Wie Akkorde, die ich schon ewig spiele, identifizieren und benennen?

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Angeregt durch einen anderen Thread irgendwo hier nebenan:
Ich spiele schon lange Gitarre und wenn ich mir bei Songs spartanisch Akkord über Text notiere reicht mir das eigentlich immer. Ich habe bei Cover-Songs nie versucht, alles bis ins kleinste Detail nachzuspielen.
Bei mir stehen dann Dur-, Moll- und Septimakkorde. Notiert als A, Am, A7 oder schon mal Am7. Mehr habe ich beim Notieren nicht drauf. Ich spiele aber eine Menge mehr Akkorde ohne zu wissen, wie sie heissen. Zitat (nur als Beispiel) aus dem anderen Thread: Dsus4add9 (no5). Vielleicht spiele ich den, vielleicht nicht.

In der letzten Zeit habe ich endlich von den Bergen von Fotokopien Abschied genommen und etwa 600 Songs auf z.T. abenteuerliche Art im Programm SongbookPro aufs iPad geladen. Eine Befreiung! Da stehen dann (im Format song.pro) genau wie mir das passt die Akkorde über dem Text. Viele davon kann ich aber nicht identifizieren, obwohl ich sie vermutlich schon ewig spiele.

Meine Frage ist also: Wie kriege ich raus, wie die Akkorde heissen, die ich spiele?
Und welche das sind, die ich sehe?
Gibt es irgendwo eine einfache Auflistung von Benennungen?
 
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Und schon kommen die Antworten auf meine beiden Fragen.
Dafür vielen Dank!

Nachtrag: So simple Akkorde, so lange furchterregende Namen (wie Dsus4add9)!
 
 
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Nachtrag: So simple Akkorde, so lange furchterregende Namen (wie Dsus4add9)!

Das ist ja der 'Trick': Das ist kein arbiträrer Name ("das ist kolumpatisch in D"), sondern eine Strukturbeschreibung.
sus4 => die Terz wird nicht gespielt, sondern die Quarte
add9 => die 9 kommt hinzu ohne(!) die 7
Das sind ein paar Strukturelemente, die man lernen und hören muss. Und dann setzt man sie zusammen.

(An der Akkordtheke: "Darfs heute etwas mehr sein? Wir haben noch #11 im Angebot ...")

Grüße
Omega Minus
 
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Damit behelfe ich mir auch mal, wenn es schnell gehen soll und mir nicht sicher bin.

Da ich aber aus einem anderen Thread entnehme, dass Du, @ci-siamo auch angefangen hast, Songs zu schreiben, rate ich dazu, Dich ein wenig mit Harmonielehre zu beschäftigen. Wenn man weiß, wie Akkorde aufgebaut sind, wo die Halb- und Ganztonschritte eines Moll- oder Dur-Akkords liegen, dann kann man sich aus den Tönen, die man spielt auch den Akkord herleiten (vorausgesetzt man kennt die Tön auf seinem Griffbrett und kann sie benennen - oder zumindest bestimmen).

Ich sage nur: Die 22 EUR für dieses Buch sind gut angelegt.
 
Noch ein Tip dazu: Harmonielehre endlich verstehen. Von Wolfgang Meffert.
Wirklich bei den Basics angefangen und auch ein eher dünnes Heftchen für den Einstieg.

Auch sehr verständlich gemacht: In Vivo Guitar, von Abi von Reininghaus. Irgendwie auch schon ein Klassiker.
"How to write Songs on Guitar" von Rikky Rooksby ist auch ganz interessant wenn es konkreter um Songwriting geht.
Auch ganz nett, wie er da z.B. bekannte Songs als Beispiele verarbeitet.

Aber es ist schon mehr als hilfreich die gänigsten Akkorde über das ganze Griffbrett kennen und deren Aufbau grundsätzlich zu verstehen.

Viele der zahlreichen Software-Tools scheitern bei etwas komplexeren Akkorden immer noch relativ kläglich bei der akustischen Erkennung. Zumindest "noch". Das geht ja alles recht rasant voran zur Zeit.
 
Es gibt ein Regelwerk. Ich habe Videos von Koriphäen gesehen, die stolz darauf sind JEDE Sammlung von Tönen einem Akkordnamen zuweisen zu können. Sie sehen beliebige Töne notiert und nach kurzem Überlegen hiess es das ist xyz oder abc je nach Kontext und Inversion.

Andererseits fand ich das wenig hilfreich beim Spiel. Ich spiele ein C-Dur und haue ein paar Embellishments rein. Habe ich dann C-Dur plus irgendetwas gespielt oder eine abenteuerliche Folge von Akkorden im 16tel Takt?

Selbst Jazzgitarristen scheinen einfach grob die Akkord-Idee zu skizzieren unter der ein Takt gespielt werden soll und überlassen die Details den Noten/Tab.

Sicherlich interessante intellektuelle Übung wenn man alle seine Baustellen perfekt im Griff hat und nach neuen Herausforderung sucht aber ich persönlich würde das eher nebenbei in Form von Learning by Doing diese Fähigkeit tröpfchenweise aufsaugen.
 
Es gibt ein Regelwerk.
Den Ehrgeiz, alle Regeln zu begreifen habe ich garnicht.
Sicherlich interessante intellektuelle Übung wenn man alle seine Baustellen perfekt im Griff hat und nach neuen Herausforderung sucht aber ich persönlich würde das eher nebenbei in Form von Learning by Doing diese Fähigkeit tröpfchenweise aufsaugen.
So halte ich das auch. Bei nicht allzu komplexen Songs, die ich nicht kenne, kann ich die Akkorde raushören und aufschreiben. Oder gleich mitspielen. Wenn ich auf eine Bezeichnung stosse wie die oben erwähnte, kenne ich den Grundakkord, weiss aber nicht, was etwa
sus4 => die Terz wird nicht gespielt, sondern die Quarte
add9 => die 9 kommt hinzu ohne(!) die 7
bedeuten.
Eigentlich sind meine Fragen beantwortet, also nochmal danke.
 
Den Ehrgeiz, alle Regeln zu begreifen habe ich garnicht.

Aber du möchtest die Akkorde, die du spielst, benennen. Am genannten Tool ChordNamer siehst du aber, dass da teilweise furchterregende Resultate bei rauskommen, die spieltechnisch wenig helfen (gerade ausprobiert: "F#7b13b11sus2/A#").

Die Lösung liegt im Konzept einer Tonart (was eben bei ChordNamer nicht beachtet wird). Den meisten Songs liegt eine Tonart zugrunde, d.h. eine Hierarchie, welche Akkorde in welchem Ausmaß als spannungsvoll betrachtet werden. Dieses Hierarchiesystem beherrscht jeder Musikhörer in unserem Kulturkreis mindestens unterbewusst. Sonst würden wir Harmonien nicht als so spannend empfinden. Als Musiker lohnt es sich halt, sich diese unterbewussten Prägungen zumindest in Teilen klar und bewusst zu machen. Am besten auch mit Begriffen.

"Alle Regeln begreifen" ist nicht das Ziel und auch letztlich unmöglich. Aber man kann sich klar machen, welche Spannung welcher Akkord üblicherweise in fremden und in eigenen Songs hat. Die Benennung, Komplexität und Schreibweise dieses Akkords richtet sich dann nach dessen "spannungstechnischer" Einordnung. Da wird man viele Üblichkeiten und Regeln entdecken und kann dann denen folgen, die man fürs eigene Musikmachen als hilfreich ansieht.
 
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Zumindest im Gitarrenkontext sind die Regeln nicht zu schwer. Dur, Moll, Sus2, Sus4, Dim, Aug, Power, Slash, 6 und 7 Variationen, Add, Altered deckt das meiste gut ab.

Hilfreich für Verständnis fand ich ein MIDI Keyboard. Da liegen die Töne schön aufgereiht nebeneinander statt wie bei der Gitarre verwirrend durcheinander. Dann nimmt man vier Finger und geht alle möglichen Postionen wo die vier Finger abgelegt werden können durch und dann weiss man woher auch die Namen kommen.

Sie zu hören und auf der Gitarre spielen zu können ist natürlich wieder ein anderes Thema...
 
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Den meisten Songs liegt eine Tonart zugrunde, d.h. eine Hierarchie, welche Akkorde in welchem Ausmaß als spannungsvoll betrachtet werden. Dieses Hierarchiesystem beherrscht jeder Musikhörer in unserem Kulturkreis mindestens unterbewusst.

Das ist so die zentrale Idee tonaler Musik. Meine derzeitige Standardempfehlung:


View: https://www.youtube.com/watch?v=3tuQrKWLCKc

BTW: Die Durtonleiter ist ja auch nicht in der DNA codiert, wir erwarben sie qua Sozialistion mit der Musik, die uns umgibt.

Grüße
Omega Minus
 
Den Ehrgeiz, alle Regeln zu begreifen habe ich garnicht.
Hallo @ci-siamo

"Alle" Regeln brauchst du dafür doch gar nicht, ich würde auch nicht unbedingt von "Regeln" sprechen, sondern von Grundlagen.
Wie kriege ich raus, wie die Akkorde heissen, die ich spiele?
Was ist den schon da?
Kannst du mit dem Begriff "Terzschichtung" was anfangen?
Und die anderen Intervalle muss man wohl oder übel auch lernen, wenn man nicht weiß, was eine Septime ist wirds wohl schwer, sie in einem 7er-Akkord zu finden. Aber das ist ja doch recht endlich.

Zuerst mal die Oktave, die ist insofern leicht, weil man dazu nur wissen muss: Ist derselbe Ton. Die Oktave eines E ist ein E. Es gibt dann noch die genauere Unterscheidung mit E, e, e', e'',.... die braucht dich derweil aber nicht interessieren. Alleine das ist schon eine nette Übung, ausgehend von den Tönen der E- und A Saite (die können die meisten ja doch recht schnell in- und auswendig weil da die Grundtöne der Barree Akkorde sitzen) diese "das Griffbrett hinauf zu denken".

Mit großer + kleiner Terz und der daraus resultierenden Quinte kriegt man schonmal alle Durakkorde, umgekehrt mit kleiner + großer Terz die Mollakkorde. Alleine das sich bei den "normalen" Dur/Mollakkorden bewusst zu machen und zu verinnerlichen, welcher Ton da welcher ist und wie diese Intervalle am Griffbrett aussehen können (da gibt's ja jeweils auch nicht so viele Möglichkeiten) sowie die in den Akkorden, die man schon kann zu suchen ist man wohl am Anfang gut beschäftigt, aber eine never ending Story ist das nicht, bissl aktiv lernen und denken muss man aber schon.
Da man sich dabei am besten gleich auch mit Stufenakkorden beschäftigen sollte wird man zwangsläufig auch schon mit dem verminderten Dreiklang Bekanntschaft machen, der besteht aus 2 kleinen Terzen, das ergibt sich sowohl bei der Dur- als auch der Molltonleiter jeweils über einem ihrer Töne und ist beim nächsten Intervall, der verminderten Quinte - wenn gr + kl Terz eine Quinte ergeben ergibt kl + kl Terz logischerweise etwas anderes.
Jedenfalls, genau bis hierher musst du mal durchblicken bevor du über Sus/7er/9er/add/... Geschichten nachdenkst.



Weil ab dann wirds finde ich recht logisch, weil man das dann als Adaption, Umkehrung oder Erweiterung des Vorherigen begreifen kann - man kann die Terzen weiter schichten als nur zu einem Dreiklang, die nächste "Schicht" ist die Septime und man ist bei 7er Akkorden oder auch noch eins weiter zu 9ern usw.
Man kann aber zum Dreiklang auch nur einzelne Töne hinzufügen, das sind dann z.B. die "add9" Akkorde (C9 meint die Septime mit, Cadd9 nicht wie schon von @Omega Minus ausgeführt).
Man kann die Terz gegen die Sekunde oder die Quarte tauschen --> sus2 bzw. sus4
Das aber jetzt nur als Ausblick, das kommt dann erst, wenn dir vollkommen klar ist, das z.B. die Töne C#, A und E eigentlich nur einen Akkord ergeben können - nämlich welchen? ;)


LG
 
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Zumindest im Gitarrenkontext sind die Regeln nicht zu schwer. Dur, Moll, Sus2, Sus4, Dim, Aug, Power, Slash, 6 und 7 Variationen, Add, Altered deckt das meiste gut ab.
Um solche Bezeichnungen ging es mir vor allem bei meiner Frage.
Dieses Hierarchiesystem beherrscht jeder Musikhörer in unserem Kulturkreis mindestens unterbewusst. Sonst würden wir Harmonien nicht als so spannend empfinden. Als Musiker lohnt es sich halt, sich diese unterbewussten Prägungen zumindest in Teilen klar und bewusst zu machen. Am besten auch mit Begriffen.
Dito. Diese Prägungen sind mir aus der Spielpraxis bewusst. Wo die Grundtöne liegen, wie ich Akkorde miteinander verbinde, in Übergängen verändere (simples Beispiel E -> E7 -> A) oder welche die parallelen Molltonarten sind. Nur die Namen von etwas komplizierteren Griffen, von denen ich viele spiele, kenne ich nur zum Teil.
Chord Analyzer - Gitarrenakkorde bestimmen
Das waren gute Antworten.
Das aber jetzt nur als Ausblick, das kommt dann erst, wenn dir vollkommen klar ist, das z.B. die Töne C#, A und E eigentlich nur einen Akkord ergeben können - nämlich welchen? ;)
Lass mich raten: vielleicht A?

Dir auch danke.
 
Jedenfalls, genau bis hierher musst du mal durchblicken bevor du über Sus/7er/9er/add/... Geschichten nachdenkst.

Noch eine Ergänzung, da ich schon anderweitig Verwirrung erlben durfte:
Es ist unabhängig vom gerade aktuellen Modus, Tongeschlecht, Skala, Grundton oder was auch immer, das mit einer Ziffer (z.B. 7 oder 9) bezeichnet immer denselben Ton. Wenn da Csus4 add9 steht, dann sind sus4 und add9 immer dieselben Töne relativ zu C, egal, in welchem Kontext man gerade unterwegs ist.

Grüße
Omega Minus
 
Das stimmt.

Ein paar Konventionen muss man da auch einfach kennen, weil die eher das Gegenteil von logisch sind 😅 :

So steht "G7" z.B. für einen Akkord mit kleiner Septime, während "G6" eine große Sexte enthält.
Abstrakt unlogisch, praktisch machts aber schon wieder irgendwo Sinn, weil X7 ist eben der viel benutzte Dominantseptakkord, der in so ziemlich jedem Lagerfeuerlied vorkommt und den auch der TO ja schon für sich entdeckt hat:
(simples Beispiel E -> E7 -> A)
Ist die Septime groß heißt er Xmaj7 - und beim X6 kann man ja mal probieren, ihn mit kleiner Sexte zu spielen, da wird man schnell merken, wie die mit der nur einen Halbton entfernten Quinte "zu kämpfen" beginnt und so haben die häufigst benutzen Akkorde eben die kürzesten und somit auch lesefreundlicheren Bezeichnungen.


Lass mich raten: vielleicht A?
(y) Und wie kommst du drauf?
 
Also offenbar gesundes Grundtonempfinden vorhanden, gute Aussichten ;)

Das ist ja auch der eigentliche Sinn, zu hören was da klingt.
Für mich war der wesentliche Benefit, diese ganzen Grundlagen zu lernen dann aber vor allem, dass das Struktur in die quasi endlosen Möglichkeiten an Tonkombinationen bringt und man sich so wesentlich schnell wesentlich mehr merken kann, wenn man dann in diese Strukturen in den Akkorden die man spielt erkennt. Man darf halt nur nicht zu schnell zu viel erwarten, aber wenn man mal Dur/ Moll Akkorde unterscheiden kann, kann man dann auch irgendwann die verschiedenen Umkehrungen erkennen (und da scheinst du ja eh schon auf gutem Weg zu sein, C# - A - E ist ja genau eine solche und du erkennst ja offenbar das A als Grundton) - und wenn ich zumindest mal weiß, was ein sus Akkord ist und den immer wieder mal wo finde und eben als solchen erkenne werde ich auch diesen Klang irgendwann als solchen "abgespeichert" haben.

LG
 
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