Stimmwirbel und Seiten bei einm Flügel erneuern

von Mari, 08.07.10.

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  1. Mari

    Mari Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.07.10   #1
    Hallo,

    was sagt es eigentlich aus, wenn bei einem gebrauchten Flügel die Stimmwirbel und evtl. sogar die Seiten erneuert wurden? Was bedeutet dies bezüglich der Qualität des Instruments. Wurde es schlecht behandelt, schlechte Qualität, oder sehr viel darauf gespielt?
    Ich frage deshalb, da ich dabei bin mir einen gebrauchte Flügel zu kaufen. Speziell liebäugle ich mit einem Yamaha G2 o. G3 aus den 70er Jahren. Ein bekannte hat ein G2 von 1973 und das klingt immer noch super.
    Da werden bei Händlern einige dieser Modelle angeboten, teils im Originalzustand teils komplett überholt.
    Ist es besser ein Instrument im Originalzustand zu kaufen oder eins bei dem die kompletten Seiten, Filze, Hämmer und Stimmwirbel erneuert wurden?
    Ich werde nächste Woche zu einem Händler fahren, der drei Flügel zur Auswahl hat. Eins davon wurde eben komplett überholt. Ein Kriterium wird der Klang sein, aber um das Technische wollt ich hier mal nachfragen.

    Bei dieser Frage geht es mir wirklich nur darum zu wissen, ob ein Instrument, welches 35Jahre alt ist, schlecht behandelt wurde oder schlechte Qualität war, dass es überholt werden musste. Wenn ja, ist es dann wieder Ok wenn diese Bauteile erneuert werden?
    Gruß,
    Mari
     
  2. Mod-Paul

    Mod-Paul Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.07.10   #2
    Hallo Mari,

    puuh. Schwer zu beantworten. Es gibt natürlich ein paar Faustregeln, aber letztendlich hängt es immer von dem jeweiligen Instrument, seinen Standorten, der Wartung, und wer darauf wie intensiv gespielt hat.
    Die Mechanik nutzt sich mit der Zeit ab. D.h. manche Filze werden dünner, härter, etc. Dadurch verändert sich die Spielart und der Klang.
    Bei den Saiten ist das so, dass die Fähigkeit alle Obertöne zu erzeugen mit der Zeit nachlässt. Der Klang wird "matter". Das geht oft einher mit eingespielten Hammerköpfen, was dazu führen kann, dass der Klang entweder sehr spitz, oder auch sehr matschig sein kann. Das hängt ganz von dem Material der Filze under Saiten ab.

    Die Stimmwirbel sitzen in einem Holzblock (nicht in der Gußplatte, wie oft fälschlicherweise angenommen wird). Dieser Holzblock (Stimmstock) - heutzutage aus mehrschichtverleimtem Holz bestehend - ist auch Temperatur und Luftfeuchtigkeitsschwankungen unterworfen, und reagiert demenstprechend. Dazu kommt der Saitenzug was dazu führen kann, dass sich die Wirbel sich mit der Zeit leichter bewegen lassen. Teilweise sind die Löcher so ausgeschlagen, dass die Wirbel gar nicht mehr halten (oft dann nach Jahren der Fall, wenn kein professioneller Klavierbauer das Instrument gestimmt hat, sondern jemand, der von sich glaubt, er könne es :mad:)
    In einem soclhen Fall könnte man die Wirbel wechseln. D.h. gegen größere austauschen. Dafür kann der Saitenbezug bleiben. Man kann natürlich auch alles wechseln, ist aber eine sehr aufwendige Angelgenheit und eine Kostspielige dazu.

    Es gibt die Ansicht, dass sich nach einer gewissen Zeit kein Restauration mehr lohnt. Es gibt ja noch mehr Komponenten. Den Resonanzboden, der eine bestimmte Wölbung haben sollte, die Stege, etc..

    Ich bin der Meinung, dass man das von dem jeweiligen Instrument und dem eigenen Ansprch abhängig machen sollte. Im Regelfall ist eine Saitenrestauration nach 35 Jahren noch nicht nötig.

    Gruß,

    Paul
     
  3. Mari

    Mari Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.07.10   #3
    Dann könnte man also davon ausgehen, dass das Instrument in diesem Fall viel bespielt und schlecht behandelt wurde? Unter schlecht behandelt meine ich zu große Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen.
    In diesem Fall wäre es angebrachter vorsichtig mit Kauf zu sein:gruebel: ?
     
  4. mjkeys89

    mjkeys89 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.07.10   #4
    SAITEN

    mit AAAAAAAAA bitte! bitte bitte bitte! :(:eek:
     
  5. pianoplayer81

    pianoplayer81 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.07.10   #5
    Ich kenne da ein Flügel von Kawai bei dem sehr harte Hammerköpfe verbaut wurden. Bei diesem Flügel sind bei intensiven und (sehr) hartem Anschlag die Saiten im Diskant gerissen. Yamaha hat damals zwar auch recht harte Hämmer eingebaut, aber Saitenreissen ist mir bisher noch nicht untergekommen (reine Erfahrungswerte).
    In deinem Fall kann man das WARUM der Reperatur nicht mehr genau bestimmen. Ist es vielleicht auch gemacht worden um das Instrument zu verbessern? Evtl. war vorher der Wirbelgang auch zu schwer? Oder die Saitenstärken wurden verändert um klanglich was zu verändern? Ist alles möglich. Das sollte sich jedoch auch im Preis wiederspiegeln. Ein reparierter Flügel der genauso teuer wäre wie ein unreparierter selben Alters kann beim Händler nicht ganz hinhauen mit der Kalkulation mMn. Auch optisch sollte man das sehen können, d.h. Die Wirbel sollten an den Ecken nicht die "berühmten" Macken und Abnutzungen haben, die Saiten sollten alle glänzen, nirgendwo Flugrost oder schwarze Stellen aufweisen (Stahlbezug) und die Basssaiten sollten ungefähr orange-rosa aussehen wenn sie neu sind. Wenn sie insgesamt dunkelorange sind ist das ein Zeichen dafür, dass sie schon ein paar Jahre alt sind, dass muss aber klanglich kein Verlust sein. Ist nur ein Merkmal an dem man erkennen kann ob die Basssaiten neu sind oder nicht.

    Evtl. ist es auch ein Re-Import? Die sind leider auch sehr viel auf dem Markt unterwegs und leider auch nicht immer das gelbe vom Ei wenn man nicht noch ein paar Stunden Arbeit reinsteckt.

    Aber wirklich helfen kann ich dir bei deiner Kaufentscheidung leider auch nicht,
    Lass dir vom Händler ins kleinste erzählen warum und wieso die Reparatur gemacht wurde wenn du misstrauisch bist :)
     
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