Klavierspielen in höherem Alter - erst dachte ich, ich bin zu alt und kann nichts...

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Und jetzt spiele ich sogar in einer Band …

Als ich letztens ein Video zu dem Thema sah, dass ältere Klavierspieler, die erst in höherem Alter mit dem Klavierspielen angefangen haben, sich selbst meistens unterschätzen, dachte ich: „Ob das wirklich stimmt?“ Ich weiß, dass ich immer denke, ich kann nicht viel am Klavier – jedenfalls nicht so viel, wie ich gern können würde und wie ich auf anderen Instrumenten kann –, aber wenn es dann darum geht, mal zu überprüfen, was ich wirklich kann, kommt doch einiges zusammen. Es ist aber immer noch eine sehr subjektive Einschätzung.

Nun hat es sich aber so ergeben, dass Bekannte mich gefragt haben, ob ich nicht Klavier in ihrer Band spielen könnte. Meine erste Reaktion war: „Nee, das kann ich nicht. Wie soll das gehen?“ Gerade auch, weil es da um Akkorde geht oder nach Gehör zu spielen, nicht darum, Songs vom Blatt zu spielen. Was ich ja viel besser kann als ohne Noten zu spielen.

Aber nun war die erste Probe, und es ging so gut, dass ich es gar nicht glauben kann. Gut, ich kenne meine Akkorde, und die eine oder andere kleine Melodie kriege ich auch nach Gehör hin, wenn man mir ein Video mit einem Song vorspielt, aber dass es so gut gehen würde, hätte ich nicht gedacht.

Ich muss das noch üben, ganz klar, aber es ist definitiv machbar, in dieser Band zu spielen. Und je mehr ich das mache, dafür übe, mit den anderen in der Band zusammen spiele, desto besser werde ich natürlich auch werden.

Was habe ich jetzt daraus gelernt? Ich habe mich unterschätzt. Andere sehen meine Fähigkeiten ganz anders als ich selbst. Ja, ich habe mich recht viel mit Akkorden beschäftigt, aber immer, wenn ich damit improvisieren wollte, kam ich nicht weiter. Ein paar Akkordfolgen, klar, kein Problem, aber dann war irgendwie Schluss.

Was ich jetzt machen soll, ist kein Improvisieren, es ist erst einmal die Akkorde nach Gehör erkennen, die Melodie nach Gehör erkennen und sich das dann merken und spielen. Da die meisten Songs ja aber nur aus wenigen Akkorden bestehen, ist das relativ einfach.

Üben muss ich natürlich trotzdem, denn ich habe sehr wenig auswendig gespielt, sehr wenig nach Gehör gespielt, darüber habe ich hier ja berichtet. Aber dass ich so viel schon kann, das hat mich selbst überrascht. Ich hatte einfach nur das Gefühl, ich kann nichts, aber das entspricht nicht der Wirklichkeit. Es kommt darauf an, welche Messlatte man anlegt, aber auch darauf, was verlangt wird.

Ich glaube, gerade wir Älteren, die wir sehr spät angefangen haben, schauen zu sehr auf die Profis oder auf die Leute, die schon seit Kindertagen spielen. Die sind natürlich tausendmal besser als wir. Aber man kann trotzdem auch im Alter noch sehr viel lernen und mit anderen zusammenspielen, ohne sich schämen zu müssen. Das habe ich jetzt glaube ich begriffen.
 
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Ich kann es nicht, denke ich auch oft. Und das stimmt sogar. Aber ich mache es trotzdem. Frei nach dem Motto: Ich mache Musik nicht, weil ich es so gut kann, sondern weil sie mir so wichtig ist, dass ich ein Teil davon sein möchte…
 
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ich kenne meine Akkorde, und die eine oder andere kleine Melodie kriege ich auch nach Gehör hin, wenn man mir ein Video mit einem Song vorspielt,
... mehr braucht es doch erstmal nicht zum Spaß haben. In der Band ist man immer nur ein Teil des Ganzen. Das geht auch mit weniger professionellen Skills und ein Piano-Solo muss ja nicht am Anfang stehen... Also, geniesse das Bandmusizieren, weiter so, besser wird man immer und es zeigt doch: Das ist alles kein Hexenwerk! VIEL SPASS WEITER! LG, Frank
 
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Ich kann es nicht, denke ich auch oft. Und das stimmt sogar. Aber ich mache es trotzdem. Frei nach dem Motto: Ich mache Musik nicht, weil ich es so gut kann, sondern weil sie mir so wichtig ist, dass ich ein Teil davon sein möchte…
Das ist sehr gut ausgedrückt. Musik ist ein Teil meines Lebens, auf den ich nicht verzichten möchte. Aber immer wieder habe ich mich darüber geärgert, dass ich auf dem Klavier "nichts kann". Ohne dass ich darüber nachgedacht habe, was ich eigentlich schon kann. Immer nur auf das gesehen, was nicht klappt, statt auf das, was klappt. Dumm, einfach dumm. 🙃
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... mehr braucht es doch erstmal nicht zum Spaß haben. In der Band ist man immer nur ein Teil des Ganzen. Das geht auch mit weniger professionellen Skills und ein Piano-Solo muss ja nicht am Anfang stehen... Also, geniesse das Bandmusizieren, weiter so, besser wird man immer und es zeigt doch: Das ist alles kein Hexenwerk! VIEL SPASS WEITER! LG, Frank
Danke! 😊 Also von einem Piano-Solo bin ich glaube ich doch noch ein bisschen entfernt. Aber das muss ja auch nicht sein. Heute habe ich aber richtig gemerkt, wie gut ich hören kann. 😎 Das geht relativ schnell mit dem Herausfinden der richtigen Akkorde, und die Melodien bewegen sich auch in einem recht beschränkten Bereich, weil die meisten Sänger und Sängerinnen ja nicht über Oktaven rauf und runter singen können, sondern sich das meist auf höchstens eine Oktave beschränkt. Alles tatsächlich kein Hexenwerk.

Heute habe ich zwar noch ein bisschen rumgesucht, aber es ging doch recht schnell, denn wenn man die vier Akkorde erst einmal hat, kommt man damit schon sehr weit. In diesem Fall war es nicht C-F-Am-G ,wie so oft, aber auch alles andere ist ja nur eine Variation davon. Und bis zum nächsten Mal habe ich das geübt, und es geht ganz flüssig. Dann noch ein bisschen die Melodie mit der rechten Hand dazu, und schon läuft es.

Was sich daraus dann zum Schluss ergeben wird, in einem gewissen zeitlichen Abstand, das werde ich sehen. Aber der Anfang ist gemacht, und das freut mich jetzt sehr. Die Bandprobe heute war seit langer Zeit der größte Spaß, den ich hatte.
 
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Wenn man alleine spielt/improvisiert, muß man
  1. den Part des Bassisten übernehmen und den Bass spielen,
  2. den Part des Gitarristen übernehmen und die Akkorde spielen,
  3. den Part des Gesangs/Saxophons ... übernehmen und die Melodie spielen und
  4. den Part des Drummers übernehmen und den Rhythmus halten.
Und das alles gleichzeitig!

Wenn man in einer Band spielt, kann man sich auf eine Sache konzentrieren und das andere den Kollegen überlassen. Das ist viel einfacher und macht zudem auch noch mehr Spaß, weil man mit anderen kommunizieren kann.

Deshalb: Weitermachen!

Viele Grüße,
McCoy
 
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Wo fängt das „höhere Alter“ denn eigentlich an? 😅
 
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Wenn man alleine spielt/improvisiert, muß man
  1. den Part des Bassisten übernehmen und den Bass spielen,
  2. den Part des Gitarristen übernehmen und die Akkorde spielen,
  3. den Part des Gesangs/Saxophons ... übernehmen und die Melodie spielen und
  4. den Part des Drummers übernehmen und den Rhythmus halten.
Und das alles gleichzeitig!

Wenn man in einer Band spielt, kann man sich auf eine Sache konzentrieren und das andere den Kollegen überlassen. Das ist viel einfacher und macht zudem auch noch mehr Spaß, weil man mit anderen kommunizieren kann.

Deshalb: Weitermachen!

Viele Grüße,
McCoy
Allein ist es immer schwierig, finde ich. Auch sich selbst zu beurteilen. Deshalb bin ich beispielsweise auch ins Forum gekommen, um mich mit anderen auszutauschen. Und auch das hat geholfen. Sich damit zu beschäftigen, was man tun muss, um weitermachen zu können, nämlich erst einmal anzufangen. Ich habe einige Zeit dafür gebraucht, mir die Sache überhaupt zuzutrauen. Und dann ging es irgendwie immer in eine Richtung, in die ich gar nicht wollte. Darüber habe ich hier ja viel geschrieben. Man fühlt sich ein bisschen wie ein Blatt im Wind.

Und wenn man allein ist, hat man auch Probleme, sich richtige Ziele zu setzen. Das habe ich dann zwar auch gemacht, indem ich das ganze "Chords and Scales"-Buch durchgearbeitet habe, aber dann stand ich wieder da. Was mache ich jetzt damit? Und an dem Punkt habe ich mich ziemlich im Kreis gedreht. Man muss einfach ins kalte Wasser springen, machen, auch wenn man es sich nicht richtig zutraut. Aber dazu braucht es dann einen Anstoß, der einen sozusagen über die Klippe schubst. Und das ist jetzt die Band.

Man macht es sich selbst unnötig schwer, gerade wenn man älter ist. Man will die Sache korrekt beurteilen, von der richtigen Seite angehen, nichts falschmachen. Man denkt zu viel nach, statt einfach ins kalte Wasser zu springen. Um dann festzustellen, dass es doch eigentlich eher lauwarm ist und gar nicht so unangenehm. 😎
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Wo fängt das „höhere Alter“ denn eigentlich an? 😅
Das ist natürlich immer die Frage. Ich rede jetzt in meinem Fall vom Rentenalter. Aber ich habe auch schon mal gelesen, dass Leute sich schon zu alt fühlen, Klavierspielen zu lernen mit 30 oder 40. Was aus meiner Sicht extrem jung ist. Alles, was nicht Kindesalter ist - und da sogar frühes Kindesalter, so ab 3, 4, 5 Jahre - erscheint einem manchmal schon zu alt, um "richtig" Klavierspielen zu lernen.

Das ist auch dieses blöde YouTube. Da sitzen Dreijährige, manchmal schon Zweijährige am Klavier und spielen Beethovensonaten oder so was. Und dann gibt es diesen bescheuerten Spruch "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr". Der, der den erfunden hat, sollte mal eine Ohrfeige kriegen. 😜 Ich habe das Gefühl, dass diese Vorstellung doch sehr in uns verhaftet ist.

Mittlerweile gibt es ja schon andere Methoden, aber früher gab es ja wirklich nur die Klavierspiellernmethode, die für Kinder gedacht war. Und die hat es uns Erwachsenen oft schwer gemacht.

Wenn man einfach nur Tonleitern rauf und runter spielt, Hanon-Übungen ohne Sinn und Verstand in die Tasten kloppt, dann lernt man zwar schon was, aber als Erwachsener fragt man sich dann, ob das das Richtige ist, ob sich das lohnt, ob man seine Zeit nicht besser nutzen könnte. Und schon ist man in einer Art Teufelskreis.

Kinder machen sich solche Gedanken nicht, und damit sind meistens ein paar Jahre Basislernen schnell vorbei, auf die man dann aufbauen kann. Oder auch nicht, denn viele Jugendliche hören dann ja wieder auf, weil im Teenageralter andere Dinge wichtiger werden - oder wichtiger erscheinen -, aber man kann auch später noch auf diese Grundlagen aufbauen. Wenn man erst in höherem Alter damit anfängt, braucht man natürlich eine gewisse Zeit, bis man überhaupt auf dem Stand eines 6jährigen ist. Aber ab dann geht es zumindest ähnlich weiter. Außer dass man vielleicht zusätzlich mit Rheuma zu kämpfen hat. 😂
 
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Eigentlich nur um ein paar Drumgrooves per Fingerdrumming und mit ezDrummer einzuspielen habe ich mir kürzlich ein neues Midikeybord (NI Kontrol S) zugelegt. Nun waren da aber so viele Softwareinstrumente beim Kauf enthalten, und einige hatte ich (50+) schon auf dem Rechner (uA. ezKeys), dass ich nicht umhin kam mich langsam mal mit dem Erlernen einiger Akkordfolgen auf der Tastatur zu beschäftigen.
C/Am- Progressionen klappen auch mit Akkordumkehrungen nach paar Tagen schon recht flüssig und auch Akkorde mit schwarzen Tasten werden langsam möglich. Melodien nach Gehör nachspielen geht auch ganz gut.
Mein Fazit: Tastendrücken macht Spass, soviel das meine Gitarren seitdem ich das neue Keyboard habe (fast) nur noch rumstehen.
Für meine Songprojekte nutze ich aber lieber noch die Pianoroll in der DAW. :D

Das ist auch dieses blöde YouTube.
Mir hat das schon sehr geholfen, wusste gar nicht dass es so viele Tutorials für "ohne Noten" gibt.

Dir viel Spass noch in der Band!
 
Ich habe eigentlich immer (musikalisch und darüber hinaus) bessere Erfahrungen mit Menschen gemacht, die zuerst sagen: "Ich bin nicht sicher, ob ich das kann." als mit der "Alles kein Problem!"-Fraktion.

Leider sind Ego und Können oft diametral falsch herum verteilt.

Und was das Alter angeht: Ich kannte mal jemand, der hat mit 80+ noch angefangen Gitarre zu spielen. Mit 84 hat er mit ein paar anderen Senioren noch lange in einer Blues-Band gespielt. Also, Alter sollte kein Hinderungsgrund sein - nur, die oft übertriebenen Ansprüche an die eigene "Perfektion" sollte man (aber eigentlich in jedem Alter) überdenken.
 
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  • #10
Das tolle an der Band ist... es macht Vieles LEICHTER. Kleine Fehler gehen eher auch einfach mal unter, ob Du den Akkord in der Grundform, erste oder zweite Umkehrung spielst, wird von den Mitmusikern/Publikum eher selten jemand mitkriegen, und bei mir entwickelt sich durch immer wieder mit der Band proben oder Auftritte, jedes Stück auch immer weiter ("heh, das klingt cool, das merke ich mir, bzw. aufschreiben in meinem Alter 😁😅). Am Anfang eines neuen Stückes ist das noch recht "einfach" oft, mit der Zeit wird es dann "interessanter".
Klar ist es ein Vorteil, jung zu beginnen (ich tatsächlich mit 6), aber das Cover-Band-Spielen habe ich erst mit Mitte 50 begonnen und zwischen 25 und 55 sehr überschaubare Häufigkeit des Spielens nur (ein-zweimal pro Woche ein paar Minuten rumgeklimpert). Eine gewissen Level wird man auch im Alter immer noch erreichen können, solange man Hirn und Körper noch halbwegs "im Griff" hat. Manches dauert etwas länger, Vieles muss man sich aufschreiben, weil man es sich nicht mehr alles merken kann, und Profilevel wird man wohl nicht mehr erreichen (macht doch nichts!), aber für Spass wird es bestimmt immer reichen! LG, Frank
 
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  • #11
Kurz gesagt, meine Tastenfähigkeiten sind begrenzt. Es gibt den Punkt, wo ich schneller vergesse als neues dazugewinne. Das liegt aber hauptsächlich an meiner Selbstsabotage. Gerade jetzt in dieser Minute.
Vorgeschichte:
Gitarre als Autodidakt ab 13/14 Jahre. Seitdem nie eine Unterbrechung dieser Leidenschaft.
Erstes Klavier mit 18, ein Geschenk einer Jugendliebe, die Platz im Zimmer wollte. War hochgradig verstimmt und ich hatte null Geld. Dies Klavier habe ich wenig später für den Einzug meiner Freundin geopfert. Ich habe einen sehr wichtigen Song darauf komponiert.
Dann kamen viele Jahre ohne Tasteninstrument.
1981/2 konnte ich mir das erste Keyboard von Casio zulegen. Unbegreiflich teuer für 16 Rhythmen und 8 Quietsche-Sounds.
Dann war ich so dumm, als ich Platz und Geld hatte, mir kein Klavier zu leisten. Stattdessen habe ich mir alle Jahre wieder ein "Luxus-Keyboard" gegönnt. Tasten mit Stromversorgung.
Als Alleinunterhalter habe ich nie gearbeitet. Immerhin habe ich mal meine Keyboardfähigkeiten auf einer Betriebsfeier gezeigt, wo ich eine Spielpause der engagierten Band nutzte. Daraus entstand später eine erste Betriebsband. Man muss sich halt outen.
Viel zu spät im Leben ergatterte ich ein altes, wunderschönes Jugendstilklavier. Ich erwarb Stimmhammer und las viel Fachliteratur über Klavierbau.
Klavier hat ja mit Gitarre und Keyboard null zu tun. Ist also mein Drittinstrument. Jetzt war ich schon "alt" und konnte nur recht langsam voranschreiten. Ich war aber begeistert vom Klavierspielen!
Durch einen erzwungenen Umzug ging das Instrument verloren.
Inzwischen sitze ich an einer RH3-Tastatur eines Digitalpianos. Fantastisches Spielgefühl, aber ich darf nur Ohrhörer nutzen. Ich weiß ja, was mir da entgeht im Spielerlebnis.
Ich lerne stetig, mache durch die endlosen Pausen, die ich einlege, wenig Fortschritt. Nüchtern betrachtet, ich erkenne meine Grenzen sehr deutlich.
Lernt die Jugend schneller?
Ja. Meinem Sohn flog ein Klavier zu. Der ist Gitarrist. Der lernte, ungelogen, 10-20 mal schneller als ich! Auch der Nachwuchs: Die lernen so schnell, da wackelt mir der Hut. Trotz der winzigen Finger.
Wenn ich mich nun wieder an die Tasten setze, kämpfe ich mit Songs/Übungen/Noten/Improvisationen, die ich schon vor Jahren erledigt hatte. Ich komme nicht wirklich voran an den Tasten, ist ein Stellungskrieg. Ich habe halt doch viel, was ich ungeübt vergesse!
 
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  • #12
Nun hat es sich aber so ergeben, dass Bekannte mich gefragt haben, ob ich nicht Klavier in ihrer Band spielen könnte. Meine erste Reaktion war: „Nee, das kann ich nicht. Wie soll das gehen?“ [...]
Aber nun war die erste Probe, und es ging so gut, dass ich es gar nicht glauben kann.
Ein gutes Beispiel, wie verdammt wichtig der Sozialfaktor beim Musikmachen sein kann. Der kann Berge versetzen - bzw. Grundüberzeugungen über das eigene musikalische Lernen, die bisher monolithisch wie Berge erschienen.
 
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  • #13
Wo fängt das „höhere Alter“ denn eigentlich an? 😅
Um das auszurechnen, gibt es eine bewährte Formel:
hA = A(P) - 1

(hA: höheres Alter, A(P): Alter des Postenden)

Viele Grüße,
McCoy
 
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  • #14
Hehe - die Formel mit der Unbekannten A(P)
 
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  • #15
Genau.
Ein gutes Beispiel, wie verdammt wichtig der Sozialfaktor beim Musikmachen sein kann. Der kann Berge versetzen - bzw. Grundüberzeugungen über das eigene musikalische Lernen, die bisher monolithisch wie Berge erschienen.
Genau. Ich bin jetzt sehr, sehr froh, dass ich diese Chance bekomme. Allein ist es wirklich manchmal schwierig, den richtigen Weg zu finden. Man sucht rum, bekommt die verschiedensten Empfehlungen, probiert vieles aus, aber hat wenig Ahnung, was nun wirklich das Beste für einen selbst ist.

Allerdings muss ich auch sagen, das "Chords and Scales"-Buch war die Grundlage, die ich jedem empfehlen würde. Da ist alles ganz kompakt drin, was man braucht. Ich habe das tatsächlich von der ersten bis zur letzten Seite durchgemacht. Da kommen zwar auch Akkorde vor, die ich wahrscheinlich nicht wiedersehen werde, aber es ist schön, das mal gemacht zu haben. Man bekommt eine ganz andere Vorstellung von den Zusammenhängen zwischen den Akkorden.

Ich hatte vorher nur Musik vom Blatt gespielt, Noten, und mir nie Gedanken über Akkorde gemacht. Jetzt sehe ich diesen Song, den wir nun mit der Band spielen, sehe Db, Ab, sogar Ab sus4/Eb und zum Schluss F, und weiß tatsächlich, was das ist, ohne groß darüber nachzudenken. Gut, das F hätte ich vorher auch schon gekannt. 😂
 
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  • #16
Was man mit Sicherheit sagen kann: Das, was man bereits als Kind/Jugendlicher lernt, prägt sich besser dauerhaft ein, als alles, was später hinzukommt.
Ich hatte mal eine Phase, da habe ich 5 oder 6 Jahre lang keine Taste angefasst. Und als ich dann bemerkt hatte, wie dumm das war, konnte ich sehr schnell wieder loslegen und hatte schon nach kurzer Zeit wieder das (bescheidene) Niveau von vorher. Mit Dingen, die ich später erlernt habe, ging das nie wieder so leicht und schnell.

Und: Kinder spielen einfach drauf los (wenn man nicht versucht, sie zu drillen). Da passiert im Gehirn ja viel mehr als nur Hören oder haptisches Tastenerleben.
Und dass fast alle Dinge viele besser funktionieren, wenn sie Spaß machen, ist ja kein Geheimnis.
Leider gibt es aber auch immer noch die "strenge Schule" des Klavierlernens. Kids, die gezwungen werden und nicht das spielen dürfen, was sie möchten. Das sind dann oft die Kandidaten, die spätestens mit 15 gar keine Taste mehr anfassen.
 
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  • #17
Ich wünschte, ich wäre gezwungen worden. 😊 Aber das ist schon daran gescheitert, dass wir uns gar kein Klavier leisten konnten. Hätten wir eins gehabt, hätte ich sicher ganz von selbst darauf rumgeklimpert, dazu hätte mich niemand zwingen müssen. Ich glaube, das ist auch ein großer Fehler, den Eltern vielleicht mit ihren Kindern machen. Wenn ein Kind kein Interesse hat, nicht von selbst ans Instrument geht (was auch immer das Instrument ist), warum es dann zwingen? Dann interessiert es sich eben für andere Sachen. Es muss sich ja nicht jedes Kind für Musik interessieren. Kinder, die sich für Musik interessieren, nicht nur für Hören, sondern auch für Machen, muss man nicht zwingen, die tun das schon von selbst, dass sie das Instrument nutzen. Wenn es ihnen nicht ein schlechter Lehrer sauer macht.
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Ich gehe jetzt das erste Mal wie ein Kind - oder fast wie ein Kind - an die Sache heran, habe gerade eine ganze Weile geübt - zu lange, wie ich jetzt merke, denn mir tut der Rücken weh (das Problem hätten Kinder nicht 😅) - und es macht mir riesigen Spaß, wie schnell man auf diese Art zu etwas (Einfachem) kommt. Ja, ich könnte den Song auch einfach nach Noten spielen, aber das wäre nicht halb so viel Spaß. Und ich will das Ganze ja auch ohne Noten spielen können, nicht immer so ein Blatt vor mir haben müssen. Dazu sind diese simplen Pop-Songs wunderbar geeignet. Nur ein paar Akkorde, nur ein paar Noten in der Melodie, die alle nah zusammenliegen, damit kann man anfangen, auswendig zu spielen.

Auch wenn es mit dem Klavier schwieriger ist als mit einem Instrument, das nur eine Note auf einmal spielt. Vor allem, wenn der Rhythmus in der linken Hand ein bisschen anders synkopiert ist als in der rechten die Melodie. Wenn man das ausgeschrieben auf einem Notenblatt sähe, würde man anfangen, mühsam zu zählen, weil die Noten der Melodie nicht zur gleichen Zeit kommen wie die Noten in der linken Hand. Wenn man keine Noten hat, hört man einfach hin, spielt es nach, zählt nicht und kommt so wesentlich schneller zum Ziel.

Jedenfalls denke ich, dass ich am Samstag in der nächsten Bandprobe das alles locker auswendig kann und wir alle zusammenspielen können. Das ist ein schnelles Erfolgserlebnis, das ich auf dem Klavier sonst nicht so hatte. Dadurch sehe ich das Klavier als Instrument jetzt auch ganz anders. Es ist erstaunlich, was so etwas bewirken kann. Bisher war Klavier immer kompliziert, schwierig, mit zwei Händen unterschiedliche Sachen spielen statt einfach nur die Melodie wie mit anderen Instrumenten, wochenlang an einem Stück üben, bis man es endlich kann, dann aber immer noch verzweifelt an den Noten hängt ... Das Übliche halt.

Jetzt auf einmal sehe ich zum ersten Mal, dass ich schon so viel auf dem Klavier gelernt habe, dass ich mit Leichtigkeit die Akkorde spielen und wechseln kann, dass ich rechts die Melodie einbauen kann, indem ich sie einfach mitsinge und gar nicht so auf die Noten achte, dass ich richtig Spaß habe, obwohl der Song eigentich gar nicht meins ist. 90er-Jahre oder 2000er Pop Songs habe ich nie gehört, weil ich die so furchtbar fand. Für mich war in den 80er Jahren mit der schönen Musik Schluss, danach gab es nichts Schönes mehr.

Zum Üben ist gerade diese extrem simple Musik aber richtig gut geeignet, und deshalb bin ich dankbar, dass jemand aus der Band diesen Song vorgeschlagen hat, obwohl ich zuerst die Augen gerollt habe. Aber man soll eben offen bleiben für alles, gerade auch im Alter. Dann kann man sogar mit solcher Musik Spaß haben und sogar noch etwas lernen. 😂
 
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Wenn man alleine spielt/improvisiert, muß man
  1. den Part des Bassisten übernehmen und den Bass spielen,
  2. den Part des Gitarristen übernehmen und die Akkorde spielen,
  3. den Part des Gesangs/Saxophons ... übernehmen und die Melodie spielen und
  4. den Part des Drummers übernehmen und den Rhythmus halten.
Und das alles gleichzeitig!

Nicht mehr zwingend. Angefangen hat es mit einem einfachen Metronom
(Vibe-Coding). Heute ist es ein Metronom mit KI-Coach(Lokale KI - "Ollama")


View: https://drive.google.com/file/d/1Lc2gsy9bbIuH2EWkrH0J2MHsUKLLqMgm

und ausgebaut wird es zum kompletten KI-Jamming-Partner/KI-Musik-Lehrer
Der mein Geklimper auch noch auswerten kann und mir sagt wo ich noch dran
arbeiten muss.
 
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  • #19
Nicht mehr zwingend. Angefangen hat es mit einem einfachen Metronom
McCoy äußert sich zur Situation "Wenn man alleine spielt/improvisiert", also dazu wenn ein Mensch alleine Klavier spielt.
Und du antwortest darauf mit mit einer KI-generierten Software? Ich sehe den Bezug zum Thema nicht.
 
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Wenn ich bedenke, was einen im Alter alles am Spielen bzw. Üben hindern kann, ist die Liste endlos. Momentan sind mein linker Zeigefinger und ein Teil des linken Daumens taub. Ich bin in Behandlung bei einem Chiropraktiker, aber es wird eine Weile dauern, sagte er, bis sich das verzieht. Vielleicht niemals mehr ganz.

Vor vielen Jahren hatte ich mehrere Bandscheibenoperationen, und das Gefühl (bzw. Nicht-Gefühl), das ich jetzt in meinen Fingern habe, hatte ich damals in meinem Fuß, vor allem im großen Zeh. Wer schon einmal mit Bandscheibe zu tun gehabt hat, wird diese Art von Taubheit kennen. Der Nerv wird gequetscht, und so verschwindet die normale Empfindung und macht dieser Taubheit Platz, die nicht sehr schön ist. Mir fallen immer wieder Dinge aus der Hand, weil ich sie nicht fühlen kann. Ich kann den Druck, den ich auf die Tasten ausübe, nicht einschätzen, weil ich kein Feedback bekomme usw.

Es gibt also weit mehr Herausforderungen beim Spielen im Alter, als man denkt. Bekannt sind Arthritis und Gicht, denke ich, die die Finger steif werden lassen, aber auch solche Dinge, wie ich sie gerade erlebe, können vorkommen.

Und dann kommt es darauf an, wie man damit umgeht. Gibt man das Klavierspielen auf, weil man seine Finger nicht fühlen kann? Oder spielt man weiter und versucht, das Handicap auszugleichen? Gerade bei Arthritis bzw. Arthrose kann das Klavierspielen helfen, die Finger wieder beweglicher zu machen, also dann ist Klavierspielen sogar therapeutisch.

Mittlerweile gibt es sehr viel mehr Leute, die erst im Alter zu spielen angefangen haben, wenn solche körperlichen Einschränkungen bei den meisten zur Normalität werden, als früher. Deshalb finde ich es wichtig, darüber zu sprechen. Denn oftmals wird von jüngeren Leuten oder Klavierlehrern, die noch in einem Alter sind, in dem solche Dinge kein Thema sind, und die auch viele Schüler haben, die so jung sind, dass sie kein Thema sind, nicht darüber gesprochen.

Diese Lehrer können gar nicht darüber sprechen, weil sie gar keine Ausbildung dafür haben. Somit sind viele Tipps, die solche Lehrer geben, mit Vorsicht zu genießen. Einer meiner Klavierlehrer hat mal dafür gesorgt, dass ich solche Krämpfe in den Händen bekam, dass ich überhaupt nicht mehr spielen konnte, denn alle seine Tipps waren auf gesunde Menschen ausgelegt, nicht auf kranke wie mich. Meine Gelenke haben schon sehr früh Abnutzungserscheinungen entwickelt.

Also nicht mit Gewalt üben wollen auf eine Art, die auf junge, gesunde Menschen ausgelegt ist. Das führt nur zu Schmerzen und Frustration. Ich spiele, wenn ich spielen kann, wenn meine Gesundheit es zulässt. Wenn sie es nicht zulässt, kann ich nicht spielen. So eine Routine wie jeden Tag 30 Minuten üben geht also nicht. Und es geht auch nicht, dann „zum Ausgleich“ mal zwei Stunden am Stück zu spielen. Damit macht man sich nur kaputt, verursacht sich noch mehr Schmerzen und kann zum Schluss gar nicht mehr spielen. Lieber mal ein paar Tage aussetzen, aber kontinuierlich weitermachen, wie man eben kann.

Die Kontinuität über Jahre bringt es bei uns Älteren genauso wie bei Jüngeren. Ich habe in den letzten Jahren ungeheuer viel gelernt, auch wenn ich zwischendurch lange Zeiten hatte, in denen ich nicht spielen konnte und aussetzen musste. Mit einem jungen Menschen, der jeden Tag ohne Beeinträchtigung üben konnte in derselben Zeit, kann ich mich nicht messen. Aber das will und muss ich auch nicht. Ich wollte mein Leben lang Klavierspielen können, und jetzt kann ich es. Keine artistischen Liszt- oder Rachmaninoff-Stücke, aber das, was ich spielen können will.

Mehr muss nicht sein, um die Freude am Spielen im Alter zu haben und zu behalten. Finde ich zumindest.
 
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