Verständnis dafür entwickeln, WAS man eigentlich spielt

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cybergnom
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Servus zusammen,

ich würde mich selbst als fortgeschrittenen Einsteiger bezeichnen, der mittels Tabs schon relativ viel nachspielen kann.
Was mir allerdings fehlt ist das Verständnis dafür, WAS ich da eigentlich nachspiele.

Hintergrund dieses Themas ist folgender:
Auch mein Kumpel kann viele Riffs und Licks spielen, aber wenn wir mal versuchen zusammen etwas zu "kreieren", klingt das wie Kraut und Rüben.

Grundsätzlich weiß ich um das Thema Tonarten, Skalen, etc.
Ich kenne den Quitenzirkel und zumindest die wichtigsten Akkord-Progressionen.
Was mir aber wirklich fehlt ist das Verständnis, wie man diese Einzelkomponenten zusammenbringt.

Selbst wenn mein Kumpel nur eine simple Kadenz A-D-E-A spielt und ich versuche mittels Am-Penthatonik darauf zu "improvisieren" klingt das sehr sehr zufällig.
Manchmal hört es sich gut an, manchmal eher äußerst suboptimal.

Ich habe das Gefühl, dass manche Töne aus der Penthatonik besser auf entsprechende Akkorde passen, auch wenn alles in der "richtigen Tonart" gespielt ist.

Und da setzt nun meine Frage an:
Wie kann man sowas lernen? Ist das "learning by doing" oder gibt es entsprechende Anleitungen dafür?

Für Tipps und Tricks bin ich immer dankbar :)
 
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An dem Punkt war ich vor kurzem auch noch. Was mir bisher geholfen hat, ist die Dreiklänge in den drei Umkehrungen zumindest auf den höheren vier Saiten zu verinnerlichen und dann beim Solo, die jeweiligen Akkordtöne zu betonen. Google mal nach „Triads“ oder „Chord tone soloing“ (die nützlichsten Sachen sind m.E. englisch).
 
Wenn du mir ADEA die Dur-Akkorde meinst, dann hört es sich erstmal geläufigen an, mit der A Dur Pentatonik zu improvisieren. Die hat die gleichen Töne wie Fis Moll (immer drei Bünde tiefer). Wenn du diese Skala nutzt, hört sich jeder Ton passend an. Du könntest dann hin und wieder für kurze Abschnitte in Am-Pentatonik springen, dadurch erhält man die Moll/Dur Reibung für die der Blues so bekannt ist. Du könntest auch Mal als Progression A7-D7- E7-A7 spielen. Dort passt dann die Am Pentatonik die ganze Zeit.

Generell: ist das Lied in Moll, dann Moll Pentatonik nehmen. Ist das Lied in Dur, dann Dur Pentatonik (drei Bünde tiefere Moll Pentatonik) nehmen. Damit erschlägst du 95% der Anwendungsfälle. Wenn das sitzt, dann kannst du das erweitern. Blue Note, normale 7-Ton-Skalen oder auch mal Arpeggierte Akkordtöne. Dann hast du schon 98%. Mit zusätzlichem Wechsel zwischen Dur und Moll hast du dann 99%. Mit zusätzlichem Modi hast du dann 99,5%. Und die restlichen 0,5% ist dann noch irgendwelches andere Skalenzeug.
 
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Kannst Du @cybergnom mal ein Soundbeispiel einstellen? Es ist schwer zu beurteilen, woran es hakt, wenn Du das so schreibst. Es könnte einerseits ein hoher Anspruch sein. Wer erwartet in einer sponaten Impro so spannend zu klingen wie Gary Moore live wird natürlich scheitern. Umgekehrt spielt man manchmal zu viel, statt einzelne Töne wirken zu lassen. Ich bin selbst an einem ähnlichen Punkt und übe gerade sehr bewusst tonale Aussagen mit wenig Noten, call-response-Spiel und das "Mitgehen" von Akkorden in den entsprechenden Pattern. Auch hänge ich gerade daran einen Spannungsbogen in eine Improvisation zu bringen, damit es eben kein "Gedudel" über 8 oder 12 Takte ist.

Wie gesagt, da kann einem ein Lehrer gut helfen oder alternativ ein Soundbeispiel hier. Ich würd mich freuen!
 
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Und die restlichen 0,5% ist dann noch irgendwelches andere Skalenzeug.
Ah ja, aber wenn du die vorherigen 99,5% nicht irgendwie gecheckt UND ein Gefühl dafür entwickelt hast, wirst du zu 100% belanglos bis kacke klingen.....
 
Wenn du mir ADEA die Dur-Akkorde meinst
Da geht es schon los.
Wir spielen Powerchords. Da gibt's ja keine Unterscheidung zwischen Dur und Moll.
Die Progression A5 - D5 - E5 - A5 ist ja nach meinem Verständnis dann "Grundton - Subdominante - Dominate - Grundton" auf Basis der Am-Tonart.

Oder liege ich da schon falsch?


Google mal nach „Triads“ oder „Chord tone soloing“ (die nützlichsten Sachen sind m.E. englisch).
Danke für den Tipp. Das werde ich mir auf alle Fälle mal zu Gemüte führen.


wirst du zu 100% belanglos bis kacke klingen.....
Das ist das Problem.
Es geht ja schon damit los: selbst wenn man die korrekte Skala immer gleich auf zwei unterschiedliche Akkordfolgen einer Tonart spielt, klingt es eher mäh.
Obwohl man ja "tonarttechnisch" nichts falsch macht...
 
a) in jeder Skala stecken Melodien drin - die zu finden braucht Übung

b) man kann über Akkorde auch so spielen das man diese Akkorde im Solo raushört. Man kann also über A-D-E-E alle Töne von A-Dur oder F#moll spielen. Aber so das die Akkorde "rausklingen". Terz, Quinte und Grundton sind starke Akkordtöne. Das kombiniert mit a) ist die halbe Miete. ;)
 
Wie kann man sowas lernen? Ist das "learning by doing" oder gibt es entsprechende Anleitungen dafür?

Für Tipps und Tricks bin ich immer dankbar
Dann führe ich einmal fort, was schon teilweise anklang.

1. Praktische Seite: https://chord.rocks/guitar/scales/a-minor-pentatonic . Hier schon einmal auf die Am-Pentatonik gesetzt. Dort gibt es satt viel Informationen:
  • zur gewählten Skala (#1)
  • die Lage aller Töne dieser Skala (#2)
  • "passende Akkorde", also nur die, die in diese Skala passen (#3)
  • Nerd- und Besserwissi-Zeugs (#4)

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Wie das nutzen?

Nun, einfach aufteilen:
  • einer spielt die Melodie NUR mit Skalentönen (#2)
  • einer spielt Begleit-Akkorde NUR mit diesen Skalentönen (#3)
  • gelegentlich verletzt Ihr diese Regel bewusst dort, wo es musikalisch Sinn macht / gut klingt
Die Akkorde sieht man leichter, wenn man unter #3 auf einen von ihnen clickt.


2. Bleiben die Akkordfolgen. Da bediene man sich hier: https://www.hooktheory.com/theorytab/common-chord-progressions . Vollgepackt mit Beispielen. Zur genannten i-IV-V - Progression (die hier übrigens nicht geht, wegen der fehlenden E-Akkorde) gibt es viele Alternativen. Ggf. im Skalenfinder die Skala um 1-2 Töne erweitern (z.B. über Identify Scale).

Probiert zur SELBEN Melodie verschieden Progressionen aus ... klingt immer anders.

Viel Freude beim gemeinsamen Entdecken.

P.S.: Die Puristen achten natürlich selber auf die richtige Wahl des # (sharp) oder b (flat). Bei Am passt's schon. Man befrage seinen Quitenzirkel.
 
Da geht es schon los.
Wir spielen Powerchords. Da gibt's ja keine Unterscheidung zwischen Dur und Moll.
Die Progression A5 - D5 - E5 - A5 ist ja nach meinem Verständnis dann "Grundton - Subdominante - Dominate - Grundton" auf Basis der Am-Tonart.

Oder liege ich da schon falsch?

Deine Powerchords lassen Platz für Interpretation, da sie nicht klar darstellen, welche Tonart das ist. Da muss also die Melodie klären, was das für ne Progression ist.

Und wenn du ein bestimmtes Gefühl mit dem Ding verbindest dann passt die falsche pentatonik ggf nicht.

Es könnte eine A - Moll natürliche Progression sein: i - iv - v - i. Das klingt traurig und die Melodie würde mit Am Pentatonik traurig klingen. Darauf musst du dich im Kopf dann einlassen.

Bist du im Kopf auf glücklich gepolt, dann funktioniert für dich die a-Moll pentatonik nicht. Bist du sehr glücklich, könntest du die A-Dur Pentatonik (= Fis Moll Penta) testen. Dann würde eine I-IV-V-I rauskommen.

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Einwurf: Jetzt kann man mit Muisktheorie-Kanonen auf Spatzen schießen - oder lässt es sein.

Ungewöhnlich wäre folgende beide Lösungen für die Stimmung:
Für semi traurig könntest du auch dorisch spielen. Dann könntest du die Em Pentatonik testen. Dann liefe das auf ii - V - iv - ii bzw. i - IV - v - i hinaus.

Für semi glücklich könntest du auch mixolydisch spielen. Dann könntest du die H-Moll Pentatonik testen. Dann liefe das auf V - I - ii - V bzw I - IV - v - I hinaus.

Lydisch und phrygisch passen nicht.

Durch die Powerchords bleibt es offen, was es ist.
Es könnte A-Moll harmonisch sein: i - iv - V - i
Es könnte a-Moll melodisch sein: i - IV - V - i.

Mit der Skala in der du rüber improvisiert kannst du das klarstellen. Ob das dann für dich so klingt, wie du möchtest, das must du entscheiden.

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Ich würde, wie in meinem ersten Post angesprochen mal fis moll pentatonik testen (drei Bünde weiter zu den Mechaniken als die A Moll pentatonik). Wenn du dann glücklich bist und glückliches hörst, dann spielst du wie gesagt die A Dur Pentatonik und du machst aus den Powerchords I5- IV5- V5 - I5 im Kopf eine I - IV - V - I und nicht, wie ihr es jetzt versucht eine traurige i - iv - v - i.
 
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