Unterrichten verboten?

von Laurin, 01.05.16.

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  1. Laurin

    Laurin Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.05.16   #1
    Liebe Musiker-Kollegen,

    ich weiß nicht, was ich machen soll... also, ich bin eigentlich seit 38 Jahren Akkordeonspielerin und Keyboarderin in versch. Vereinen/Orchestern und hab da auch schon lange Akkordeon unterrichtet.

    In den letzten Jahren war Pause, aber seit Dez./Januar haben sich einige Mädels (kleine und große) bei mir gemeldet, ob ich sie denn unterrichten könnte?

    Gerne...ich suche gerade eh beruflich einen neuen Weg (bin Heilpraktikerin, aber davon kann ich absolut nicht leben - Gebühren von 1985 und so....)

    Der Musikverein, in den ich vor 2 Jahren zufällig gerutscht bin, hat das freudig begrüßt und voll unterstützt... und plötzlich, im Februar, hieß es "jaaaa, aber wir sind ja schließlich kein Keyboard-Verein, nicht mehr als 3 Schüler... wenn Du das machen willst, dann mußt Du das privat anbieten").

    Gesagt, getan. Derzeit bauen wir den Keller aus, das wird traumhaft schön, ich habe in alle mögliche Literatur, Einrichtung und Instrumente investiert... der Plan war, neben Akkordeon-, Klavier-, Keyboard- und Melodica-Unterricht auch musikalische Frühförderung anzubieten mit einem verstärkten Augenmerk auf die Probleme und Schwächen der einzelnen Kinder (ich bin in meiner Praxis seit 20 Jahren auf Kinder spezialisiert).

    Und jetzt kommt der Vorstand des Musikvereins, lügt mich an, er hätte irgendwo Werbung von mir gelesen (ich habe GAR NIRGENDS WERBUNG gemacht, es soll doch erst in einigen Monaten "richtig" losgehen), und das ginge ja gar nicht mit der Früherziehung, das wäre gegen die Interessen des Vereins...blablabbla...

    Ja, in dem Verein macht das schon jemand, mehr schlecht als recht...die 150 (!!!) Kinder werden z.T. in den Kellerraum gesetzt und müssen vorspielen und sie geht nach oben und macht in der Zeit ihren Haushalt.... aber das, was ich vorhabe, ist doch was ganz anderes. Und das soll dann vereinsschädigend sein? Und deswegen soll ich aus dem Verein ausgeschlossen werden??? Und nicht nur das, meine eigenen Kinder dann auch mit? Und die Kinder, die ich über den Verein unterrichte, ebenfalls?

    Ganz zu schweigen von der absolut miesen Negativ-Werbung, die dann hier über mich verbreitet wird?

    Ist es vereinsschädigend, kleinen Kindern die Musik näherzubringen und dabei ihre Schwächen zu stärken und ihre Stärken noch mehr zu fördern?

    Was mach ich denn jetzt?
     
  2. Be-3

    Be-3 Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 01.05.16   #2
    Hallo Laurin,

    willkommen im Forum!

    Ein Interessenskonflikt ist in solchen Fällen leider schwer zu vermeiden...
    Musikvereine sind naturgemäß auf Blasinstrumente ausgerichtet, Tasteninstrumente sind da Exoten und in der Literatur teilweise nicht einmal besetzt.

    Instrumentale Ausbildung im Verein beinhaltet ja auch Zuschüsse in irgendeiner Art (und seien es die Proberäume, die genutzt werden können) und am Ende hat der Verein natürlich immer das Ziel, Musiker/Musikerinnen für sich zu gewinnen.
    Zum Einstieg wird oft Blockflötenunterricht angeboten (einfach, billig, problemlos), in der Hoffnung, das Kind möge auf ein vereinsgeeignetes Instrument umsteigen. Früherziehung setzt natürlich noch früher ein.

    Zum Trost:
    Ich habe ähnliche Situationen mitbekommen, in denen es beispielswiese sogar um Waldhorn-Unterricht ging (eigentlich ein begehrtes Instrument für jeden Musikverein!), der erwachsene Schlüler allerdings keinen Zweifel daran ließ, daß er niemals in diesem Verein spielen wolle. Das gab natürlich Knatsch...!

    Frage:
    Wie stehen denn die übrigen Vereinsmitglieder zu der Sache?
    "Der Vorstand" ist ja schön und gut, macht aber am Ende nicht den Verein aus und besteht oft nicht einmal zwingend aus Musikern.

    Möglichkeit einer Einigung?
    Ich sehe in Klavier- und Keyboard- und Akkordeonunterricht keine direkte Konkurrenzsituation mit dem Verein, das sollte doch kein Problem darstellen, Du nimmst dem Verein auch keine Musiker weg.
    Aber bei der musikalischen Früherziehung scheint mir ein persönlicher Konflikt vorherrschend zu sein, Deine Meinung über die Qualität der internen Früherziehung ist eindeutig, und da fühlt sich wohl jemand mächtig auf den Schlips getreten.

    Außerdem hat "der Verein" Bedenken, Du würdest ihm Leute abgraben/abwerben. Das ist bei Keyboards & Co. offensichtlich Quatsch, denn die braucht der Verein ja nur am Rande. Und die Früherziehung dauert ja naturgemäß nicht ewig und ist nur die Einführung in die wunderbare und vielseitige Welt der Musik, danach dürfen die Schüler ja gerne in einer Musikschule und im Musikverein weitermachen, daran wirst Du sie ja nicht hindern.

    Was bleibt?
    Bei Licht betrachtet (und ganz neutral von außen) schaut das für mich vor allem nach einer persönlichen Rivalität zweier Früherzieher aus.
    Alles andere ließe sich durch sachliche Argumentation aus dem Weg räumen. :)

    Viele Grüße
    Torsten
     
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  3. hmmueller

    hmmueller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.05.16   #3
    Halt wohl viel weniger mit Musik als mit "typischen menschlichen Verhaltensweisen" zu tun ... Standardratschläge:

    (a) Denk nach oder versuch ganz vorsichtig rauszubekommen, wer dahintersteckt - wohl vermutlich Dein/e Konkurrent/in, aber eine minimale Bestätigung wäre schön.

    (b) Der Vorstand fühlt sich da jetzt auch nicht wohl in seiner Haut - also biete denen sofort an, dass Du natürlich mit allen und insbesondere kritischen Leuten reden willst und wirst - dann sollten die befreit aufatmen und denken, dass das schon gut wird, und Dir daher dafür den Rücken stärken - gegen das "Miteinander reden" kann ja niemand was haben ...

    (c) Trotzdem wird Dein Konkurrent seine Angst nicht verlieren und sein Verhalten nicht ändern. Wenn Du mit ihm/ihr redest, musst Du also ein Angebot haben - z.B. "Aufteilung des Marktes" - das muss auch glaubhaft sein; das Problem könnte sein, dass er/sie sich ihrer Defizienzen bewusst ist und daher egal ist, was Du an "Einschränkung" anbietest: Im Hintergrund wird immer sein "aber wenn sie besser ist, dann werd' ich irgendwann doch verlieren" - und da kommt ihr dann nicht raus. Was gehen kann, Du aber vermutlich nicht willst: Du ordnest Dich unter = lässt Dir die Schüler von ihm/ihr zuweisen ... "Normaler" wäre: Du sagst "ich mache garantiert nur XY, das verspreche ich und mache ich öffentlich" - grümmelnde und skeptische Zustimmung - Du machst das wirklich=vertrauensbildende Maßnahmen, insbesondere schickst Du andere Anfragen an sie/ihn weiter ... mit der Zeit "lebt man miteinander".

    ** Oder Du legst es auf Konfrontation an. Das kann Dich Vereinsmitarbeit kosten, aber noch viel mehr=Engagements, weil sowas schon sehr negativ herumgeht. Andererseits ist das vielleicht schon passiert - dann gilt: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's erst recht ungeniert ...

    Soviel als generelle Weisheiten - viel Glück jedenfalls!

    H.M.
     
  4. McCoy

    McCoy HCA Jazz & Piano Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 01.05.16   #4
    Es kommt auch darauf an, in welcher Region man so etwas anbietet. Wenn man auf dem Lande wohnt, würde ich es mir mit den ortsansäßigen Vereinen nicht verderben, aber in einer halbwegs großen Stadt kann einem das doch relativ egal sein. Wenn es der Markt und Dein Renommeé hergeben, daß Du genügend Schüler hast, brauchst Du auf den Verein keine Rücksicht nehmen. Das Unterrichten kann Dir ja keiner verbieten. Allerdings darfst Du dann nicht erwarten, daß Du Schüler aus dem Vereinsumfeld bekommst. Wenn Du einen als Musikraum ausgebauten Kellerraum hast, gründest Du zusätzlich noch ein kleines Ensemble/eine Band, mit der Du regelmäßig proben und auftreten kannst und läßt den Verein vereinsmeiern.

    Viele Grüße,
    McCoy
     
  5. Bass Fan

    Bass Fan Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 07.05.16   #5
    Da rate ich dringend ab, das wäre ein eklatanter Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht, auch wenn gut gemeint.
     
  6. McCoy

    McCoy HCA Jazz & Piano Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 08.05.16   #6
    ?
    habe ich jetzt so verstanden: Ich biete etwas an was Du nicht anbietest, Du bietest etwas an, was ich nicht anbiete. Wo verstößt man da gegen das Wettbewerbsrecht? Jeder schaut doch, wo seine Nische ist.
     
  7. Saatkrähe

    Saatkrähe Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.05.16   #7
    Es heißt nicht umsonst "ein Verein ist ein Narrenhaus" (habe da leider einschlägige Erfahrungen in meinem Ex-Sportverein :igitt:). Ich für meinen Teil denke, es geht da gar nicht mal so wirklich um den Unterricht sondern einfach darum, dass Du quasi in "fremden Revieren wilderst" und da einige Leutchen darüber scheinbar mächtig angepisst sind um es mal deutlich auszudrücken. Da gehts dann schnell um gekränkte Eitelkeiten etc. der andere könnte ja erfolgreicher sein, "jahrhundertelang" ist alles seinen Gang gelaufen und hat geklappt und auf einmal kommt "die Neue" daher und will alles besser machen blablabla ;). Änderungen sind in alteingesessenen Vereinen leider oftmals gar nicht so gewünscht und meistens hängt das an ein paar Leuten, die Dir zwar freundlich ins Gesicht lächeln, hinter den Kulissen aber mächtig an Deinem Stuhl sägen und alle auf perfide Weise gegen Dich aufbringen.

    Welchen Eindruck hast Du denn vom Vorstand? Steht der tatsächlich hinter seinem "Nein" oder hast Du da eher den Eindruck, die müssen das einfach sagen weil sonst irgendjemand Stunk macht? Vielleicht kannst Du da nochmal das Gespräch suchen. Fragen welche Bedenken genau denn da nun der Verein hat? Ich weiß ja jetzt nicht welche Instrumente genau da angeboten werden aber da Du Dich als Exotin beschreibst scheinen ja Deine Instrumente jetzt im Verein nicht so vorzuherrschen. Folglich nimmst Du da ja keinem was weg. Denn wenn Schüler X jetzt meinetwegen Akkordeon spielen will, dann will er das. Und wenn der Verein das nicht abietet wird es vermutlich wenig bringen ihm z.B. Posaune aufzudrängen, weil der Verein eben genau das anbietet. Das hat vielleicht früher mal funktioniert, aber die Kinder heute lassen sich da längst nicht mehr so viel dreinreden.

    Welchen Eindruck hast Du von den Schülern bzw. deren Eltern oder generell vom Umfeld potentieller Kundschaft? Wäre es denn gewünscht, dass hier "Konkurrenz" herrscht? Gibt es Leute, die da auf Deiner Seite stehen und sich für Ihre Kinder auch etwas anderen Unterricht wünschen als den was Du beschreibst? Könntest Du im Fall des Falles damit leben vom Verein "abgeschossen" zu werden und dass Dich da eventuell auch durchaus Leute nicht mehr grüßen, die auf den ersten Blick nichts mit dem Verein zu tun haben (auf dem Land kann das durchaus passieren :D)? Ich frage nur weil ich aus ähnlichem Umfeld stamme, über die hiesige Musikschule (wenn man es denn überhaupt so nennen kann) zwar alle mehr oder weniger schimpfen, ihre Kinder mangels Alternativen aber trotzdem hinschicken. Die wären aber vermutlich sehr froh wenn da jemand etwas Moderneres aufziehen würde.
     
  8. mjmueller

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    Erstellt: 08.05.16   #8
    Hallo,
    wenn Dir der Verein wichtig ist, wirst Du Dich beugen. Wenn nicht, dann eben nicht.
    Keine Ahnung, wie die Situation im Hinblick auf mus. Früherziehung und Unterricht in Deiner Gegend ausschaut, in meiner Gegend herrscht Mangel. So muss jemand, der zB Gitarre erlernen möchte zT bis zu 2 Jahre warten, bis er einen Platz bekommt.
    Wenn ich oben lese, dass der Veren 150 Kinder in der musFE hat, dann kann das ja kein ganz so kleiner Ort sein. Und dann möchte ich behaupten, dass zwei oder drei Anbieter durchaus den "Markt" beleben werden, auch wenn alte Seilschaften ihre Pfründe gerne sichern möchten (alleine schon "aus Prinzip").
    Und im eher kleinstädtischen Bereich, gibt es bestimmt mehr als genug Menschen, die nicht einen Verein als das "allein-selig-Machende" betrachten.
    Grüße
    Markus
     
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