Wie perfekt muss (Live-)Intonation sein?

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blow

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Hallo zusammen,

hab hier ewig nicht geschrieben, wĂŒrde mich aber gerne mal mit ein paar Gesangsexperten austauschen. Dazu muss ich kurz ausholen.

Ich singe jetzt vier Jahre (war SpĂ€tzĂŒnder, hab mit 27 erst angefangen), hatte zu Beginn ein halbes Jahre Gesangsunterricht. Ich betreibe das sehr ernsthaft und ambitioniert, ĂŒbe so oft es Job und Familie zulassen, aber mindestens tĂ€glich 30 Minuten, habe mit meiner ersten Band 40 Konzerte gespielt. Die Band hat sich Anfang des Jahres aufgelöst, jetzt mache ich solo als Singer/Songwriter weiter (www.benemusic.de - da gibt's auch Hörproben) und habe gerade eine erste EP aufgenommen.

Gestern hatte ich mein erstes Konzert mit dem neuen Projekt und habe dabei auch einige Songs von Freunden per Kamera aufzeichnen lassen. Man ist ja selbt immer viel kritischer als andere, und ich bin auch im Großen und Ganzen zufrieden mit der Performance. Aber mir fallen immer wieder kleine Unsauberheiten bei meiner Intonation auf. Wirlklich nichts Gravierendes, und anderen fĂ€llt das noch nicht mal auf - zum Beispiel meinem Bruder, der mich live an den Drums unterstĂŒtzt. Aber es gibt immer wieder Stellen in Songs, wo ich beispielsweise ein H singe, aber statt den Ton direkt anzusingen vom A aufs H "hochziehe", wenn ihr versteht, was ich meine. Also nicht wirklich flat gesungen, aber auch eben nicht supergenau. Das ist wie gesagt alles nur sehr undramatisch und je nach Live-Technik auch gar nicht vorhanden. Aber mich Ă€rgert's, wenn ich's höre.

Deshalb frage ich mich: Wie perfekt kann man ĂŒberhaupt live intonieren? Sollte man sich also SĂ€nger völlig von seinem Perfektionsdrang freimachen? Wie seht ihr das?

Gruß,
blow

______________
www.benemusic.de
 

Hallo !
Leichte Intonationsfehler sind bei vielen SĂ€ngern vorhanden, und Du schreibst selbst, dass Deine so minimal sind, dass sie höchstens Dir selbst auffallen. Daher wĂŒrde ich mir keine großen Gedanken machen.
Wenn man in einer Band singt, hört man sich einfach nicht so unverfĂ€lscht wie wenn man unplugged oder nur mit Klavier- oder Gitarrenbegleitung singt - vielleicht hörst Du dich ĂŒber die Monitore auch nicht so gut ? Da fĂ€ngt man leicht an zu drĂŒcken, und das wiederum kann sich auf die Intonation auswirken.
Es kommt halt drauf an, wie falsch man singt. Eine durchgĂ€ngig falsche Intonation ist nicht zum Aushalten, jedenfalls nicht fĂŒr meine empfindlichen Ohren ;) - leichte Ausrutscher fallen nicht auf, vor allem dann nicht, wenn die Songs mit GefĂŒhl, IntensitĂ€t und Lebendigkeit interpretiert werden.
schöne GrĂŒĂŸe
Bell
 
  • Ersteller
  • #3
Hallo !
Leichte Intonationsfehler sind bei vielen SĂ€ngern vorhanden, und Du schreibst selbst, dass Deine so minimal sind, dass sie höchstens Dir selbst auffallen. Daher wĂŒrde ich mir keine großen Gedanken machen.
Wenn man in einer Band singt, hört man sich einfach nicht so unverfĂ€lscht wie wenn man unplugged oder nur mit Klavier- oder Gitarrenbegleitung singt - vielleicht hörst Du dich ĂŒber die Monitore auch nicht so gut ? Da fĂ€ngt man leicht an zu drĂŒcken, und das wiederum kann sich auf die Intonation auswirken.
Es kommt halt drauf an, wie falsch man singt. Eine durchgĂ€ngig falsche Intonation ist nicht zum Aushalten, jedenfalls nicht fĂŒr meine empfindlichen Ohren ;) - leichte Ausrutscher fallen nicht auf, vor allem dann nicht, wenn die Songs mit GefĂŒhl, IntensitĂ€t und Lebendigkeit interpretiert werden.
schöne GrĂŒĂŸe
Bell

Hallo Bell,

danke fĂŒr Deine Antwort. Tja, das denke ich ja im Prinzip alles auch, und es gab auch schon Konzerte, wo ich wirlich zufrieden war, da hat dann meistens auch das Monitoring gepasst. Aber man will ja immer 100% zufrieden sein. Muss ich mir wohl abgewöhnen. Oder irgendwann auf In-Ear umsteigen. Wir SĂ€nger haben es echt nicht einfach....

Viele GrĂŒĂŸe,
blow
 

Hallo blow,
das ist natĂŒrlich bei jedem anders, aber ich persönlich finde In-ear ganz furchtbar. Allerdings ist meine Intonation immer schon gut gewesen. Probiere es einfach mal aus, viele schwören ja auf In-ear-Monitoring.
Ich denke aber, dass Dein Perfektionsanspruch grĂ¶ĂŸer ist als deine Intonationsprobleme ;)
schöne GrĂŒĂŸe
Bell
 
Immer 100% zufrieden bei Live find ich ganz schoen krass :) Klar, man wird immer sein bestes geben, aber wenn's denn doch mal schiefgeht - die meisten hoeren es nicht und die, die's hoeren, sind normalerweise selber Musiker und wissen, wie es ist, da oben zu stehen ;)
Das "Angraben" (a-h) ist zwar nicht perfekt, wird aber durchaus (auch in der anderen Richtung) als Stilmittel eingesetzt, so what?
 
Nun, ich denke, es kommt immer auch auf die Musik und das Publikum an. Sieh dir jĂŒngstes Beispiel an: In DSDS hat auch der Kandidat gewonnen, der von allen Finalisten die eindeutig grĂ¶ĂŸten Probleme mit der Intonation hatte.
 
Hallo, blow,

ich sehe das mit den gelegentlichen Ausrutschern live auch nicht so kritisch - kenne das von mir selbst, bin auch fast nie zufrieden, wenn ich live singe (und frage mich hinterher immer wieder "Und - ist das irgendjemandem aufgefallen?").
Auffallen tut sowas aber wirklich den allerwenigsten! Wenn Du schon schreibst "... und anderen fÀllt das nicht mal auf.", dann liegt darin schon fast die Antwort...
Mach' Dich also nicht verrĂŒckt und blockiere Dich mit dem Gedanken "ich muß, ich muß, ich muß...", wenn Du auf die BĂŒhne gehst. Wenn Du auf einen Gig gut vorbereitet bist, dann mach' einfach Musik, und wenn das ehrlich 'rĂŒberkommt, dann kann sogar schon mal ein Ton gut daneben sein und dennoch sind die Zuhörer zufrieden. Das schließt ja nicht aus, daß Du weiter an Deiner Stimme arbeitest... aber auf der BĂŒhne ist halt "showtime", und da kann auch schon mal etwas schiefgehen, das in der Sicherheit des heimischen Probenkellers gut geklappt hat.
Aber auf gutes Monitoring wĂŒrde ich auch achten - wenn Du Dich mit dem Monitorsound wohlfĂŒhlst, singst Du entspannter - und klingst wahrscheinlich auch so.

Viele GrĂŒĂŸe
Klaus
 
  • Ersteller
  • #8
Dann danke ich euch allen, die was zu dem Thema geschrieben haben. Im Grund weiß ich ja auch, dass die totale Perfektion nicht das Maß aller Dinge sein sollte beim Live-Auftritt. Aber das ist dann halt irgendwie doch so ein Tick, denn ich als SĂ€nger entwickelt habe. Man lernt ja ohnehin nie aus beim Singen, von daher: The Show must go on.

Gruß,
blow
 
Nun, ich denke, es kommt immer auch auf die Musik und das Publikum an. Sieh dir jĂŒngstes Beispiel an: In DSDS hat auch der Kandidat gewonnen, der von allen Finalisten die eindeutig grĂ¶ĂŸten Probleme mit der Intonation hatte.
Erinner mich nicht auch noch dran. :(


Aber es stimmt schon: live kommen viele Faktoren zusammen. Ich bin eigentlich jemand, der auf gute Intonation sehr großen Wert legt und dennoch genieße ich Konzerte von "Wir sind Helden", obwohl Judith Holofernes teilweise meilenweit neben den Tönen liegt. Die macht das aber irgendwie durch Charme, Ausdruck und BĂŒhnenausstrahlung wett und auf einmal funktioniert es.

Ich merke selbst eigentlich schon beim Auftritt, ob ich zufrieden mit mir bin (ist ja immer auch etwas abhĂ€ngig von der Tageform) und wenn ich dann anschließend eventuell vorhandene Aufnahmen höre, erlebe ich selten Überraschungen.
 
  • #10
Hi -

wĂŒrde mal so sagen: Kunst kommt von Können, und je perfekter je besser.

Aber Perfektionismusstreben wĂŒrde ich eher beim Üben/Proben sehen, und Live sollte man sich ĂŒber Unsauberkeiten dann nicht verrĂŒckt machen, sondern dann eher Performance bringen, Emotion, Feeling Ausdruck.

Idealerweise ist man technisch also so gut, daß man das beim Üben automatisiert hat.

Intonation find ich ĂŒbrigens total wichtig. Es ist wie immer - der musikalisch unbeleckte Zuhörer kann zwar bewußt keine Unsauberkeiten analysieren, aber je perfekter in Intonation und Timig die Musik ist, desto grĂ¶ĂŸer ist ihre Wirkung.
Allerdings geht dann m.E. live das Emotionale noch drĂŒber!
(ich sach ma: lieber unperfekt und mit Herz, als technisch sauber aber kalt, am besten aber perfekt UND mit Herz)

meine 2 Pfennnige
Michael
 
  • #11
Hi blow,

ich bin zwar Gesangslaie (bin hier eigentlich nur im Bassforum unterwegs, beschĂ€ftige mich aber in letzter Zeit viel mit Gesang), ich hab mir aber mal deine StĂŒcke angehört und finde deine Stimme ziemlich geil. Ich habe auch sehr angestrengt auf die Intonation geachtet und mir ist nichts aufgefallen, was man nicht als Stilmittel betrachten könnte bzw. es hat einfach nichts gestört an der Intonation! Ich verstehe aber deinen Perfektionismus, so geht es mir auch beim Bassspielen ;)

Gruß Marius
 
  • #12
Ich hab Deine Songs nun noch nicht gehört, aber grundsĂ€tzlich beantworte ich Deine Frage folgendermaßen:

Je "intimer" das Konzert und je kleiner die Besetzung, umso perfekter sollte die Intonation sein. Hinzu kommt, wieviel Freiheit das Genre zulĂ€sst und wie anspruchsvoll und versiert das Publikum ist. Singt ein SĂ€nger zum Beispiel Schubert-Lieder in einem kleinen kammermusikalischen Rahmen, könnte man davon ausgehen, dass einige schon genau zuhören und Ungenauigkeiten eher auffallen. Bei einem Jazz-Trio mit höherem Improvisationsrahmen lönnen Ungenauigkeiten bereits als "Interpretiion" gedeutet werden. Bei einem Rockkonzert in grĂ¶ĂŸerer Halle fallen Abweichungen schon soundmĂ€ĂŸig viel weniger auf.
..
 
  • #13
Hi,

man selbst hört seine Fehler viel eher als andere. Mir ging es bisher bei allen Aufnahmen so, die ich je von mir gehört habe. Vielleicht ist das ja deshalb so eingerichtet, dass man immer wieder an sich arbeitet und versucht, sich zu verbessern. Insofern : Mach weiter so !
 
  • Ersteller
  • #14
Ich hab Deine Songs nun noch nicht gehört, aber grundsĂ€tzlich beantworte ich Deine Frage folgendermaßen:

Je "intimer" das Konzert und je kleiner die Besetzung, umso perfekter sollte die Intonation sein. Hinzu kommt, wieviel Freiheit das Genre zulĂ€sst und wie anspruchsvoll und versiert das Publikum ist. Singt ein SĂ€nger zum Beispiel Schubert-Lieder in einem kleinen kammermusikalischen Rahmen, könnte man davon ausgehen, dass einige schon genau zuhören und Ungenauigkeiten eher auffallen. Bei einem Jazz-Trio mit höherem Improvisationsrahmen lönnen Ungenauigkeiten bereits als "Interpretiion" gedeutet werden. Bei einem Rockkonzert in grĂ¶ĂŸerer Halle fallen Abweichungen schon soundmĂ€ĂŸig viel weniger auf.
..

Na ja, ich spiele jetzt primÀr solo nur mit Akustik-Gitarre oder Klavier. Also doch die totale Perfektion :rolleyes:

Was soll's: Rock'n'Roll!

Gruß,
blow
 
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