Wie perfekt muss (Live-)Intonation sein?

von blow, 18.05.08.

  1. blow

    blow Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.05.08   #1
    Hallo zusammen,

    hab hier ewig nicht geschrieben, würde mich aber gerne mal mit ein paar Gesangsexperten austauschen. Dazu muss ich kurz ausholen.

    Ich singe jetzt vier Jahre (war Spätzünder, hab mit 27 erst angefangen), hatte zu Beginn ein halbes Jahre Gesangsunterricht. Ich betreibe das sehr ernsthaft und ambitioniert, übe so oft es Job und Familie zulassen, aber mindestens täglich 30 Minuten, habe mit meiner ersten Band 40 Konzerte gespielt. Die Band hat sich Anfang des Jahres aufgelöst, jetzt mache ich solo als Singer/Songwriter weiter (www.benemusic.de - da gibt's auch Hörproben) und habe gerade eine erste EP aufgenommen.

    Gestern hatte ich mein erstes Konzert mit dem neuen Projekt und habe dabei auch einige Songs von Freunden per Kamera aufzeichnen lassen. Man ist ja selbt immer viel kritischer als andere, und ich bin auch im Großen und Ganzen zufrieden mit der Performance. Aber mir fallen immer wieder kleine Unsauberheiten bei meiner Intonation auf. Wirlklich nichts Gravierendes, und anderen fällt das noch nicht mal auf - zum Beispiel meinem Bruder, der mich live an den Drums unterstützt. Aber es gibt immer wieder Stellen in Songs, wo ich beispielsweise ein H singe, aber statt den Ton direkt anzusingen vom A aufs H "hochziehe", wenn ihr versteht, was ich meine. Also nicht wirklich flat gesungen, aber auch eben nicht supergenau. Das ist wie gesagt alles nur sehr undramatisch und je nach Live-Technik auch gar nicht vorhanden. Aber mich ärgert's, wenn ich's höre.

    Deshalb frage ich mich: Wie perfekt kann man überhaupt live intonieren? Sollte man sich also Sänger völlig von seinem Perfektionsdrang freimachen? Wie seht ihr das?

    Gruß,
    blow

    ______________
    www.benemusic.de
     
  2. Bell

    Bell HCA Gesang HCA

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    Erstellt: 19.05.08   #2
    Hallo !
    Leichte Intonationsfehler sind bei vielen Sängern vorhanden, und Du schreibst selbst, dass Deine so minimal sind, dass sie höchstens Dir selbst auffallen. Daher würde ich mir keine großen Gedanken machen.
    Wenn man in einer Band singt, hört man sich einfach nicht so unverfälscht wie wenn man unplugged oder nur mit Klavier- oder Gitarrenbegleitung singt - vielleicht hörst Du dich über die Monitore auch nicht so gut ? Da fängt man leicht an zu drücken, und das wiederum kann sich auf die Intonation auswirken.
    Es kommt halt drauf an, wie falsch man singt. Eine durchgängig falsche Intonation ist nicht zum Aushalten, jedenfalls nicht für meine empfindlichen Ohren ;) - leichte Ausrutscher fallen nicht auf, vor allem dann nicht, wenn die Songs mit Gefühl, Intensität und Lebendigkeit interpretiert werden.
    schöne Grüße
    Bell
     
  3. blow

    blow Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.05.08   #3
    Hallo Bell,

    danke für Deine Antwort. Tja, das denke ich ja im Prinzip alles auch, und es gab auch schon Konzerte, wo ich wirlich zufrieden war, da hat dann meistens auch das Monitoring gepasst. Aber man will ja immer 100% zufrieden sein. Muss ich mir wohl abgewöhnen. Oder irgendwann auf In-Ear umsteigen. Wir Sänger haben es echt nicht einfach....

    Viele Grüße,
    blow
     
  4. Bell

    Bell HCA Gesang HCA

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    Erstellt: 19.05.08   #4
    Hallo blow,
    das ist natürlich bei jedem anders, aber ich persönlich finde In-ear ganz furchtbar. Allerdings ist meine Intonation immer schon gut gewesen. Probiere es einfach mal aus, viele schwören ja auf In-ear-Monitoring.
    Ich denke aber, dass Dein Perfektionsanspruch größer ist als deine Intonationsprobleme ;)
    schöne Grüße
    Bell
     
  5. moniaqua

    moniaqua Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 19.05.08   #5
    Immer 100% zufrieden bei Live find ich ganz schoen krass :) Klar, man wird immer sein bestes geben, aber wenn's denn doch mal schiefgeht - die meisten hoeren es nicht und die, die's hoeren, sind normalerweise selber Musiker und wissen, wie es ist, da oben zu stehen ;)
    Das "Angraben" (a-h) ist zwar nicht perfekt, wird aber durchaus (auch in der anderen Richtung) als Stilmittel eingesetzt, so what?
     
  6. holyman

    holyman Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.05.08   #6
    Nun, ich denke, es kommt immer auch auf die Musik und das Publikum an. Sieh dir jüngstes Beispiel an: In DSDS hat auch der Kandidat gewonnen, der von allen Finalisten die eindeutig größten Probleme mit der Intonation hatte.
     
  7. Basselch

    Basselch MOD Recording HCA Mikros Moderator HCA

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    Erstellt: 19.05.08   #7
    Hallo, blow,

    ich sehe das mit den gelegentlichen Ausrutschern live auch nicht so kritisch - kenne das von mir selbst, bin auch fast nie zufrieden, wenn ich live singe (und frage mich hinterher immer wieder "Und - ist das irgendjemandem aufgefallen?").
    Auffallen tut sowas aber wirklich den allerwenigsten! Wenn Du schon schreibst "... und anderen fällt das nicht mal auf.", dann liegt darin schon fast die Antwort...
    Mach' Dich also nicht verrückt und blockiere Dich mit dem Gedanken "ich muß, ich muß, ich muß...", wenn Du auf die Bühne gehst. Wenn Du auf einen Gig gut vorbereitet bist, dann mach' einfach Musik, und wenn das ehrlich 'rüberkommt, dann kann sogar schon mal ein Ton gut daneben sein und dennoch sind die Zuhörer zufrieden. Das schließt ja nicht aus, daß Du weiter an Deiner Stimme arbeitest... aber auf der Bühne ist halt "showtime", und da kann auch schon mal etwas schiefgehen, das in der Sicherheit des heimischen Probenkellers gut geklappt hat.
    Aber auf gutes Monitoring würde ich auch achten - wenn Du Dich mit dem Monitorsound wohlfühlst, singst Du entspannter - und klingst wahrscheinlich auch so.

    Viele Grüße
    Klaus
     
  8. blow

    blow Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.05.08   #8
    Dann danke ich euch allen, die was zu dem Thema geschrieben haben. Im Grund weiß ich ja auch, dass die totale Perfektion nicht das Maß aller Dinge sein sollte beim Live-Auftritt. Aber das ist dann halt irgendwie doch so ein Tick, denn ich als Sänger entwickelt habe. Man lernt ja ohnehin nie aus beim Singen, von daher: The Show must go on.

    Gruß,
    blow
     
  9. Foxx

    Foxx Pop/Rock-Gesang HFU

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    Erstellt: 21.05.08   #9
    Erinner mich nicht auch noch dran. :(


    Aber es stimmt schon: live kommen viele Faktoren zusammen. Ich bin eigentlich jemand, der auf gute Intonation sehr großen Wert legt und dennoch genieße ich Konzerte von "Wir sind Helden", obwohl Judith Holofernes teilweise meilenweit neben den Tönen liegt. Die macht das aber irgendwie durch Charme, Ausdruck und Bühnenausstrahlung wett und auf einmal funktioniert es.

    Ich merke selbst eigentlich schon beim Auftritt, ob ich zufrieden mit mir bin (ist ja immer auch etwas abhängig von der Tageform) und wenn ich dann anschließend eventuell vorhandene Aufnahmen höre, erlebe ich selten Überraschungen.
     
  10. ibkoeppen

    ibkoeppen Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.05.08   #10
    Hi -

    würde mal so sagen: Kunst kommt von Können, und je perfekter je besser.

    Aber Perfektionismusstreben würde ich eher beim Üben/Proben sehen, und Live sollte man sich über Unsauberkeiten dann nicht verrückt machen, sondern dann eher Performance bringen, Emotion, Feeling Ausdruck.

    Idealerweise ist man technisch also so gut, daß man das beim Üben automatisiert hat.

    Intonation find ich übrigens total wichtig. Es ist wie immer - der musikalisch unbeleckte Zuhörer kann zwar bewußt keine Unsauberkeiten analysieren, aber je perfekter in Intonation und Timig die Musik ist, desto größer ist ihre Wirkung.
    Allerdings geht dann m.E. live das Emotionale noch drüber!
    (ich sach ma: lieber unperfekt und mit Herz, als technisch sauber aber kalt, am besten aber perfekt UND mit Herz)

    meine 2 Pfennnige
    Michael
     
  11. K-Bal

    K-Bal Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.05.08   #11
    Hi blow,

    ich bin zwar Gesangslaie (bin hier eigentlich nur im Bassforum unterwegs, beschäftige mich aber in letzter Zeit viel mit Gesang), ich hab mir aber mal deine Stücke angehört und finde deine Stimme ziemlich geil. Ich habe auch sehr angestrengt auf die Intonation geachtet und mir ist nichts aufgefallen, was man nicht als Stilmittel betrachten könnte bzw. es hat einfach nichts gestört an der Intonation! Ich verstehe aber deinen Perfektionismus, so geht es mir auch beim Bassspielen ;)

    Gruß Marius
     
  12. antipasti

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    Erstellt: 26.05.08   #12
    Ich hab Deine Songs nun noch nicht gehört, aber grundsätzlich beantworte ich Deine Frage folgendermaßen:

    Je "intimer" das Konzert und je kleiner die Besetzung, umso perfekter sollte die Intonation sein. Hinzu kommt, wieviel Freiheit das Genre zulässt und wie anspruchsvoll und versiert das Publikum ist. Singt ein Sänger zum Beispiel Schubert-Lieder in einem kleinen kammermusikalischen Rahmen, könnte man davon ausgehen, dass einige schon genau zuhören und Ungenauigkeiten eher auffallen. Bei einem Jazz-Trio mit höherem Improvisationsrahmen lönnen Ungenauigkeiten bereits als "Interpretiion" gedeutet werden. Bei einem Rockkonzert in größerer Halle fallen Abweichungen schon soundmäßig viel weniger auf.
    ..
     
  13. steinhart

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    Erstellt: 26.05.08   #13
    Hi,

    man selbst hört seine Fehler viel eher als andere. Mir ging es bisher bei allen Aufnahmen so, die ich je von mir gehört habe. Vielleicht ist das ja deshalb so eingerichtet, dass man immer wieder an sich arbeitet und versucht, sich zu verbessern. Insofern : Mach weiter so !
     
  14. blow

    blow Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.05.08   #14
    Na ja, ich spiele jetzt primär solo nur mit Akustik-Gitarre oder Klavier. Also doch die totale Perfektion :rolleyes:

    Was soll's: Rock'n'Roll!

    Gruß,
    blow
     
  15. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 27.05.08   #15
    Genau....
     
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