Seid Ihr bzgl. Spiel-Fortschritt manchmal auch am verzweifeln?

  • Ersteller Harry3567
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Mir fällt grad auf ... es scheint bei Threads zu diesem Thema immer um Geschwindigkeit und um bestimmte Techniken zu gehen ... nie darum MUSIKALISCHER zu spielen???
Das ist ein guter Punkt. Ich bin gerade dabei einige Soli die mir gefallen zu lernen. Dabei zerteile ich das Solo in ganz kleine Stücke und muss die am Anfang auf 50% Geschwindigkeit oder noch langsamer spielen, damit ich mitkomme - aber eine Woche später bin ich an der selben Stelle schon bei 90%. Und die 32stel bekomme ich gar nicht hin, also schreibe ich das Stück um, lasse ein paar Zwischennoten raus, sodass ich mit 16tel durchkommen. Und siehe da - das Solo klingt trotzdem toll. Das letzte Quentchen Geschwindigkeit ist für ein Stück oft gar nicht mal nötig. Die Musikalität liegt woanders, nähmlich typischerweise auf den betonten, längeren Noten.
 
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Ja klar doch. Beim F-Dur Akkord war es das erste Mal wo ich so richtig dachte es geht einfach. Heute kann ich ihn aber.

Und ja, die ganzen großen Gitarristen haben wirklich eine 40 Stunden Woche die komplett mit Spielpraxis, Theoriestudium und Gehörtraining etc. voll ist. Und dazu kommt dann auch (höchstwahrscheinlich) auch noch der ganze ,,Ärger" mit Tonstudios, Tourneen und dergleichen.

Deren Spielkünste kommen nicht von ungefähr und deswegen ist es auch relativ ,,fies" sich selbst mit diesen zu Vergleichen.
 
Nochmals zur Ausgangsfrage :

Ich schiebe aktuell auch richtig großen Frust. Habe vor knapp 22 Monaten wieder angefangen (bin 45) mit dem Ziel diesmal so weit zu kommen, dass mit Freude mit anderen Musik machen kann. In den 22 Monaten habe ich nahezu jeden Tag geübt - im Schnitt eine Stunde. Häufig morgens zum Kaffee ein paar technische Übungen und Abends "richtig" oder in meinem Büro mal zwischendurch.

Wenn ich überlege, welche Ausgangssituation ich hatte, bin ich schon weit gekommen. Ich musste mir früher immer anhören, dass ich weder singen, noch Intervalle hören, noch einen Rhythmus präzise halten kann. Ich habe mich mit sehr viel Motivation durch EarMaster und Übungen zu Chromatischen Tonleitern und Rhythmuspyramide gearbeitet. Manchmal glaubte ich zwischendurch ich hab's begriffen, doch dann stehe ich an der nächsten Biegung schon wieder vor dem nächsten Berg. Ich kenne einige Leute, die nach erheblich kürzerer Zeit viel weiter sind.

Da ich beim Singen recht schlecht die Töne treffe, habe ich es dran gegeben mich beim Singen zu begleiten. Ich übe mich aktuell durch BYCU und "Rock Rhythm Guitar Playing". Die Gitarre steht jetzt seit einer guten Woche in der Ecke - die Motivation ist futsch
 
Manchmal glaubte ich zwischendurch ich hab's begriffen, doch dann stehe ich an der nächsten Biegung schon wieder vor dem nächsten Berg. Ich kenne einige Leute, die nach erheblich kürzerer Zeit viel weiter sind.
Das ist doch normal, dass man nach einer geschafften Herausforderung die nächste sieht. Aber die ist auch schaffbar, du hast es immerhin so weit geschafft. Und Musikmachen ist kein Wettbewerb, die einen tun sich leichter zu lernen, die anderen müssen sich jeden Schritt hart erarbeiten.
Ich bin bei Gott kein guter Gitarrist, aber ich hab keine Probleme in einer Band zu spielen und dort meine bescheidenen Künste anzuwenden. Dazu muss man nicht perfekt sein! Und im Zusammenspiel mit anderen lernt man oft am meisten!
 
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Irgendwie kann man hier nur immer wieder das Gleiche sagen ... ;)

Was bin ich froh, dass ich nichts "erreichen" will, dass für mich "der Weg das Ziel" ist ... dass ich jeden Moment in dem ich die Gitarre in der Hand habe genieße ... egal ob ich grad was lerne, oder übe, oder was ich schon kann "spiele" ... ob es grad gut klappt oder grad überhaupt nicht ...
Und merkwürdig ... es geht trotzdem vorwärts ... oder grad deshalb???
 
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Was bin ich froh, dass ich nichts "erreichen" will, dass für mich "der Weg das Ziel" ist ...
:great:Kann man gar nicht oft genug sagen. Einfach sein eigenes Ding machen. Egal welche Stilrichtung.
Vom gesellschaftlich tradierten Leistungsgedanken sollte man sich, wenn überhaupt, nur punktuell leiten lassen.
Bei Musikstudenten o. Profimusikern mag das anders sein. Aber das sind wohl die Wenigsten.
 
@Blues-Opa ... das geht mir sehr ähnlich und war früher noch viel ausgeprägter als heute. ich bin verdammt froh, dass ich so einigermassen Gitarre Sax und Querflöte spielen kann und mich undgelegentlich
auch Zuhörer damit erfreue. der bekannte Spruch "Der Weg ist das Ziel" trifft es m.E. beim Musik machen ziemlich gut. Auslernen ist sowieso nicht und ich habe das Gefühl, dass es immer umfassender wird, je mehr ich weiss. Gut so...tolles Hobby oder auch mehr !
 
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Ich glaube bei vielen ist der Erwartungshaltung, dass sie erst mit in einer Band spielen können, wenn sie "perfekt" sind. Ich hab meine erste Band gegründet, da hatte ich davor noch nicht mal einen Bass in der Hand gehabt, wußte aber dass ich Bassist sein würde. :D
Darum sag ich auch immer: geht raus, spielt mit anderen Leuten und lernt von ihnen, genauso wie sie von euch lernen! Es geht um den Spass an der Musik, nicht um eine olympsche Goldmedaille!
 
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Es geht um den Spass an der Musik, nicht um eine olympsche Goldmedaille!
Sollte.
Gerade mit gewissen Hobbyisten habe ich da leider erst kürzlich andere Erfahrungen gemacht. (zu einem Bassisten: "Waunst des ned spüln kaunst, daun schleichst die hoit wieda ...")
Aber OK, dort geh ich, obwohls' mich nicht selbst betroffen hatte, halt nimmer zu einer Jam und fertig.
 
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Im Moment sehe ich einfach einen riesen Berg vor mir den ich bewältigen muss und ich bin am zweifeln ob ich das ganze nicht beenden sollte und die Gitarre an den Nagel hänge...Dur/Moll/Pentatonik/ Blues Tonleiter/ phrygisch/mixolydisch/aeolisch/ etc...ich hab keinen Plan mehr...
genau: du hast keinen plan.
das heisst, du brauchst einen plan.

mit anderen worten: such dir sowas wie ein mittel- und langfristiges ziel.
Ohne wird's schnell unübersichtlich, weil man alles mögliche ein bisschen macht, aber a) nichts richtig und b) potentiell nie das, was einem fehlt.
 
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Darf ich da Vinci an dieser Stelle zitieren ?

Die meisten Probleme entstehen bei ihrer Lösung
 
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Ja, der "Kampf" ist never ending .... :nix:
Wussten schon die alten Griechen.


sys1.png
 
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Hi Harry,
was, du bringst nicht einmal "Painkiller" von Judas Priest? Da bist du nicht allein!!! Der Song war doch schon deshalb der Hammer damals, weil die alten Priester es den jungen Thrashern und Deathern so dermaßen gezeigt haben. Schnell, technisch filigran und trotzdem musikalisch. Wenn du dir die Latte SOOO hoch legst, wird das wirklich nüscht. Ich war ja auch mal Leichtathlet, aber seit meiner Diagnose Kniearthrose ist der Traum vom Marathon definitiv gestorben - und auch so kreischen wie Halford klappt wohl nichtmal nach Kastration... das werde ich aber auch nicht testen ;-)

Will sagen: Ziele gehören dazu, aber sie müssen auch mit der Realität zu tun haben. Kleine Ziele für kurze Etappen, aber auch mal ein größeres - damit man weiß, wo man hin will. Und was nicht geht, sollte man auch mal begreifen: Nichts ist peinlicher, wenn jemand auf der Bühne so tut, als ob er bestimmte Sachen könnte, es aber verkackt. Habe letztens eine talentierte Band gesehen, die genau Painkiller so derartig unsauber und schief dargeboten hat, dass ich mir deren CD letztendlich doch nicht kaufen wollte. Diese Hybris! "Breaking the law" hätten die gebracht - und ich ihnen auch noch ein Shirt zur CD abgekauft... aber so?
 
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... oder anders gesagt, ein Ziel muss auch erreichbar sein ... deshalb lieber kleinere aber erreichbare Ziele setzen und so auch immer wieder Erfolgserlebnisse haben.
Sonst ist es eine Utopie, und Dauerfrust ist vorprogrammiert ... schade um die Zeit.

Ein Amateur mit begrenzter Freizeit kann niemals mit einem Semiprofi oder Profi, der täglich viele Stunden oder gar den ganzen Tag Zeit hat seine Musik als Beruf auszuüben, konkurrieren ... und neben der reinen Arbeit (Lernen, Üben, Technik ...) spielen ja auch der Grad der körperlicher Eignung fürs Instrument oder spezielle Spieltechniken und nicht zuletzt die Begabung eine wichtige Rolle ...

Einfach zu sich selber stehen, und die eigene Situation realistisch einschätzen ... und dann machen was eben möglich ist ... und vor allem Freude dabei haben :)
 
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Einfach zu sich selber stehen, und die eigene Situation realistisch einschätzen ... und dann machen was eben möglich ist ...
Ja, schön.
Nur ist in fast allen Sparten der Freizeit-beschäftigungen die Devise Schneller - Höher - Weiter längst eingezogen. Nicht umsonst sind die massivsten Konsumenten verbotener Substanzen (nach Untersuchungen der österr. NADA, DE kenne ich keine Daten) so genannte Hobbysportler (vom Krafttraining bis zum Radfahren ....) die auch nicht kontrolliert werden. Welcher (Un)Geist sich da breit gemacht hat ist schauerlich. Und warum sollte dieser Wahn vorm Musikmachen stoppen?
Spass haben ist nicht mehr vorgesehen, Leistung ist die Devise (die noch nicht ein mal vorm Sex halt macht ...) :weird:
 
Also ich mach Musik NUR weil sie mir Spaß macht. Ganz ohne verbotene Substanzen. :D
 
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Ich denke, dass das Erlernen eines Instrumentes heute generell unterschätzt wird. Wir leben heute in Zeiten, wo alles schnell verfügbar, schnell machbar ist. Die vielen virtuosen Vids auf Youtube tragen zu dieser Täuschung ebenso bei wie manche "Lehrer" oder Autoren von Fachliteratur, die immer sagen, dass alles ganz einfach wäre.

Fragst Du jemanden, wie man eine gewisse Klasse erreichst, sagt der meist "üben, üben, üben". Dann sitzt man eine Woche zuhause und es tut sich kaum etwas und dann stellt man diesen Rat in Frage und denkt vielleicht, es liege am Gear oder am Talent oder sonstwas.

Leider ist "üben, üben, üben" aber der tatsächlich einzig richtige Rat. Nur in Ausmaßen, die man sich vielleicht niemals vorgestellt hätte. Ihr könnt davon ausgehen, dass manche YT-Virtuosen viele Jahre nichts anderes gemacht haben, als sich hinter ihr Brett zu klemmen. Genauso alle Pro's.

Ich habe einige Biographien gelesen, die alle den enormen Aufwand des Erlernens hervorgehoben haben. Aktuell die Bio von Paul Stanley, der auch sagt, wenn er gewusst hätte, wie lange es dauert, hätte er nie damit angefangen. Und er spielt noch nicht mal Soli und ist im Mix weit hinten.

Ich habe auch oft genug vom Üben und denke mir: Muss ich dies und jenes wirklich können?
Der einzige Trost, den ich mir oft zuflüstere ist: Denk mal an klassische Musiker. Von denen trennen uns Gitarristen meist Lichtjahre. Also übe ruhig noch ein bischen weiter.
 
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Aber über all das Üben darf halt auch nicht der Spass zu kurz kommen. :opa:

Wie in dem oben angeführten Thread heute schon geschrieben wurde: am besten und meisten lernt man, wenn man mit anderen gemeinsam Musik macht.
 
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