Theater - irgendjemand?

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Da Theater ja auch ein Kunst-Medium ist, ein ziemlich altes sogar, habe ich mir gedacht, könnte man sich ja umhören, ob hier denn noch irgendeiner mit jenem irgendwie mal in Berührung gekommen ist.
Ich selbst bin kein wirklich großer Theater-Fan, aber ich habe sehr großen Gefallen an den Inszenierungen von Frank Castorf, momentan Intendant der Berliner Volksbühne, gefunden.
Ich bin zum ersten Mal vor gar nicht so langer Zeit mal mit einem seiner Stücke ("Fuck Off, Amerika") in Berührung gekommen, und sehe mir seitdem immer öfter Sachen von ihm an.
Neulich habe ich mir "Amanullah Amanullah" angesehen und war wieder vom Hocker. :)
Mir gefällt bei Castorf einfach die Art, wie er mit Theater umgeht, wie er das Prinzip erkannt hat und damit arbeitet; leider machen das nicht viele so.

Naja ich wollte eigentlich wissen, ob sonst irgendjemand noch was für's Theater übrig hat, sei es jetzt post-dramatisches oder einfach reguläres Theater.

Ach, was mir noch einfällt, ich habe vor einiger Zeit mal das Stück "Zimmer 601" der beiden Rapper Maeckes und Plan B hier in Berlin angesehen (läuft hier bald auch wieder).
Sehr coole Sache, kann ich nur sagen.
 
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früher häufiger.
irgendwie haben mich die neuinszenierungen der klassiker immer wieder abgeschreckt.
nathan der weise - eine moderne inszenierung, gespielt nur von frauen vor einer billigen kulisse. das blieb irgendwie hängen. seit ich umgezogen bin, war ich nciht mehr im theater :(
 
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Hmm ich glaube, wenn ich nicht in Berlin wohnen würde, würde ich's auch nicht so doll finden.
 
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fastel:

zustimmung, kan nmit diesem modernen kram nix anfangen. ich bezahle für die volle ausstaffierung und nicht für ein weißes zimmer mit einer lampe (jetzt mal so als beispiel). geht mir bei opern übrigens genauso, gehe da gar nicht erst in eine, die "modern" inszeniert ist, da mir das einfach den "genuss" am stück irgendwie verleidet indem dann da künstlich dran rum interpretiert werden muss. die literatur gibt doch an für sich schon genügend her, da muss man das ganze doch nicht noch so verschandeln ;)

ansonsten belege ich grade (malwieder) ein (haupt)seminar mit dem oberthema theater und wie man es in der schule anwenden kann. immerwieder sehr nett, nicht zuletzt, weil man zunächst selbst spielt (improvisiert) und später dann das ganze didaktisch auf schüler zu reduzieren versucht. spaß machts allemal :)
 
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zustimmung, kan nmit diesem modernen kram nix anfangen. ich bezahle für die volle ausstaffierung und nicht für ein weißes zimmer mit einer lampe (jetzt mal so als beispiel). geht mir bei opern übrigens genauso, gehe da gar nicht erst in eine, die "modern" inszeniert ist, da mir das einfach den "genuss" am stück irgendwie verleidet indem dann da künstlich dran rum interpretiert werden muss.
Ich finde das ist so gewollt interpretiert, aber eigentlich nur halbherzig oder viertel- bzw. achtelherzig ausgeführt.
Also wenn man ein Stück interpretiert, warum verändert man dann nur die Kostüme oder das Bühnenbild? Klar, das gehört dazu, aber das sind doch eigentlich die eher nebensächlichen Sachen bei nem Theaterstück.

die literatur gibt doch an für sich schon genügend her, da muss man das ganze doch nicht noch so verschandeln ;)
Wenn sie das tut, wozu brauch man dann Theater?
Die Literatur allein kann ich auch lesen, da brauche ich keinen, der mir das auf ner Bühne vormacht.
 
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weil diese stücke von den autoren für das theater konzipiert wurden ;) (einfache aber effektive antwort :D)
ich bin halt immer für das "orginal", so wie es der autor gewollt hat.

nein der studiengang ist schulpädagogik, dort lehren aber auch normale lehrer, u.a. fachdidaktische aspekte, eben wie man mit den schülern ein kleines theaterstück machen könnte oder eben auch, wie man theateraufwärmübungen nutzen kann um den klassenverband zu stärken usw.
 
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Es gibt auch Lesedramen, aber natürlich werden auch viele für's Theater geschrieben.
Dann ist mir eben pure Dramaturgie im Theater zu langweilig.
Könnte daran liegen, dass in vielen Dramaturgien viele lange Monologe drin sind (ist das langweiligste am Theater finde ich). Wenn man das mit originellen Ideen wieder auffrischt und damit seine Schauspieler bis ans Äußerste treibt, ist das auch für den Zuschauer ein Genuss.

Ich finde, es gehört, wie im Film, auch dazu, dass der jeweilige Regisseur das Drehbuch oder das Drama auf seine Art und Weise interpretiert (muss nicht sein, aber wird zB im Theater äußerst selten wirklich gemacht). Castorf macht das zum Beispiel sehr gut, indem er ein Stück nimmt, das ihm gefällt, aber das Ende ändert, weil es ihm zu nihilistisch ist und deshalb mit einem anderen Drama vermischt. Das merkt man ja schon bei einem Titel wie "Kean ou Désordre et Genie Comédie en cinq actes par Alexandre Dumas et Die Hamletmaschine par Heiner Müller". :)
Das muss ja jetzt nicht immer sein, aber die Dramen, die ich bisher gelesen habe (das sind jetzt nicht wirklich viele) fand ich als pures Drama einfach nicht so berauschend.
Bis auf Dürrenmatts "Die Physiker" vielleicht.

Es ist natürlich schön, ein Stück zu sehen, dessen Dramaturgie einem noch unbekannt ist. Aber noch schöner ist es, finde ich, ein Stück zu sehen, dessen Dramaturgie man in dieser Form noch nie gesehen hat.
 
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man muss da eben differenzieren. wie gesagt, ich persönlich kann mich nicht damit identifizieren wenn goethes faust in einem weißen zimmer mit 2 personen die alle rollen sprechen aufgeführt wird ;)
es gibt stücke, bei denen solch ein spielraum durchaus legitim ist, mir gehts aber primär um die "klassiker" (im wahrsten sinne des wortes), die, meiner meinung nach, für solch eine "hypermoderne" interpretation, grade auch beim bühnenbild, einfach nicht geschaffen sind.
es ist ja kein thema, wenn man die dialoge zB anders intoniert als vorgesehen um dadurch einen weiteren interpretationsspielraum herzustellen, aber dann bitte trotzdem in den richtigen kostümen auf einer richtigen bühne mit richtigen schauspielern ;)
 
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man muss da eben differenzieren. wie gesagt, ich persönlich kann mich nicht damit identifizieren wenn goethes faust in einem weißen zimmer mit 2 personen die alle rollen sprechen aufgeführt wird ;)
Klingt jetzt auch nicht gerade spannend. :)

es gibt stücke, bei denen solch ein spielraum durchaus legitim ist, mir gehts aber primär um die "klassiker" (im wahrsten sinne des wortes), die, meiner meinung nach, für solch eine "hypermoderne" interpretation, grade auch beim bühnenbild, einfach nicht geschaffen sind.
es ist ja kein thema, wenn man die dialoge zB anders intoniert als vorgesehen um dadurch einen weiteren interpretationsspielraum herzustellen, aber dann bitte trotzdem in den richtigen kostümen auf einer richtigen bühne mit richtigen schauspielern ;)
Ich kenne jetzt keine Klassiker und so, aber ich behaupte einfach mal, dass es da auch Stücke geben kann, die man in einen modernen Kontext bringen kann. Damit meine ich nicht, dass die Leute dann nur modern aussehen, sondern, dass das ganze Stück eben modern ist.
Ein guter Regisseur sollte ja auch wissen, was er mit dem Stück machen kann ohne es kaputt zu machen. Meinetwegen kann man sich einfach die Stellen rausnehmen, die einem gefallen und den Rest weglassen, insofern es dann noch irgendwie Sinn ergibt oder das Stück in sich irgendeine Form von Konsistenz hat.

Ich denke mal mit "richtig" meinst du sowas wie angemessen oder für den Zuschauer erträglich. :D Ich verstehe manchmal auch nicht, wie man den letzten Dreck an Ideen so unheimlich kultiviert fnden kann.
Ein Freund von mir studiert Theaterwissenschaften und der hat mir mal erzählt, dass sie sich so ein Performance-Kunst-Festival oder sowas angesehen haben. Da gab es dann eine Performance, die so aussah, dass zwei Frauen mit Gummireifen eine Art poröse Wand aufgebaut, sich dahinter gestellt, die Arme durchgestreckt und wieder abgebaut haben. Er fand das nachvollziehbarerweise unheimlich langweilig und wäre fast eingeschlafen, aber am nächsten Tag bei der Besprechung, bei der er nicht anwesend war, haben wohl die höheren Semester ordentlich davon geschwärmt, wie toll die Thematik geweisen und blablabla. Ich frage mich, wen man mit sowas erreichen will. Nur die Leute, die eh alles, was auf ner Bühne passiert, toll finden, aber das sind ja nicht so unheimlich viele. Manchmal kann man sich echt nicht wundern, dass Theater nicht so wirklich beliebt ist.
Also Idee hin oder her, man muss schon darauf achten, dass das auch irgendwie ankommt, finde ich.
Ein Regisseur kann auch meinetwegen 2 Stunden lang einen leeren Raum zeigen, in dem eine benutzte Zahnbürste liegt, aber er sollte sich dann nicht wundern, wenn sich das keiner ansehen will.
 
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mal ungeachtet der diskussion möchte ich einwerfen, dass mich am meisten das theaterstück zu "Die neuen Leiden des jungen W." fasziniert hat.

ich habe zuerst das buch gelesen und dachte damals "gut umgesetzte" :)

kann ich an dieser stelle empfehlen, könnte sich je nach regisseur echt lohnen.

zählen wir zu theater auch sachen wie "caveman"?
DAS ist wirklich ein brüller... da kann man dann auch sehen wo mario barth seine ganzen "Männer vs. Frauen"-witze geklaut hat (und das meine ich wirklich ernst)
http://de.wikipedia.org/wiki/Caveman_(Schauspiel)

muttern hat mir gesagt, dass es wirklich vom schauspieler abhängt, wie gut dieses stück ist und ich glaube ihr. leider habe ich den namen vergessen, der es damals aufführte als ich es gesehen habe.
 
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Ja, das mit den Schauspielern stimmt sicher.
Ein Schachspieler ist auch besser, wenn er bessere Figuren hat, muss sie aber auch einsetzen können.
Und der Regisseur kann sich seine Schauspieler sogar aussuchen. :)
Das macht ja eben einen guten solchen aus, wenn er einen Blick dafür hat, wer was gut kann, und, wenn er weiß, wie er Schauspieler am besten zu bestimmten Dingen motiviert.
Aber natürlich ist der tolle Regisseur ohne seine tollen Schauspieler aufgeschmissen.

Mir fällt da ein gutes Beispiel ausm Film ein.
Ich finde nämlich, dass Quentin Tarantino, abgesehen vom Drehbuchschreiben, Schauspieler sehr gut zu "Höchstleistungen" kriegt. Ist jetzt keine krasse Szene gewesen, aber Eli Roth, der Autor/Regisseur von Hostel, hat ja auch in Death Proff mitgespielt (und spielt auch in Inglourious Basterds mit) und war in dieser Szene wahrlich cool und authentisch. Ganz im Gegensatz zu den ebenso kleinen Rollen, die er in seinen eigenen Filmen spielt.
 
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Bin auch ab und zu im Theater.

Als Zuschauer: Was sich halt so anbietet, zuletzt war es "A Clockwork Orange", das war ziemlich gut.
Am besten bis jetzt hat mit eine Moderne Inszenierung vom "Sommernachtstraum" gefallen, dass war wirklich super, wenn auch teilweise nicht mehr sooo am Orginal, aber dennoch schlichtweg gut.

Als Mitwirkender: An unserer Schule gibt es seit längerem eine freiwillige Theatergruppe (auf doch recht hohem Niveau, möchte ich meinen), bei der ich als Musiker und Techniker mitwirke.
Sehr empfehlenswert, zu erleben, wie so ein Stück Gestalt annimmt, und selber ein Teil des ganzen zu sein, ist eine tolle Erfahrung.
 
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Hat hier jemand zufälligerweise auch "Zimmer 601" gesehen? :D
 
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Ich war neulich, am Mittwoch, um genau zu sein, erneut im Theater. Vom Deutsch - LK aus in "Die Leiden des jungen Werthers" gewesen, ein Solo-Schauspiel. War vorher eigentlich schon komplett negativ eingestellt, wurde aber positiv überrascht, da das ganze entgegen meinen Erwartungen recht modern dargeboten wurde, und der Schauspieler recht talentiert war. Teilweise waren sehr gute Ideen vorhanden. Einziger negativer Aspekt war das Ende, das erstens etwas langweilig wurde, zweitens aber trotzdem zu schnell kam, das hätte man noch anders lösen können.
 
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mal ungeachtet der diskussion möchte ich einwerfen, dass mich am meisten das theaterstück zu "Die neuen Leiden des jungen W." fasziniert hat.

Mein Neiden hast du. Wohl eines der Stücke, die mich schon beim Lesen derart fasziniert haben, dass ich es mir sehr wünschen würde, einmal eine gute Theaterumsetzung davon zu sehen.
Wie wurde das denn umgesetzt? Ein einzelner Schauspieler, der Monologe führt? Oder wurden die beschriebenen Szenen mit Charakteren umgesetzt?
Das letzte Theaterstück, das mich aufgrund seiner Intensität tief berührt hat war Kriegenburg´s Umsetzung "Der Prozess" von Kafka. Bildsprache eher reduziert, dafür die vorhandenen Requisiten hervorragend und einnehmend eingesetzt. V.a. das drehende Auge, brilliant. Die Wirkung ist unmöglich beschreibbar, hat vielleicht noch jemand das Stück gesehen?
 
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War gerade in einer Vorstellung, die unter anderem im Rahmen des Antiken-Marathons in der Berliner Volksbühne stattfand. Prometheus von Dimiter Gotscheff mit Max Hopp in der Hauptrolle.

Da die Volksbühne gerade umgebaut wird, wurde so eine Art künstliches Amphitheater vor dem Eingang aufgebaut und ein Bereich mit Sand aufgefüllt. Die Bühne bestand also daraus und dreistöckig aufgetürmten Containern mit Treppengerüst an jeder Seite. Schauspielerisch gab es nichts zu mecker, besonders der Max Hopp legte eine Glanzleistung hin.

Dennoch war die Dramaturgie nicht sonderlich spannend. Das einzige was Spaß gemacht hat, war Hopp spielen zu sehen und vllt hier und da ein paar witzige Kommentare, die das ganze etwas "menschlicher" machten. :)
 
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Freitag bis gestern fand in Berlin im AGORA, dem "Amfiteatr" von Bert Neumann vor der Volksbühne der sogenannte Antiken-Marathon statt.

Für die, die es interessiert:
Drauf gekommen bin ich eigentlich, weil Freunde von mir im Studium mit Theater zu tun haben und deshalb mit einem Kurs übers Wochenende in Berlin waren. Alle sechs Stücke habe ich mir nicht angesehen, habe mich allerdings zu vier (zwei mehr als geplant) hinreißen lassen.

Als erstes sah ich den Heiner Müllerschen Prometheus, inszeniert von Dimiter Gotscheff. Man sah zum ersten mal das Bühnenbild (man = ich). Zwischen Publikum und den letzten vier Stufen, die hoch zum Eingang führen war alles mit Sand aufgefüllt, an beiden Seiten waren dreistöckig Container, vor denen sich jeweils ein Treppengrrüst befand, aufgetürmt - ein Bühnenbild von Bert Neumann. Außen prangte in großen schwarzen Lettern "who let the dogs out", der englische Spruch darf bei ihm natürlich nicht fehlen.
Wenig literatur- bzw. dramaturgieerprobt fand ich es stellenweise doch recht langweilig (ist bei mir bei Theater meistens so). Das einzige was wirklich Spaß gemacht hat war die pathosdurchtränkte, doch sehr starke Performance des Hauptdarstellers Max Hopp. Viel ist zu diesem Stück nicht zu sagen. Prometheus wird eben gefesselt und diskutiert seine Ansicht der Dinge mit denen des Chores, Io, oder Götterboten.
Das minimalistische Bühnenbild bot im Prinzip nur eine rote, mindestens 6 Meter hohe Stange, an der der Prometheus ein paar mal hochkletterte und lauthals sein Leid klagte.
Darsteller Max Hopp lockerte die Stimmung auch ein wenig auf (und brachte damit wohl ein wenig Konzentration zurück), als ein junger Mann vom Klo zurückkehrend und von Hopps Blicken gefolgt auf seltsamen Umwegen seinen Platz erreichte und daraufhin vom noch an der Stange hängenden Prometheus "Hättste ja auch unten langgehen können, wäre schneller gegangen. Ist anstrengend, sich so lange zu halten." zu hören bekam. War witzig.
War ganz okay.

Vögel ohne Grenzen (Regie: Jérôme Savary) nach Aristophanes, welches im Anschluss lief, tat ich mir nicht an, da ich an diesem Tag die Sitzgelegenheit nicht unbedingt gemütlich fand. Dies stellte sich im Nachhinein als weise Entscheidung heraus, da es während des Stücks in Strömen goss. Es wurden zwar bei jeder Vorstellung Decken, Regenjacken sowie Sitzkissen ausgeteilt, aber trotzdem.... :)
Der Theaterkurs war sich auch nach diesem zweiten Stück schon sicher, dies sei mit Abstand das schlechteste und langweiligste des Marathons.


Am Samstag saß ich dann zunächst in Brechts "Die Geschäfte des Herrn Julius Cäsar" unter der Regie der Schauspielerin Silvia Rieger, die auch selber die Hauptrolle übernahm. Total durchgeblickt habe ich bei dem Stück nicht wirklich, wahrscheinlich da ich phasenweise aufgrund von Langeweileerscheinungen abschaltete. Zusätzliches Bühnenbild gab es keins. Das Stück bot anfangs ellenlange Monologe ohne großartige Regieideen. Der längste war sogar absichtlich unnatürlich langsam vorgetragen, was meine Geduld doch arg auf die Probe stellte. Dennoch wandelte sich dies im Laufe der Zeit, bekamen die Texte der Figur von Silvia Rieger (wer nun wer war und wie sie alle hießen, weiß ich überhaupt nicht mehr) etwas mehr Gefühl und Dynamik.
Zu Bestaunen war die Schauspielleistung von Mandy Rudsky, deutlich jünger als die erfahrene und mimisch versierte Silvia Rieger, dennoch deutlich in einer höheren Liga spielend. In "Die Geschäfte des Herrn Julius Cäsar" hatte sie zwar nur selten die Möglichkeit, zu glänzen, dennoch tat sie das zB in Castorfs "Kean" zur Genüge.
Im Endeffekt aber nicht sondernlich spannend, das gute Stück.


Im Anschluss lief "Medea" - nach Seneca - unter Regie von Frank Castorf (versetzt mit "Heidegger auf der Krim" von Alexander Kluge), das Stück, auf das ich mich am meisten gefreut hatte. Wohl zurecht. Man war die ganze Zeit am Ball, es gab keine trockene Stelle, es herrschte eine tolle Stimmung. Das Bühnenbild bestand aus einem Zelt im Flüchtlingslook (mit später laufendem, cartoonspielendem Fernseher drin - für eine ordentliche Kontrastierung der Szene allerdings zu leise), einer Feuerstelle und im Sand verteilten ramponierten Plastikflaschen sowie -tüten.
In literarischer Hinsicht kann ich, wie bei allen anderen auch, nichts sagen, aber schauspielerisch waren doch einige Augenschmäuse zu bewundern. Vor allem Marc Hosemann, der wegen eines Kreuzbandrisses oder so mit Krücken über die Bühne sprang und huschte, zeigte sich doch recht ausdauernd und spielsicher. Ganz zu schweigen von Jeanette Spassove in der Rolle der Medea.
Es gab sogar zwei kleine Kinderrollen (natürlich auch von Kindern gespielt), von denen einer sogar lachen musste, als er von einer ihn an der Hand haltenden Medea angeschrien wurde. Auch dem anderen Knaben konnte man etwas Mitgefühl entgegenbringen, musste er doch eine Weile am Fenster neben einer wütenden Jeanette Spassova - mit rot getränktem Küchenmesser in der Hand - stehen. Und sich von dieser den Kopf abschneiden lassen. :)

Im Fazit das beste der vier Stücke, die ich dort sah. Es gab zwar keine vielen Ausraster, auf-der-Bühne-rumbrüllen, mit-Requisiten-herumturnen (was wohl am örtlichskeitsbedingten Bühnenbild lag) oder sonst irgendwelches Schauspieler-zum-Äußeren-treiben, wie man es von Castorf vielleicht erwarten wurde, sehr zugunsten des Stückes. Diese Elemente hätten nicht so sehr in die karge Atmosphäre von "Medea" hineingepasst.



Was mir schlechte Laune bereitete, war die Tatsache, dass wir, (ich und besagten KumpellZ) das einzige Stück ohne Nacheinlass dank einer fünfminütigen Verspätung unsererseits verpassten. Dabei handelte es sich um "Antigone". Unglücklicherweise schwärmten alle anderen aus dem Kurs, die pünktlich da waren, von diesem Stück und es mache ja so einen Spaß, mal wieder gutes Theater zu sehen, das könne man den ganzen Tag tun. Menno. :(
Muss wohl n andermal sein. Naja, am Alexanderplatz hat so n Brite ne recht gute Beatbox-Veranstaltung hingelegt.


Stattdessen (und mit wieder etwas besserer Laune) beschloss ich dann, mir "Ein Chor Stasimon", inszeniert von Mikael Marmarinos, anzusehen. Mit ca. 60 Minuten das wohl kürzeste Stück des Marathons.
Regietechnisch durchwachsen, weniger schwache Stellen als die von mir gesehen nicht-castorfschen Stücke, textlich dennoch nicht immer sonderlich interessant. Als Bühnenbild gab es eine Vielzahl an aus Sand erbauten Miniaturantikengriechengebäuden.
Viel kann man dazu nicht sagen, es wurde ein wenig allgemein herumphilosophiert, über Berlin, über Städte, über Menschen eben. Ganz nett, aber keine wirklichen Ideen.
Fazit: Ganz nett eben. :)


Immerhin hatte ich ja 4 Tickets käufllich erworben, was mich dazu beflügelte, mir an der Kasse gegen eine Markierung dreier meiner Karten, mir eine sogenannte Überraschung auszusuchen. Zur Auswahl stand ne CD, ne Platte, n komisches Büchlein von Künstler Jonathan Meese, usw...
Die 19 Leute aus dem Kurs konnten natürlich ordentlich abstauben, da jeder von ihnen 6 Karten besaß.

Naja, habe ich im Endeffekt für 24 Euro ein gutes und drei ganz nette bis eher langweilige Stücke gesehen, ein anscheinend gutes verpasst und ne Schallplatte bekommen. Ist eigentlich ne ganz gute Bilanz.

Vielleicht hat's ja den einen oder anderen interessiert. Wenn nicht, lest halt richtige Kritiken, mein Gott. :D
 
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Um welche Schallplatte hat sich´s gehandelt?
 
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Habse aber noch nicht gehört.
Habe hier noch son altes Radio mit Schallplattenspieler von der verstorbenen Cousine meines Vaters zu stehen. Das ging schon mal, habe darauf schon was gehört, aber neulich habe ich's nich zum Laufen bekommen. :(
 

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