Viele Keyboarder passen sich ihren Sound nicht an die Band an und wundern sich dann, dass sie nicht gehört werden. Insbesondere tummeln sich sie gerne in Frequenz-Bereichen, die vom Bassisten oder Rhythmus-Gitarristen belegt werden. Das mag bei Percussiven-Piano-Sounds noch erträglich sein ... aber bei Streichern ...
Viele Gitarristen passen ihren Sound nicht an die Band an und wundern sich dann, dass es matschig klingt. Insbesondere tummeln sie sich gerne in Frequenzbereichen, die vom Keyboarder belegt werden. Das mag bei gezupften Clean-Sounds noch erträglich sein, aber beim vollen Zerr-Brett...
Du siehst, so 'rum wird auch ein Schuh draus, und das habe ich nun wirklich auch schon oft genug erlebt. Und damit sind wir wieder bei "interessanten" Erwartungshaltungen: Nicht nur spielerisch wird vom Keyboarder erwartet, alles zu machen, sondern auch wenn es um die Anpassung der Sounds und/oder die Zurückhaltung im Spiel geht. Viele der Gitarristen, mit denen ich bisher gespielt habe waren in der Tat der Ansicht, dass man sich als Keyboarder an die Gitarre anzupassen habe, weil die Gitarre ja so sein müsste, wie sie ist. Auf den Hinweis, dass sich wohl beide ein wenig anpassen und natürlich auch einschränken müssen wurde dann üblicherweise verwundert (aber nach kurzem Ausprobieren überzeugt) oder aggressiv abblockend (und die Zusammenarbeit damit frühzeitig beendend) reagiert.
Ganz im Ernst: Warum sehen so viele Musiker (und das sind, zumindest meinen persönlichen Erfahrungen nach, leider häufig die Gitarristen) das Zusammenspiel als Wettstreit, den man gewinnen muss? Es geht doch viel mehr darum, einfach gute Musik zu machen, und dazu gehört ganz besonders die alte Weisheit "weniger ist manchmal mehr". Und das gilt instrumentenübergreifend. Ich habe jedenfalls für den allwöchentlichen Krieg um die Frequenzbereiche keine Zeit.
Und am Ende stellt man dann wieder fest, wie schwierig es ist, Leute zu finden, die alles haben und können: Technisch gut spielen, banddienlich spielen, gut im Sounddesign sein, kreativ sein und idealerweise auch noch menschlich einigermaßen kompatibel. Und wie in anderen Bereichen des Lebens gilt auch hier: Man muss viele Frösche küssen.