Was ist: DI-Box & Power Attenuator/Soak/Break | Und was hat das mit Kopfhörern zu tun?

Hermes27

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Hallo zusammen :)

Ich bin durch diverse Forenbeiträge auch folgendes gestoßen und verstehe trotz Herstellerbeschreibung die Funktionen und Anwendungsbereiche nicht - vielleicht könnt ihr mir helfen.

Power Attenuatoren scheinen vereinfacht gesagt zu bewirken, dass man seinen Amp schön fett aufdrehen kann (und dadurch das Beste herausholt), aber trotzdem nicht den Hass der Nachbarn auf sich zieht, weil man über den Attenuator die Lautstärke nachträglich regeln kann.

DI-Boxen bewirken.....keine Ahnung. Ich las den Herstellertext und Kommentare, verstehe aber trotzdem nur Bahnhof. Was macht das Teil und wer nutzt es wofür?


Und letztlich: Was haben beide Geräte mit Kopfhörern zu tun? Denn ich stieß auf deren Erwähnungen bei der Suche nach Themen wie "Kopfhörer + Amp".
Aber beide Geräte haben keine dedizierten Kopfhörerausgänge. Hinzu kommen Sätze aus der Bedienungsanleitung wie "Der TAD F.A.N.T.A™ beinhaltet keinen Lastwiderstand. Grundsätzlich muss ein Röhrenverstärker immer mit einer Last oder Lautsprecher betrieben werden, ansonsten können Schäden am Verstärker entstehen."
Denn gerade bei einem Power Attenuator dachte ich mir: Super, dann kann ich in meiner Mietwohnung entweder entsprechend leise (aber trotzdem mit der Power des Amps davor) über den Amp spielen, oder ich schließe einen Kopfhörer an den Attenuator (denn mein Orange Crush 35RT hat zwar so einen dedizierten Kopfhörerausgang und soll wohl dank "Cabinet Simulation" einen guten Sound emulieren, aber soooo begeistert bin ich nicht (Kopfhörer: Sennheiser* DT 770 Pro mit 80 Ohm).

Bin gespannt auf die Antworten. Vielen lieben Dank schonmal im Voraus! :)
 

Ein Attenuator oder Power Soak, zu Deutsch Dämpfungsglied, ist im Kontext von Gitarrenamps, ein Gerät, welches man in den Kabelweg zwischen Amp und Cab hängt. Es macht das Signal um einen bestimmten Faktor, der in Dezibel dB ausgedrückt wird, leiser.
Dies mit dem Ziel, den Amp einerseits ordentlich arbeiten zu lassen, während trotzdem wenig Leistung am Cab ankommt, und dadurch die Lautstärke geringer ist.
Weil dabei im physischen Sinne die Leistung des Amps in Wärme umgewandelt wird, sind diese Attenuators zumeist mit irgendwas ausgestattet, welches die Wärme an die Raumluft irgendwie los wird - also Kühlkörper und Lüfter.
Der eine Gitarrist, den ich kenne, der das TubeDoktor-Teil hat, ist so 90% zufrieden. Er führt das darauf zurück, daß beim leiseren Betrieb seine Lieblings 4x12"er Box halt auch nicht ganz genau so performt, wie wenn sie gepusht wird. Ich dagegen führe es darauf zurück, daß der Gute einfach nicht zufriedenzustellen ist, solange es nicht Schweinslaut zugeht.

D.I.-Boxen,, ganz oberflächlich betrachtet, konvertieren elektrische Signale aus elektrischen Instrumenten - auf eine Weise, daß sie zu dem gewünschte Zielgerät passen (meist ein Mischpult, oder ein Mikrofonpreamp, Audiointerface* oder auch ein Kopfhörerverstärker etc etc).
Dabei geht es meist darum Brummen und Störgeräusche zu vermeiden, und unerwünschte Klangveränderung (dünnen oder dumpfer Sound) vorzubeugen. Die Fachbegriffe, die man dazu googeln könnte wären: Symmetrische Signalübertragung, Impedanzanpassung, galvanische Trennung - für eine Forenantwort zu umfangreich, daher ich zitiere einen namenlosen Professor aus früheren Zeiten: "..dem interessierten Leser zur Eigenrecherche empfohlen"
Achtung - Verwechselungsgefahr: Auch in D.I.-Boxen sind übrigens oft Attenuatoren bzw "PADs" als Funktion üblich - hier geht es aber um viel schwächere Signale als bei den oben genannten Attenuatoren, also sind das auch nur ein paar Widerständchen ohne Kühlmaßnahmen.

Deinen Orange Crush 35RT müsste man vermutlich aufmachen, um einen Attenuator zwischen den darin enthaltenen Verstärkerteil und das Speakerchassis zu kriegen. Dann könnte er, um auf eine Formulierung von Fack ju Goethe zu nutzen: "Leise heulen"
Ob das Mietwohnungstauglich, bin ich unsicher. Selbst wenn das technisch Tipptopp funktioniert, hörst du bei Zimmerlautstärke dann zusätzlich das akustische plingen der Saiten.

Bei den beiden von dir gezeigten Attenuatoren sehe ich nicht, daß man da einen Kopfhörer anschließen könnte - du müsstest also noch eine Speakersimulation (die die Klangeingenschaften eines Cabs nachahmt) hinzunehmen, und dann könnte es was mit dem Sound werden.

Ich würde ja dann sagen, nimm für das Üben zuhause von vorneherein eine Lösung, die die ganze Kette:
Effekte -> einige Bauteile und Regler des Amps AMP -> Effektloop -> weitere Bauteile und Effekte des Amps, Lautsprecher, Raumakustik -> Mikrofon(e)
vollständig simuliert.
Also was einfaches aus der digitalen modeling Ecke. Das muss einem natürlich zusagen, sonst wird man damit nicht glücklich.
 
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  • #3
Vielen lieben Dank für die ausführliche Antwort! Das ist großartig und sehr verständlich. Genial.

Also nutzt man einen Attenuator nicht bei einem Combo-Amp. Weil man es zwischen Amp und Lautsprecher packt.
Und D.I.-Boxen: Signale für Zielgerät umwandeln. Check.

Vielen Dank für die tollen Erklärungen, das hat mir sehr geholfen :)
 

Der eine Gitarrist, den ich kenne, der das TubeDoktor-Teil hat, ist so 90% zufrieden. Er führt das darauf zurück, daß beim leiseren Betrieb seine Lieblings 4x12"er Box halt auch nicht ganz genau so performt, wie wenn sie gepusht wird. Ich dagegen führe es darauf zurück, daß der Gute einfach nicht zufriedenzustellen ist, solange es nicht Schweinslaut zugeht.
Vielleicht ist das TubeDoktor Teil auch nicht das beste am Markt. Echte Lautsprecher haben eine stark frequenzabhängige Impedanzkurve. Die sog. Reactive Loads bilden diese entspr. nach und nähern sich dem Verhalten echter Speaker möglichst nah an. Möglicherweise ist der genannte Attenuator keine solche.
 
Was noch fehlt, als Erklärung was nun wieder speziell an DI-Boxen wie die Fanta ist: Hier ist die Idee, das Line-Signal eines Gitarrenverstärker tatsächlich Mischpult tauglich zu machen, da hier noch der klangformende Einfluss der Box fehlt; bzw. einfach live, ohne Mikrofon ( mit all seinen Problemen) die E-Gitarre* über die PA wiederzugeben. Daher ist in diesen Kistchen eine Klangfilterung eingebaut, die das Frequenzverhalten einer Gitarrenbox emulieren soll. Das ist aber heute nicht mehr Stand der Technik. Digitale Boxen Simulationen klingen heute IMO wesentlich authentischer, weshalb heute hier eher sog. IR-Loader zum Einsatz kommen.
 
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Also nutzt man einen Attenuator nicht bei einem Combo-Amp. Weil man es zwischen Amp und Lautsprecher packt.
es gibt auch Combos, bei denen das problemlos geht:

6108986.webp

Kommt eben drauf an, ob man an das Boxenkabel drankommt...
 
Also nutzt man einen Attenuator nicht bei einem Combo-Amp. Weil man es zwischen Amp und Lautsprecher packt.
Doch, warum nicht, ein Combo hat eine Endstufe und einen über ein Kabel angeschlossenen Speaker (oder auch mal zwei).
Entweder ist die Verbindung wie schon gezeigt über Klinkenbuchse/Klinkenstecker umgesetzt, wo man den Attenuator einfach dazwischenschaltet, oder das Kabel verbindet direkt. Eine entspr. Modifikation, um den Powersoak dann dazwischen zu schalten, ist trivial umzusetzen.
 
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  • #8
Vielen Dank für die weiteren Antworten :)

Interessant, was es alles gibt. Habe wieder etwas Neues gelernt!
 
...wo man den Attenuator einfach dazwischenschaltet, oder das Kabel verbindet direkt. Eine entspr. Modifikation, um den Powersoak dann dazwischen zu schalten, ist trivial umzusetzen.
ganz so trivial auch weder nicht:

preview_1.webp
 
  • #10
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  • #12
Gibt es denn keine Amps, bei denen eine Vorstufe den Sound liefert (mit entsprechender Übersteuerung) und das Signal dann an der Endstufe nur noch auf die gewünschte Lautstärke (Pegel) verstärkt wird ?
 
  • #13
Gibt es denn keine Amps, bei denen eine Vorstufe den Sound liefert (mit entsprechender Übersteuerung) und das Signal dann an der Endstufe nur noch auf die gewünschte Lautstärke (Pegel) verstärkt wird ?
Genügend...u.a. jeder 5150/6505 zählt dazu, auch jeder Mesa Rectifier oder der Marshall* JVM (letzterer bietet u.a. auch das sog. Silent Recording an, man kann dort, bei aktiviertem Standby, auch ohne angeschlossene Box, über den DI Out aufnehmen weil die Vorstufe aktiv bleibt).
 
  • #14
Gibt es denn keine Amps, bei denen eine Vorstufe den Sound liefert ...
Das ist eigentlich das Grundprinzip fast aller Gitarrenamps. Eine Endstufe zu übersteuern - klar, geht auch. Aber der Aufwand, den Sound in der/den Vorstufe/n zu generieren ist weniger aufwändig und man ist hier flexibler im Ergebnis.

Ah, ich sehe: @bluesfreak schrieb's schon.
 
  • #16
Die Dynamik und Rückmeldung von "laut", kann auch kein Powersoak oder sonst was herbeizaubern. Leise, säuselt es halt. Laut, kommt auch was... Da sind dann Kopfhörer IMO die bessere Alternative.
 
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  • #17
Hier klingt es ein wenig an ...

Dabei geht es meist darum Brummen und Störgeräusche zu vermeiden, und unerwünschte Klangveränderung (dünnen oder dumpfer Sound) vorzubeugen. Die Fachbegriffe, die man dazu googeln könnte wären: Symmetrische Signalübertragung, Impedanzanpassung, galvanische Trennung - für eine Forenantwort zu umfangreich, daher ich zitiere einen namenlosen Professor aus früheren Zeiten: "..dem interessierten Leser zur Eigenrecherche empfohlen"

Der technisch entscheidende Punkt ist symmetrisches vs. unsymmetrisches Signal:
  • unsymmetrisch: Signal hin im Innenleiter eines Coaxkabels, zurück über dessen Aussenhülle UND Erdung an einem der Apparate (an zweien wäre nicht gut, s.u. Brummen) (Kabelaufbau: 1 Innenleiter, 1 Außengeflecht)
  • symmetrisch; ZWEI Signalleitungen im Koaxkabel, mir entsprechender Elektronik am Ein- und Ausgang (Signal ist erdfrei)
Die technische Lösung, um von einer Erdverbindung loszukommen (unsym. auf sym.) ODER sie zu ermöglichen (sym. auf unsym.) ist ein Transformator, s.a. Bedienungsanleitung:

1774431911834.png


Siehe auch die technische Namensgebung, denn DI steht für "Direct Injection"

1774432022021.png


DANEBEN kann man (bestimmte) DI-Boxen auch dafür einsetzen, unerwünschte Erdschleifen aufzubrechen: Als Induktionsschleife mit großer Fläche nimmt sie halt gerne Netz-Brummen auf, denn Stromleitungen sind überall. Mitunter haben solceh DI-Boxen auch einen Schalter, um eine Verbindung zur Erde herzustellen oder zu unterbrechen.


Beispiele für unerwartet selbstgebastelte Erdschleifen:
  • wir folgen einem Umlauf auf einem elektrischen (Außen-) leiter
  • Amp, dessen Stromkabel
  • führt in die Wand, und hinter Putz zu einer anderen Steckdose
  • von dort zB in die Stromversorgung eines Vorverstärkers
  • über galvanische (leitende) oder streuende (parisitäre) Verbindungen auf dessen Ausgang
  • über dessen Aussenleiter auf besagten Amp-Eingang
  • über galvanische (leitende) oder streuende (parisitäre) Verbindungen in dessen Netzteil
  • und so endet eine Umrundung einer Leiterschleife mit größer Fläche (also vieel Brummspannung)

Das alleine, die A/Symmetrierung durch den Trafo, ergibt noch keinen besonders merkbaren tonalen Einfluss. Deshalb hat dieses Model noch ein frequenzabhängiges Netzwerk eingebaut - ob simpel oder ausgeknautscht geht daraus leider nicht hervor:

1774432671401.png

(Ein Mix aus Technik und Marketing-Sprech ...)

Fazit:
Ein paar belastbare Gedanken dazu, was man da mit oder ohne DI-Box elektrisch tut und anrichtet, schaden nie ...

Und dazu fehlt wenigstens dieser DI-Boxen ein Schaltplan des elektrischen Innenlebens ...
 
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