Pianoteq
Registrierter Benutzer
- Zuletzt hier
- 31.01.26
- Registriert
- 22.08.23
- Beiträge
- 218
- Kekse
- 1.010
Das habe ich mich jetzt wirklich gefragt. Ich will Klavierspielen. Das ist ganz klar. Aber was will ich spielen? Ich bleibe immer wieder bei klassischen Stücken hängen. Das ist für mich Musik. Die möchte ich lernen. Aber die sind alle nach Noten. Was mich eigentlich auch nicht gestört hat. Aber dann kam dieses „Frei Spielen“ auf. Und jedes YouTube-Video schrie einen schon auf dem Thumbnail an: OHNE NOTEN!
Als ich das vor Jahren das erste Mal gelesen habe, fand ich das nur bescheuert. Wenn man wirklich Musik macht, spielt man nach Noten. Oder singt man nach Noten. Das war für mich eine Tatsache. Weil ich das auch lange Zeit meines Lebens gemacht habe. Ich fand nie etwas dabei, es war eben einfach normal.
Und ich war auch der Überzeugung, dass das für jeden Menschen so ist. Wenn man ein Instrument lernt, stellt einem der Lehrer oder die Lehrerin Noten auf den Notenständer. Das ist normal. So lernt man ein Instrument. Wenn man in einen Chor kommt, werden einem Noten in die Hand gedrückt, und man singt danach. Normal.
Aber das war vor der YouTube-Ära. Vor der „Tastendrück-Ära“. Vor der „Frei spielen“-Ära. Die hat alles verändert.
Und ich glaube, sie hat auch mir eingeredet – obwohl ich mich lange Zeit dagegen gewehrt habe –, dass das wichtig ist. Dass man frei spielen können muss. Ohne Noten. Dass man improvisieren können muss.
Okay, dachte ich, dann beschäftige ich mich mal damit. Ich lerne ja immer gern dazu. Das Wichtigste, um seinen Kopf am Laufen zu halten, auch wenn man älter wird, ist lebenslanges Lernen. Nicht einzurosten und immer nur dasselbe zu tun.
Somit habe ich also Akkorde gelernt und Akkord-Verbindungen. Aber ich konnte nie so richtig eine Verbindung dazu herstellen. Abgesehen davon war praktisch alles, was mit dem sogenannten freien Spielen zu tun hatte, irgendetwas Richtung Jazz. Anscheinend mögen alle Klavierlehrer, die so etwas unterrichten, Jazz. Es ist anscheinend ein Teil ihres Lebens.
Aber es war nie ein Teil meines Lebens. Ella Fitzgerald und Louis Armstrong – natürlich toll. Ich habe auch mal versucht, etwas von Ella nachzusingen oder etwas von Louis nachzuspielen. Keine Frage, das ist große Kunst, was die gemacht haben.
Nur eben … Es war Teil ihres Lebens. Ella Fitzgerald hat keine Opernarien gesungen und Louis Armstrong hat keine Beethoven-Konzerte gespielt. Sie hatten auch gar kein Bedürfnis, das zu tun.
Ich mag aber Opernarien, habe sogar welche gesungen, doch mit Jazz hatte ich nie etwas am Hut. Er gehört in eine andere musikalische Tradition als die deutsche. Nicht dass man nicht offen für anderes sein soll, aber ich habe lange Zeit gar nicht gewusst, dass es so etwas wie eine Bluestonleiter überhaupt gibt. Und ehrlich gesagt hat mir das auch nicht gefehlt. Man muss das nicht wissen und kann trotzdem ein sehr musikalisches Leben führen.
Nun wurde ich aber von allen Seiten in diese Richtung gedrängt, weil ich improvisieren lernen wollte. Und natürlich fand ich das auch interessant. Einfach so einen Akkord spielen und ein paar Töne dazu klimpern ist ja nun auch tausendmal einfacher, als die Mondscheinsonate zu spielen.
Obwohl ich mich immer unwohl dabei gefühlt habe, ohne Noten zu spielen, habe ich es versucht. Und es geht auch. Mittlerweile kann ich das ganz gut.
Aber es gibt mir eben nicht dieselbe Befriedigung wie beispielsweise Bach zu spielen. Ich kehre immer wieder zu den Klassikern der Klavierliteratur zurück. Wenn überhaupt, möchte ich wie Bach improvisieren können, nicht wie irgendwelche Jazzmusiker. Das ist nicht dasselbe. Es ist Welten voneinander entfernt. Und wo findet man einen Klavierlehrer, der einem beibringt, wie Bach zu improvisieren? Ich habe noch keinen gefunden. Klar, Organisten können das, aber leider gibt es solche Organisten, die das können, hier bei mir auch nicht.
Nachdem ich mich jetzt ans Klavier setzen kann und einfach ein paar Akkordfolgen spielen kann, habe ich eigentlich das Ziel erreicht, das ich erreichen wollte, merke ich. Mich mit den Akkorden und Akkordfolgen zu beschäftigen war der Schlüssel. I-V-VI-IV oder II-V-I sagt mir jetzt etwas. Früher hätte ich nichts damit anfangen können.
Insofern hat es sich gelohnt, sich damit zu beschäftigen, und ich bin ein ganzes Stück weitergekommen auf meiner Klavierreise. Aber gestern habe ich wieder einmal Clementi 36/1 als Beispiel in einem Jazer-Lee-Video gehört, und obwohl das ein sehr einfaches Stück ist, fand ich es spontan so schön, dass ich es hervorgeholt und wieder einmal gespielt habe.
Es ist schon eine Weile her, dass ich die Sonatina gelernt habe, sie wird als ein Stück für Kinder bezeichnet – na ja, für Kinder zu Muzio Clementis Zeiten –, aber ganz so einfach ist sie dann doch nicht, ein bisschen Klavierspielen muss man schon können, um sie spielen zu können.
Mittlerweile kann ich mehr als das, aber trotzdem machen mir solche Stücke immer noch sehr großen Spaß. Sie sind einfach gut komponiert, eingängig, machen gute Laune, machen Spaß, sie zu spielen.
Und ich merke immer mehr, dass das auch genau die Musik ist, die ich spielen möchte. Diese Musik gibt mir das, was ich von Musik erwarte. Jazz ist mal ganz nett, gibt mir aber nicht dieselben wunderbaren Empfindungen, dieselbe wunderbare Befriedigung wie Bach, Mozart, Clementi … wer auch immer.
Somit beende ich jetzt meine Suche nach den Geheimnissen des Improvisierens und kehre zur klassischen Musik zurück, zum Nach-Noten-Spielen, wie ich es schon immer getan habe, wie ich es seit meiner Kindheit kenne.
Ich will doch einfach nur Musik machen. Wenn andere Leute Jazz, Ragtime, Boogie mögen und das lernen möchten – bitte, ich habe bestimmt nichts dagegen. Wenn andere Leute improvisieren möchten und das gut können, applaudiere ich. Ist eine tolle Sache.
Aber offensichtlich nicht für mich. Ich möchte jetzt mal wieder in Ruhe Musik machen und das spielen, was ich mag. Mich nicht in eine Richtung drängen lassen, die andere Leute mögen, die für mich aber nur eine Randerscheinung ist, mit der ich mich nicht den ganzen Tag beschäftigen möchte. Weil sie mir nicht wirklich viel gibt.
Große Genies wie Bach hinterlassen einen Eindruck, den man nicht mehr verwischen kann. Ich bin kein Genie, aber ich mag es, zumindest einen kleinen Funken davon zu erhaschen, wenn ich diese Musik spiele. Ich spüre es in mir und kann den ganzen Tag davon zehren, wenn ich will. Es ist meine Musik.
Etwas anderes anzuschauen ist garantiert kein Fehler, und ich habe eine Menge dadurch gelernt, aber irgendwie habe ich das Gefühl, ich möchte zu meinen Wurzeln zurückkehren.
Ich kann ja trotzdem mal ein paar Akkorde spielen und ein bisschen improvisieren, wenn mir danach ist. Warum nicht? Aber damit möchte ich nicht meine Tage verbringen.
Mal ein bisschen rumwippen nach Jazz, Boogie oder Ragtime – auch mal ganz nett. Aber diese Musik ist in einer Welt entstanden, in der ich nicht lebe, in der ich nicht aufgewachsen bin. Und deshalb sagt mir diese Musik nichts oder nur sehr wenig. Weil ich Musik eben grundsätzlich mag und musikalisch bin.
Bei Bach spüre ich, dass wir etwas gemeinsam haben, bei Jazz spüre ich nur, dass es mal ganz nett ist, wenn man gerade in einer Stimmung ist, zu der vielleicht auch mal ein bisschen Jazz passt. Oder ein Schlager. Oder ein Popsong.
Jazz ist eine winzige Nische in der Musikwelt, und ich möchte mich nicht darauf beschränken. Ich möchte in der ganzen Welt der Musik zu Hause sein.
Als ich das vor Jahren das erste Mal gelesen habe, fand ich das nur bescheuert. Wenn man wirklich Musik macht, spielt man nach Noten. Oder singt man nach Noten. Das war für mich eine Tatsache. Weil ich das auch lange Zeit meines Lebens gemacht habe. Ich fand nie etwas dabei, es war eben einfach normal.
Und ich war auch der Überzeugung, dass das für jeden Menschen so ist. Wenn man ein Instrument lernt, stellt einem der Lehrer oder die Lehrerin Noten auf den Notenständer. Das ist normal. So lernt man ein Instrument. Wenn man in einen Chor kommt, werden einem Noten in die Hand gedrückt, und man singt danach. Normal.
Aber das war vor der YouTube-Ära. Vor der „Tastendrück-Ära“. Vor der „Frei spielen“-Ära. Die hat alles verändert.
Und ich glaube, sie hat auch mir eingeredet – obwohl ich mich lange Zeit dagegen gewehrt habe –, dass das wichtig ist. Dass man frei spielen können muss. Ohne Noten. Dass man improvisieren können muss.
Okay, dachte ich, dann beschäftige ich mich mal damit. Ich lerne ja immer gern dazu. Das Wichtigste, um seinen Kopf am Laufen zu halten, auch wenn man älter wird, ist lebenslanges Lernen. Nicht einzurosten und immer nur dasselbe zu tun.
Somit habe ich also Akkorde gelernt und Akkord-Verbindungen. Aber ich konnte nie so richtig eine Verbindung dazu herstellen. Abgesehen davon war praktisch alles, was mit dem sogenannten freien Spielen zu tun hatte, irgendetwas Richtung Jazz. Anscheinend mögen alle Klavierlehrer, die so etwas unterrichten, Jazz. Es ist anscheinend ein Teil ihres Lebens.
Aber es war nie ein Teil meines Lebens. Ella Fitzgerald und Louis Armstrong – natürlich toll. Ich habe auch mal versucht, etwas von Ella nachzusingen oder etwas von Louis nachzuspielen. Keine Frage, das ist große Kunst, was die gemacht haben.
Nur eben … Es war Teil ihres Lebens. Ella Fitzgerald hat keine Opernarien gesungen und Louis Armstrong hat keine Beethoven-Konzerte gespielt. Sie hatten auch gar kein Bedürfnis, das zu tun.
Ich mag aber Opernarien, habe sogar welche gesungen, doch mit Jazz hatte ich nie etwas am Hut. Er gehört in eine andere musikalische Tradition als die deutsche. Nicht dass man nicht offen für anderes sein soll, aber ich habe lange Zeit gar nicht gewusst, dass es so etwas wie eine Bluestonleiter überhaupt gibt. Und ehrlich gesagt hat mir das auch nicht gefehlt. Man muss das nicht wissen und kann trotzdem ein sehr musikalisches Leben führen.
Nun wurde ich aber von allen Seiten in diese Richtung gedrängt, weil ich improvisieren lernen wollte. Und natürlich fand ich das auch interessant. Einfach so einen Akkord spielen und ein paar Töne dazu klimpern ist ja nun auch tausendmal einfacher, als die Mondscheinsonate zu spielen.
Obwohl ich mich immer unwohl dabei gefühlt habe, ohne Noten zu spielen, habe ich es versucht. Und es geht auch. Mittlerweile kann ich das ganz gut.
Aber es gibt mir eben nicht dieselbe Befriedigung wie beispielsweise Bach zu spielen. Ich kehre immer wieder zu den Klassikern der Klavierliteratur zurück. Wenn überhaupt, möchte ich wie Bach improvisieren können, nicht wie irgendwelche Jazzmusiker. Das ist nicht dasselbe. Es ist Welten voneinander entfernt. Und wo findet man einen Klavierlehrer, der einem beibringt, wie Bach zu improvisieren? Ich habe noch keinen gefunden. Klar, Organisten können das, aber leider gibt es solche Organisten, die das können, hier bei mir auch nicht.
Nachdem ich mich jetzt ans Klavier setzen kann und einfach ein paar Akkordfolgen spielen kann, habe ich eigentlich das Ziel erreicht, das ich erreichen wollte, merke ich. Mich mit den Akkorden und Akkordfolgen zu beschäftigen war der Schlüssel. I-V-VI-IV oder II-V-I sagt mir jetzt etwas. Früher hätte ich nichts damit anfangen können.
Insofern hat es sich gelohnt, sich damit zu beschäftigen, und ich bin ein ganzes Stück weitergekommen auf meiner Klavierreise. Aber gestern habe ich wieder einmal Clementi 36/1 als Beispiel in einem Jazer-Lee-Video gehört, und obwohl das ein sehr einfaches Stück ist, fand ich es spontan so schön, dass ich es hervorgeholt und wieder einmal gespielt habe.
Es ist schon eine Weile her, dass ich die Sonatina gelernt habe, sie wird als ein Stück für Kinder bezeichnet – na ja, für Kinder zu Muzio Clementis Zeiten –, aber ganz so einfach ist sie dann doch nicht, ein bisschen Klavierspielen muss man schon können, um sie spielen zu können.
Mittlerweile kann ich mehr als das, aber trotzdem machen mir solche Stücke immer noch sehr großen Spaß. Sie sind einfach gut komponiert, eingängig, machen gute Laune, machen Spaß, sie zu spielen.
Und ich merke immer mehr, dass das auch genau die Musik ist, die ich spielen möchte. Diese Musik gibt mir das, was ich von Musik erwarte. Jazz ist mal ganz nett, gibt mir aber nicht dieselben wunderbaren Empfindungen, dieselbe wunderbare Befriedigung wie Bach, Mozart, Clementi … wer auch immer.
Somit beende ich jetzt meine Suche nach den Geheimnissen des Improvisierens und kehre zur klassischen Musik zurück, zum Nach-Noten-Spielen, wie ich es schon immer getan habe, wie ich es seit meiner Kindheit kenne.
Ich will doch einfach nur Musik machen. Wenn andere Leute Jazz, Ragtime, Boogie mögen und das lernen möchten – bitte, ich habe bestimmt nichts dagegen. Wenn andere Leute improvisieren möchten und das gut können, applaudiere ich. Ist eine tolle Sache.
Aber offensichtlich nicht für mich. Ich möchte jetzt mal wieder in Ruhe Musik machen und das spielen, was ich mag. Mich nicht in eine Richtung drängen lassen, die andere Leute mögen, die für mich aber nur eine Randerscheinung ist, mit der ich mich nicht den ganzen Tag beschäftigen möchte. Weil sie mir nicht wirklich viel gibt.
Große Genies wie Bach hinterlassen einen Eindruck, den man nicht mehr verwischen kann. Ich bin kein Genie, aber ich mag es, zumindest einen kleinen Funken davon zu erhaschen, wenn ich diese Musik spiele. Ich spüre es in mir und kann den ganzen Tag davon zehren, wenn ich will. Es ist meine Musik.
Etwas anderes anzuschauen ist garantiert kein Fehler, und ich habe eine Menge dadurch gelernt, aber irgendwie habe ich das Gefühl, ich möchte zu meinen Wurzeln zurückkehren.
Ich kann ja trotzdem mal ein paar Akkorde spielen und ein bisschen improvisieren, wenn mir danach ist. Warum nicht? Aber damit möchte ich nicht meine Tage verbringen.
Mal ein bisschen rumwippen nach Jazz, Boogie oder Ragtime – auch mal ganz nett. Aber diese Musik ist in einer Welt entstanden, in der ich nicht lebe, in der ich nicht aufgewachsen bin. Und deshalb sagt mir diese Musik nichts oder nur sehr wenig. Weil ich Musik eben grundsätzlich mag und musikalisch bin.
Bei Bach spüre ich, dass wir etwas gemeinsam haben, bei Jazz spüre ich nur, dass es mal ganz nett ist, wenn man gerade in einer Stimmung ist, zu der vielleicht auch mal ein bisschen Jazz passt. Oder ein Schlager. Oder ein Popsong.
Jazz ist eine winzige Nische in der Musikwelt, und ich möchte mich nicht darauf beschränken. Ich möchte in der ganzen Welt der Musik zu Hause sein.
Zuletzt bearbeitet: