Spieltechnik contra Gerätetechnik

  • Ersteller anonymusus
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Solange du nicht darauf beharrst, daß ein Konzertflügel eine größere und breitere klangliche Vielfalt produzieren kann als jeder Synthesizer (bis hin zu T.O.N.T.O.)...
Ein Konzertflügel hat sicherlich nicht größere und breitere klangliche Vielfalt als jeder Synthesizer. Aber, daß er gleich viele hat wie ein Synthesizer, darauf beharre ich schon: nämlich unendlich viele. Und wenn dann ein Künstler am Instrument sitzt, der ebensoviele Ausdrucksmöglichkeiten hat, dann potenziert sich das auch noch. ;) Und von dem hängt ja letztlich alles ab.

Da gibt es den einen, der einer einzigen Trommel eine unglaubliche Klang- und Ausdrucksvielfalt entlocken kann, und es gibt den anderen der eine ganze Hundertschaft an Percussion da stehen hat und damit die tollste Sachen macht. Warum die einen gegen die anderen halten müssen, hat mir nie eingeleuchtet. Ich finde Horowitz toll und Klaus Schulze, ebenso wie McCoy Tyner und Karl Heinz Stockhausen.

Viele Grüße,
McCoy
 
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Ich denke, dass das Vergleichen hier keinen Sinn macht, weil es völlig verschiedene Wege sind Instrumente zu nutzen. Ok, die haben (fast) alle schwarz-weiße Tasten und das Grundprinzip ist das selbe, deswegen ist man geneigt hier das eine mit dem anderen zu vergleichen. Man stelle sich aber vor, eine Synthie Tastatur würde völlig anders aussehen als die von einem Flügel (was sie klangtechnisch auch tut!), dann wäre es um so verständlicher. Es kommt auch keiner auf die Idee einen Flügel mit einer Querflöte zu vergleichen... Hier stehen sich zwei völlig verschiedene Arten der Klangerzeugung (über die Basis des Tastendrückens hinaus) entgegen.

Hier ging es primär um die Spieltechnik contra Gerätetechnik und ich denke es ist nicht zielführend diese Diskussion weiter zu vertiefen, ob jetzt ein Flügel oder ein Synth besser ist.
Letztlich kommt es immer auf den an, der an dem Instrument sitz. Setzt man vor beide Instrumente jeweils jemanden der keine Ahnung davon hat, wird alles schei**e klingen.
 
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Um mal zum Ausgang zurückzukommen:

Angesichts der immer komplexer werdenden Synthesizer, Workstations und DAWs sollte man sich fragen, ob es überhaupt noch vereinbar ist, diese Geräte und Software in Gänze zu beherrschen, um eigene Sounds oder Songs zu kreieren, und gleichzeitig sein - hoffentlich - tägliches Übungspensum am - ebenfalls hoffentlich - Klavier zu absolvieren.

"Geräte und Software in Gänze zu beherrschen" schafft sicher kaum jemand. Übrigens genauso, wie kaum jemand alle Spieltechniken auf schwarzen und weißen Tasten zur Gänze beherrschen kann, egal wie groß das Übepensum ist. Unser Leben ist endlich (und Zeit, Geld und Nerven schon weit vorher), und das Leben ganz allgemein wie auch Muskmachen im Besonderen findet in diesen manchmal ziemlich engen Grenzen statt.

Deswegen sind die Schlüsselfähigkeiten für gute (bis hin zu genialen) Musikern Inspiration, Kreativität und Ausdauer in der Umsetzung. Damit gleichen sie die niemals perfekte Gerätebeherrschung und niemals perfekte Instrumentaltechnik aus. Und gerade bei Keyboardern sind alle Bereiche, wie ich finde, sehr eng verknüpft. Beziehungsweise müssen sie es sein, wenn man ein guter Keyboarder sein will.

Eine Lehrstunde ist für mich in dieser Hinsicht ist immer wieder auf Youtube "Jordan Rudess Keyboard Madness 2 Performance Programming":



Gerade das Performance Programming finde ich entscheidend, nämlich, wie man sich seine Einzelsounds spieltechnisch organisiert. Soundprogrammierung (Erstellung und Optimierung von Einzelsounds) ist auch gut und wichtig, aber Jordan zeigt den Vorgang der musikalischen Integration in eine bestehende Umgebung. So wie ein Arrangeur oder Orchestrator arbeitet, allerdings auch, wie er alles mit einem hochinteressanten Mix aus Klavier- und Synthesizer-Spieltechniken alleine spielen kann. Er zeigt auf professionellem Level ein Ideal und eine Denkweise, die jeder für sich herunterbrechen, reduzieren und in kleinerem Maße für sich persönlich verwirklichen kann.

Und mit dieser anderen Herangehensweise als deine, anonymusus, ergibt sich auch eine Antwort auf deine Frage: man muss seine Geräte nicht zur Gänze beherrschen, sondern soweit, wie man es im eigenen Umfeld braucht. Aber es gilt natürlich auch: je mehr, desto besser. Man sollte soviel Üben bis man das kann, was man braucht. Je mehr, desto besser. Davor, danach und währenddessen sind aber Inspiration, Kreativität und Ausdauer in der Umsetzung weit wichtigere Faktoren, die man haben, begünstigen, realisieren und anstreben sollte.
 
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Man stelle sich aber vor, eine Synthie Tastatur würde völlig anders aussehen als die von einem Flügel (was sie klangtechnisch auch tut!), dann wäre es um so verständlicher.
So etwas gibt es tatsächlich, z. B. das Buchla Music Easel, aber das hat sich letztlich nicht durchsetzen können, weil die elektronische Musik weniger revolutionär ausfiel, als was sich die Westcoast-Szene gewünscht hat.

Hier ging es primär um die Spieltechnik contra Gerätetechnik und ich denke es ist nicht zielführend diese Diskussion weiter zu vertiefen, ob jetzt ein Flügel oder ein Synth besser ist.
Der Grund, warum ich hier so rigoros eingeschritten bin und die Diskussion erst zu einer solchen gemacht habe, war, daß der Eingangspost gnadenloses Synthesizerbashing ist. Einerseits kann ich mir gut vorstellen, daß viele Foristen, vor allem viele klassische Pianisten, für diesen Post applaudiert haben, denn die überwältigende Mehrzahl der Tasteninstrumente auf dem Markt hat viel mehr Funktionen und Bedienelemente, die sie gar nicht gebrauchen können. Für sie sind solche Instrumente sinnlos, ja, sogar hinderlich, haben also eigentlich keine Existenzberechtigung.

Auf der anderen Seite kam für mich hinzu, daß generell der elektronische Musiker (vor allem der klassische) in diesem Forum vom Aussterben bedroht ist. Die Synthesizerspieler unter den Regulars im Musiker-Board – also diejenigen, die damit wirklich elektronische Musik machen und sie nicht z. B. im Rahmen einer Band als praktisches Surrogat für ein Klavier, ein Rhodes, eine Hammondorgel, ein Streicherensemble, eine Bläsersektion oder dergleichen verwenden – werden immer weniger. Sie verschwinden nicht gänzlich, einige sind in ein anderes Forum abgewandert, aber sie wandern eben ab. Nachdem nicht nur das Thema Modular komplett ausgestorben ist, sondern auch die Top40-Fraktion, bleiben neben klassischen Pianisten und Alleinunterhaltern fast nur noch die "Vintage-Keyboarder" im Rock-, Jazz- oder Soulbereich übrig, die elektronische Instrumente tatsächlich weit überwiegend oder gänzlich als Surrogat einsetzen für Klavier, Rhodes und Hammond. Und auch die zeigen wenig Verständnis für den kläglichen Rest der "richtig elektronische" Synthesizerfraktion.

Wenn nun so Dinge passieren wie offene Feindseligkeit gegenüber Synthesizern – und damit indirekt, aber durchaus auch gegenüber denen, die sie noch anwenden –, hat diese Fraktion drei Möglichkeiten. Erstens: geschehen lassen, Klappe halten und irgendwann hier gar keine Präsenz mehr zeigen. Zweitens: sich direkt aus dem Forum mobben lassen und es komplett den Nichtelektronikern überlassen. Drittens: sehr wohl Präsenz zeigen, sich nicht unterkriegen lassen und dadurch nicht zulassen, daß die "Unnötigkeit" ihrer Zunft von einer subjektiven Meinung zur objektiven Tatsache und ihresgleichen alsbald komplett aus dem Musiker-Board verdrängt wird. Auch wenn es sicherlich Leute gibt, die sich genau das wünschen.


Martman
 
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Der Grund, warum ich hier so rigoros eingeschritten bin und die Diskussion erst zu einer solchen gemacht habe, war, daß der Eingangspost gnadenloses Synthesizerbashing ist. Einerseits kann ich mir gut vorstellen, daß viele Foristen, vor allem viele klassische Pianisten, für diesen Post applaudiert haben, denn die überwältigende Mehrzahl der Tasteninstrumente auf dem Markt hat viel mehr Funktionen und Bedienelemente, die sie gar nicht gebrauchen können. Für sie sind solche Instrumente sinnlos, ja, sogar hinderlich, haben also eigentlich keine Existenzberechtigung.

Echt, wusste garnicht dass Dave Smith Synthesizer und deren Bediener hasst...

Dazu ein paar Perspektiven:

Bei einer Podiumsdiskussion wurde Dave Smith des Öfteren gefragt, warum er diese oder jene Funktion nicht in seinem neuen "Prophet" implementiert hätte. Seine Antworten lassen sich folgendermaßen subsummieren:
 
Einerseits kann ich mir gut vorstellen, daß viele Foristen, vor allem viele klassische Pianisten, für diesen Post applaudiert haben, denn die überwältigende Mehrzahl der Tasteninstrumente auf dem Markt hat viel mehr Funktionen und Bedienelemente, die sie gar nicht gebrauchen können. Für sie sind solche Instrumente sinnlos, ja, sogar hinderlich, haben also eigentlich keine Existenzberechtigung.
Ja, das ist deine subjektive Einschätzung, der ich so nicht zustimmen kann. Es mag durchaus einige schwarz-weiß Denker geben (hier tatsächlich im Bezug auf Farben, nicht die Tasten), aber die tatsächliche uneingeschränkte Zustimmung hielt sich faktisch in Grenzen. Insbesondere die "klassischen Pianisten" - für die solche Instrumente sinnlos sind, wie du selbst richtig sagst - werden ja nicht in einen Zug einsteigen, der in die völlig falsche Richtung fährt..
Die meisten (insb. elektronischen) Instrumente haben nunmal einen größeren Funktionsumfang als dies notwendig wäre (für den Standard-Musiker), das ist aber auch bei anderer Elektronik zu beobachten. [Hast du mal neulich versucht einen Fernseher zu kaufen? Die können auch bald mehr als mein Smartphone... ] Dabei geht es weniger darum, was sinnvoll ist, sondern was der Kunde haben will. Und die meissten Kunden heutzutage wollen möglichst viel und möglichst alles haben, egal in welchem Sektor, am besten noch für kleines Geld. Darüber hinaus gibt es eben auch spezielle Zielgruppen, die tatsächlich mehr brauchen bzw. es durchaus zu nutzen wissen. Für "klassische Pianisten" ist die Auswahl in der Zielgruppe ebenso gewaltig wie für andere auch. Ich verstehe daher nicht, wieso sich "klassische Pianisten" über eine Sparte hermachen sollten, die für andere Zielgruppen bestimmt ist. Ergibt für mich keinen Sinn, sorry.

Wenn nun so Dinge passieren wie offene Feindseligkeit gegenüber Synthesizern
Ich habe keine "Feindseligkeit" finden können und weiß auch nicht, wo du das herholst.
Dass viele hier in andere Foren abwandern sollen, kann ich weder überprüfen noch einschätzen. Es steht jedem frei in welchen Foren er sich rumtreibt und wenn es ein Forum gibt, dass sich speziell und zum Großteil mit Synthie beschäftigt, dann ist das vllt der Grund.

Drittens: sehr wohl Präsenz zeigen, sich nicht unterkriegen lassen
Präsenz gerne, finde ich klasse. Aber doch nicht auf diesem Niveau. Allein darum geht es doch. Einige provokante Bemerkungen weggelassen, hätte niemand hier was zu meckern gehabt und dein Post hätte evtl deutlich mehr Zustimmung bekommen.

Ich versuche nachzuvollziehen, was deine Beweggründe sind, so zu reagieren. Das scheint für dich hier echt persönlich zu sein. Ich will hier nicht den Forumspsychiater spielen, aber vllt solltest du deinen Wert nicht davon abhängig machen, was andere Leute über dein Musikgenre denken (schon gar nicht in einem Forum), sondern es selbst gut finden, stolz drauf sein was du machst und mit positiven Beiträgen für den Erhalt der Synthieszene "kämpfen" (wenn es schon anscheinend einen Kampf gibt - den ich nicht sehe).
 
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Sagen wir es mal ganz einfach und nachvollziehbar:

Jemand der Musik lebt und kreativ ist, der macht mit Dingen die er im Haushalt findet (Alles was Geräusche erzeugen kann) bessere Musik als jemand der keine Ahnung und Fähigkeiten besitzt mit einer 1.000.000 Euro Technik machen könnte.

Natürlich ist Technik eine schöne Sache, aber wie will man lernen gute Musik zu machen wenn man hunderte Stunden investiert neue Funktionen zu lernen und zu testen anstatt die Spieltechnik zu lernen und zu verbessern? Gerade die Einschränkungen machen doch den Reiz aus, mit wenig viel machen.

Vergleicht es doch mal mit Fotografen. Ein Amateur bekommt mit der besten Technik keine guten Fotos hin, der Profi der jeden Trick kennt und einige Jahrzehnte Fotos macht, der macht mit einer 4 Euro Einwegkamera Aufnahmen die ihresgleichen suchen.
 
Natürlich ist Technik eine schöne Sache, aber wie will man lernen gute Musik zu machen wenn man hunderte Stunden investiert neue Funktionen zu lernen und zu testen anstatt die Spieltechnik zu lernen und zu verbessern? Gerade die Einschränkungen machen doch den Reiz aus, mit wenig viel machen.
Ja, da geht es wieder los. Was ist "gute Musik"? Ich meine, wenn man sich so über den Tellerrand hinauswagt, entdeckt man sehr sehr viel was man nicht kennt und davon vieles, was einem nicht gefällt. Ist es deshalb nicht "gute Musik"? Genauso findet man vllt was, wovon man nie vorher gedacht hätte, dass das "gute Musik" sein kann.
Wenn einer Wochen damit verbringt an "dem einen Sound" zu schrauben und das gut findet, ja mei, dann soll ers doch. Wenn es glücklich macht, wenn es spaßt macht, warum nicht? Genauso könnten sich eben diese Leute fragen, warum im Flügel unbedingt Saiten rein müssen die 1,2% Titan im Kern haben und nicht die mit 0,8%. Müssen die Tasten blank sein, oder sturkturiert? Es ist alles eine Frage der subjektiven Empfindung und vielleicht braucht man für bestimmte Dinge weniger Spieltechnik, als vielmehr das Wissen um sein Instrument und wie man wo was verstellen, anpassen oder sonstwas kann. Dadurch wird es ja nicht automatisch "schlechte Musik".
Es ist immer einfach aus einem Standpunkt heraus zu urteilen, aber es ist verdammt schwer sich in einen anderen Standpunkt hinein zu versetzen.
Die Musik macht der Spieler, nicht das Instrument - genau wie beim von dir erwähnten Foto, dieses macht auch nicht die Kamera. In jeder künstlerischen Sparte haben mehr als genug Leute bewiesen, dass man aus Sch... Gold machen kann - man muss nur wissen wie.
 
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Ja, da geht es wieder los. Was ist "gute Musik"?
Gute Musik ist die Musik die unabhängig der technischen Möglichkeiten aus Leidenschaft heraus geschaffen wird. Dann ist es egal welche Technik der Musiker nutzt.

Ein guter 5 stimmiger Satz auf einer Modernen Domorgel mit allen Schnick Schnack kann genau so faszinierend sein wie der perfekt ausgearbeitete dreistimmiger Satz auf einer klapprigen Orgel.

Also für mich ist gute Musik diese Musik die etwas nicht beschreibbares hat, etwas das man zwar wahrnimmt aber nicht benennen kann und einen irgendwie mitnimmt. Natürlich ist das alles sehr subjektiv. Man kann zwar bewerten ob jemand die musikalischen Regeln befolgt aber das ist dann eben keine Aussage ob einem ein Lied gefällt oder nicht. Was dem einen gefällt, das missfällt dem anderen. Ich erinnere mich noch daran wie ein Schlagzeuger davon schwärmte wie perfekt der Drummer seiner Deathmetal Band spielt. Für ihn ist es Perfektion, für mich ist es Lärm :)
 
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