Pop, Rock & Co. Wie hoch sollte ein Mann belten?

  • Ersteller Daw12345
  • Erstellt am
Daw12345
Daw12345
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
26.07.23
Registriert
10.06.15
Beiträge
264
Kekse
0
Ich lese immer wieder, dass man ab gewissen Tönen in die Kopfstimme sollte und ab gewissen wird belting gefährlich und mann sollte die Bruststimme auch nicht zu hoch ziehen...Das verwirrt mich immer ein bisschen und ich weiss oft nicht wie hoch ich mit welche Stimme singen soll. Ich bin männlich und glaube Bariton, jedenfalls sagt das meine Lehrerin.
 
Eigenschaft
 
Der typische Wechsel liegt zwischen D4 und F4. Die Bruststimme kann theoretisch bis zum hohen C5 gezogen werden, was aber nicht zu empfehlen ist. Mit sehr bestimmten Vokalmodifikationen kann man die Bruststimme etwa bis A4 ziehen ohne größere Probleme zu bekommen, aber meine Empfehlung wäre in jedem Fall den Übergang im erstgenannten Bereich zu machen.

Es kommt dann ein bisschen auf deine Definition von "Belting" an. Einige verstehen unter Belting ein Hochziehen der Bruststimme (so ist es z.B. bei Estill definiert), andere verstehen darunter das Hochziehen der Vollstimme, was man auch ohne Bruststimme machen kann.

Für einen wirklich sauberen Wechsel in die hohe Lage muss man als Mann (auch als Bariton) die Vollstimme etwa bis A4/A#4 hochziehen. Auf den Tönen darunter ist die Randstimme schlicht und einfach noch nicht geeignet genug, um kraftvoll damit zu singen. Das Hochziehen der Vollstimme geht allerdings auf viel leichterer Lautstärke und Intensität als viele Leute denken, wenn man frühzeitig die Brustresonanz verlässt. Ein sauberer Wechsel in die Randstimme geht ansonsten nur auf sehr geringer Intensität (z. B. Seufzen), was für das tatsächliche Singen nicht wirklich geeignet ist.

Bei der oberen Grenze scheiden sich die Geister. Viele Sänger entscheiden sich dafür, die Vollstimme genau bis A4/A#4 hochzuziehen und dann direkt in die Randstimme zu gehen. Das Hochziehen der Vollstimme geht in jedem Fall bis etwa C5, ist als Bariton aber schwieriger als z.B. für einen Tenor. Darüber hinaus gibt es die Theorie, dass die Stimme dann sowieso automatisch in die Randstimme wechselt, das ist aber nicht bewiesen.

Generell hat man beim Hochziehen sowohl der Bruststimme als auch der Vollstimme einen sehr geringen Spielraum, wenn man es darauf anlegt ein sauberes Passaggio und eine kraftvolle Stimme zu haben. Ein Verlassen der Bruststimme um E4 gilt als "früh", ein Verlassen um A4 aber schon als "spät". Ein Verlasen der Vollstimme um A4 gilt als "früh", ein Verlassen auf C5 aber schon als "spät".

Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten. Aber in allen anderen Fällen ist es so, dass du entweder einen Bereich in deiner Range hast, in dem die Stimme nicht kraftvoll klingt (bei einem Wechsel vor den angegebenen Punkten) oder du hast keinen sauberen Wechsel von der Voll- in die Randstimme (bei einem Wechsel nach den angegebenen Punkten).

Das alles gilt für Männer! Bei Frauen sieht es so aus, dass die Randstimme insgesamt stärker ausgeprägt ist (deshalb sagt man in der Klassik auch Kopfstimme statt Falsett) und schon früher kraftvoll gesungen werden kann und auch in der Höhe ohne viel technisches Trara schon kraftvoller klingt als bei Männern.

Da ich selbst die Estill-Definition von Belting verwende wäre meine Empfehlung maximal und auch nur in Ausnahmefällen bis G4 zu belten. Bzgl. der Vollstimme würde ich aber in jedem Fall versuchen zu lernen sie bis A#4 hochzuziehen und damit einen sauberen Übergang in die Randstimme zu lernen, allerdings nicht im Belt, sondern in der Mixed Voice oder in einer Twang-dominanten Einstellung.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 2 Benutzer
@broeschies was ist eig. der Unterschied zwischen Vollstimme und Bruststimme? Und ab welchen Ton "sollte" man belten
Und danke für die ausführliche Erklärung, das mit der Kopfstimme und Bruststimme hab ich jetzt ziemlich gut verstanden! :)
 
Zuletzt bearbeitet:
Von wegen "sollte", nach welchen Richtlinien/Regelwerk hättest du das denn gerne? Sprichst du von Musical, von Klassik? Ob man einen bestimmten Ton belten sollte oder nicht, hängt davon ab, ob man den Klang haben möchte und ob man es selbst kann.
Was deine Frage Vollstimme vs. Bruststimme angeht, siehe hier: https://www.musiker-board.de/threads/gesangsregister.344783/#post-4058648
Weil die Tabelle da nicht mehr funktioniert nochmal in kurz: Vollstimme = die Stimmbänder schwingen als ganzes, nicht nur die Randkanten. Bei Männern: Bruststimme = Vollstimme mit Brustresonanz. Zur Vollstimme beim Mann gehört aber auch die Kopfstimme = Vollstimme mit Kopfresonanz. Zur Randstimme gehört u.a. das Falsett.
Welcher Ton der höchste "beltbare" ist, ist völlig individuell!!! Es gibt Männer, die sehr hoch belten können, und Männer die nicht so hoch belten können.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
@Vali eine Lehrerin von mir hat mir einmal gesagt das ich ab einer bestimmten "tiefe" bzw "höhe" noch nicht belten kann, deswegen meine Frage ab welchen Ton man wechseln Sollte. Und ab wann merkt man denn das man nicht mehr belten kann (ich bin noch ein ziemlicher Anfänger was dies betrifft)?
 
Vali hats im Grunde schon beschrieben: Vollstimme bedeutet dass die vollen Stimmlippen schwingen (und nicht nur Teile davon), der Gegensatz ist die Randstimme, bei der nur die Ränder der Stimmlippen schwingen.

Bruststimme vs. Kopfstimme sind Resonanzregister. In der Bruststimme resoniert die Stimme in einem bestimmten Teil des Vokaltraktes und es entstehen i.d.R. "Mitschwingungen" im Brust-/Mundbereich. Der eigentliche Resonanzort ist nicht die Brust, aber diese Mitschwingungen geben dem Modus seinen Namen.

In der Kopfstimme spürt man die Vibrationen mehr im Kopfbereich. In der Kopfstimme gibt es kaum Resonanz im Vokaltrakt, was mit mehr Support und dem Sängerformanten kompensiert wird.
 
@broeschies ok klingt verständlich, ich habe noch eine letzte frage, in dem folgenden Video sagt die Dame dass man Belting eigentlich mit der Kopfstimme macht, ist das war?
 
Wie gesagt: Die Definitionen variieren von GL zu GL. Ein Belt nach Estill ist im Grunde immer bruststimmig. Gerade bei Frauen (und z.B. auch bei CVT) wird aber auch der Modus, der bei Estill "Twang" heißt oftmals noch mit zum Belting gezählt. Und dieser Modus ist in der Höhe in der Tat kopfstimmig.

Es gibt sogar GLs, die die Mixed Voice noch mit zum Belting zählen. Für die ist in der Höhe im Grunde alles "Belt", was nicht die reine klassische Randstimme ist. Das ist alles etwas individuell.

Was in dem Video am Anfang zu hören ist ist fast alles nach dem Estill-System z.B. eine Twang-Koordination und kein Belt. Nach dem CVT-System wäre es der Modus "Edge". Und ja, das ist Kopfstimme.
 
"Belting" ist ein lautmalerischer Begriff, der entstand, um den (in der westlichen Musikszene bis dahin eher unbekannten / ungewohnten) lauten, intensiven Gesang der Afroamerikaner zu beschreiben. Wörtlich heißt es "schmettern". Gospel und Spiritual sind somit typischerweise die "Ur-"Genres, in denen gebeltet wird.

Aus dieser Historie entsteht das Definitionsproblem, denn heute wird versucht, den Begriff für eine Technik zu verwenden, obwohl er ursprünglich einen Klang beschrieben hat. Im Grunde wäre also jedweder "schmetternde" Gesang Belting.

Inzwischen wird der Begriff aber hauptsächlich für zwei Techniken verwendet:

1. Lautes, vollstimmiges Singen oberhalb des natürlichen Bruststimmbereiches (häufigste Verwendung)


Das ist das ans Rufen angelehnte Belting und zumindest in Europa die häufiger assoziierte Definition. Die Stimme klingt dabei brustig, tatsächlich aber ist viel Kopfklang dabei.
Der Unterschied zur Mischstimme, die ebenfalls vollstimmiges, kopfiges Singen im oberen Bereich der Vollstimme bezeichnen kann, liegt in der Klangintensitität, dem starken Vordersitz und der dunkleren Färbung.

Typische Vertreter: Freddie Mercury, Christina Aguilera


2. Lautes, randstimmiges Singen mit starkem Twang oberhalb der Vollstimme (seltenere Verwendung, bisweilen als "Fake-Belt" bezeichnet, bei CVT als "Edge")

Diese Lautgebung hört man häufig in metallastigen Genres bei Männern, bei Frauen auch im (amerikanischen) Musical oder im Gospel. Es wird durch den Twang in der Randstimme ein vollsstimmiger Klang immitiert, die Färbung ist aber nicht so dunkel wie beim Rufbelt. Dieser Modus wird nur selten durchgehend eingesetzt, sondern mehr als Effekt in der oberen Lage

Typische Vertreter: Adam Lambert


(Diese Seite hier geht noch weiter und unterscheidet fünf Arten von Belting, wobei ich mir noch nicht sicher bin, ob ich die jeweils so unterschreiben würde. Aber auch dort wird die Problematik der Definitionsunschärfe klar benannt und aufgezeigt, dass verschiedene Techniken alle als Belting bezeichnet werden.)


Um das Ganze weiter zu verkomplizieren: Für Männer ist der Unterschied zwischen klassischem Gesang und Belting wesentlich geringer als für Frauen, weil Männer in auch in der Klassik eigentlich durchgehend vollstimmig singen. Die Techniken sind näher verwandt. Bei Frauen hingegen wird die Vollstimme in der Klassik früh verlassen.


Noch zum Thema "untere Grenze": Es hat einfach wenig Sinn, im Bereich der natürlichen Bruststimme von "Belting" zu sprechen. Man singt zwar vollstimmig, aber es gehört auch nicht viel dazu, da die Stimme in dieser Lage sowieso so funktioniert. ;) Insofern ist die Frage, bis wohin nach unten man belten "sollte" hinfällig, da Belting eine Technik ist, um die Vollstimme mit in die Höhe zu nehmen und nicht umgekehrt.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
Vielleicht noch interessant hinzuzufügen: Der Twang-Modus kann auch vollstimmig gesungen werden. Das ist aber gerade heutzutage recht selten geworden, die häufigere Verwendung ist die, die Foxx beschrieben hat. Ein typischer Vertreter dieser Technik war z.B. Ronnie James Dio. Auch Bruce Dickinson singt den Twang-Modus in einer Weise, die möglicherweise noch vollstimmig ist in der Höhe, aber nicht so massig wie bei Dio. In der Klassik wurde diese Technik in der Höhe von Pavarotti genutzt.

Von wegen untere Grenze würde ich das genauso handhaben wie Foxx. Von Belting spricht man im Grunde erst dann, wenn man es in einem Bereich macht, in dem man normalerweise kopfstimmig singen würde bzw. in dem man aus der "normalen" Bruststimme raus muss. Das ist bei Männern meistens so um e' herum der Fall.
 
Der kleinste gemeinsame Nenner beim Belting ist sicherlich das von Foxx erwähnte "Metall" in der Stimme. Beide Modi 1. und 2. können "voll-metallisch" gesungen werden. Dabei zieht der Modus 1. sein Metall vor allem aus der Ruf-Resonanz, bei der sich der vordere Teil des Vokaltraktes wie ein Megaphon formt. Für das ausfüllen dieses Resonators ist ein besonders hoher Atemdruck nötig, der im Grunde immer dazu führt, dass dieser Modus vollstimmig gesungen wird.

Beim Modus 2 wird das Metall aus einem Mechanismus generiert, bei dem der Kehldeckel zum Schnarren gebracht wird. Das erzeugt ein charakteristisches Geräusch, das "Twang" genannt wird und dem Modus in einigen Systemen seinen Namen gibt. Durch Absenken des Kehlkopfes wird dieses Geräusch moduliert und bekommt einen besonders metallischen Charakter. Das Prinzip ist im Grunde ähnlich wie bei einem Blechblasinstrument. Pavarotti hat das als "Trompeten-Klang" in der Stimme bezeichnet. Auch für das zum Schnarren bringen des Kehldeckels wird ein erhöhter Atemdruck benötigt, der aber deutlich geringer ist als im Modus 1. Deshalb kann der Modus 2 in der Höhe randstimmig gesungen werden. Durch das erzeugen einer ruf-ähnlichen Resonanz im Vokaltrakt kann der Modus klanglich noch mehr an den Modus 1 angenähert werden. Mit stark erhöhtem Atemdruck kann er zudem vollstimmig in der Höhe gesungen werden, wodurch die Grenzen zum Modus 1 fast komplett verwischen.

Ein charakteristischer Unterschied der beiden Modi ist, dass im Modus 2 in der Höhe geschlossene Vokale gesungen werden können, im Modus 1 aber nicht. Wenn im Modus 2 die Ruf-Resonanz "eumliert" wird verliert er aber auch dieses Alleinstellungsmerkmal.

Die mixed-voice wird meistens als "halb-metallisch" bezeichnet, was im Vergleich zu einer weiblichen Kopfstimme aber immer noch relativ viel Metall ist und deshalb ebenfalls manchmal als "Belt" bezeichnet wird. In der mixed-voice kann aber kein Ruf-Klang angenähert werden. Die mixed voice hat eine starke Tendenz zu geschlossenen Vokalen und wird auch hin und wieder mal mit dem Modus 2 in einen Topf geworfen, wenn dieser auf niedriger Intensität ohne Ruf-Klangformung gesungen wird.

Hier mal ein klangliches Beispiel, das ich mal aufgenommen hatte. Das ist über die komplette Range hinweg Twang-Modus (Modus 2). Im Bereich zwischen E4 und A4 klingt es sehr wie ein Belt (Modus 1), weil es vollstimmig ist und durch den genutzten Vokal Rufresonanz bekommt. Im Bereich darüber ist es randstimmig. Einen echten Belt (Modus 1) kann man nicht wie in diesem Beispiel aus dem Falsett entwickeln, weil er nicht mit so viel Verschlankung gesungen werden kann wie das Falsett und der Twang-Modus.



In diesem Modus ist es auch möglich die Vollstimme in den Bereich oberhalb des hohen C zu bringen, was im echten Belt nicht geht. Das ist aber extrem anstrengend und abgesehen von einigen klassischen Tenören macht das im Grunde niemand.

Ein hoher Atemdruck alleine macht übrigens noch keinen Belt, denn Studien haben ergeben, dass z.B. auch weiblicher klassischer Gesang mit einem ähnlich hohen Atemdruck und einer ähnlich hohen Lautstärke gesungen wird wie ein Belt.

Der Sprachraum hat wie Foxx schon andeutet auch einen Einfluss. Gerade die deutsche Sprache hat von Natur aus sehr wenig Twang im Klang. Deshalb wirkt der Twang-Modus (Modus 2) bei stark hörbarem Schnarren sehr schnell wie eine "verstellte Stimme". Bei deutsch-sprachigen Sängern hört man deshalb vor allem Modus 1 oder Modus 2 mti stark abgedämpftem Twang-Geräusch, was sich auch wieder sehr nach Modus 1 anhört.

In anderem Sprachen ist das anders. Das Italienische z.B. hat einen relativ starken leichtgängig vordersitzigen Twang. Ein Sänger wie Eros Ramazotti bspw. beltet deshalb v.a. im Twang-Modus. Der texanische Akzent z.B. hat einen schweren hintersitzigen Twang. Der sehr twangige Sound der dortigen Country-Sänger hört sich für die einheimischen quasi an wie gesprochene Sprache ;)

Einer der seltenen deutsch-sprachigen Sänger mit deutlich hörbarem Twang ist z.B. Eric Fish von Subway to Sally.
 
Zuletzt bearbeitet:
Vielleicht noch interessant hinzuzufügen: Der Twang-Modus kann auch vollstimmig gesungen werden. Das ist aber gerade heutzutage recht selten geworden, die häufigere Verwendung ist die, die Foxx beschrieben hat. Ein typischer Vertreter dieser Technik war z.B. Ronnie James Dio. Auch Bruce Dickinson singt den Twang-Modus in einer Weise, die möglicherweise noch vollstimmig ist in der Höhe, aber nicht so massig wie bei Dio. In der Klassik wurde diese Technik in der Höhe von Pavarotti genutzt.

Von wegen untere Grenze würde ich das genauso handhaben wie Foxx. Von Belting spricht man im Grunde erst dann, wenn man es in einem Bereich macht, in dem man normalerweise kopfstimmig singen würde bzw. in dem man aus der "normalen" Bruststimme raus muss. Das ist bei Männern meistens so um e' herum der Fall.
Was hierzu vielleicht noch wichtig ist: Der Modus "Twang" von Estill und der Modus "Edge" bei CVT sind unterschiedlich definiert. Der Edge-Modus bei Estill ist wesentlich "randstimmiger" definiert und einiges, was bei Estill noch unter "Twang" fällt, fällt bei CVT schon unter "Overdrive". Umgekehrt ist der "Belt" bei Estill extrem vollstimmig definiert, er hat nach Estill-Definition keinen Tilt, das bedeutet die Stimmlippen werden nicht verschlankt. Ein Singen mit verschlankten Stimmlippen in der Vollstimme ist demnach bei Estill immer Twang, fällt aber vor allem in großer Höhe bei CVT unter Overdrive.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer

Unser weiteres Online-Angebot:
Bassic.de · Deejayforum.de · Sequencer.de · Clavio.de · Guitarworld.de · Recording.de

Musiker-Board Logo
Zurück
Oben