing und schien auch ein wenig verdutzt zu sein.

    Zuhause angekommen, neue Saiten drauf, etwas Lemon Oil...und ich war sehr zufrieden mit meinem Kauf. In der Zwischenzeit sind gut 8 Monate vergangen in der ich die Gitarre regelmäßig zum Unterrichten, für kleine Demoproduktionen und auch kleinere Gigs genutzt habe (die Band für größeres fehlt momentan aus zeitlichen Gründen).

    Über meine langfristigen Erfahrungen folgt gleich mehr, im späteren Teil des Reviews. Zu erst möchte ich jedoch die obligatorischen Fakten präsentieren.


    Fakten



    • Korpus: Dreadnought
    • Decke: Fichte
    • Boden & Zargen: Agathis
    • Verstrebung: Jasmine Advanced X-Bracing
    • Hals: Nato
    • Griffbrett: Palisander
    • Griffbrettradius: 12" (305mm)
    • Bünde: 20 (Halsübergang am 14. Bund)
    • Inlays: Dots
    • Sattel: Synthetischer Knochen
    • Sattelbreite: 1.75" (44mm)
    • Mensur: 25.5" (647,7mm)
    • Steg: Palisander
    • Stegeinlage: Synthetischer Knochen, kompensiert
    • Mechaniken: Chrom, geschlossen
    • Finish: Natural

    Soweit also zu den nackten Fakten.
    Keine massive Decke..das ist bei dem Preis natürlich auch vollkommen in Ordnung und habe ich auch keineswegs erwartet. Laut meiner Recherche gehört "Jasmine" zu Takamine. Ist also deren Billig- bzw. Budgetlinie. Find ich auch vollkommen in Ordnung.

    Ich finde die Gitarre, ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen, als Einsteiger Gitarre mehr als Gelungen und ein gutes Instrument um Spaß beim Lernen zu haben. Aber auch anderweitig hat diese Gitarre, meiner Meinung nach, durchaus ihre Berechtigung.

    Verarbeitung und Langzeiterfahrungen



    Die Gitarre ist "Made in Indonesia" und wie gesagt mir ist beim Anspielen und dem Mitarbeiter beim Check im Laden nichts negativ aufgefallen.
    Saitenlage war top: recht niedrig und ohne Schnarren. Das "top" ist in diesem Fall sehr subjektiv. Ein Gitarrist der Bottle-Neck spielen möchte würde wahrscheinlich sagen "zu niedrig".

    Grundsätzlich war mein Eindruck aber der, dass die Gitarre gut eingestellt ist und meinen Vorlieben entgegenkommt. Auch der Hals musste nicht nachjustiert werden.
    Die Bünde sind ebenfalls vernünftig abgerichtet und sind nicht scharfkantig.

    Betrachtet man die Bilder erkennt man jedoch hier und da ein paar Kleinigkeiten wie Klebereste am Schalloch und am Steg.
    Im Großen und Ganzen finde ich die Verarbeitung für den Preis wirklich gut.


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    Was mir aufgefallen ist bzw. meine Vermutung: Die Stegeinlage ist eingeklebt und ich wage es zu bezweifeln, dass man diese so ohne weiteres herausnehmen könnte.
    Die Notwendigkeit besteht momentan nicht, aber schöner wäre es, wenn dieses Bauteil herausnehmbar wäre. Vielleicht ist sie es ja...mal sehen ob ich es irgendwann nochmal herausfinde.

    Im Laufe der Zeit, den knapp 8 Monaten (+ -) ist mir nur eines negativ aufgefallen.
    Die Mechaniken scheinen jetzt schon mehr oder weniger ausgeleiert. Sie lassen sich noch einfach drehen, jedoch haben sie größeres Spiel als vorher.

    Das mag ggf. am häufigen Gebrauch und dem häufigen Umstimmen (Von E auf Open G, G nach E, E nach Eb etc.) liegen, aber das sollte dennoch irgendwie länger halten.
    Auch ist bei einem Tuner die Hülse, die von der Oberseite des Headstocks auf den Schaft gesteckt wird, im Rahmen des Saitenwechsel beim Wenden herausgefallen. Allerdings bei den Saitenwechseln vorher nicht.

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    So wild finde ich es persönlich jetzt nicht, da vernünftige Tuner nicht die Welt kosten, jedoch sei dies hier natürlich als Kritikpunkt aufgeführt.
    Ich denke die Tuner wären was, was ich in Zukunft mal austauschen werde. Das ist ja jetzt keine riesige Investition.

    Soundbeispiele:

    Hier ein paar Aufnahmen die ich gemacht habe. Das Setup war: MXL R144l Bändchen und ein Rode Nt1000-A Großmembran Mikrofon. Keine Plug ins oder ähnliches.

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    https://soundcloud.com/icymctoe/standard-tuning-ohne-effekt-pick-n-strum-r144nt-1000

    https://soundcloud.com/icymctoe/open-g-strumming-ohne-effekt-r144nt-1000

    https://soundcloud.com/icymctoe/open-g-picking-ohne-effekt-r144nt-1000


    Fazit:

    Die Jasmine macht wirklich eine richtig tolle Figur und ich würde Sie diversen anderen Budget-Gitarren vorziehen. Auch diversen Epiphones die ich immer wieder im Laden anspiele, dort habe ich aber oftmals dieses "hinter der Wolldecke"-Gefühl.

    Für das Geld (mittlerweile nur noch 55€:eek:) habe ich wirklich nichts, rein gar nichts auszusetzen. Die Gitarre klingt wirklich nach wesentlich mehr und ich empfinde immer Freude wenn ich Sie spiele.

    Mein Tipp: Wer eine günstige Western für den Einstieg benötigt oder wer einfach eine "obligatorische" Western im Arsenal haben möchte (um sie z.B im Refrain eines Rocksongs mit in den Mix zunehmen :cool:) oder einfach eine Reise- oder Zweit-Western benötigt kann hier meiner Meinung nach beherzt zugreifen.

    Das Große Aber...

    Die Gitarre ist mit Sicherheit nicht mit höherpreisigen Gitarren vergleichbar und ich möchte auch niemandem aufschwatzen das die Gitarre genauso gut oder besser ist als eine Gitarre für "so und so viel Euro". Zum einen weil Sie das mit Sicherheit nicht ist und zum anderen weil ich mich auch noch nicht wirklich mit höherpreisigen Western auseinandergesetzt habe.
    Mir würde es da auch an Vergleichswerten fehlen. Die Western die ich angespielt und besessen habe lagen alle so im Preisbereich bis 600€.

    Grundsätzlich ist das aber natürlich immer subjektiv und jeder hat ja so seine Soundideale.
    Ich mag z.B den Sound von Slash's Songs "By the Sword" ...Die Western am Anfang finde ich z.b cool oder die Clapton Unplugged Sachen.

    Bei EC ist's Martin und bei Slash wahrscheinlich auch...ich denke aber das ich so einen ähnlichen Sound mit der richtigen Mikrofonierung hinbekommen könnte. Ich betone "ähnlich". Ich empfinde die Tendenz der Jasmine vom Klangcharakter jedoch dahingehend und daher entsprach mir der Sound.

    Ich hoffe ich konnte hier den ein oder anderen Ermutigen sich ein solches Modell bei Gelegenheit mal anzuschauen.

    Gegenmeinungen oder Zustimmung sind natürlich willkommen...falls jemand auch Erfahrungen mit der Jasmine-S35 hat.
     

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  2. Corkonian

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    Erstellt: 14.04.16   #2
    Tja,
    irgendwie bestätigt das schon, was ich immer sagte: Nie ging es uns Gitarristen besser als heute. CNC-Maschinen und die damit verbundene günstige Produktion in hoher kontinuierlicher Qualität hat die sehr ungleichmäßige Qualität der von "Lohnsklaven" zusammengepfuschten Instrumente vergangener Jahrzehnte abgelöst. Natürlich klingen preiswerte Instrumente nicht so "gut" - was immer das auch jetzt individuell heissen mag - wie die teurere "Oberliga", aber der Vorsprung der "Qualitätsanbieter" ist schon verdammt geschrumpft.
     
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  3. Rockschreiner

    Rockschreiner Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.04.16   #3
    Wo gibt's die??
    Für wieviel? 69 Euro? Oder gar nur 55???
    Ich nehme 3 davon!:D

    Da muß ich Dir erstmal zu diesem gelungenen Kauf gratulieren! Mir gefallen Deine Soundbeispiele, der Klang der Gitarre ist nach meinem Geschmack prima.
    Ich kann's ja gar nicht glauben, was es alles so gibt...!

    Danke für dieses Review:great:

    Gruß,
    Rainer
     
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  4. Flyboy

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    Erstellt: 16.04.16   #4
    Hallo,

    ich denke hier zeigt sich nicht zuletzt das verkannte akustische Potential von Lindenholz, das einen unvergleichlich warmen Klang produziert. Wer wissen will, wie das in einer wirklich guten Gitarre klingt, sollte sich mal eine Kiso Suzuki W-200 anhören. Es ist schön, ab und zu mal daran erinnert zu werden, dass es auch eine bunte Gitarrenwelt ohne Massivholz gab und immer noch gibt ...
     
  5. Klaus 784

    Klaus 784 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.04.16   #5
    Laut Hersteller besteht die Decke aus Fichte, Boden und Zargen aus Agathis, Griffbrett aus Palisander, Hals Nato.
     
  6. Flyboy

    Flyboy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.04.16   #6
    "Fichtendecke" ist immer ein Synonym für irgendein Laminat und beschreibt nur das Deckfurnier. Auch was sich im Boden befindet lässt sich ohne Anbohren nicht sagen. Gerade diese Gitarre hat, wie man auf den Bildern vom Schalloch sieht, nur ein sehr dünnes Deckfurnier. 80-90% der Decke bestehen aus einem hellen homogenen Holz, bei dem es sich mit Sicherheit um Linde oder ein verwandtes Holz handelt. Linde ist sehr weich, weshalb es ja auch ein beliebtes Schnitzholz ist. Meine Tochter hat eine alte, sehr gut klingende, Gitarre, deren Boden auch außen aus Linde besteht. Da gibt es kaum Kratzer, sondern unzählige tiefe Druckstellen ...
     
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