Wenn unsauber gespielt trotzdem sauberer klingt

von Strato Incendus, 06.05.16.

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  1. Strato Incendus

    Strato Incendus Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.05.16   #1
    Als ich damals meinen Siebensaiter zum ersten Mal bei meinem Gitarrenlehrer hatte und ihn mal drauf spielen gelassen habe, meinte er, er könne auf Siebensaitern gar nicht spielen, er vertue sich dann immer um eine Saite mit der rechten Hand. Ging aber trotzdem ab wie sonst was auf dem Teil ^^ und für mich waren da keine hörbaren Unsauberkeiten zu erkennen.

    Schon klar, wenn man selber spielt, merkt man die Fehler, die man macht, deutlich mehr als der Zuhörer ;) .

    Später habe ich dann eine meiner eigenen Aufnahmen meinem damaligen Gesangslehrer vorgespielt, der selber auch produziert, und er lobte, wie sauber das gespielt sei, dabei wusste ich von der Aufnahmesession, dass ich an einigen Stellen ziemlich geschlunzt hatte :D .

    Mittlerweile stelle ich mir also die Frage: Besteht beim Schnellerwerden vielleicht ein Teil daraus, dass man anfängt auch dann sauberer zu klingen, wenn man eigentlich unsauber spielt? :)

    Ich merke das vor allem beim Sweepen - da kann ich mitten drin auch mal Töne haben, die ich nicht richtig abgedrückt habe (sodass die Saite nur "ploppt"), aber das Gesamtergebnis klingt trotzdem noch rund und "blubberig", wie man das kennt, wenn man auf dem Halspickup sweept.

    Hängt vielleicht ein Stück weit mit dem Timing zusammen, nach dem Motto "besser ein falscher Ton zum richtigen Zeitpunkt als ein richtiger Ton zum falschen Zeitpunkt", aber so ganz erklärt sich das dadurch auch nicht :/ .

    Habt ihr diesen Effekt auch bei euch beobachtet? ;) Ich merke das vor allem beim Aufnehmen, dann will ich schon den gerade gemachten Take löschen, weil ich mir denke "der war Scheiße", höre ihn mir aber nochmal an und merke dann "och, so unsauber klingt's gar nicht". Dann im ganzen Mix und es fällt gar nicht mehr auf. Und dann stehe ich da und frage mich: War mein Anspruch jetzt zu niedrig, oder sollte ich ergebnis- statt prozessorientiert herangehen wie die meisten Zuhörer und sagen: "Wenn's im Zusammenhang sauber klingt, ist es sauber genug"? :)
     
  2. ginod

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    Erstellt: 06.05.16   #2
    Lieber den Anspruch hoch halten, so kommt man weiter. Klar können öfters mal Laien ;-) ein paar Unsauberkeiten überhören, aber wie du schon sagst, ob Timing stimmt spürt jeder, auch totale Laien, auch wenn sie es nicht benennen können.
    Gibt ja auch Situationen wo Unsauberkeiten auch wenig gewünscht sind. Spruch dreckiges Spiel mit vielen Deadnotes. Aber wenn dann sollte so etwas gewollt gemacht werden und nicht zufällig.

    Mir hat mal jemand gesagt, auch ein Rocker oder Jazzer sollte so üben wie ein klassischer Musiker und zwar jede Skala, jedes Link etc. so zu behandeln als wäre es ein Stück von Bach oder Mozart. Finde eigentlich diese Ansicht nicht verkehrt
     
  3. sonicwarrior

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    Erstellt: 06.05.16   #3
    Es heißt Laien, nicht Leihen. ;)
     
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  4. Strato Incendus

    Strato Incendus Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.05.16   #4
    @ginod : Das soll auch nicht den Anspruch senken, nur der Frustration vorbeugen ;) . Von der erlebt man ja eh beim Üben genug, und wie gesagt, während man selber spielt merkt man meist besser als jeder Zuhörer, ob's unsauber war oder nicht. Selbst wenn es komplett sauber ist merkt man, ob das jetzt ein einmaliger Zufall war oder ob es schon so weit gefestigt ist, dass man es als Können bezeichnen kann.

    Mir geht's jetzt mehr um die Situation beim Aufnehmen ;) - wo man nachher ja selber nur noch Zuhörer ist. Wenn man schon viele Takes gemacht hat gibt es dann irgendwo den Toleranzbereich, wo man's gut sein lässt. Timing ist dabei dann meiner Erfahrung nach deutlich wichtiger als die Frage, ob jeder Ton im auf 170 gesweepten Arpeggio sauber gegriffen war. ;)

    Ich weiß nicht, wie das bei euch ist, aber bei mir scheint es so etwas wie "Aufnahmenervosität" zu geben: Ich stehe vor dem Aufnahme-Rechner, spiele einen schwierigen Part nochmal durch und er klappt. Dann auf REC gedrückt, mit ein bisschen Vorlauf natürlich, dann kommt die Stelle und geht wieder daneben. :D

    Ist nicht nur bei der Gitarre und dem Thema Geschwindigkeit so, sondern auch beim Gesang, da dann mit dem Thema "Farbe" oder "Tonhöhe". :D

    Live hingegen, wo die meisten Leute ja nervöser sind, habe ich meiner Erinnerung nach deutlich weniger Sachen verhauen. Aber beim Aufnehmen macht man natürlich auch mehr Experimente, live spielt man dann ja auch teilweise wieder die ollen Kamellen, die man noch viele Jahre länger geübt hat. Und live sind solche kleinen Fehler auch erfahrungsgemäß deutlich egaler als auf einer Aufnahme, wo man's immer wieder nachhören kann :p .
     
  5. sonicwarrior

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    Erstellt: 06.05.16   #5
    Bugfix: Einfach alles aufnehmen. Machen einige Produzenten besonders bei Vocals so, weil viele Sänger/innen vor der "offiziellen" Aufnahme lockerer sind.
     
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  6. Strato Incendus

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    Erstellt: 06.05.16   #6
    Mein Trick ist so ähnlich, ich lasse die Aufnahme laufen und spiele die schwierige Stelle mehrfach hintereinander (auch an Orten, wo sie nachher nicht hingehört, fange einfach immer wieder auf derselben Zählzeit an). Und dann nachher einfach den besten Take nehmen und an die entsprechende Stelle schieben :) .

    Ist das jetzt schon geschummelt? :D Man hat dann ja gezeigt, dass man's eigentlich kann, wenn man sich nicht jeck macht.

    Das wäre sowieso mal eine interessante andere Diskussion: Ab wo fängt Schummeln an? Beim Schneiden? Beim Equalizing? Bei der Tatsache, dass man Instrumente nacheinander und nicht die ganze Band gleichzeitig aufnimmt? :D

    Nur letzteres wäre ja "komplett authentisch": Alle zusammen, ein Take. Das ist dann aber eine Liveaufnahme, keine Studioaufnahme nach heutigen Standards. :D
     
  7. MOB

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    Erstellt: 06.05.16   #7
    ja, ist geschummelt. wenn du den song mal live spielst, hast du auch nur einen versuch... :D

    was ich persönlich gar nicht leiden kann beim aufnehmen, ist eigentlich genau das von dir beschriebene :p einzelne parts immer wieder spielen und dann den besten take nehmen, oder auch die parts nach dem aufnehmen zu verschieben. das mag vom ergebnis zwar richtig gut werden, aber ich geh immer davon aus, die songs auch live zu spielen und da funktioniert das nicht mehr.

    wenn ich selber aufnehme, achte ich auch darauf alles an einem stück einzuspielen. ich mag dieses part für part einspielen überhaupt nicht. ausnahme sind soundwechsel und wenn der song wo ne pause hat. dann brech ich da auch gerne ab und spiele das danach folgende extra ein, aber sonst eine spur = eine durchgehende stimme. gut, soli liegen auch mal mehrere auf einer spur, aber die soli ansich werden am stück gespielt. wenn nicht, hört man das auch deutlich raus. sei es durch eine leichte l/r anordnung oder einem anderen sound.

    gruß
     
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  8. Strato Incendus

    Strato Incendus Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.05.16   #8
    Ja, so ist das... die einen sind zu faul zum Üben, die anderen zu faul mehrere Takes aufzunehmen und zu editieren :p .

    Klar kann ich die Tontechniker verstehen, die wütend sind, wenn Musiker schlecht spielen und dann von ihnen erwarten, das wieder gerade zu biegen - aber dieses Verständnis rührt daher, dass ich in dem Fall ja selbst der Tonmann bin. Wenn ich einen Part schlechter spiele, muss ich eben nachher mehr Editieren; die Summe des hineingesteckten Aufwands bleibt gleich :) .

    Was ich oft mache ist mehrmals das ganze Lied am Stück spielen und dann die besten Parts zusammenfügen. Gerade am Schlagzeug empfiehlt sich das, da habe ich keine Lust zwischendurch immer wieder aufzuspringen und zum Rechner zurückzurennen. ;)

    Das habe ich früher auch versucht... da stellt man sich voll motiviert ans Mikro, singt den Song am Stück durch und merkt dann nachher, dass irgendwo 'ne Übersteuerung drin war. Hurra! XD

    Nee, im Ernst, ganze Songs am Stück aufzunehmen ist an so vielen Stellen anfällig für Fehler, die nichts mit deiner Spielleistung zu tun haben. Bei mir passiert es z.B. ab und an mal, dass Logic behauptet, nicht alle Spuren gleichzeitig abspielen zu können (trotz Freezing etc.), weil meine Arrangements recht "dicht" sind - und viele der Songs auch recht lang. Wenn das mitten in deinem "Once in a Lifetime"-Take passiert, freut man sich aber ^^.

    Wenn du die Maxime "an einem Stück durchspielen" wirklich konsequent verfolgst, wie oft pro Song kommt es dann vor, dass du einen größtenteils guten Take komplett wegwerfen musst, weil du an einer Stelle mal einen Ton verhauen hast? ;)

    Wie arrangierst du deine Gitarren, wenn es genau so auch live funktionieren soll? Doppelte Rhythmusgitarren + zwei- oder auch einstimmiges Solo drüber geht schon nicht mit den handelsüblichen zwei Gitarristen pro Band. :)

    Was ist, wenn du live gleichzeitig singst und ein Instrument spielst? Nimmst du die im Studio dann auch gleichzeitig auf? Über den Bleed-Effekt der Akustikgitarre auf dem Gesangsmikro freut man sich doch garantiert! ;)

    Und auch als "reiner" Sänger teilt man sich, wenn man weiß, dass man mehrere Konzerte auf einer Tour spielen muss, seine Kraft anders ein als auf einer einmaligen Aufnahme, wo man dann "alles gibt" (=bedeutet für Sänger oft "mehr Belten", weil's halt spektakulärer klingt und man leicht in dieses alte Muster zurückverfällt, wenn man "in dem Moment" ist). Wenn man aber auf jedem Konzert der Tour dann genauso "alles gibt", ist man nach den ersten paar Gigs durch. Da kann es ökonomischer sein, über die Konzerte hinweg leichtmassiger zu singen. Die 20% weniger fallen dann live nicht wirklich auf und man hat sich seine Kraft eingeteilt; im Studio hingegen würde das vielleicht dann schwach klingen.

    Ich verspiel mich aber wie bereits erwähnt beim Aufnehmen auch wesentlich häufiger als live ;) . Das heißt nicht, dass live alles perfekt ist, der Anspruch ist einfach ein anderer. Stimmung zu machen und die Leute zu unterhalten macht einen so großen Teil davon aus, ob die Leute einen Auftritt als gelungen wahrnehmen, der einzelne geschlunzte Part, selbst wenn er jemandem auffällt, ist kurz danach wieder in Vergessenheit geraten und keiner kann es mehr überprüfen. Im Studio ist es wiederum egal, ob man beim Spielen noch headbangen oder der Drummer seine Sticks in den Fingern wirbeln kann.

    Was mich zurückführt zur Aussage "Früher waren Studioaufnahmen auch Liveaufnahmen". Klar, da mussten alle zusammen am Stück spielen und ihren Part hinbekommen, Schneiden war nicht. Und jetzt berücksichtigt mal den Sound von damals ;) . Ich habe vor ein paar Tagen nochmal Meat Loafs "Bat out of Hell" gehört. Im Vergleich zu heutigen Aufnahmen ist die Bassdrum viel weiter im Hintergrund, der Gitarrensound dumpfer und die einzelnen Instrumente insgesamt wirken räumlich näher beieinander. In so einem Mix gehen kleine Fehlerchen einfach viel leichter unter als in dem fein aufgedröselten, was man heute so hört ;) .
     
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  9. MOB

    MOB Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.05.16   #9
    zu oft... :D

    geb auch zu, daß mich das dann selber oft ärgert. aber das ändert trotzdem nicht den anspruch, den ich an mich selber habe. etwas gemildert wird das dadurch, daß sich bei mir ein "guter" take nicht großartig von einem "schlechten" unterscheidet. also von offensichtlichen spielfehlern mal abgesehen. wenn bei mir ein song mal so weit ist, daß ich mich ans aufnehmen mach, dann ist der von spielerischen auch so weit gefestigt, daß ich ihn praktisch im schlaf spielen kann, und somit die qualität des spiels auch bei mehreren takes nahezu gleich ist. ich mein wirklich "krasse" spielfehler. z.b. passierts mir ab und zu, daß mir einfach die saite unterm finger weg rutscht. hört sich natürlich net so toll an, oder daß ich bei einem slide nicht genau den bund treffe, zu dem ich eigentlich wollte. das sind konzentrationsfehler, die man aber nichts desto trotz natürlich hört. oder daß irgendwie ne leersaite mitschwinkt - au net schön.

    bei soli hab ich es aber auch schon gemacht, daß ich ganz bewußt fehler so gelassen habe, wie sie sind, weil einfach das feeling vom rest des solos pefekt passt. das aber auch nur bei voll improvisierten soli. bei durchkomponierten wieder so, wie eben beschrieben.


    den einzigen kompromis, den ich bei einer aufnahme eingehe ist, daß permanent 2 rhytmusgitarren durchlaufen. das läßt sich so natürlich nicht live umsetzen. die mehrstimmigen soli, die ich sehr gerne verwende sind meist in einem festen intervall, so daß ich das mit effekten ausgleichen kann. bei wirklich 2 stimmigen soli mit unterschiedlicher melodie muß live der bass dann die rhythmusgitarren ersetzen. geht, wenn der basser bissl was drauf hat ;)

    kein kommentar. singe nicht und werds in diesem leben au nimmer anfangen. folter is verboten... :D

    ---

    diese einstellung meinerseits kommt vor allem daher, daß ich persönlich diese "studiobands" nicht sonderlich mag. wenn ich zwischen aufnahme und live darbietung einen zu großen unterschied höre, passt da mmn etwas nicht. solche bands sollten sich dann überlegen, was sie eigentlich wollen. es ist ja vom prinzip her nichts gegen einzuwenden die möglichkeiten eines studios bis zum letzten auszureizen, aber ich sollte mich dann auch darum kümmern das live so umsetzen zu können oder es zumindest so umzuschreiben, daß es live ohne qualitätseinbuße darzubieten ist. aber genau das klappt dann eben oftmals nicht. da muß man sich dann halt die frage stellen, ob man das live umsetzen kann, wenn man denn live spielen möchte. im zweifel würde ich persönlich es dann lassen, weil ich es durchaus als eine art "verarsche" des publikums empfinde.

    hat man jetzt für teures geld ein studio angemietet, halte ich es auch durchaus für legitim zu schnipseln oder mit overdubs innerhalb einer spur zur fehlerkorrektur zu arbeiten. zeit ist geld und studios sind alles andere als billig. von daher keine einwände meinerseits. aber wenn ich zu hause aufnehme zählt das nicht. da hab ich in der regel alle zeit der welt oder aber zumindest so viel, wie ich für richtig halte. da muß man eben dann nicht mehr bescheißen, was letztendlich ja auch dem eigenen spiel zu gute kommt. spiel ich z.b. 10 mal das gleiche ein, ist das ja auch irgendwo ne ganz gute übung, oder ? :D

    ich z.b. muß auch zu hause permanent mit overdubs arbeiten. ich bin ne ein mann band. ich kann net 2 gitarren, bass und schlagzeug gleichzeitig spielen. bin leider kein alien oder mutant... :D trotzdem habe ich beim aufnehmen immer die livesituation im hinterkopf, weil wirklich aufgegeben habe ich die hoffnung noch nicht, daß ich irgendwann evtl doch geeignete musiker finde, die mit mir zusammen auf der bühne stehen und meine songs spielen wollen.

    gruß
     
  10. Waljakov

    Waljakov Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.05.16   #10
    Das würde ich so nicht unterschreiben. Oft ist auch genau das Gegenteil der Fall.

    Es kommt, wie ich finde, mehr auf die Erfahrung des Zuhörers an.
    Als ich angefangen habe, zu klampfen, hab ich mir bei manchen Stücken bei Youtube gedacht »Mega geil, so will ich das auch mal spielen können«. Wenn ich mir das selbe Video heute nochmal anschaue, bemerke ich viele Unsauberheiten und Passagen, die mir nicht gefallen.
    Das kannst du auch an dir selbst testen. Nimm mal ein Stück auf, bei dem du anschließend der Meinung bist, es wäre sauber und höre dir die Aufnahme dann in 2 Jahren nochmal an :D
     
  11. Strato Incendus

    Strato Incendus Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.05.16   #11
    Das habe ich schon gemacht, die klingen größtenteils auch heute noch sauber. Also im Songzusammenhang. Wenn man die Spur solo schaltet sieht's anders aus :D . Das war aber damals beim Aufnehmen dann wieder nicht anders. Wenn man eine Spur solo schaltet, hat man ja auch noch das Hintergrundrauschen vom Amp mit dabei (ich mache beim Solospiel mein Noise Gate immer aus, damit weder Sustain noch leisere Delay-Wiederholungen abgeschnitten werden). Und die Gitarre wird mehr Mitten haben, als wenn man alleine spielt, sie soll sich ja im Mix durchsetzen.

    Ich habe das auch in der Probe schon erlebt: Hatte viele Mitten, damit ich im Bandzusammenhang gut zu hören war, klang im Zusammenhang auch gut. Dann hieß es "Zeig doch mal gerade, was du an Stelle XY spielst" und auf einmal klingt es den Leuten zu aggressiv :D . Da hätte scooped wieder besser geklungen, aber das setzt sich halt wiederum schlechter durch. Kurzum: Solo-geschaltete Instrumente sind nicht repräsentativ für den Gesamtsound.

    Ich denke, das kommt auch darauf an, wie groß die eigene "Bubble" ist. Wenn man "nur" Gitarre spielt, achtet man bei jedem Song vermutlich auch mehr auf die Gitarre. Ich habe von der Gitarre aus angefangen, mittlerweile hat es sich aber auch bei mir zur Ein-Mann-Band entwickelt.

    Mein persönliches Fazit soweit ist, dass Fehler vor allem bei Schlagzeug und Gesang auffallen. Wobei beim Gesang primär die Tonhöhe und Stimmfarbe entscheidend sind, rhythmische Präzision ist beim Gesang oft eher noch vernachlässigbar, wenn wir jetzt nicht gerade von Rap oder ähnlich "abgehackt-tightem" Gesang reden. Viele Sänger treiben, das heißt zwar nicht, dass das gut ist, aber man hat sich beim Gesang am ehesten dran gewöhnt (ich bewundere immer wieder, wie bei Meat Loaf der Rest der Band es schafft, sich komplett nach der Phrasierung des Frontmanns zu richten ^^). Für die Background Vocals ist das jedoch anders, die müssen auch zeitlich perfekt zusammensein, damit sie den Eindruck eines gemeinsamen "Klangteppichs" erzeugen (wie bei einem Vocoder).

    Und das Schlagzeug kann natürlich gar nicht präzise genug sein. Wenn das perfekt auf die Zählzeiten spielt, können die anderen Instrumente auch leicht daneben liegen, das Schlagzeug bildet ja das rhythmische "Gravitationszentrum", das alle anderen in der Nähe liegenden Töne ein Stück weit "anzieht", sodass man sie dazugehörig wahrnimmt.

    Die Gitarre hingegen gehört meiner Erfahrung nach zu den Instrumenten, auf denen man Fehler am besten verschleiern kann (Vielleicht ist das der Grund, warum wir als Gitarristen so schnell bejubelt werden? :p ). Auf Aufnahmen passiert das nicht zuletzt durch die Dopplungen der Rhythmusgitarren, die leben ja gerade davon, dass sie NICHT 100%ig identisch sind. Und wenn man, wie im Metal üblich, auch Leadgitarren doppelt (in dem Fall dann meist zweistimmig oder zumindest oktaviert), verschleiern die auch gegenseitig ihre Unsauberkeiten ein wenig.

    Es gibt natürlich auch Fehler, die sich nicht gegenseitig verschleiern, sondern addieren oder sogar potentieren, das passiert aber im Grunde nur dann, wenn die Fehler in verschiedene Richtungen gehen. Ein Ton ein bisschen zu hoch, der andere ein bisschen zu tief und schon wird aus einer Terz eine Quarte :D . Hat man aber z.B. ein Floyd Rose und macht einen Unisono-Bend - dann sind beide Töne zusammen ein bisschen zu tief, d.h. der Fehler geht in dieselbe Richtung - ist das weniger dramatisch.

    Für Timing gilt das gleiche: Hi-Hat bisschen zu früh, Snare bisschen zu spät = Flam (klingt kacke). Wenn beide Schläge zusammen sind, aber zusammen kurz vor oder kurz nach der 2, kommt man damit durch ;) .

    Wenn @MOB auch in einer "Ein-Mann-Band" spielt, kennt er ja das Problem: Wie viel Aufmerksamkeit verwendet man auf das Üben welches Instruments? ;) Ich übe im Moment viel mehr Schlagzeug und Gesang (aus oben erwähnten Gründen), die Gitarre spiele ich teilweise direkt vom Blatt ein :D. Ist auch finde ich nichts Schändliches bei :D , Nightwish haben berichtet, wie sie ihr Orchester aufgenommen haben: Aufnahme beginnt um 10 - Orchester erscheint um 9.45 Uhr. Die gucken sich ihre Noten kurz an und spielen dann, als hätten sie ewig lange geübt.

    Ich spiele meinen Kram zwar nach Tabs, weil der Fingersatz bekanntlich entscheidend ist, aber generell die Kompetenz zu trainieren, etwas, was man noch nie zuvor gespielt hat, auf Anhieb umsetzen zu können, ist ja auch nicht verkehrt ;) .

    Für Rhythmusgitarren ist das meist gar kein Problem, und viele Lead-Geschichten kriege ich auch schnell hin, nur bei schnellen Läufen muss man eben gucken. Wenn die auf Tonleitern basieren ist meist kein separates Üben nötig, denn die hat man ja schon drin.

    Was ich mal wieder mehr üben sollte ist Sweepen, und damit meine ich andere Fingersätze als die Standarddinger auf Am- und Em-Basis, die meist mehr oder weniger flüssig klappen :D . Das wird sich aber voraussichtlich lohnen, es gibt genug Soli, die "stumpfsinnig" aus dem Rauf- und Runtersweepen solcher Standard-Arpeggien bestehen, und die muss man dann später nicht mehr separat üben, sondern spult das einfach ab.

    Es soll ja sogar Leute geben, für die ist Improvisieren nichts anderes als das spontane Kombinieren zuvor bereits gelernter Licks. ;) So weit würde ich nicht gehen, ich spiele oft dann auch komplett frei drauf los oder orientiere mich lieber an der gerade vorliegenden Gesangsmelodie.
     
  12. ginod

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    Erstellt: 06.05.16   #12
    Bei Aufnahmen habe ich eine 3 Takes Regel. Ich mache 3 Takes, wenn die alle nichts sind, muss ich erst nochmal üben und lass es sein. Wenn ich z.B. ein Solo einspiele, und es ist nach 3 Takes nichts bei raus gekommen, lass ich es sein oder schlaf eine Nacht drüber und höre dann nochmal rein. Ein Besitzer eines Tonstudios hat mir mal gesagt - "Musik muss eine Momentaufnahme bleiben".
     
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  13. Strato Incendus

    Strato Incendus Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.05.16   #13
    Das kenne ich, ist bei mir ähnlich ;) . Manchmal passiert es dann aber, dass ich, wenn ich am nächsten Tag reinhöre, denke "Och, war doch gar nicht so schlecht, wie du es in Erinnerung hattest". Und dann weiß ich nicht, habe ich jetzt meinen Anspruch herunter geschraubt bzw. es mir schön gehört, oder war ich am Vortag zu kritisch mit mir selbst? :p Kann man auch generell nicht beantworten denke ich, entscheided sich von Aufnahme zu Aufnahme.
     
  14. musiker01

    musiker01 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.05.16   #14
    Ich kann meine eigenen Sachen leider nicht wertfrei hören. Immer wieder fallen mir, auch nach Monaten und Jahren, wieder neue "Unsauberkeiten" auf.

    Höre ich Aufnahmen anderer Musiker, falken mitr Unsauberkeiten entweder nicht auf -weil ich eben nicht weiss WAS derjenige evtl eigentlich einspielen wollte- oder machen gar den "Charme" der Aufnahme aus.
     
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  15. Strato Incendus

    Strato Incendus Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.05.16   #15
    Das geht mir auch so und das scheint mir auch die gesündeste Einstellung ;) . Wie meinte mein Gesangslehrer: "Wenn du ein guter Musiker bist, bist du zu kritisch mit dir selbst." ^^

    Manchmal kann man sich aber eben auch was schön hören. Was mich dann dazu treibt, noch selbstkritischer zu werden... Frustration ist vorbestimmt :D .
     
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  16. Kluson

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    Erstellt: 28.07.16   #16
    finde ich gar nicht. Das ist ein ganz normaler Studio Prozess. Zugegeben, heute ist es noch einfacher als früher als man noch Tapes schneiden musst, aber damals wurde auch so viele Takes aufgenommen, bis es gepasst hat oder auch schon per drop-in ein Solo in verschiedene Abschnitte geteilt.

    Und ja - wenn man das dann live spielen möchte, sollte man es können, aber "live" ist vergänglich, Recording nicht. Einmal aufgenommen bleibt es für immer, deswegen ist es nur legitim, dass man es so gut und oft machen will, bis es passt - ob live mal was daneben geht, interessiert 20 Sekunden später niemand mehr.

    btw - laut Van Halen gibt es in deren Recordings auch haufenweise Fehler, sie wurden aber drin gelassen. Ist eben RocknRoll - wobei auf diesem Level hört man es eh kaum richtig raus, wenn man nicht weiß, an wecher Stelle man hören soll.

    Timing Fehler finde ich schlimmer als Ton Fehler - wobei es auch auf den Ton ankommt :-) Außerdem ist auch die Frage was zum Fehlerzeitpunkt noch alles im Song passiert. Manchmal hört man es gar nicht.

    UND

    Der größte Teil der Zuhörer gehört nicht zur Musikerpolizei - die hören das sowieso nicht so kritisch, genauso wenig, ob eine Gitarre von 59 einen MINItick runder klingt als eine Gitarre von 2015 ... das ganze Voodoo ist den meisten Zuhörern echt egal. Da geht es um Groove und Melodie, der Rest ist dann fast "egal"
     
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