Selbstbau, das Tutorial!

von EDE-WOLF, 15.11.04.

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  1. EDE-WOLF

    EDE-WOLF HCA Bass/PA/Boxenbau HCA

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    Erstellt: 15.11.04   #1
    Ich habe diesem Thread geöffnet, damit leute, die in das thema einsteigen möchten, nicht immer die selbe fragen stellen (müssen), sollte das hier auf positive resonanz stoßen wäre vielleicht pinnen ganz gut!!
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    Fangen wir mit der Frage an, warum selbstbau:
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    Der Hauptgrund wird hier wohl der finanzielle Vorteil, den man gegenüber Fertigprodukten hat, sein!
    Selbstbau ist auch wenn das einige Leute hier wahrscheinlich wieder nicht einsehen wollen kein Hexenwerk! Es ist ein bisschen rechnerei, ein bisschen erfahrung, ein bisschen lesearbeit und dann doch ein bisschen Geld!
    Zunächst mal sollte man sich mit dem Herzstück einer E-Bassbox befassen:
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    Was müssen die Speaker(=Chassis=Lautsprecher) leisten?
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    Welche Frequenzen müssen sie bedienen, wie laut müssen sie sein, wie linear sollten sie sein, wann ist "eigener klangcharakter" störend?? Die letzten beiden Antworten sind schon nicht einfach zu beantworten, da ich ein relativ fauler mensch bin, habe ich mich den linearen Boxen angenommen!
    Die Frequenzen, ja ein Bass spielt tief! Das H 31hz! das mag ja sein, aber eine Saiten produziert beim anspielen auch noch obertöne! insgesamt kann man sagen, dass eine bassbox zwischen 50hz und 4-6khz übertragen sollte! (nur als grober anhaltspunkt)
    nun zur frage welche speakergrößen man einsetzen sollte! auch diese frage lässt sich nicht pauschal beantworten, folgende aussagen sind auch nur anhaltspunkte, ausnahmen gibt es immer! gängige Speakergrößen sind:
    8" 10" 12" 15" 18"!
    Je kleiner ein Speaker, desto besser (IM ALLGEMEINEN) sein Impulsverhalten! Je kleiner ein Speaker, desto höher die obere und untere Grenzfrequenz
    (kleiner einschub zur Grenzfrequenz: ab einer bestimmten Frequenz kann eine membran einen ton nicht mehr sauber wieder geben, hier spricht man von "membranresonanzen" und "Klirr". an dieser Stelle fängt ein Speaker an das eingangssignal zu verzerren! es klingt meist schrecklich, ist somit nicht erwünscht!)
    Je größer ein Speaker, desto höher seine sensitivity bei gleicher frequenz (im vergleich zu kleineren Speakern) = höherer Schalldruck
    Je größer ein Speaker, desto weniger hub muss er machen um eine Frequenz in einer bestimmten lautstärke wiederzugeben (Hub ist die membranbewegung gemessen meist von nullage bis zur maximalen auslenkung! der Hub wird bei lautsprechern als "x_max" angegeben! Je größer der Hub, desto lauter KANN der Speaker tiefe Frequenzen abstrahlen, wie laut er das bei einer bestimmten eingangsleistung nun wirklich tut ist hier noch nicht gesagt! Im allgemeinen klingt es aber angenehmner, wenn ein größerer Speaker eine tiefe Frequenz mit weniger Hub darstellt als ein kleiner mit viel hub)
    Man sieht also, dass es kein patentrezept für den "optimalen Lautsprecher gibt"
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    Und? auf was muss ich nun konkret bei speakern achten?
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    Jeder Lautsprecher hat seine eigenarten, diese sind in bestimmten werten ausgedrückt! die wichtigsten sind unter dem Begriff "TsP" (Thiele Small Parameter) zusammen gefasst! wichtig für einen Basstauglichen Speaker ist:
    X_max (=Hub, je mehr desto tiefer kann der Speaker spielen)
    fs (resonanzfrequenz, je tiefer diese ist desto tiefer spielt der speaker "von natur aus" ohne eingriff am EQ, entsprechendes gehäuse vorrausgesetzt)
    Qts (Güte, sollte für Bassreflexboxen zwischen 0,3 und 0,4; für geschlossene Boxen zwischen 0,4 und 0,5 liegen! Warum spar ich mir hier mal!)
    Sensitivity (SPL 1w/m, gibt an welche lautstärke der Speaker bei einem Watt eingangsleistung hat! mit diesem Wert muss man SEHR vorsichtig umgehen, da jeder Speaker nur eine lautstärke in abhängigkeit von der Frequenz hat! Beispiel ist eminence! hier werden sehr hohe werte angegeben die die speaker aber erst bei über 1-2khz erreichen! dieser berreich ist aber absolut irrelevant, weshalb die aussagekraft dieses wertes auch nicht gerade groß ist! An sich gillt aber: je höher desto besser)
    BxL (=Kraftfaktor, gibt an wieviel "antrieb" ein speaker hat! je höher desto besser, steht aber in direktem zusammenhang mit QTS, daher eher auf QTS achten!)
    Vas (nettoäquivalenzvolumen, steht im direkten zusammenhang mit dem benötigten innenvolumen der box, dazu aber unten mehr!)

    Wichtig ist natürlich auch die impendanz ("Z)"eines Speakers, dazu aber unten mehr!!
    btw: "Re" ist NICHT die impendanz, mit der ihr rechnen müsst!

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    Ich habe einen Speaker gefunden den ich verbauen will, was nun?______________________________________________ _________

    Jetzt muss wohl das gehäuse her! Im Bassbereich sind 2 gehäusearten sinnvoll/gängig:
    Bassreflex (=BR, vented, ein gehäuse, in dem Rohre(=vents, Ports) verbaut sind. Vorteile liegen hier in der entschieden lauteren Basswiedergabe im vergleich zu einem
    geschlossenen Konstrukt (=closed, box ohne öffnungen, Vorteil: präziserer klang, nachteil: schlechte basswiedergabe)

    Jetzt stellt sich die frage, wie groß muss die box sein! entscheidend hierfür ist die untere Grenzfrequenz!
    unter www.linearteam.org findet man ein Programm mit dem man entsprechende berechnungen durchführen kann, WinISD! Dieses gibt auch im gleichen arbeitsgang die länge der Ports bei BR-Boxen mit an (kleiner Tipp: Ports immer etwas kürzer als WinISD es sagt! Einfach mal n bisschen rumspielen und gucken was man so machen kann! learning by doing ist hier angesagt: allerdings noch ein paar tipps:
    vergrößert man das gehäuse, so verbessert sich die basswiedergabe
    verlängert man die Ports so verbessert sich ebenfalls die basswiedergabe, allerdings verringert sich auch der SPL.
    verkürzt man die ports so erhöht man die "abstimmfrequenz" dies führt bei zu kleinem volumen zu einem Peak (=zu hohe Lautstärke bei bestimmter frequenz, verbunden mit klirr)
    vergrößert man das gehäuse so wird der klang unpräziser
    vergrößert man das gehäuse so müssen bei gleicher abstimmung die ports auch verlängert werden
    vergrößert man die anzahl/den querschnitt der ports, do müssen diese ebenfalls verlängert werden! der Querschnitt der Ports sollte immer ca. bei einem 3tel der membranfläche liegen, da ansonsten strömungsgeräusche auftreten können!
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    Ich hab ein entsprechendes Gehäuse simuliert, was nun?
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    jetzt wirds gebaut!
    Es gibt nur 3 sinnvolle holzarten (meiner meinung nach)
    1. Multiplex (das beste material, leicht, stabil, kantenfest, allerdings auch recht teuer)
    2. Spanplatte (bröckelig, relativ leicht saubillig, sehr einfach zu verarbeiten)
    3. OSB (recht stabil, nicht zu schwer, relativ billig, schwierig zu verarbeiten, sieht scheisse aus --> lackieren unmöglich!)

    Beim eigentlichen Bau müsst ihr darauf achten, dass die box überall dicht ist (außer natürlich an den ports). dies ist mit verleimen und Spaxen gut zu bewerkstelligen!
    Versteifungen: Ja eine Box ist nicht nur ne leere holzkiste.. man sollte auch versteifungen drinnen anbringen (machen leider viele nicht)
    Grund: die box wird stabiler und resoniert nicht, dazu ein kleines Experiment: nehmt eine holzplatte und klopft drauf, ihr hört einen ton, nehmt jetzt eine platte die nur halb so groß ist und klopft drauf, der ton wird höher! Das heisst:
    eine Holzplatte schwingt bei tiefen tönen und entweder dröhnt es oder man hat ein soundloch! um dies zu verhindern bringt man versteifungen an ein paar anregungen hier:
    http://www.lsv-achenbach.de/images/lautsprecher/eigene/sub15-18s-100l-1.jpg

    natürlich müsst ihr noch griffe usw. einbauen! hier ist der phantasie keine grenze gesetzt! nur bei den anschlussterminals sollte man nicht sparen: Speakon buchsen sind schon das sinnvollste! kosten je nach ausführung auch nicht die welt! griffe etc gibbet bspw. bei www.pollin.de

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    Ich möchte mehrere Speaker verbauen, was muss ich tun?
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    Die Speaker untereinander verdrahten... nur wie??
    Es gibt 2 verschiedene Arten der Verbindung 2er gleicher Lautsprecher:
    Reihenschaltung (=serienschaltung, hierbei addieren sich die Impendanzen der Speaker)
    Parallelschaltung (hier ist die impendanz der Quotient aus impendanz und anzahl der Chassis)
    die belastbarkeit einer solchen verdrahtung entspricht der Belastbarkeit des schwächsten chassis multipliziert mit der anzahl der speaker!
    Wie man das verdrahtet?? schaut hier:
    http://www.musik-service.de/Gitarren/ifLautsprecherschaltung.htm
    Man kann natürlich beide Schaltungen gleichzeitig verwenden! wie in den meisten 4xX" kombinationen: 2xparallel, einmal reihe!
    Aus 8Ohm Speakern macht man mit 4chassis dann ne 8 oder 2 Ohm box
    aus 4 oder 16 ohm speakern eine 4 oder 16Ohm box! einfach n bisschen rumrechenen!

    Achtung: solche Verdrahtungen sind MEISTENS nur mit gleichen Lautsprechern zu empfehlen!


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    Ich möchte die Vorteile von verschiedenen Speakergrößen nutzen, was nun?
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    Stichwort hier ist im allgemeinen "Frequenzweiche"
    Zwar ist es möglich verschiedene Lautsprecher ohne eine Weiche zu verdrahten, man hat dann aber meistens phasenschweinerein, was u.U. echt bescheiden klingen kann!
    Eine Frequenzweiche ist ein bauteil, welches Die benötigten Frequenzen an die entsprechenden speaker verteilt.
    Resultat: 2 verschiedene Speaker arbeiten in 2 verschiedenen Frequenzbereichen und tun so nur das was sie auch können und kommen sich gegenseitig nicht ins gehege!
    Es gibt 2 verschiedene Arten von Frequenzweichen, passive und aktive!
    eine Passive sitz in der Box und wird direkt hinter den Amp geklemmt!hierfür gibt es berechnungstools:
    http://www.lautsprechershop.de/tools/index.htm
    aber das optimum ists nicht!!
    die aktive Frequenzweiche ist hier schon viel besser:
    sie ist ein externes gerät (meist 19") diese wird mit einem "line-pegel" aus der Vorstufe des amps versorgt, splittet dann die frequenzen und wir dann erst mit den eingängen der endstufeN verbunden! hier braucht man nun mehrere endstufe, für eine 2wege konstruktion benötigt man also 2 endstufenkanäle!
    Das wird wahrscheinlich wegen des aufwands eher selten im bassbereich gemacht!!

    Wie gesagt: man MUSS keine Frequenzweiche benutzen, allerdings verringert diese doch das risiko eines absoluten Fehlschlags!

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    Was ist ein "horn", wie bau ich das ein?
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    Horn heisst in diesem Kontext nichts anderes als "hochtöner". das horn erhöht die obere grenzfrequenz doch erheblich auf ca. 15-19khz! wieviel ihr davon braucht ist nun die frage! horn ist oft geschmackssache! ich hab bisher selten ein horn in meinen selbstbauten verbaut! kleine speaker tuns auch! ein horn MUSS mit einer Frequenzweiche angekoppelt werden, da es sonst zerstört wird! empehlenswert sind hier 12-18db weichen!
    aber wie gesagt: wenn ihr beispielsweise 6" 8" oder 10" verbaut habt ist ein Horn meist nur noch geschmackssache!!

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    2,4 oder 8 Ohm??
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    das hängt von eurem amp und euren weiteren ideen ab!
    an die meisten amps muss eine mindestimpendanz von 4 Ohm angeschlossen werden! bei 4Ohm produziert der amp dann seine größtmögliche leistung!
    schließt ihr nun 8 ohm so halbiert sich die leistung des amps ca!
    Es gibt auch dem markt auch 2ohm taugliche amps!
    8Ohm Boxen sind immer dan zu empfehlen, wenn man irgendwann nochmal mit einer 8Ohm box nachrüsten will (dann werden nämlich beide Boxen parallel geschaltet und man hat wieder seine gewünschten 4 Ohm)

    Hier werden nun einige leute den begriff "Dämpfungsfaktor" einwerfen! ich muss ehrlich sagen, dass die auswirkungen mir so gering erschienen, dass ich das nicht als argument verwenden würde, ich weiss aber was es damit auf sich hat, danke


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    Nun noch einige empfehlungen von mir!
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    Bei der Speakerwahl kann man eigentlich auf jeden PA-Speaker zurückgreifen, der die entsprechenden parameter hat!
    im folgenden will ich noch ein paar empfehlungen ausprechen:
    Low Budget:
    8ter:
    Eminence beta 8
    10er:
    Oberton 100b
    12er:
    Eminence Kappa 12
    15er:
    Eminence Kappa 15 lf (bis max 200 hz laufen lassen, dann oben abkoppeln!)
    Noir audio Pw

    bei etwas höherem Budget:
    6er/8ter:
    18-sound 6 ND 430 (reiner mitteltöner)
    18-sound 8 MB 400 (interessant auch für 8x8" kombis)
    Ciare 8.32ER
    10er:
    18-sound 10 MB 600

    12er:
    18-sound 12 LW 1400

    15er:
    B&C-15HPL76W



    Ich selbst habe schon folgendes gebastelt:

    1x15+2x8 (beide 8er mit 8Ohm in reihe, das ganze dann parallel mit dem 15er, der 8 Ohm hatte, das waren: Emi Kappa LF und beta 8
    Später dann das ganze umgebaut auf 2x15+2x8 und aktiv getrennt!
    die "kleine" variante kostet umgerechnet ca. 250€, die große 350€! (inklusive holz, griffe etc)
    für diese 350€ bekommt man eine laute, druckvolle und sehr schön klingende box, die nicht die resonanzprobleme wie andere 15er haben, die erst ab 2,5khz an einen HT angekoppelt werden! ich persönlich fand den sound echt klasse! Bn dann allerdings auf ne Combo umgestiegen!



    das 2te war:
    2x12" mit Ciare 12.00SW-dc NdW passiv getrennt mit 18-sound 6 ND 430 (reiner mitteltöner) klang sehr schön!
    mit 700€ sicherlich ein sehr teure selbstbaubox!! allerdings hammersound! die 12 spielten unglaublich tief, ok nicht die lautesten aber headroom war genug da, die 6er lieferten wunderbare hochmitten und höhen! Ich würde das schon nah ans non+ultra setzen!

    2x12er mit kappa 12 passiv getrennt zu eminence alpha 6! die alpha fand ich aber grottig! mit ca. 250€ ist diese box sowohl sehr günstig als auch sehr druckvoll und laut! Wenn ich nochmal was baue, dann wirds wohl das gleiche grundkonzept, allerdings mit vernünftigen 6ern! die alphas warens irgendwie dann doch nicht
     
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