Wie werde ich denn bitte ein guter Jazzpianist??

von Gatschli, 24.06.05.

  1. Gatschli

    Gatschli Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.06.05   #1
    Hallo! Ich habe ein großes Problem und hoffe Ihr könnt mir helfen, denn ich weiß, dass es hier einige ganz tolle Musiker, Pianisten und Keyboarder gibt.

    Vielleicht beginne ich am besten einmal mit meinem Endziel:
    Ich möchte unbedingt gerne gut Klavier und Keyboard spielen. (Also weniger diese Entertainerkisten, sondern wirklich alles selber spielen)
    Ich liebe zwar die klassische Musik als Hörer, jedoch habe ich keine Lust selber klassische Musik zu spielen (als Ziel!!)
    Was ich wirklich möchte ist im Bereich Jazz Pop Rock Gospel, Funk Bereich gut zu werden. Also Vertreter wie Gene Harris oder Ray Bryant, bzw. Ray Charles, Elton John, Billy Joell oder der Keyboarder von Joe Cocker bzw. Funknummern wie die von Herbie Hancock, Steve Wonder Jimmy Smith etc.
    Klavier, aber auch Keyboard (Orgel, EPiano und so) spielen.
    Jetzt ist es so, dass ich Niveau mäßig so auf dem stand von RockPop Piano2 Jürgen Moser, bzw. so 2 stimmige Bach Inventionen bin.
    Das ist mir aber viel zu wenig. Ich möchte groovig Begleiten könne, tolle Solos spielen und eben auch Improvisieren können. Dazu habe ich einen tollen Jazzlehrer, wo ich im Bereich Improvisation und Voicings wirklich viel lernen kann. da er aber auf einer JazzUni in England Studenten unterrichtet hat (ist in Pension) hat er mir ehrlich gesagt, dass er bei Studenten die er unterrichtet hat (haben also Aufnahmsprüfung geschafft und somit ein anderes Level) anders wo beginnen kann als bei mir. Er bringt mir zwar gerne etwas über Jazz beit und das auch sehr gut, aber er ist auch laut sich selber nicht der richtige um mir Spieltechnisch die Basis zu geben, die eben die Leute, die zu Ihm kommen schon haben.
    Er selber war autodidakt und hat 6-7 Stunden geübt was er konnte und was Ihm einfiel. Also bewundernswert aber wohl doch nicht die übliche Variante!

    Ich frage mich also wie komme ich am besten zu diesen Fähigkeiten. Wie geschrieben, möchte ich Solo, wie in der Band einfach ein guter, Variantenreicher Keyboarder und Pianist sein. Also wenn ich mir sämtliche Jazzstudenten die die Aufnahmsprüfung geschafft haben und dann sich so 2 Jahre mit "modernen Themen" wie Pop oder Funk (nicht nur klassische Swingmusik) beschäftigen, so ist das mein erklärtes Ziel. (Die sind technisch und vom Wissen über Improvisation und Throrie einfach gut. Und können eben so alles Vereinne!!) Die haben aber die Technik eigendlich schon bevor sie dort hin kommen und auch schon einiges an Pop Rock, Jazz, Improvisieren und so drauf. Wo lernt man das? Bei einem klassik Lehrer?

    Ist es empfehlenswert wirklich einige Jahre klassik zu lernen? Bekommt man nur dort die Technik? Oder wie kommt man am besten zu meinem ziel ein guter Jazz und Pop Pianist bzw. Keyboarder zu werden?

    Ich denke mir halt die ganzen Amerikaner und so haben doch sicher auch nicht mit Cerny Etüden oder Mozartsonaten ihre unglaublichen Fähigkeiten gelernt oder? Die fingen mit Jazz einfach an und haben sich Technisch, und Musikalisch dort zur Perfektion gebracht.

    Ist trotzdem der weg über die klassik derjenige, der am schnellsten zum Ziel führt um sich eine gute Technik anzueignen? (Geht dann das andere schneller?)
    Meinen Jazzprofessor würde ich natürlich parallel dazu weiterlaufen lassen.
    Andererseits sehe ich klassiker (Studenten in höheren Semestern), die zwar toll spielen, aber halt ganz anders als ich es lernen will. (Die können kein Modernes Pop Stück oder haben rein gar keine Ahnung über Jazz und Improvisation) Ich will frei spielen Improvisieren und so, aber dafür brauche ich eben nicht nur theoretische Kentnisse über Skalen Akkorde etc (dieses Wissen ist bei mir recht gut denke ich) sondern auch Finger die das umsetzten können was ich mir vorstelle.
    Außerdem ist ja nicht immer alles wirklich improvisiert, sondern oft spielt man einfach auch ineinem Solo dinge die man geübt hat und einem in den Fingern sind (nur ob das Cerny ist??)

    Ich weiß nicht ist will gerne noch einne 2. Klavierlehrer zusätzlich haben. Nur was für einen? Einne klassiker, der meine Finger zum laufen bringt? Oder ist das der falsche Weg.
    Ich will ja eben nicht ein Klassischer Pianist sein sondern Jazzpianist!


    Entschuldigt bitte diesen langen Beitrag, aber es ist mir wirklich sehr sehr wichtig denn das entscheidet schon auch über meine Zukunft. Ich bin zwar schon 21 und mitten in einem Medizinstudium, aber ich will trotzdem nicht aufgeben meinen Traum zu erreichen!

    Danke.
     
  2. Jay

    Jay HCA Piano/Spieltechnik Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 24.06.05   #2
    Langer Text, deshalb verschiedene Kommentare zu verschiedenen Dingen. ;)

    1.) Jürgen Mosers Rock Piano 2: Wenn du grob den Stand Mitte dieses Buches hast, dürften wir von der Warte aus betrachtet in etwa das selbe Niveau haben. Hast du auch die 1 durchgespielt? Also wirklich gespielt und nicht nur angeschaut und gesagt "Ach, das kann ich"? Weil da bereits sehr viele bandtaugliche Grundlagen gelegt werden. Hat mir zumindest viel gebracht.

    2.) Klavierunterricht: Wenn du Jazz lernen willst, nimm unbedingt Jazzklavierunterricht. Ein guter Lehrer wird dir auch in diesem Rahmen Fingerfertigkeit beibringen. "Etüden" ala Cerny und Co. gibts auch im Jazzbereich, z.B. von Petersen. Und Tonleitern usw. kommen trotzdem, auch wenns Jazz ist.

    3.) Spiele in einer Band! Das wichtigste ist, dass du in mindestens einer Band spielst. So lernst du am schnellsten, erstmal mitzuspielen. Je nach Stück und Können kommt dann das ein oder andere Solo dazu, und du kannst im Bandrahmen viele neue Sachen ausprobieren, vor allem in der Begleitung. Das bringt dich schneller vorwärts als irgendetwas anderes. Wenn du im Rock Piano 2 bist, solltest du auf alle Fälle die nötigen spielerischen Grundlagen haben.

    4.) Harmonielehre, Akkorde, Voicings: Was ganz wichtig ist, nicht nur in der Band, du musst die Akkorde kennen und wissen, was man daraus machen kann. Da brauchst du noch nicht mal 'nen Lehrer dazu. In einer Jazzband spielst du am Klavier in der Hauptsache Rhythmus, d.h. du musst aus den Akkorden was machen. Und je flüssiger du die drauf hast und je mehr Voicings du intuitiv spielen kannst, also ohne überlegen einfach nach Gefühl, desto vielfältiger kannst du natürlich begleiten.

    Noch ein Tipp: Schaue nicht auf andere Pianisten! Also um was zu lernen schon, aber nicht zum Vergleich "wie gut bin ich denn schon". Wenn ich das machen würde, könnte ich den Kram gleich in die Ecke stellen! Beim Jazz reicht schon wesentlich weniger "Können" als viele vermuten, um zumindest erstmal mitspielen zu können. Fetzige Soli kommen dann schon auch noch irgendwann. :)

    Gruß,
    Jay

    PS: Und ändere bitte mal die Überschrift in was Aussagekräftiges ...
     
  3. lucjesuistonpere

    lucjesuistonpere Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.06.05   #3
    Ich hab mit Jazzpiano als ursprünglich klassischer Pianist auch erst vor 3 Jahren angefangen, was sich im nachhinein sehr gelohnt hat (z.B. 2. Preis bei Jugend Jazzt NRW dieses Jahr).
    Die klassische Vorbildung war in jedem Falle sehr hilfreich und hatte positive Auswirkungen auf Technik und Fingerfertigkeit. Auch jetzt spiele ich immer noch sehr viel Klassik.
    Sehr wichtig, um ein richtiges Spielgefühl zu bekommen, ist daß du viel Funk und Jazz etc. hörst! Denn dadurch erfährst du, wie sich die Musik am Ende "anfühlen" muß. Man kann keinen Jazz spielen ohne überhaupt eine Vorstellung von dem zu haben, was "jazzig" ist. (Deswegen halte ich Ratschläge wie "du kannst alles spielen, es gibt da keine Regeln" für ziemlich sinnfrei.)
    Und dann natürlich: sehr viel improvisieren. Nicht nur die Übungen vom Klavierlehrer runterrasseln, sondern entdecke die Klaviatur für dich. Probier mal was aus, erfinde dir eigene Melodien oder Läufe. Sei kreativ! Und a) nimm weiterhin Unterricht und höre b) weiterhin schön Funk-Mukke, um dein Repertoire an Ideen zu erweitern und nicht immer in der eigenen Soße herumzurühren. Der Unterricht sollte auch für theoretisches Zeug dienen, also z.B. Harmonie- oder Improvisationslehre (auf die man von selber halt nicht so schnell kommt). Für sowas gibt es allerdings auch Bücher.
    Und natürlich: viel üben!

    Viel Erfolg! :)
     
  4. cordesavide

    cordesavide Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.06.05   #4
    Was für mich aus deinem Thread nicht ganz klar herausgekommen ist: Willst du einfach nur so gut Jazzklavier spielen können oder willst du es hauptberuflich machen?
     
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