Texte schreiben, aber nicht selbst singen

von keep-it-simple, 02.09.10.

  1. keep-it-simple

    keep-it-simple Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.09.10   #1
    [FONT=&quot]Hallo zusammen :)
    mein Problem ist, dass ich der Songwriter unserer Band bin und ich in letzter zeit mit den Lyrics nicht so wirklich vorankomme. Und mitlerweile glaube ich auch zu wissen woran es liegt, ich schreibe zwar die Lieder für unserer Band bin aber nicht der Sänger. Ich finde es schwierig Texte für jemand anderes zu schreiben, da meine Texte meistens sehr persönlich sind. Was es nicht leichter macht ist das wir eine Sängerin haben. Ich finde es schwierig dass ich persönliche Probleme in Texte einbringe die jamand anderes singen soll.
    Also zusammengefasst fällt es mir nicht leicht einen Text für eine andere Person zu schreiben die auch noch einem anderen Geschlecht angehört(hört sich irgendwie komisch an:D :D).
    Was meint ihr soll ich versuchen meine Texte anders zu schreiben? Soll ich sie z.B. bei Liebeslieder einfach "he" statt "she" singen lassen?
    Vielleicht hat ja jemand von euch mit einem ähnlichen Problem zu tun, oder derjenige empfindet es nicht als problem.
    Ich bin dankbar für jeden Tipp:)
    Gruß k-i-s[/FONT]
     
  2. Arachnophobia

    Arachnophobia Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.09.10   #2
    wie handhabst du das denn: nach welchem zeitraum gibst du der sängerin die texte in die hand? ich finde, ein_e gute_r texter_in sollte abstand zu den eigenen texten gewinnen. darum verschwinden meine immer nach dem schreiben erstmal in der schublade und werden später überarbeitet. die zeitliche distanz finde ich wichtig, damit texte einen nicht mehr so sehr emotional tangieren. wenn ich mich z.b. von einem menschen trenne und dann einen song drüber schreibe, wäre er frühestens dann bühnenreif, wenn ich auch über die trennung hinweg bin. alles andere tut nur noch mehr weh, denke ich.

    vielleicht hilft dir auch eine andere herangehensweise, z.b. ein stärker kryptisches schreiben. oder andere themen. probier es mal aus, einen versuch ist es wert. letztendlich denke ich, songtexte zeigen immer die sichtweise des autoren_der autorin und sind deshalb immer mehr oder weniger persönlich. die frage ist eher, was willst du wem und auch wann von dir preisgeben.

    warum ist das geschlecht für dich denn ein problem? glaubst du, frauen empfinden liebe anders als männer und seien deshalb nicht dafür geeignet, deine texte rüberzubringen? die einzigen gedanken, die ich mir an deiner stelle machen würde, ist: sorgt es für ein lesbisches image, wenn die sängerin von der liebe zu einer frau singt, und wollt ihr das. als frau, die frauen liebt und damit ganz offen umgeht, kann ich gut nachvollziehen, dass ihr das vielleicht nicht wollt. einfach weil man sofort von den meisten menschen (das heißt auch: publikum, labels, veranstalter_innen etc.) in eine schublade gesteckt wird (mit allen vor- und nachteilen, die das so mit sich bringt) und viele menschen auch offen homophob sind. ich denke aber auch: scheiß doch drauf, liebe ist liebe :)
     
  3. keep-it-simple

    keep-it-simple Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.09.10   #3
    Also erstmal danke für deine antwort:). Und nein also gerade bei liebesliedern sehe ich kein großes Problem dass eine Frau meine Texte singt. Mir ging es da eher darum dass manche bisherigen songs teilweise in die Funpunk richtung gingen und deswegen teils peinlich (ich gebs ja zu:D) lustige Texte dabei waren wie man sie in der Art von Blink und konsorten kennt. Aber ich bin echt froh dass wir unsere sängerin haben und ich denke dass ein kleiner Imagewechsel angesagt ist, wir wollen uns weiter musikalisch im Punkgenre bewegen, aber ich finde dass solche "Blödeltexte" und eine Sängerin mit einer sehr schönen stimme nicht so zusammenpassen, aber vielleicht könnt ihr mich da auch widerlegen.
    Bei der "he/she" Thematik hast du mich glaub falsch verstanden. Mir ging es darum, dass ich meine liebeslieder über frauen schreibe und unsere Sängerin eben nicht lesbisch ist und ob es deswegen einfacher wäre einfach bei meinen Texten die Person zu tauschen.

    Nebenbei: eine schöne Einstellung zur Liebe:)
     
  4. Vester

    Vester E-Gitarren Moderator HFU

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    Erstellt: 02.09.10   #4
    Hallo Keep it Simple,
    ich kenne dieses Problem auch, es bringt einen manchmal "vor sich selbst" in eine komische Situation. Hinzu kommt, daß ja anscheinend bei jedem Text immer direkt auf den Schreiber und dessen "Zustand" reflektiert wird (habe ich jedenfalls festgestellt, mich wollte auch schon jemand trösten :-)
    Versuche, eine "künstlerische Distanz" zu schaffen, nicht nur zum Werk sondern auch zu dir selbst. Sage dir einfach :"das bin ich als Mensch, und jetzt schlüpfe ich in die Rolle des Texters und mache Texte", bilde also quasi eine zusätzliche Person. Ich kann es nur schwer ausdrücken, aber vielleicht hilft der Ansatz etwas. Mit der Zeit wirst du dann gelassener und sagst dir - das bin ich und das ist ein Text; das sind zwei verschiedene Aspekte
    Viele Grüße
     
  5. keep-it-simple

    keep-it-simple Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.09.10   #5
    Hi Vester und danke für deinen Tipp:). Wir haben da wohl schon ähnliche Erfahrungen gemacht:D. Das erste Liebeslied was wir aufgenommen haben führte dazu dass mich auf einer Geburtstagsfete mehrere Mädels ausgefragt haben über wen ich dass denn geschrieben habe. Dabei handelte es ich eher um eine erfundene Geschichte die ich ganz schön fand. Vielleicht sollte ich das wieder als Ansatz verwenden und meine Texte wieder etwas abstrakter von meinen Gefühlen/Erlebnissen/Whatever abheben, ohne diese ganz zu vernachlässigen.
     
  6. hrawth

    hrawth Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 02.09.10   #6
    Hallo, keep-it-simple!

    Meiner Ansicht nach ist letzten Endes ein Gespräch über diese Problematik zwischen Dir und der Sängerin (evtl. auch der restlichen Band) die beste Möglichkeit, für klare Verhältnisse zu sorgen.

    Meine Situation ist Deiner nicht ganz unähnlich, ich bin der textende Drummer in "meiner" Band und packe mitunter sehr viel Persönliches (man könnte sogar sagen: Selbst-Therapeutisches) in meine Lyrics, so dass unser Sänger, der eine komplett andere Persönlichkeit ist, glaubhaft von Dingen singen soll, die ihm teilweise völlig befremdlich vorkommen.
    Wir haben diese Schwierigkeit gemeistert, indem wir von Anfang an über meine Lyrics gesprochen und ich ihm (so wie dem Rest der Band) ein Mitspracherecht bei "kritischen" Passagen eingeräumt habe. Jeder muss sich beachtet, verstanden und wohl fühlen, dann ist die Wahrscheinlichkeit von Peinlichkeiten und Problemen auch bei (egal, in welcher Hinsicht) heftigen Texten gering.

    Um zu textlichen Kompromissen zu kommen, mit denen der Texter auch zufrieden ist, kann man, wie weiter oben bereits geschrieben wurde, z.B. Umformulierungen vornehmen, etwas abstrakter/allgemeiner schreiben etc. Auch die Ideen der BandkollegInnen einzubeziehen und sie dann zu "veredeln" kann eine tolle Text-Quelle und gleichzeitig Problem-Prävention sein.
    Allerdings muss man auch hin und wieder gewisse Vetos akzeptieren, z.B. fiel einer meiner Texte durch den Band-TÜV, weil wir eigentlich apolitisch sind und eben jener Text krass politisch ausgefallen war. Passte zwar zum Song, aber nicht ins Bandkonzept, also: Hinsetzen und was Anderes schreiben!

    Von daher: Meiner Ansicht nach ist der Hauptschlüssel zur Vermeidung von solchen Problemen (wie eigentlich immer) Kommunikation und ein gemeinsames Konzept. Nur so findest Du heraus, ob Deine Sängerin und der Rest der Band mit einem "Halblesben-Image" ein oder kein Problem hätten :D oder ob Deine Texte zu persönlich sind etc. etc.

    Hoffentlich hab' ich Dir etwas weitergeholfen.

    Liebe Grüße
    André
     
  7. PisauraXTX

    PisauraXTX Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.09.10   #7
    Es gibt viele bekannte Beispiele für Texter, die selbst nicht singen.
    Als allererstes fällt mir jetzt natürlich Bassist Terry Butler ein, der zwar die meisten Texte für Black Sabbath schrieb, aber nie eine einzige Zeile sang.

    Über eines solltest du dir im klaren sein: Das Lyrische Ich des Textes ist NICHT der Sänger, und ist NICHT der Autor. Das kann im Einzelfall zwar vorkommen, ist aber nicht die Regel.
    Mit diesem Wissen sollte es ein leichtes sein, Texte für einen anderen Sänger zu schreiben.
    In der Popmusik ist dies sogar gang und gebe.
    Das Problem mit dem Liebeslied ist allerdings ein Stückchen schwerer. Einerseits kannst du dich nicht in die weibliche Rolle hineinversetzen und andererseits hört es sich komisch an, wenn eine Frau von Frauen singt :rolleyes:
    Man könnte einen Bogen darum machen, indem man Liebeslieder aus der Sicht eines neutralen Erzählers schreibt.
     
  8. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 06.09.10   #8
    Hi keep-it-simple,

    da ist ja jetzt schon eine Menge an Tipps und Erfahrungen zusammen gekommen ...

    Ich habe auch mal eine Weile in der Situation gesteckt, in der Du gesteckt hast ... und muss sagen, dass es mir mit der Sängerin eigentlich leichter gefallen ist als mit dem Sänger, den wir später hatten. Warum? Weil mich innerlich mit der Sängerin mehr verband, weil wir ähnliche Erfahrungen und Einstellungen hatten und auch, weil sie meine Texte interpretiert hat und so um Aspekte erweitert hat, die ich vorher darin gar nicht gesehen habe. Mit dem späteren Sänger war es anders - zwar das gleiche Geschlecht, aber er konnte schon vom Grundansatz mit meinen Texten wenig anfangen.

    Wichtig finde ich - wie hwrath schon gesagt hat: Kommunikation. Mit der Sängerin reden, sich mit ihr zusammen setzen, ihr den Vorschlag machen, gemeinsam an einem Text zu schreiben, sie zu fragen, welche Deiner Texte sie gut findet und warum. Sie fragen, ob sie auch Texte macht oder welche Texte sie gut findet etc.
    Oder sich gemeinsam auf ein Thema zu einigen und einfach mal loszulegen ...

    Das ist sicherlich ein anderer Prozess als Du es gewohnt bist - aber warum sich mal nicht auf was neues einlassen?

    Zudem kommt es mir so vor als kämen da zwei Sachen zusammen: zum einen die neue Sängerin, zum anderen eine neue Art von Texten. Weg von dem lustig-punkigen zu dem ... ja zu was eigentlich? Kann es sein, dass das eigentlich die größere Umstellung für Dich ist? Dass Du auch gar nicht so genau weißt, was die anderen eigentlich für Texte erwarten und wie eigentlich der "Band-Auftrag" lautet? Welche Texte passen denn in dieses Band-Konzept? Oder denkst Du nur, dass Eure Sängerin eigentlich andere Texte brauchen würde? In dem Bereich scheinen mir die eigentlichen Untiefen zu stecken ...

    x-Riff
     
  9. keep-it-simple

    keep-it-simple Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.09.10   #9
    Das in diesem Bereich untiefen stecken kann ich sogar sehr bejahen:D. Das Problem zur Zeit, vielleicht ändert sich das noch, ist dass die ganze kreative Arbeit von mir kommt. Wir haben zwar sehr starke Musiker in der Band, aber das schöpferische liegt nicht jedem, oder es dauert noch bis sie da eine Ader entwickeln. Unsere Sängerin ist bis jetzt im Songwriting auch sehr zurückhaltend, was einerseits bestimmt zu einem Großteil an dem mittelmäßigen Englischkenntnissen liegt und sie sich auch noch nicht so recht an die Materie rantraut.
    Die Genre-Frage nervt mich ziemlich, weil ich einfach noch nicht weiß wo ich mit der Band hinwill:o. Aber ich denk das wird sich mit dem neuen Songs ändern und es wird sich hoffentlich ein eigener Stil rauskristallisieren.:)
     
  10. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 07.09.10   #10
    Wo will denn die Band hin?
    Es kommt mir so vor, als schulterst Du gerade ne ganze Menge ... das hat schon viel mit Management, Beratung und Image-Entwicklung zu tun ... und da gibt es ja auch zwei Ansätze: den Experten-Ansatz, wo es halt einer weiß und es für die anderen macht (und die sind entlastet, müssen aber mit dem Ergebnis leben) und dem Förderer/Kommunikator-Ansatz, wo die Hauptaufgabe darin gesehen wird, gemeinsam Ziele zu erarbeiten, verschiedene Images vorzuschlagen, Entscheidungen vorzubereiten und im Grunde, einen ergebnisoffenen Kommunikationsprozess anzustossen und zu begleiten (der mehr Engagement der Bandmitglieder verlangt, aber eben auch viel besser zu ihnen paßt und ein gemeinsames Ergebnis ist).

    Im Moment sehe ich stark den ersten Ansatz. MIr fällt es ehrlich gesagt ein bißchen schwer, mir vorzustellen, dass es Leuten egal ist, als was für eine Band sie denn nun auftreten, Hauptsache sie treten auf. Nach dem Motto: Wenn da jemand sagt: Hey - ab heute treten wir als ne Mittelalter-Band auf oder als ne Alice-Cooper-Cover-Band oder als Ärzte-für-Arme-Band ... und die anderen zu allem ja und Amen sagen, Hauptsache, irgendjemand sagt, wo es langgeht ...

    Stelle ich mir eigentlich für beide Seiten nicht sehr angenehm vor - der eine hat die ganze Verantwortung und Arbeit - die anderen müssen mit dem leben, was sie vorgesetzt bekommen ...
    Die Sprache der songs ist ja eigentlich auch schon eine Entscheidung, die stark mit dem Image der Band zu tun hat: Wieso eigentlich englische Texte? Wieso nicht deutsche Texte oder einige englisch, andere deutsch? Das ist für mich schon eine Sache, die damit zu tun hat, wen ich als Band erreichen will, wie ich als Band rüberkommen will. Ist es wirklich so, dass es den anderen egal ist, in welcher Sprache die Texte sind und ob man versteht, über was gesungen wird, welche Aussagen die Texte haben? Welche Vorbilder haben denn die anderen Band-Mitglieder - welche Bands finden die denn klasse? Auch das wäre ein Ansatz-Punkt, in welche Richtung es gehen könnte? Bzw. vielleicht erst mal, in welche Richtung nicht. Dann ist oft die Frage, ob covers oder eigene songs richtungweisend. Ist es wirklich so, dass den anderen das völlig egal ist? Vielleicht scheint es so zu sein, dass sie keine Meinung haben, weil sie die große Frage: Welche Band wollen wir sein? nicht auf solche handhabbaren Fragen herunterbrechen können? Das wäre eine typische Herangehensweise für den zweiten Ansatz: die anstehenden Fragen so konkret wie möglich machen und damit Entscheidungsfähigkeit fördern und herausfordern. Überall da, wo dann die Band eine Entscheidung trifft, ist eine gemeinsame Position entstanden und quasi ein Problem gelöst - überall da, wo das nicht gelingt, kann das als Votum aufgefasst werden, dass eben einer das Heft in die Hand nimmt und eine bestimmte Entscheidung vorschlägt.

    Das Herunterbrechen von so allgemeinen Fragen auf konkrete, handhabbare Entscheidungen kann natürlich auch über konkrete songs vorangetrieben werden. Die Band wird schon merken, wie der song ihnen liegt, wie sie damit klar kommen und ob sie darauf Lust haben, kurz: ob er zu ihnen paßt. Vieles muss man ja erst mal ausprobieren. Dabei eröffnen songs ja auch einen Zugang zu einer gewissen Bandbreite und einen Stil-Mix, den es vielleicht so noch nicht gibt. Neue Wege und Stile entstehen dadurch, dass man sie geht ... Ist halt immer eine Frage, ob man den Weg gemeinsam geht oder ob einer mit ner Machete voranschreitet und die Schneisen schlägt und die anderen hinterherzockeln ... Also kurz gesagt: kann schon sein, dass Du im Wesentlichen der kreative Kopf der Band (Deiner Band?) bist - das muss aber nicht heißen, dass Du alle Entscheidungen triffst - es kann genausogut bedeuten, dass Du Entscheidungen vorbereitest, Alternativen aufzeigst, Vorschläge machst - auch in Form von songs - und die anderen darüber mit hineinholst und auch selbst nicht so im Dunkeln schwimmst ...

    Jedenfalls viel Glück und Erfolg dabei ... Dir und Euch allen ...

    x-Riff
     
  11. Jongleur

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    Erstellt: 09.09.10   #11
    hallo keep-it-simple,

    da hast du ein sehr interessantes Thema angerissen. Das begleitet mich schon seit ...zig Jahren.

    Die gute Nachricht zuerst: diese Konstellation zwingt Dich, gute Texte zu schreiben.
    Und die schlechte Nachricht? Diese Konstellation zwingt Dich, gute Texte zu schreiben.

    Dir schaut plötzlich beim Schreiben ein Kritiker über die Schultern, den du, anders als einen Sänger, gaaanz schwer einschätzen kannst: eine Frau!

    Eine Frau - das Objekt Deiner Begierde, welches Du gewöhnlich durch die Blume anschmachtest oder verdammst. Als Macho, einsamer Cowboy, Gentleman, Narr, Dandy, Fetischist, Frauenversteher, Ertrinkender...

    Wie auch immer. Als Mann bist Du Dir Deiner Gefühle sicher. So sicher, dass Du auch von Deinen Kollegen intuitives Mitverstehen erwartest.

    Doch leider scheinen viele männliche Rollenspiele gar nicht oder mehr schlecht als recht zu einer Sängerin zu passen. Weil Frauen ihre eigenen Rollenspiele betreiben?:gruebel: Und ist das überhaupt so?:gruebel:

    Eine Frau als Macho? ... Warum nicht? "Lies mal "Ich bin von Kopf bis Fuss auf Liebe eingestellt " oder "Lola" von Marlene Dittrich.

    Einsamer Cowboy? Warum nicht? Da brauchst Du Dir beispielsweise nur seine Frau vorzustellen...

    Gentleman? Warum nicht? Da gibt es ja die Lady. Schon mal auf den ersten Blick interessant, was die Lady und den den Ehrenmann so unterscheidet...;)

    Der Narr... naja, den in eine Närrin zu verwandeln, dürfte nicht allzu schwer sein.;)

    Der Dandy, der Lebemann? Na da haben wir das Boxenluder und all die anderen unvermeidlichen Schönheiten auf den roten Teppichen und Talksofas.

    Gibt es weibliche Fetischistinnen? Aber gewiss doch! Doch da spiel ich jetzt mal den Gentleman;)

    Die Männerversteherin...ups...ist nicht jede Frau eine Männerversteherin?:D

    Und da bin beim Kern angelangt: Schlechte Texte nehmen Klischees ernst. Gute spielen locker damit rum. Und dafür bietet gerade das Schreiben fürs andere Geschlecht eine schwierige, aber auch sehr vielversprechende Voraussetzung. Was Männern ein Grinsen entlockt, kann Frauengesichter versteinern. Und umgekehrt.

    Sprich mit Deiner Sängerin! Oder besser höre ihr sehr intensiv zu! Notiere, wo sich Eure Lebensansichten und Empfindungen unterscheiden. Streite nicht darüber!! Notiere es!!!;)

    Und: Versuche nicht, Dich in ihre Schuhe zu stellen. Sie wird ihre Ansichten sowieso noch mehrmals konkretisieren (ändern:D), je besser ihr Euch zu verstehen beginnt.

    Ich hoffe, mit diesem Ansatz kommst Du weiter, als mit der (sehr verständlichen) Frage, ob es reicht, die Personalpronomen auszuwechseln.

    Fazit:

    Um gute Texte zu schreiben, muss man ein guter Beobachter sein. da schadet es überhaupt nicht, wenn man das andere Geschlecht mal ernster als gewöhnlich nimmt.

    Mir fällt allerdings auf, dass Texterinnen oft einen anderen Tonfall haben als Texter.

    Ich habe mir mal für eine Sängerin mit einer Texterin eine CD geteilt. Die Kollegin war sehr souverän im weiblichen Umgang mit Äußerlichkeiten (Kleidung, Bewegung, Gewohnheiten, Vorurteile). Sie rückte die Frau mehr und sehr glaubhaft in den Mittelpunkt. - Meine Geschichten handelten eher allgemein von der Sehnsucht nach Geborgenheit. Was bei mir an Detailtreue und weiblichen Tonfall vielleicht zu kurz kam, konnte ich mit einer gewissen thematischen Breite und scheinbarer Selbstbewusstheit ausgleichen. - Beide Sichten fanden anschließend mehr Zustimmung als Ablehnung.

    Vielleicht war die unterschiedliche Schreibweise individuell begründet, vielleicht geschlechtsspezifisch. Wie auch immer, dem Publikum wirds wohl letztlich egal gewesen sein.

    So zum Schluss eine Bitte: Schreib doch mal genauer über deine Erfahrungen. Welche Themen oder Stories hast du versucht? Woran bist Du konkret gescheitert? Was sagen die Kollegen? Was sagt Deine Sängerin? Wie bindest Du sie ein?

    Bis denne
     
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