Wie machen Höhner, Brings & Co das?

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Poppotov

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Hallo. Hat jemand Hintergrundwissen zur Technik und Organisation?

Vorab: Ich bin kein Karnevalsmensch. Ich bin auch im Rheinland nie richtig warm damit geworden.
Dennoch habe ich mir einige Sendungen auch dieses Jahr angeschaut.
Meines Erachtens sind die besten Musiker Deutschlands im Karneval unterwegs, insbesondere in Köln. Klar, gute Musik gibt es nur noch da, wo Geld verdient werden kann.
Die gehen auf die Bühne der Veranstaltung und sind als Akkordarbeiter in 10s von 0 auf 100.
Die am härtesten arbeiten, verbreiten die beste Laune!
Das ist doch alles 100% live!? Wo kommt der Mix her? Wann war die Probe? Welche Geräte kommunizieren? Wer steuert das? Monitorwege?
Ein Song und ab, der Nächste.
Wie machen die das?
Im Monheimer Hof hatten die Bluesbands früher so 5-10 min für einen Wechsel der Bands gehabt. Und das war schon irre schnell.
Wie machen die das? So schnell und so perfekt? Ich erkenne nirgends Playback.
 

—> Profis.
 
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Hach, die Sessions im M. Hof...........Ich war oft früh da und habe dem Bernd aufbauen geholfen, zeitig nach Hause wegen früh aufstehen und Gedränge..........
 
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Genügend Techniker, InEar, Funkstrecken für Instrumente und Mics, gute Planung, alles vorkonfektioniert, Drums getriggert, Voreinstellung am Pult, sodass es immer mindestens ok klingt, Rest dann on the fly. Live ist da nicht alles…Chöre oft von Zuspielern (daher alles auf Klick). Mittlerweile ist das selbst für eine im Karneval tätige Hobbyband ganz gut machbar. Zum Tech am Bühnenrand geht ja nur noch ein CAT von der Bühne und der geht mit seiner Summe auf das Pult im Saal. Ich empfinde 5 Minuten für einen Aufbau mittlerweile auch als ziemlich lang…da kann man ja locker 2 Kölsch trinken :ROFLMAO:. Allerdings…der ganze Romms an Technik kostet natürlich auch reichlich Kohle…leider!
 
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  • #6
Wo finde ich mehr Details? Wann, wo, wie machen die Soundcheck? Regler der Gitarre? Hat jedes Instrument jeder Band einen Sender mit ID?
Ich weiß nur, wie man ein Kabel in einen Verstärker steckt, den Bernd hingestellt hat und wo jemand die Tonregler einstellt und die Gitarre kommt auch nicht gestimmt aus dem Koffer. Und das fremde Mic ist hygienisch fraglich.😅😅
Gibt es Pläne mit Geräten und Infos?
Saalmischung/Monitoring/Fernsehmischung? Wann reisen die an? Soundcheck einen Tag früher? Ich habe null Erfahrung mit inEar usw. usw.
Foto des Arbeitsplatzes am Mischpult? Mehrere?
Beitrag automatisch zusammengefügt:

So weit war ich auch, s.o. Die Besten in Deutschland ohne Frage. Schaffen sogar den Generationswechsel! Fluktuation...
 
Im Karneval hat man das Equipment für die speziellen Anforderungen optimiert. Auch im Semi-professionellen Bereich sollte man für den Auf- und Abbau auf der Bühne nicht mehr als 2-3 Minuten benötigen. Viele Bands haben dafür mehrere Stagehands dabei, die alles auf die Bühne bringen und verkabeln.
In der Regel nutzen alle Funk für Mikros, Instrumente und Inear.
Die Instrumente sind kompakt und auf Rollen aufgebaut. Schlagzeug ist voll mikrofoniert und vorverkabelt auf einem Rollbrett, so dass auf der Bühne nur noch ein Multicore-Kabel eingesteckt werden muss.
Jede Band bringt ihr eigenes Mischpult im Rack mit. Der Band-Tontechniker mischt die Band während des Auftritts mit Tablet. Die Band-Summe geht dann an den FOH. Dazu liegen am Bühnenrand zusätzlich zum Stromanschluss normalerweise 2 XLR-Leitungen bereit. Der Haustechniker regelt dann nur noch die Gesamtlautstärke.

Soundcheck macht man vor der Session alleine in irgendeiner Halle. Damit steht dann Inear für jeden und das Grundgerüst und muss im Idealfall dann nur noch minimal während der Auftritte an die Locations / vorhandene Anlage angepasst werden.

Die Veranstalter bekommen vor den Auftritten die Technik-Infos (Funkfrequenzen etc.). Während der Veranstaltung funktioniert das mit den Tontechnikern vor Ort dann in der Regel quasi auf Zuruf. Das klappt auch im semi-professionellen Bereich sehr gut.
Gerade bei den professionellen Bands und den großen Veranstaltungen in Köln läuft das ja auch schon seit Jahren. Da ist im Vorfeld jeder Handgriff klar, die Techniker kennen sich, die Anfahrten, Wege, Besonderheiten etc. sind bekannt. So können die Auftritte über den Tag eigentlich Minuten-genau geplant und getaktet werden. Im semi-pro und Amateurbereich plant man dann noch etwas Puffer für Verzögerungen und Unvorhergesehenes ein.


Hier ein paar Videos von Kasalla zu derem Equipment. Allerdings auch schon 10 Jahre alt. ich gehe davon aus, dass es seitdem noch einige Optimierungen gab.


View: https://www.youtube.com/watch?v=gETeFFFpA2M


View: https://www.youtube.com/watch?v=6f3J3PLa25s


Hier ein paar Einblicke von Kölner Bands:

Höhner

View: https://www.youtube.com/watch?v=KeI7lqO3-do

Brings

Miljö

View: https://www.youtube.com/watch?v=F-bW8SPBhy0
 
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Korki hat eigentlich schon fast alles gesagt. Hier noch einige Ergänzungen.

Gängige Mischpulte in dem Bereich sind Midas M32R, A&H SQ5 und A&H DLive mit der 1500er Surface. Alles was von oben in ein 19" Rack reinpasst. Für gewöhnlich steht da während der Show immer einer dran, der im Notfall physische Fader in der Hand hat und sich um das Monitoring kümmern kann. Auch die verwendeten Leistungsstarken WLAN Access Points für das Ipad von FOH Mischer können schonmal Probleme machen bei tausenden rumfunkenden Handys in den Hallen.

Funkequipment für IEM und Instrumente ausschließlich von Shure oder Sennheiser Richtung EW500, EWDX bis hin zu Axient.

Die Racks haben immer häufiger USVen eingebaut, damit das Equipment gestartet und gecheckt werden kann, bevor überhaupt Strom zur Verfügung steht. So manch ein Mischpult und Gitarrenprozessoren ala Kemper und Co. brauchen schonmal 1-2 Minuten zum booten, und das würde zu lange dauern, wenn man das erst auf der Bühne machen würde.

Inzwischen werden viele digitale Stageboxen auf der Bühne verwendet und gar keine analogen Multicores mehr. Die werden dann mit Hybridkabeln mit Ethercon und Strom (PowerCON oder True1) an das Mischpultrack angebunden.

Bei dem Design vom Setup wird darauf geachtet so wenig physische Steckverbindungen wie möglich beim Auf- und Abbau stecken zu müssen.

Vor der Session probt die Crew intensiv das Auf- und Abbauen. Wie ein Boxenstopp. Bei einigen großen Veranstaltungen (Lachende Kölnarena oder Fernsehsitzung im Gürzenich) gelten 90s vom ersten Schritt auf die Bühne bis zum ersten Ton. Klingt absolut absurd, wird von den Crews aber in aller Regel geschafft.

Es ist in den seltensten Fällen ALLES Live. Häufig laufen Backingtracks mit SFX, extra Instrumenten, Percussion und Vocallayern mit. Wird meistens vom Drummer über ein Roland SPD SX abgefeuert, aber es gibt auch schon bands die mit nem vollredundanten Ableton Rig im Karneval auflaufen.

Soundchecks gibts nicht. Der Mix wird im Vorfeld im Studio vorbereitet und dann in Hallen mit Konzert PAs getestet. Bei den eigentlichen Shows muss der FOHler dann "nur" noch den Mix an die Hausanlage anpassen und ein bisschen Lautstärken automatisieren, thats it.
 
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Wir haben sogar mit der Folkband (8 Leute, ca. 15 Abnahmen) ein gut eingestelltes Setup auf dem Digi-Mixer, das nur noch angepasst werden muss.

Ansonsten :
+ Jahrzehnte Erfahrung.
wo jemand die Tonregler einstellt
Marker oder auch Tape
und die Gitarre kommt auch nicht gestimmt aus dem Koffer.
... nee, das geht aber, wenn sie eine ordentliche Grundstimmung hat, in wenigen Sekunden hinter der Bühne
 
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  • #10
Hi, @Poppotov ,

das von @Korki gepostete Video mit dem Bassisten von Kasalla erklärt es glaub ich am besten. Die Jungs gehen einfach auf die Bühne, stöpseln ein
und spielen dann los. In dem ganzen Krach, der vor der Bühne herrscht, achtet eh niemand auf die speziellen Feinheiten, die bei einem grossen Konzert dann schon eine Rolle spielen. Die Hauptaufgabe liegt dann beim Mixer. Die Musiker/innen wissen das und leben dann mit der Unperfektion.

@xelaf , (y), wir waren zeitgleich, du hast es aber sehr gut beschrieben.
 
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  • #11
Ich möchte mich für exakten Einführungen herzlich bedanken! Ich habe das Prinzip verstanden, werde die Videos schauen und auch ein paar Bedienungsanleitungen downloaden, nur aus Neugier. Leider fehlt mir in diesem Bereich des kabellosen, digitalisierten Musikschaffens jegliches "Learning by Doings". Die Bühnen, die ich aufgebaut und verkabelt habe, waren klein, aber der Sound und die Stimmung waren auch schön.
Leicht zu verstehen ohne eigenes Tun ist das nicht. Im Prinzip müsste ich mir als Gitarrist nur ein Sender beschaffen, dort ein kurzes Kabel reinstecken und den Rest übernehmen Spezialisten, das geht alles nur noch im Team. Grüße ins Rheinland und an "Gisela"!
Danke für die Infos an alle! Bin beeindruckt.👍
 
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  • #12
Ein wesentlicher Punkt ist das diese Jungs mehrfach an einem Abend gebucht sind und von Sitzung zu Sitzung „hetzen“. Das gepaart mit doch viel Geld was da verdient wird, macht da eine extreme Minimalisierung und Organisation erforderlich und dann auch möglich.
 
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  • #13
Hetzen ist das richtige Wort. Es ist schwierig, ein Jahreseinkommen in wenigen Wochen ranzuschaffen. Auch viele erfolgreiche Titel sind faktisch nur wenige Tage im Jahr hörbar. Aber einige schaffen es ja zum Glück zeitlose Klassiker zu spielen, die 365/24 gespielt und angehört werden können. Das sind ausgezeichnete Bands. Zuckerschlecken ist der Job nicht. Man sieht es auch in den Bandbiografien. Ich fordere jedenfalls die bedingungslose Grundrente für Karnevalsmusiker! Wie sollen die auf ihre Jahre kommen in dem Knochenjob?
 
  • #14
Da hast du vollkommen recht. Glücklicherweise funktionieren bei uns im Rheinland die Karnevalslieder eigentlich das ganze Jahr über. Und Bands arbeiten natürlich auch außerhalb der Session. Sie veröffentlichen Alben, gehen auf Tour, spielen viele Veranstaltungen im Sommer (Jeck im Sunnesching, große Vereinsjubiläen, Sommerfeste, Festivals, ...) und ziehen beispielsweise eigene Weihnachts-Gala-Shows und Ähnliches auf.
Aber klar, die Hauptzeiten sind natürlich November und Januar bis Aschermittwoch mit an Wochenenden 6-8 Auftritten pro Tag.
 
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  • #15
Absolut professionell in jeder Hinsicht - für mich aber am beeindruckendsten dass die 6 bis 8 Mal am Tag das sehr gleiche bis identische kurze Set spielen, auf Knopfdruck auf der Bühne gute Laune verströmen, und am nächsten Tag aufstehen mit dem Wissen heute geht das wieder los. Das muss man wirklich wollen.

Und die Zeit zwischen den Auftritten zu ertragen - das nötigt mir noch mehr Respekt ab. Hat Stephan Brings neulich auch nochmal im Interview gesagt - Nähe bis zur Übergriffigkeit. Dann immer rein ins Warme, raus ins Kalte, enger Kontakt zu unzähligen Leuten in der absoluten Viren-Hochsaison, in dem Wissen dass man in diesen wilden Wochen auf gar keinen Fall krankheitsbedingt ausfallen darf, das ist schon absolut heftig.

Also: was die so leisten, da finde ich sind höchste Ansprüche an die Musikerehre hinsichtlich Zuspielern etc. wirklich zweitrangig.

Zur Technik wurde ja schon fast alles geschrieben: alles vorbereitet was möglich ist, dann alle Abläufe proben und sich bewusst sein dass die Ansprüche an den perfekten Saalsound in diesem Zusammenhang deutlich hinter anderem zurückstehen sollten wenn das Publikum hinter sagen soll "war ein klasse Auftritt"
 
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  • #16
…. auf Knopfdruck auf der Bühne gute Laune verströmen, und am nächsten Tag aufstehen mit dem Wissen heute geht das wieder los. Das muss man wirklich wollen.

Das ist wirklich Professionalität! Letztlich ist das dann aber eben einer der Jobs, Konstanz und Zuverlässigkeit, eben alleroberste Priorität hat. Der Stundenlohn, muss/sollte das aufwiegen. Bewunderung dafür? Die Jungs werden dazu nun auch nicht unter Gewaltandrohung dazu gezwungen; das Publikum dafür, ist relativ dankbar; „Niveau“ und „Anspruch“ der Musik, ist nun auch (bewusst) nicht auf konzertlevel (wenngleich das fähige Musiker sind!);… aber ich bin da biased… auf so eine Sitzung zu gehen, würde mir physische Schmerzen bereiten; würde man mir ein Engagement in so einer Truppe anbieten, wäre das für mich auf dem ähnlichen Akzeptanzlevel, wie ein Job in einem Call-Center. Das würde mich tatsächlich unglücklich machen.
 
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  • #17
Das ist wirklich Professionalität! Letztlich ist das dann aber eben einer der Jobs, Konstanz und Zuverlässigkeit, eben alleroberste Priorität hat. Der Stundenlohn, muss/sollte das aufwiegen. Bewunderung dafür? Die Jungs werden dazu nun auch nicht unter Gewaltandrohung dazu gezwungen; das Publikum dafür, ist relativ dankbar; „Niveau“ und „Anspruch“ der Musik, ist nun auch (bewusst) nicht auf konzertlevel (wenngleich das fähige Musiker sind!);… aber ich bin da biased… auf so eine Sitzung zu gehen, würde mir physische Schmerzen bereiten; würde man mir ein Engagement in so einer Truppe anbieten, wäre das für mich auf dem ähnlichen Akzeptanzlevel, wie ein Job in einem Call-Center. Das würde mich tatsächlich unglücklich machen.
Gerade Brings können da ein Lied von singen - die waren ja eine Rockband die gerade am Scheideweg stand ob sie ihren bisherigen Weg (auch) finanziell so durchhalten können. Dann ist denen ihr erster Karnevals-Hit quasi "in der Schoss gefallen" und ab dann ging es immer mehr in eine Richtung.

Wie gesagt: muss man wollen. Aber wenn man von der Musik leben muss/will gilt das für viele Punkte, für den einen wäre das Unterrichten eine Qual, für den nächsten alles was mit Selbstständigkeit an Selbstorganisation dazu kommt, der Dritte findet Spielen klasse aber das unterwegs sein furchbar u.s.w.

Ich verstehe was Du meinst, aber ich "bewundere" das im gleichen Maß wie einen Instrumentalvirtuosen, einen Notarzt oder tausend andere Dinge die Menschen tun.
Und klar findest Du beim Karneval ein alkoholisiertes Publikum vor, das ist in einem Sinne "dankbarer" als wenn geschlossene Riegen der Musikerpolizei vor Dir stehen. Aber die Erwartung die das Publikum hat, die muss man schon strikt erfüllen - es gibt genug willige Newcomer, und auch bei den etablierten Bands: wenn die das Publikum nicht mehr mitreißen dann macht sich das mittelfristig ganz sicher auch in Gagenhöhen und Anfragenzahl bemerkbar
 
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