Seymour Duncan SMB4D oder: Billigbass mit teurem Pickup upgraden?

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Die Motivation für dieses Review setzt sich aus 2 Komponenten zusammen.
  1. Ich hab keinerlei Erfahrung mit dem unterschiedlichen "Klang" von Pickups, und wollte daher mal wissen was ich mir von einem Pickup-Wechsel erwarten kann, ob ich in Zukunft bei klanglicher Unzufriedenheit eventuell einen solchen in Betracht ziehen würde, beziehungsweise ob's wirklich komplett hirnrissig ist in einen 150€ Bass einen 100€ Pickup einzubauen. (An der Stelle möchte ich Folgendes anmerken. Den Tonabnehmer habe ich gebraucht erworben, der Bass spielt sich sehr gut & hat einen gewissen emotionalen Wert; die Neugier hat sicher mitgespielt in der Entscheidung es schlussendlich dann zu probieren.)
  2. Üblicherweise sehe ich oft Reviews, in denen massive Begeisterung für das so eben erworbene Produkt den Ton angibt: das wirft bei mir oft die Frage auf, weiß man überhaupt noch wie's vorher war? Im Laufe der Umbauaktion, und beim ersten anspielen des Basses mit neuem Pickup hatte ich auch das Gefühl: "Ja, schon besser als vorher", aber ich war froh, dass ich vorher Soundsamples aufgenommen habe, denn sonst hätt ich nicht sagen können was sich geändert hat.

pup800.jpeg

Hätte dem Pickup auch ein paar neue Schrauben gönnen können :rolleyes:. Oder zählt das zu Retro-Chic? ;)

Sound:
Mein Vorschlag: Ich lasse üblicherweise gerne Soundsamples auf mich wirken, während ich mir das Review durchlese, daher gleich an dieser Stelle das von mir angefertigte Vergleichsvideo. Es sind ziemlich, ziemlich viele Clips (ca 11 Minuten Material), da ich versucht habe die Unterschiede herauszuarbeiten. Video, da man recht einfach beschreiben kann was gerade für ein Sample abgespielt wird, und weil ich selbst tendentiell zuerst mal auf Youtube nach Soundsamples suche.

Eingespielt habe ich Folgendes, die Tonabnehmer sind jeweils parallel verlötet, jedes Sample 3x, zuerst mit beiden Spulen, dann nur die hintere, anschließend nur die vordere, Toneblend hat das Instrument zwar, war aber immer jeweils auf 100%:
  • Fingerstyle
  • Slap
  • gedämpft, mit Daumen gezupft
  • Plektrum, gedämpft und ungedämpft
  • Tapping
  • Aggressive Fingerstyle
  • 08/15 Slapping in Em (letzten zwei sind gefühlt recht beliebte Einsatzgebiete für Stingrays, daher noch gesondert ;))
Zur Signalkette der Soundsamples:
J&D Musicman Stingray Nachbau mit niedriger Saitenlage, Bespannt mit ~2 Monate alten Elixir Saiten -> Sommer Cable the Spirit XXL -> EMU-0404 Audio Interface. No Ampsim, no Eq, no Comp, no nothing.

Ich habe versucht jeweils ordentlich einzupegeln beim Recording, anschließend habe ich alles einmal normalisiert, Lautstärkeunterschiede sind natürlich nachwievor bis zu einem gewissen Grad vorhanden, ich hab mich bemüht, aber viel mehr war in der gegebenen Zeit nicht zu machen. Also Vorsicht, dass ihr nicht dem Lauter = better Gedanken erliegt.

Technischer Aspekt:
Konkret war der Tonabnehmer der Wahl dieser hier, kurze Internetrecherche ergab, dass Seymour Duncan seit 2013 ihre Bass Pickups nicht mehr als "Basslines" bewirbt sondern mit eigenem Namen daher ist das anschließende Bild wohl nicht mehr ganz aktuell.


Keramik Pickup also laut Seymour Duncan
"Punch, punch, punch. Thats the thing that made 90s Music Man basses legendary, and these pickups faithfully reproduce that tone. With two large ceramic bar magnets and a custom coil wind, this pickup delivers tight, articulate tone along with the solid low end for which Music Man basses are so well known. Heavy rock and thumb-funk players alike love the immediate attack, clarity, and power behind this pickup. (...) Hand built in Santa Barbara, CA, our ceramic Music Man replacement pickup uses two large ceramic bar magnets, Forbon flatwork, 4-conductor leadwire, and is vacuum wax potted for squeal free operation. " (Zitat Homepage)
Klingt ja alles wunderbar, wer mag nicht mehr, was auch immer "Punch" sein mag? :D

Und die erste Ernüchterung folgte ziemlich bald: Sie geben die Pickupmaße doch tatsächlich lediglich in Inch an :mad:. Also, Maßband und Taschenrechner ausgepackt und getestet ob der Pickup überhaupt reinpasst vorm Kauf. 8,9x4,9cm wären im Rahmen der Maßbandgenauigkeit die Abmessungen des Pickups, wohlgemerkt ohne den "Ohren". Sind an sich den Original Musicman Maßen nachempfunden, aber im konkreten Fall bitte nochmal selber nachmessen! Bei einem Flea Bass z.B müsste man die Ohren extra fräsen.

Bezüglich Schaltungsmöglichkeiten ist der Pickup sehr flexibel. Ich habe mich einstweilen für die gleiche Schaltung wie beim ursprünglichen Pickup entschieden. also Volume/Volume/Tone, parallel verschaltet. Seriell wäre auch noch eine Möglichkeit. Sehr viel mehr gibt Seymour Duncan nicht Preis. Der vollständigkeit halber, beide Tonabnehmer sind passiv. Also keine Batteriefachfräsarbeiten nötig.

Zum ursprünglichen Pickup kann ich nicht viel sagen. Er ist definitiv leichter und fühlt sich etwas weniger wertig an. Plastik zerkratzt leichter. Herkunft mit ziemlicher Sicherheit ein asiatisches Land.



Verarbeitung & Handling:

Mit zwei Worten: Tadellos, Problemlos.

In langer Ausführung. Der SMB4D fühlt sich sehr wertig an, kann man nichts sagen, ich habe auch einen original Musicman Stingray, und der Seymour Duncan spielt mindestens auf gleichem Niveau, was die Haptik anbelangt.
Wenn man gleich vorher nachschaut, welche Farbe wofür steht, spart man sich ein zweites Mal löten, um dann draufzukommen, dass es beim ersten Mal eh gepasst hat. ;).
Also: Für die Parallel Schaltung mit Vol/Vol:

  • Grün + Weiß + Masse auf Masse
  • Schwarz (front coil) + Rot (rear coil) entweder beide zusammen auf ein Vol poti, dann hat man einfach parallel Master Volume, oder eben Schwarz zum vorderen Poti und Rot auf den hinteren Poti.
Wohlgemerkt stimmen die Farben NUR bei Seymour Duncan Humbucker, ansonsten nochmal prüfen!


Fazit

Nun der Punkt vor dem ich mich die ganze Zeit gedrückt habe: Würd ich's a) nochmal machen und b) andren empfehlen?

Meine Pro/Contra Liste würde in etwa so aussehen:
+ Erhöhte Flexibilität: Die Singlecoil Modi rauschen gefühlt viel weniger. Also mit dem alten Pickup hätte ich Sie nie verwendet, mit dem SMB4D kann ich mir Szenarien vorstellen in denen der Sound nützlich sein kann.
+ Sound: Bisschen lebendiger klingt der Bass, könnte ich aber nicht besser erklären
+ einfache Verarbeitung / wenig Aufwand


- Preis
- Sound: keine grundlegende Änderung, vermutlich durch Amp Setting/Effekte/.. ähnliche Resultate Möglich, fraglich wie sehr sich Unterschiede in zB. Live Settings in einem Jugendzentrum auswirken :rolleyes:


Würde also sofern sich der Bass gut spielt, nicht komplett unzufriedenstellend klingt, und man auch so vorhätte diesen im weiteren Verlauf zu nutzen, ein Tonabnehmer Upgrade schon in Betracht ziehen. Treffen diese Punkte nicht zu, hat es aus meiner Sicht nicht wirklich einen Sinn, da eben ein Tonabnehmer auch nur den vom Instrument vorgegebenen Ton in zwar hörbaren, aber doch Nuancen ändert.
Ich werde den Pickup behalten.


Kann momentan keine Banderfahrungswerte beisteuern, da ich da in C-Standard auf anderen Instrumenten spiele. Reiche ich sollt sich die Gelegenheit ergeben nach.

P.s: Ich werde in nächster Zeit versuchen einen 2-Band preamp DIY mäßig zu basteln, glaube etwas Bassboost könnte diesem Instrument gut stehen. Ich werde auch darüber berichten.

Meinungen und Diskussionen sind hier höchst erwünscht!
Pickupwechsel sinnvoll ja nein?
 
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Telefunky
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ist dir eigentlich aufgefallen, dass du die neuen PUs schon etwas 'intensiver' spielst ? ;)
würde ich aber für die Gegenüberstellung nicht als Problem sehen, dazu ist der Unterschied zu deutlich
der live-Sound ändert sich zwar nicht grundsätzlich, aber der Gewinn an Artikulation ist im Band-Kontext ein Plus
(aufnahmetechnisch ist er es in jedem Fall)
mich persönlich tangiert der monetäre Wert eines Instruments nicht, da steht letztlich der Sound im Vordergrund
(ich hatte mal ernsthaft vor in eine Western für 150€ einen 250€ PU einzusetzen)
dazu ist es nur deshalb nicht gekommen, weil sich der 'Aushilfs-PU' schlicht perfekt präsentierte :D

gerade bei einfach gestrickten Bässen kann man auch mal ein sehr gut agierendes Instrument finden
dh das Holz schwingt sehr gut, satter punch... da bringt ein PU Wechsel dann richtig viel
(gesetzt den Fall es war tatsächlich die übliche Fernost-Standardware verbaut)

cheers, Tom
 
Immanuel09
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ist dir eigentlich aufgefallen, dass du die neuen PUs schon etwas 'intensiver' spielst ? ;)

Ist es mir, bzw. stimmts sicher bei vielen Samples. Das war ein Mitgrund, warum ich's auch als Video festgehalten habe: da sieht man solche Unterschiede im Fall auch noch.
Die Samples wurden eben mit ein paar Stunden Abstand aufgenommen, den menschlichen Aspekt kann ich nicht ausschließen. ;). Ich glaub aber dennoch, dass man sich durch die Anzahl der Samples ein bisschen ein Bild machen kann. Hab zB. versucht recht penibel auf Pickuphöhe/Anschlagsposition zu achten.

Gewinn an Artikulation würd ich auch so unterschreiben.
 
Telefunky
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es sollte keineswegs als Vorwurf rüberkommen
sorry, habe ich oben vergessen: du hast das 'Projekt' auch sehr gut umgesetzt :great:

cheers, Tom
 
Immanuel09
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es sollte keineswegs als Vorwurf rüberkommen
Keine Sorge ist es auf keinen Fall, finds wichtig solche Aspekte anzumerken, damits auch andren beim hören auffällt, hab das Danke oben vergessen :D.
Und jetzt ab in die Sonne, genug Video/audioediting/gesynce für einige Zeit ;).
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