Rhythmik Workshop

von Cudo, 25.01.05.

  1. Cudo

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    Erstellt: 25.01.05   #1
    Hallo Leute,

    mein ehemaliger Prof. am Kons. sagte immer: „Technik ist nicht alles, aber ohne Technik ist alles nichts“, womit er natürlich nicht ganz Unrecht hatte.

    Hier nun ein paar kleine Übungen zum Aufwärmen.

    Die Übungen werden binär gespielt. Die Rhythmik der linken Hand ist dem 3/2 Clave Pattern nachempfunden, wobei er hier im Double Time gespielt wird und die 4. Note des 3/2 Clave Patterns um eine Sechszehntel verschoben ist. Grafisch dargestellt wäre der „normale“ Clave im Double Time Feel:


    Code:
    1 e un de 2 e un de 3 e un de 4 e un de
    o------o------o---------o-----o--------
    und die abgewandelte Form dieser Übung:


    Code:
    1 e un de 2 e un de 3 e un de 4 e un de
    o------o------o------------o--o--------
    

    Rhythmik ist für Pianisten/Keyboarder extrem wichtig da sie ja Teil der Rhythmusgruppe sind und mit Drums & Bass zusammen mitverantwortlich sind für einen steady Beat.

    In dieser Übung begnügt sich die rechte Hand zunächst mit einem Ton der natürlich frei wählbar ist (am besten einen aus der Eb Pentatonik). Die in der rechten Hand zu spielenden rhythmischen Patterns sind aus der angehängten Graphik ersichtlich.

    Zuerst sollte man die ersten 3 Patterns gründlich üben. Danach die Patterns 1 bis 9. Wenn die Patterns 1 bis 9 sicher gespielt werden, können diese mit ihrer Rhythmik auf die Eb Pentatonik (C-) übertragen werden. Die Übung 10 wäre dann sozusagen der Übung 1 gleichzusetzen. Achtet auf den Fingersatz bei der Übung 10! (Dieser Fingersatz der rechten Hand gilt übrigens für die C, F, Bb, Eb, Db, Gb, D und G Pentatonik. Natürlich vorausgesetzt ihr fangt jeweils auf der 5. Stufe der Pentatonik an.)

    Die Übung 11 wäre dann praktisch die Übung 2 auf die Eb Pentatonik Tonleiter übertragen. Die Übung 12 übernimmt die Rhythmik der Übung 3, die 13 die der 4, etc. etc. . Und das Ganze bis die Nachbarn ausziehen …

    Ciao
    CUDO

    P.S.: Die angehängte Midifile soll nur zum besseren Verständnis dienen.
     

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  2. Jay

    Jay HCA Piano/Spieltechnik Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 25.01.05   #2
    Ganz treffend ist da auch der Satz, den pim in der Signatur hat: "Klavierspiel besteht aus Vernunft, Herz und technischen Mitteln. Alles sollte gleichermassen entwickelt sein. Ohne Vernunft sind Sie ein Fiasko, ohne Technik ein Amateur, ohne Herz eine Maschine." (Horowitz)

    Coole Übung. :great: Hast du so 'ne ähnliche Sache vielleicht für Swing auf Lager? Weil ich damit doch mehr Mühe habe im Moment als mit geraden Rhythmen. Ich weiß, da reicht man ihnen den kleinen Finger ... :D

    Gruß,
    Jay
     
  3. Cudo

    Cudo Threadersteller Mitgliedschaft beendet

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    Erstellt: 25.01.05   #3
    Hallo Jay, hallo binOr,

    this one is for you guys.

    Swing entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als 12/8 Takt. Die Zahl 12 kann durch 1, 2, 3, 4, 6 und natürlich 12 geteilt werden. Im Jazz geht es hierbei hauptsächlich um die Aufteilung der 12 Achteln zum Einen in 4 Dreiergruppen und zum Andern in 3 Vierergruppen. Ersteres hören wir zur Genüge tagtäglich und letzteres erfordert Einiges an rhythmischem Talent um es zu beherrschen.
    Hier nun eine kleine Übung um in die fantastische Welt des 12/8 einzutauchen.

    Zunächst ein Wort zur linken Hand. In diesem zweitaktigen Pattern handelt es sich um eine Dreierverschiebung. Auf den ersten Blick scheinen die ersten fünf Anschläge alle gleichlang. Wir müssen allerdings berücksichtigen dass die in diesem Falle vereinfachte Schreibweise trügt. Natürlich wird das Pattern der linken Hand ternär interpretiert, was heißt, dass das große C auf der 1 genau 5 Triolenachtel lang ist. Der nächste Anschlag auf die 2unde ist jedoch nur 4 Triolenachtel lang. Der nächste wiederum 5 Triolenachtel und der 4. Anschlag natürlich wieder 4. Das erschwert die Sache ungemein. Es ist vielleicht ratsam die Figur der linken Hand erst einmal alleine zu spielen. Zur innerlichen Vertiefung dieses im Jazz sehr wichtigen Patterns empfehle ich McCoy Tyner’s Begleitung des späteren Coltrane. Die Figur, vorausgesetzt man lässt jeden 2. Anschlag weg, wird manchmal so „verzogen“ dass es sich dann anhört wie eine Dreiergruppe von Ganzetriolen über 2 Takte gespielt. Ja, richtig gehört, GANZETRIOLEN. Du wirst so etwas oft bei Schlagzeugern wie z.B. Elvin Jones zu hören bekommen. Man nennt so etwas auch Longmeter playing. Es ist extrem schwierig und es fordert absolute Konzentration diesen Spannungsbogen aufzubauen und auch zu fühlen.

    Aber nun zurück zu unserer wesentlich einfacheren Übung.

    Die rechte Hand spielt Achteltriolen. Diese werde allerdings immer in Vierergruppen gedacht und dem entsprechen akzentuiert. Figur 2 fängt mit einer Achteltriolenpause an. Wem das schwer fällt kann zu einem plumpen Trick greifen. Das unmittelbar über dem Ton B liegende C wird durch ein Gewicht oder irgendetwas beschwert so dass diese Taste unten bleibt. Auf die erste Achteltriolenpause spielen wir nun mit dem vierten Finger auf diese stumm geschaltete Tast. Der Rest bleibt wie gehabt. Bei der nächsten Achteltriolenpause folgt das gleiche Spiel.

    Die Übungen 5 und 6 sind der Hanon Schule entliehen. Allerdings auf Pentatonik übertragen. Übung 5 wäre rhythmisch gesehen mit Übung 1 gleichzusetzen. Übung 6 richtet sich rhythmisch nach Übung 2. Man sollte das Ganze nun selbst weiterführen. Wer den Hanon besitzt, kann die restlichen Übungen in der gleichen Art und Weise üben. Hanon richtig eingesetzt macht eben doch Sinn.

    Und wenn die Nachbarwohnung dann leer ist habt ihr ganz viel Platz…


    Ciao
    CUDO
     

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  4. Cudo

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    Erstellt: 04.02.05   #4
    Hallo,

    irgend jemand hat den von mir eröffneten Thread „Technik ist nicht alles, aber ohne Technik ist alles nichts“ hier in der Rubrik Workshop neu angelegt und ich glaube dass dieser große Unbekannte dies nur deshalb machte, um die mit Polemik gefüllten Beiträge im Original Thread heraus zu filtern. Wenn dem so ist, dann sage ich ihm dafür vielen Dank! Die im Original Thread zu letzt geschriebenen Beiträge möchte ich hier nicht weiter kommentieren. Es lohnt nicht. Mir ging und geht es einzig und allein um das spielerische Umsetzen eines 12/8 swing feel am Klavier und ich bin mir ziemlich sicher dass mit wenigen Ausnahmen hier jeder Bescheid weiß was damit gemeint ist.
    Dass ich mich jetzt entschlossen habe hier an dieser Stelle weiter zu schreiben, ist hauptsächlich der überaus positiven Resonanz zuzuschreiben. Dank geht hier an alle die an diesem Thread Interesse zeigten.
    Der Thread geht nun also weiter.
    (und hoffentlich ohne weitere Störung! Walzerfreaks haben eh zur Zeit Hochkonjunktur im schönen Wien.)

    Die „left hand figure“ der letzten Übung war sehr heftig. Ich meine, mit der rechten Hand frei darüber zu improvisieren bedarf intensivstem Training. Damit die rechte Hand nun nicht zu kurz kommt werden wir ein einfacheres Pattern für die linke Hand wählen. (siehe attached file „Beispiel 1“)

    Kommentar zur Harmonik von attached file „Beispiel 1“:
    Harmonisch gesehen ist Db6/9 auf der bII Stufe von C Dur ein SDM (Subdominantmoll) Akkord. Er nimmt Lydisch als Tonleiter und bildet im Wechsel mit C6/9 eine SDM Kadenz.


    Den Gedanken der 3 Vierer-Gruppierungen von Achtel-Triolen behalten wir indes in der rechten Hand bei. Wir teilen also die 12 Achtel-Triolen eines 4/4 Taktes weiterhin in 3 Vierer-Gruppen auf. Allerdings fangen wir diesmal die erste Vierer-Gruppe nicht auf der Eins, sondern auf der Zwei des ersten Taktes an. (siehe attached file „Beispiel 2“) Der Pentatonik-Hanon wäre für die rechte Hand in dieser Übung auch wieder zu empfehlen. Ich gehe also davon aus, dass die vorangegangenen „3 gegen 4“ Übungen ausreichend gespielt wurden.

    Obwohl bei dieser Figur die linke Hand durchaus in der im Jazz gebräuchlichen binären Schreibweise notiert werden könnte (siehe Beispiel 1), habe ich die ternäre Schreibweise dieses Mal bevorzugt, um bildlich klar zu stellen auf welche Zählzeit beide Hände zusammen fallen.

    Als nächstes spielen wir Vierteltriolen auf der Zwei angefangen. (siehe attached file „Beispiel 3“)
    Dazu mit dem linken Fuß (rechter Fuß sollte den Pedalen vorbehalten sein!) den Beat auf Zwei und Vier markiert, unterstützt ungemein das „swing feel“.
    Das kann man prinzipiell auch bei anderen afroamerikanischen Rhythmen wie z.B. Salsa, Samba und Ska machen. Der Körper ist gefühlsmäßig bei Beat Eins und Drei oben (obwohl man diese beiden Beats Downbeats nennt). Bei Zwei und Vier fühlt man sozusagen „Erde“ und das wiederum bedeutet Fuß.

    Falls uns letzte Figur schwer fällt, denken wir einfach an die „standard ride Cymbal figure“ im Swing. (siehe attached file „Beispiel 4“)

    Verschieben wir in der „standard ride Cymbal figure“ die Beats Eins und Drei um ein Triolen Achtel nach vorne, erhalten wir präzise unsere obige Figur. (siehe attached file „Beispiel 5“)

    Sich diese Figur einzuprägen hilft ungemein Swing zu „verstehen“ und zu fühlen.
    Um zu dieser Figur einfacheren Zugang zu finden machen wir einen Mix aus „Beispiel 3“ und „Beispiel 4“. (siehe attached file „Beispiel 6“)



    Dies sind also die Grooves die den Einstieg in den 12/8 Welt des Swings erleichtern sollten. Es ist sozusagen eine Ausgangsbasis.
    Ein Beispiel, wie man diese Figuren dann mit der Zeit ausbauen kann, hört Ihr auf der beigefügten Midifile (12/8 feel). Dort spiele ich „angelehnt“ an die oben erklärten Patterns. Beim Zuhören ist es sehr wichtig die auf die Zwei angefangenen Vierteltriolen zu spüren und eventuell auch mit zu singen. Der linke Fuß sollte dabei, wie schon gesagt, die Beats Zwei und Vier markieren.

    CIAO
    CUDO
     

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    Erstellt: 22.02.05   #5
    Hallo Leute,
    nach einer kurzen Unterbrechung, es gab ein kleineres technisches Problem, kann es jetzt wieder weiter gehen.

    Versuchen wir nun die rhythmische Figur der auf Beat 2 und 4 angefangen Viertel-Triolen in unsere linke Hand zu legen. Zuerst spielen wir diese Figur straight durch. Also pro 4/4 Takt werden 6 Viertel-Triolen gespielt. Danach lassen wir jeweils die dritte Viertel-Triole einer jeden Dreiergruppe unbetont und später wird diese dann nur noch gedacht und nicht mehr gespielt.

    Zu dieser rhythmischen Übung habe ich mir einen Turnaround in C Dur ausgesucht. Die Stufenbewegung dieses Turnaround ist I, V7/II, V7/V7, V7/I, also eine gewöhnliche Dominantkette mit allerlei Alterationsmöglichkeiten (weitere Einzelheiten dazu auf Anfrage).
    Die Tonleiterauswahl für die rechte Hand fiel auf die C Kumoi (siehe https://www.musiker-board.de/vb/showthread.php?t=45109), und zwar für alle 4 Akkorde.
    Bei einer rhythmischen Übung ist es sicherlich sinnvoll das harmonische Material auf das Notwendigste zu beschränken. Es wird daher einige Clashes (b9’s) geben, aber das dem Stück zu Grunde liegende übergeordnete Prinzip wird unser Ohr schon akzeptieren.

    Also was macht nun die rechte Hand? Versuchen wir es doch zuerst einmal mit Viertel-Triolen auf Beat 1 und 3 angefangen.
    Auch hier spielen wir zuerst, um uns „einzugrooven“, alle 6 Viertel-Triolen durch. Danach variieren wir indem wir ein paar beliebige Beats weglassen und dazu noch die Tonhöhen verändern. Die linke Hand kann dabei entweder alle 6 Viertel-Triolen durchspielen oder besser noch jede dritte Viertel-Triole weglassen. Ihr werdet es selbst merken dass mit der Zeit ein Groove entsteht der eine recht freie rhythmische Gestaltung der rechten Hand zulässt. Ich denke dabei hauptsächlich an Achtel-Triolen in Vierergruppen unterteilt.


    CIAO
    CUDO

    P.S.: Das angehängte Notenbeispiel soll nur zur besseren Orientierung dienen.
    Die Midifile soll zeigen wie dieser Groove ausgebaut werden kann.
     

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  6. Cudo

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    Erstellt: 23.02.05   #6
    Hallo,

    um nun sicher zu gehen dass die bisher gespielten Melodien auch wirklich im 12/8 Feeling gespürt werden, habe ich dieses mal ein und dieselbe Melodie zum einen mit einer 12/8 Begleitung und dann mit einer 4/4 Swing Begleitung unterlegt.
    Einzig was sich für den Pianisten dabei ändert ist die Rhythmik der linken Hand.
    Es ist erstaunlich wie schwer man sich dabei tut. Reine Kopfsache?
    Für mich ist die Wirkung des Wechsels wie die Wirkung die die Bilder des holländischen Malers Escher auf mich ausüben. Es macht „klick“ und man stellt um (oder eben auch nicht).
    Viel Spaß beim Experimentieren. Demnächst kommen noch ein paar weitere Beispiele mit derselben linken Hand Figur.

    CIAO
    CUDO
     

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