Schnarchen und Pfeifen - Beteiligung der eigentlichen Stimme?

von Tim, 18.06.18.

  1. Tim

    Tim Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.06.18   #1
    Hallo,

    weiß jemand, ob beim Schnarrchen (was man ja selbst nicht bewußt beeinflussen kann) oder auch beim bewußten Pfeifen die Stimmbänder beteiligt sind?

    Ich komme darauf, weil ich bei meiner Freundin festgestellt habe, das sie laut schnarrcht und sich das erstaunlich tief anhört, dabei schätze ich ihre Stimmlage (obwohl sie leider nicht singt) auf mittleren bis tieferen Mezzo-Sopran ein.
    Darum meine Vermutung, das dieses Schnarrchen nicht von den Stimmbändern produziert wird, sollte das stimme, was macht dann das Schnarrchgeräusch?

    Was das Pfeifen angeht, da formt man ja mit den Lippen eine enge Öffnung, wo die Luft hindurch strömt, aber ist das alles?
    Ich meine man bewegt auch den Kehlkopf nach oben, wenn man höher Pfeifen will, oder nicht?

    Viele Grüße
    Tim
     
  2. peter55

    peter55 A-Gitarren, Off- & On-Topic Moderator HFU

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    Erstellt: 18.06.18   #2
    Nein ...

    Beim Schnarchen flattert das Gaumensegel und das Zäpfchen und beim (menschlichen) Pfeifen entsteht der Ton erst an den Lippen.
    Die Bewegung des Kehlkopfs entsteht dadurch, dass der Mund/Rachenraum (Resonanzraum) beim Pfeifen durch die Muskulatur des Kopfes und der Zunge verändert wird.
    Beim Pfeifen leg einfach mal die Hand an den Kehlkopf, da wirst du keine Vibration spüren.

    Vögel haben übrigens keine Stimmbänder, sie pfeifen und singen mit Hilfe ihres Syrinx.
     
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  3. Tim

    Tim Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.06.18   #3
    Danke für die schnelle Antwort und gute Erklärung! :great:

    Kann man denn diesen beim Schnarchen zu Grunde liegenden Mechanismus auch irgendwie zum Singen ganz bewußt einsetzen um tiefere Töne zu schaffen, als es die Stimmbänder eigentlich hergeben?
     
  4. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 18.06.18   #4
    Das Schnarchgeräusch entsteht ähnlich wie ein Furz - welcher meines Wissen weder geschlechtsspezifisch noch stimmfachabhängig ist - durch Luft und Reibung, aber ohne Stimme. Maßgeblich für die Höhe des Geräusches ist die Größe der Öffnung, durch die die Luft austritt bzw der Luftdruck.

    Bei Extremtechniken wie beim Death Metal wird mMn ein ähnlicher Mechanismus genau dafür eingesetzt. Und der funktioniert bei Männern wie bei Frauen. Das, was da tief klingt, ist aber eher tonlos - also ähnlich wie beim Schnarchen und Pupsen. Kontrollierte Melodietöne, wie du es dir vermutlich erhoffst, sind damit mW nicht möglich. Deswegen blieb der kleine Junge in dem Film "9 1/2 Wochen" nach seinem Versprechen, gegen Geld die Titelmelodie aus "Der weiße Hai" zu furzen, auch erfolglos.



    Beim Pfeifen bin dennoch der Ansicht, dass jemand der hoch singen kann auch höher Pfeifen kann - oder das ähnliche Resonanzen/Register genutzt werden können, um zb zu oktavieren. Oder es gibt bestimmte Pfeiftechniken, die das erlauben. Ich kann zB nicht besonders hoch pfeifen.
     
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  5. broeschies

    broeschies Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.06.18   #5
    Genau, das Pfeifen benutzt die gleichen Resonatoren wie das Singen. Kehlkopf und Vokaltrakt machen die gleichen Bewegungen wie beim Justieren der Gesangsresonanz. Deshalb können höhere Stimmen tatsächlich höher pfeifen. Genau wie beim Singen gibt es in der Höhe einen Punkt, ab dem das Pfeifen "hauchig" wird und nicht mehr so recht will. An dieser Stelle kann man, genau wie beim Singen, seine Range noch etwas erweitern, indem man übt, den Vokaltrakt stärker zu verengen und damit Resonanzräume für höhere Frequenzen zu schaffen.
     
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  6. Tim

    Tim Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.06.18   #6
    Hmm, aber macht man nicht beim Pfeifen den Ton höher, indem man die Lippenöffnung verringert?

    Ich glaube, ich hab das mit meinem Gesangslehrer mal probiert, er konnte glaub ich höher pfeifen als ich, dabei hab ich aber die höhere Stimme beim Singen, kann aber auch daran liegen, daß ich nie wirklich gut pfeifen konnte.
     
  7. peter55

    peter55 A-Gitarren, Off- & On-Topic Moderator HFU

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    Erstellt: 19.06.18   #7
    Pfeif mal einen tiefen Ton und erhöhe diesen dann während du pfeifst.
    Spüre nach, was mit deiner Mundhöhle und dem Rachenraum dabei passiert ...
    Was macht deine Zunge dabei?

    Sind tiefere Orgelpfeifen größer oder kleiner als höhere? ;)
     
  8. broeschies

    broeschies Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.06.18   #8
    Genau was Peter schreibt. Mach mal einen schnellen Wechsel zwischen einem tiefen und hohen Pfeifton. Immer abwechselnd. Da merkst du relativ gut was passiert. Bei einem Wechsel vom tiefen Register ins mittlere bewegt sich v.a. der Zungenrücken, der den Vokaltrakt verengt, indem er den Raum zwischen Gaumen und Zunge kleiner macht. Im hohen Register (dem Äquivalent zur Kopfstimme beim Singen) merkst du eine deutliche Spannung im Rachenbereich, weil sich auch dieser dann stärker zu verengen beginnt. Die Mundöffnung hingegen musst du für den Tonwechsel nicht verändern.
     
  9. Tim

    Tim Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.06.18   #9
    Ja, stimmt tatsächlich.
    Ich frage mich jetzt gerade, wo denn dann überhaupt die Unterschiede zwischen pfeifen und singen liegen, abgesehen von der engeren Mundöffnung beim pfeifen.
     
  10. peter55

    peter55 A-Gitarren, Off- & On-Topic Moderator HFU

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    Erstellt: 23.06.18   #10
    :rolleyes:

    Es ist der gleiche Unterschied wie zwischen einer Flöte o. Orgelpfeife und z.B. einem Holzblasinstrument (Saxophon, Klarinette).

    Bei ersteren wird die Luftsäule selbst durch die Strömung am Labium zum schwingen gebracht und bei den letzteren wird der Ton durch
    eine schwingende Zunge erzeugt und durch den Resonanzraum in Tonhöhe und Klang moduliert.
     
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  11. Tim

    Tim Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.08.18   #11
    Ok, bin gerade mal wieder auf das Thema Pfeifen gekommen und es scheint wirklich so zu sein, daß sich der Gaumen mit der Höhe stark verengt.
    Ich komme mit Mühe und Not auf ein h''', also einen Halbton unters viergestrichene c (C7), ist das fürs Pfeifen hoch, mittel oder nicht so hoch? Wie hoch kommt Ihr?

    Beim Singen bin ich gar nicht so weit davon weg, da liegt mein bisheriger Rekord beim fis''' (F#6), was ich aber nur selten mal schaffe, ich übe es allerdings auch nicht viel in dieser extremen Höhe.
    Ist das so stimmig, oder müßte ich dann eigentlich höher Pfeifen können?
     
  12. broeschies

    broeschies Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.08.18   #12
    Es heißt schlicht und einfach, dass du prinzipiell auch lernen kannst bis C7 zu singen (wenn du es denn üben willst), weil dein Vokaltrakt in der Lage ist Resonanz für Töne dieser Höhe bereitzustellen. Ob es wirklich klappt, hängt aber natürlich auch noch von deinen Stimmlippen ab. Es gibt Wissenschaftler, die behaupten, dass es eine physikalische Limitierung bei etwa D8 gibt bezüglich der Resonanzen, die der Vokaltrakt noch bereitstellen kann. Das deckt sich auch mit der Aussage bei Wikipedia, dass sich menschliches Pfeifen ungefähr im Bereich bis 4000 Hz abspielt (B7/C8).
     
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