Wie "tickt" Ihr wenn Ihr Spielt ?

von risc, 18.07.08.

  1. risc

    risc Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.07.08   #1
    Hallo!


    Es gibt da etwas, was mich immer wieder beschäfigt natürlich auch in Bezug auf mich selbst. Und es ist ein fast schon philosophisches Thema, dass ich da anschneide -
    auch (vor allem!) im Percussion-Bereich...
    Mir sind bei verschiedenen Musikern immer wieder auch ganz verschiedene Wege begegnet, mit Musik umzugehen bzw. sie Umzusetzen.

    Je nach den Bedingungen (also z.B. Impro-Session oder Konzert mit festem Ablauf) in denen man sich befindet, sind ja unterschiedliche Fähigkeiten und Neigungen nützlich und förderlich oder eben eher nicht.


    Für mich selbst ist es immer schöner/einfacher nach melodieösen Gesichtspunkten
    zu spielen, als Rhythmik während des Spiels eher kalkulativ zu betrachten. Ich habe bei den meisten Rhythmen und Grooves die ich spiele einfach ein Gefühl, dass mich in Bezug auf Tempo, Timing und Ausdruck nicht im Stich lässt. Das ist natürlich nicht von heute auf morgen gekommen - aber mittlerweile ist es einfach da. Ich habe aus diesem Grund kein Problem damit, improvisatorisch zu spielen und mich einfach von "der Welle" tragen zu lassen wenn ich mit anderen Musiziere.
    Bei statischeren Situationen (Bands mit festem Programm etc.) muss ich aber immer wieder feststellen, dass es mir wirklich Mühe bereitet komplexere Abläufe und Passagen zu verinnerlichen und detailgetreu wiederzugeben.
    Im Grunde genommen habe ich häufig auch gar keine Lust dazu, immer wieder das selbe zu spielen - ich komme mir dann immer vor wie eine Maschine und manchen Mitmusikern wie ein Dorn im Auge...

    In diesem Zusammenhang tun sich viele Fragen auf - und ich bin gespannt, was ihr dazu zu sagen habt:

    - Musiker und Künstler? Gibt es da einen Unterschied ?

    - Gibt es kalkulatives bzw. mathematisches Empfinden?

    - Wenn es nicht die Emotion ist, die das Publikum erreicht vor dem ich spiele, was dann?

    - Ist nicht-empfundene Musik überhaupt kommunizierbar, sofern sie nicht nach
    festen Vorgaben gespielt wird?

    - Warum denken viele Schlagzeuger, sie hätten den heilgen Gral der Rhythmik gefunden?

    - Warum denken viele Percussionisten das ebenfalls?

    - Warum ist Musik, unabhängig von der jeweiligen Auffassung, immer noch Musik -
    wenn es doch Menschen gibt die eindeutig die Meinung vertreten, es sei nicht so?

    - Ist Musik "flüssige Emotion" oder "flüssige Berechnung" oder beides ?

    - Wie "tickt" ihr, wenn ihr spielt ?


    ...haut in die Tasten!! Ich bin gespannt!
     
  2. olliB.

    olliB. Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 21.07.08   #2
    Hört sich spannend an :), wenn Du mich fragst. Hallo risc!

    Den Gegensatz verstehe ich so nicht.

    Kann(!) im Ergebnis gut sein …

    … kann aber auch sein, dass das eigene Erleben mehr im Vordergrund steht als das musikalische Resultat.

    Überprüf dann aber auch, ob Du immer auch auch der Höhe der musikalischen Kommunikation bist, und ob nicht gerade die tragende Welle immer wieder dazu führt, dass Du sehr ähnliche Sachen spielst ;).

    Im Beuy´schen Sinne?

    ?

    Vielleicht die Musik? :D

    ? – Was ist nicht-empfundene Musik?

    Wer z. B.?

    Tun das viele?

    Musst Du erläutern.

    Bei den Pygmäen gibt´s darüber u. U. bestimmte Ansichten.

    Bin zum Glück kein Musiker. Aber Du scheinst damit akute Probleme zu haben, oder?

    Grüße
    olliB.
     
  3. Berliner Drummer

    Berliner Drummer Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.07.08   #3
    Hallo risc.

    Ist ja nen echt spannendes Thema, dass du da ansprichst, was sich meiner Meinung eigentlich am besten mit nem Bierchen von auge zu auge besprechen lässt.
    Aber dem ist ja nicht so, von daher fang ich mal an, zu versuchen antworten zu geben, oder eher zu finden, da ich bei manchen Sachen eher unschlüssig bin und mich selber frage, warum das so ist, oder eher nicht. Ich werde eher auf das Spielen an sich eingehen, da ich dieses Thema viel spannender finde, als über Rhythmik usw. zu labern, das macht man ja eh ständig.

    Ich fang mal gleich von unten an, da ich, wie gesagt, finde, dass das der spannendere Aspekt ist.
    Also wie ich ticke?
    Das ist eine gute Frage, die eigentlich gar nicht sooo leicht zu beantworten ist.
    Lustigerweise ticke ich eigentlich immer anders.
    Das ist genau so, wie die entscheidung welche Stick-Technik ich jetzt benutze. Diese kommt auch spontan und ohne viel drüber nachzudenken. Ist eher so ein Bauchgefühl.
    Natürlich, wenn es darum geht Songs zu spielen, die eine fest struktur verfolgen etc., dann, ich versuche es zumindest, halte ich mich zum sehr großen teil daran. Es passiert höchstens mal aus unachtsamkeit, oder kleiner Konzentrationsschwäche, dass ich vereinzelnt ein paar schläge zu viel oder zu wenig mache, aber das merk höchstens ich. Nicht einmal meine Mitmusiker, geschweige denn das Publikum, falls wir denn mal Besuch im proberaum haben, oder auf der Bühne stehen.
    Ich habe keine großen Probleme Songstrukturen zu verinnerlichen und bin meistens der erste, der es schafft und gebe dann auch, wie es eigentlich sein sollte, den Takt vor und dominiere etwas, was so sachen Angeht, wie wiederholen, weil irgendwas nicht geklappt hat usw.
    Aber viel lieber tu ich eigentlich improvisieren.
    Das was du beschrieben hast, dieses Gefühl, für Takt, Rhythmus usw., das, würde ich jetzt einfach mal behaupten, habe ich auch so mit der Zeit entwickelt. Ich kann mit raltiv fremden Mitmusikern wunderbar jammen. Ich sag dann einfach: "Fang an, ich steig ein." Und meistens jammt man dann einfach fröhlich vor sich hin, ohne groß aufzuhören, da einfach, meistens zumindest, beiderseits dieses Gefühl für die Musik da ist. (Natürlich abhängig, mit dem ich da jamme, mit Anfängern, ist das natürlich etwas anderes.)
    Also ich bin auch nicht der Profi hier, aber ich verarbeite innerhalb kürzester Zeit gehörtes und kann dazu dann etwas spielen (meistens zumindest).

    Es ist auch sehr interessant finde ich, zu jammen, da man dabei ja wirklich so seinen Gefühlen freien Lauf lassen kann.


    Ich würde sagen ein bisschen was von beidem.
    Sogar bei Songs, die man schon hunderte male gespielt hat, waren es am Anfang flüssige Emotionen, die ihn entstehen lassen haben. Und ich persönlich, wenn ich gut drauf bin, sprich gut gelaunt bin und halt alles stimmt, kann auch bei Songs, die ich schon hunderte male gespielt hab, noch richtig mitgehen und hab ein sehr prinkelndes Gefühl. Leider ist sowas bei alteingespielten Songs zu selten. :)

    Die frage ist doch eher, was ist Musik? Eigentlich wissen wir es ja alle.
    Aber wenn man das dann wirklich wissenschaftlich betrachtet, kann man eigentlich sogar zu den krankesten Sachen sagen, das ist Musik.
    (Ich will an dieser Stelle nicht groß rumwissenschaftlern. :p)

    Denken sie das? Sorry das ist mir neu.


    Die Frage versteh ich nicht so ganz.

    Sehr gute Frage. Leider weiß ich da keine Antwort drauf. Aber es ist abhängig von den Menschen im Publikum. Ich als Musiker werd auch durch Spielweise, technik und können erreicht, wenn es gut oder überragend ist.

    So ganz genau, was du jetzt von mir hören willst, weiß ich nicht.
    Aber wo ist der unterschied? Kalkulieren ist doch so nen teil der Mathematik oder nicht? :p

    Ich weiß wirklich nicht so genau, was du damit erfragen möchtest.

    Sind Musiker nicht automatisch Künstler?
    Die frage ist eher, wann kann man sich Musiker nennen, oder nicht?
    Kann ich mich Musiker nennen, wenn ich wenige Wochen ein Instrument spiele und dieses kaum beherrsche?




    Soo ich konnte ja jetzt nicht alle fragen beantworten, aber wie oben schon gesagt, hatte ich eh vor mehr Aufmerksamkeit der Frage über das "wie man tickt" zu widdmen.

    MfG Berliner Drummer
     
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