Ich habe mich gestern Abend mal zwei Stunden sehr intensiv mit den IK V2 Captures befasst.
Bei den V1 Captures fand ich ich IK immer mäßig, ein par schöne Sachen waren dabei, aber auch viel uninteressantes. Drittanbieter wie Studio Rats und Tonejunkie haben meines Erachtens die sweet spots der Amps deutlich besser eingefangen.
Mit den V2 Captures hat IK extrem zugelegt.
Zunächst einmal würde ich sagen, dass die Technik wirklich besser geworden ist.
Klanglich würde ich an sich keine relevanten Unterschiede zwischen V1 und V2 festmachen, aber die Dynamik scheint mir signifikant verbessert. Schon mit V1 gab es hervorragen klingende Captures die auch eine gute Dynamik aufwiesen, aber das Fenster war enger. Ein Capture ging vielleicht von clean bis eine Prise Dreck, das nächste von Prise Dreck bis Crunch... außerhalb dessen wurde es schnell etwas künstlich. Jetzt lässt sich mit einem einzelnen Capture mehr Dynamik abbilden.
Aber vor allem hat IK offenbar die Qualität der eigenen Captures auch so weiter gesteigert. Die aktuellen V2 können mit allen Drittanbietern absolut mithalten und rechtfertigen es nun, dafür auch Geld zu bezahlen. Vor allem hat IK Multimedia offenbar auch den Lautstärkeabgleich ganz gut geschafft. Clean und Gainsounds haben nicht mehr die absurden Pegelunterschiede wie dies früher teils der Fall war.
Ich saß da gestern teilweise mit offenem Mund, weil bei einigen Sounds wirklich der Amp neben mir im Raum zu stehen schien. Insbesondere die Double Special und brown panel haben mich überzeugt.
Bei HiGain spüre ich weniger Unterschied zwischen V1 und V2, da geht es eher um Nuancen.
Vorher war Tonex für mich nah genug an dem jeweils optimal eingestellten und ausgefahrenen Amp um die Amps auszulassen. Denn die Auswahl, Transportabilität und vor allem der Aspekt, dass man die echten Amps kaum in ihrem Sweet Spot betreiben kann - weil zu laut für die location oder nicht handelbar im Bandsound - sprachen dafür, mit Tonex eben 70-80 Prozent vom Idealzustand 100 Prozent der Zeit abrufen zu können.
Jetzt gehen wir meines Erachtens auf 90 Prozent des Idealzustandes zu, wenn das Capture sehr gut gemacht ist. Die restlichen 10 Prozent sind dann die Magie aus minimalen Feedback der Röhren bei manchen Frequenzen, Wertedrift einzelner Kondensatoren, einem sich verwindenden Gehäuse, ein Speaker der bei gewissen Frequenzen eine etwas eigene Auslenkung hat... also die ganzen Imperfektionen, die darüber entscheiden ob man einen mittelmäßigen, guten oder hervorragenden JTM45, Deluxe Reverb etc. spielt.