Es ist sehr wichtig, alle Akkorde in EADGBE zu können, würd ich mal sagen.
Nun.. "alle" wird vielleicht etwas kompliziert, weil wir da über mehrere tausend (?) Akkorde und Varianten reden, aber klar hilft es die Standardakkorde in Normalstimmung spielen zu können.
Aber das heißt ja nicht, dass man nicht auch noch mehr Akkorde in anderen Stimmungen spielen lernen kann.
Wenn man jetzt auch in DADGAD spielen kann, kann man ja einfach nur mehr. Das schadet ja erstmal nicht.
Muss auch nicht sein, und auch sonst sehe ich keinen Grund, vom Standard-Tuning weg zu gehen. Sonst haste gar kein Standards und schränkst dich sehr ein.
Es gibt eine ganze Menge Gründe für alternative Stimmungen.
Grundlegend erstmal: Sie machen bestimmte Dinge einfacher oder überhaupt erst möglich:
Wenn ich Standardstimmung habe, aber einen D-Dur Akkord mit einem tiefen D spielen möchte, dann geht das nicht in Standardstimmung. Aber in Dropped-D ist das halt super einfach.
Wenn ich Dowland Lieder nachspielen möchte, ist es in vielen Fällen viel einfacher, wenn ich die Lautenstimmung (G=F#) nutze, weil Dowland eben für Laute geschrieben hat.
Viele Griffe werden dadurch einfacher oder sie gehen einfach gar nicht, wenn man nicht umstimmt.
Es geht aber auch gar nicht immer nur um die Griffe:
DADGAD z.B. ist auch in vielen Fällen deswegen so interessant, weil eben auch andere Saiten mitresonieren. Genau wie bei Stimmungen, die aus Akkordtönen bestehen.
Es klingt dann voller und macht mehr her. Die Obertöne sind also hier ein Grund um umzustimmen.
Andere Gründe können z.B. im Zusammenspiel mit anderen Musikern liegen.
Etwa wenn man seine Gitarre komplett runterstimmt um mit dem Sänger zu harmonieren oder ein Kapo nutzt, weil die Sängerin das Stück, was man schon kann, gerne 2 Töne höher singen möchte.
Ähnliches macht man z.B. bei Kindern, die mit der Gitarre anfangen: Kapodaster um die Saitenlänge zu kürzen und Saitenspannung zu verringern, indem man eben eine transponierende Stimmung nutzt.
Manche Musiker nutzen partielle Kapodaster: Spiel mal Rylynn von Andy McKee ohne partiellen Kapodaster oder die Gitarre umzustimmen... geht halt nicht.
View: https://www.youtube.com/watch?v=JsD6uEZsIsU
Insofern: Ganz klar: Nein, alternative Tunings sind in vielen Fällen nicht unnötig, sondern werden zielgerichtet von Musikern eingesetzt um bestimmte Dinge zu erreichen, die sonst nicht möglich wären.
Es spricht aber auch nichts dagegen, sich nur auf das Standardtuning zu konzentrieren.
Alternative Tunings schränken allerdings (wie im Zitat suggeriert) überhaupt nicht an, ganz im Gegenteil: Sie erweitern ja einfach nur die Möglichkeiten.
Nur auf Standardstimmung zu spielen wäre hier die Einschränkung.