Vorab: ich höre absolut und kann eine Gitarre sehr schnell und effektiv stimmen. (Wenn ich in einem Laden bin und verschiedene Gitarren antesten möchte, von denen die meisten nicht gestimmt sind oder völlig daneben, dann ist das schnell erledigt).
Bei mir kommen die Saiten erst mal grob nach Gehör auf Stimmung, der Rest wird noch schnell per Flageolet korrigiert.
Dennoch schätze ich live ein elektronisches Stimmgerät.
Bei lauten Umgebungsgeräuschen ist es fast unmöglich nach Gehör zu stimmen. Da hängt man dann mit dem Ohr an der Zarge, um genug zu hören. Andere stimmen bei voller Lautstärke - eine Zumutung für das Publikum.
In der Pause (bei Mute) mal schnell nochmals nachstimmen ist elegant, bringt guten Klang und ist gut für das Publikum, das weder lästiges Nachstimmen noch verstimmte Instrumente erdulden muss.
Vor dem Gig sich einmalig auf die Gegebenheiten anpassen ist ok, auch nach Gehör. Wenn ein ständiges Nachstimmen nötig ist, dann ist es für mich ein No-Go.
Da bin ich voll beim Kollegen:
Es ist ja schon "nervig", wenn die ganze Band im Verlaufe eines Gigs ihre Instrumente dem Dudelsack folgend (immer wieder) umstimmen muss. Das noch nach Gehör... das wird auch eine Kackophonie, die man keinem Publikum zumuten sollte!
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Grundsätzlich sich auf einen anderen Refezenzton zu einigen, sollte schon machbar sein. Da kann man die Stimmgeräte (...und sorry, ja ich kann nach Gehör stimmen, aber live ist das IMO ein No Go!)
Außerdem gibt es Instrumente, die beim Umstimmen zicken. Wenn die Sattelkerben hakelig sind oder die Mechaniken Spiel haben, dann kann es leicht passieren, dass sich beim nächsten Stück die Stimmung nicht hält, sobald man etwas kräftiger zulangt oder ein Bending im Spiel ist. Auch solchen Kandidaten kann ich durch trickreiches Stimmen eine gewisse Stabilität mitgeben - dauert aber geringfügig länger beim Stimmen.
Oder der Hals ist zu weich, so dass beim Umstimmen die Intonation verloren geht, weil sich durch die veränderten Spannungsverhältnisse alles noch etwas bewegt. So ein Instrument würde ich auch nicht nachstimmen wollen, sondern es tunlichst auf dem gleichen Setting halten wollen.
Wenn jemand nicht umstimmen will, weil er zu unfähig oder zu bequem ist, dann finde ich es unkollegial, aber wenn jemand sonst Probleme mit seinem Instrument bekommt oder das Publikum mit ständigem Nachstimmen genervt werden muss, dann kann ich nachvollziehen, dass jemand dagegen hält. Un dann ist ein derartiges Bashing nicht angebracht.