Workshop - Absorber selber bauen

von 4feetsmaller, 18.10.06.

  1. 4feetsmaller

    4feetsmaller Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 18.10.06   #1
    Absorber selber bauen

    Wir unterteilen den Workshop in:
    • Unterschiedliche Arten von Absorbern
    • Wirkungsweise
    • Absorber selber bauen
    • Was ist zu beachten
    • Quellen
    • Fazit
    • Unterschiedliche Arten von Absorbern
    Breitbandabsorber:
    Der Breitbandabsorber wie der Name schon sagt, absorbiert ein breites Spektrum. Diesen Absorbertyp werden wir dann im Schritt 3 selber bauen und weiter auf ihn eingehen.

    Plattenschwinger:
    Der bekannteste Absorber überhaupt. Er funktioniert nach dem Feder-Masse Prinzip und eignet sich am besten für Bässe und untere Mitten. Als Membran dient eine 4 mm dicke Sperrholzplatte.

    Schlitzplattenschwinger:
    Ein effektiver Mittenabsorber wo ein tiefer Holzrahmen gebaut wird, der mit Mineralwolle gefüllt ist und wo auf der Forderseite in ca. 1 cm großen abständen 10 cm breite Holzlatten befestigt sind. Die Wirkung ist von der tiefe des Absorber abhängig.

    Helmholzresonator:
    Er dient vorwiegend zum absorbieren von Bässen und braucht jede menge Platz. Da in den Ecken der Druckstau am höchsten ist, wird er meisten in einer dreieckiger Form gebaut. Der Helmholzresonator wurde benannt nach Hermann von Helmholtz.
    • Wirkungsweise eines Absorbers
    Absorber ist ein Gegenstand oder ein Medium, das Schallwellen aufnimmt und damit selektiv entfernt. Bei der Schallabsorption wird die Schallausbreitung einer starken Dämpfung unterworfen, wobei Schall in Wärme umgewandelt wird.

    Schallabsorption wird zwischen den jeweiligen Trägermedien unterschieden nach:
    • Luftschallabsorption bzw. -dämpfung in Fluiden
    • Körperschallabsorption bzw. -dämpfung in Feststoffen
    Stoffe, die schallabsorbierende Eigenschaften besitzen, nennt man Schallschluckstoffe. Diese können für Luftschalldämpfung sowohl aus homogenem als auch aus porösem Material (mit durchgehenden Poren) bestehen. Die bei "Amateuren" dazu so beliebten Eierpappen als Absorber sind nicht wirkungsvoll und aus Feuerschutzgründen unbedingt abzulehnen.
    • Absorber selber bauen
    Kommen wir zum eigentlich und interessanten Thema. Bei diesem Absorber handelt es sich um einen Breitbandabsorber der aber durch seine relativ geringe Tiefe vorwiegend zur Absorption von Mitten und Höhen geeignet ist. In der Regel wird dieser Absorber tiefer gebaut als wir dies jetzt tun.

    Material

    Dies ist das Material für 2 Breitbandabsorber !

    Dachlatten 4 Stück (2m)
    Mineralwolle 3 Platten (2,34 m²) bei einer Stärke von 4cm
    Tackernadeln nach Bedarf
    Polsternägel nach Bedarf
    Winkel 8 Stück
    Schrauben 24 Stück (je nach Bedarf)
    Bauflies 2 x 1,50m bei einer Breite von 1m
    Sperrholzplatte 2 Stück (67,7 x 135,5cm)
    Stoff am laufenden Meter 2 x 1,50m bei einer Breite von 1m

    Beim Bauflies habe ich Winterflies genommen, da der Baumarkt gerade kein Bauflies hatte. Geht aber genau so.

    Arbeitsschritte

    Dies ist nur ein Beispiel für einen Absorber den ich für meine Zwecke gebaut habe. Ihr könnt selbstverständlich in der Größe und Ausführung variieren.

    Als erstes bauen wir einen recht stabilen Holzrahmen. Ich habe mich für die Außenmasse von 67,7 x 135,5 cm entschieden, da in diese Form genau meine Mineralwolle Platten passen.

    Wir schneiden 4 Dachlatten in die jeweiligen Größen von 2x 128,3cm und 2x 65,3cm zu. Wenn wir dies haben verbinden wir die Dachlatten mit unseren Winkeln. Als nächstes spannen wir das Flies über den Holzrahmen und befestigen es mit unsern Tacker. Jetzt kommt die Mineralwolle zum Einsatz. Bei der Mineralwolle ist darauf zu achten, dass sie eine recht hohe Dichte aufweist. Mit diese Wolle füllen wir jetzt großzügig den Rahmen aus. Als nächstes könnte man zwecks Optik einen Stoff nehmen und ihn über die Forderseite ziehen. Anschließend wird die Rückseite mit einer Sperrholzplatte verschlossen und fertig ist unser erster Absorber.

    Die Absorber werden dann später in unserem Proberaum in nähe des Schlagzeuges an der Wand hängen.

    Damit der Beitrag übersichtlicher bleibt, habe ich die Fotos in den Dateianhang gesetzt.

    Bilder Legende:

    Fertiger Absorber (Vor- und Rückseite)
    Holzrahmen mit gefüllter Steinwolle und aufliegender Sperrholzplatte
    Alle Bauteile auf einem Blick
    Verbindung der beiden Dachlatten
    Holzrahmen mit umspannten Flies

    • Was ist zu beachten
    Beim Bau des Absorbers ist zu beachten, dass die komplette Mineralwolle (Steinwolle) in einem Flies bzw. Stoff eingekleidet ist.

    Wichtig: Frei schwebende Mineralwolle ist schädlich

    In der Regel werden die Maße des Absorbers errechnet. Hierzu findet ihr im Punkt 6 einen Akustik Rechner. Von dieser Seite sind auch einige Information die ich in diesen Beitrag eingearbeitet habe.
    • Quellen
    Internetseiten:

    www.wikipedia.de
    www.homerecording.de
    www.track4.de/sonstiges/akustik.php3 (hier findet ihr eine Akustikrechner)

    Sirko Zidlewitz von track4.de
    MikaHanau von homerecording.de (Anregung für den Bau eines Absorbers)
    • Fazit
    Ich hoffe mein Beitrag war informativ und lehrreich. Ich denke man hat gut gesehen das man mit wenig Geld effektive Lösungen findet, als für viel Geld teure Absorber oder ähnliches zukaufen.

    Mit freundlichen Grüßen
    4feetsmaller


    Bilder:

    Bauanleitung Musiker

    Bauanleitung Holz

    Musiker Bauanleitung

    Bauanleitung Holz

    Bauanleitung Holz Musiker
     
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  2. mika

    mika HCA - Raumakustik HCA

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    Erstellt: 27.03.08   #2
    Falls es jemanden interessiert,hier mal eine Absorbationskennline des von ihm gebauten Absorbers.
    Die Folie und der Baufließ wurden nicht berücksichtigt. Die Folie würde einen abfall der Absorbationskurve ab ca 8khz bewirken

    peace
    mika
     

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  3. BonedoAlex

    BonedoAlex Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.09.11   #3
    Klasse Workshop von 4feetsmaller! Schön erklärt und gut zusamengefasst!
    Wir haben ebenfalls ein Workshop zu diesem Thema verfasst, welcher vielleicht hier als Ergänzung dienen kann! Viel Spaß dabei! :o)

    Hier unser Raumakustik Workshop!

    außerdem hier noch unser Video-Workshop zum Bau einer Sprachkabine!
     
  4. KingDingeling

    KingDingeling Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.12.11   #4
    Auch wenn der Beitrag schon älter stell ich nochmal eine Frage dazu:
    wie genau wurden die Absorber aufgehangen? Liegen diese wie ein Bild an der Wand an?
    Wir haben vor, die Absorber für die Wände freischwingend so 2- 3 cm von der Wand entfernt anzubringen (weil u.a. die Wand nicht durchbort werden kann/ darf). Geht dadurch deren Wirkung verloren, oder ist es egal ob der Absorber an der Wand anliegt oder nicht?
    Bspw. bei Clouds hat man ja auch Luft zwischen Decke und der Cloud/ dem Absorber.

    Danke!
     
  5. CisMoll

    CisMoll Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.12.12   #5
    Sehr geil! Ich bin schon ewig am herumexperimentieren und habe mir auch schon unterschiedliche Füllmaterialien für die Holzrahmen angeschaut, aber bin froh dass es dann auch mit Mineralwolle
    ein gutes Resultat ergab!

    Eine Frage noch zum Thema Wandmontage, was zwar erklärt wurde, aber mir nicht ganz klar geworden ist:
    Den Absorber ein Stück von der Wand entfernt anbringen, heißt genau was? Freischwingend kommt für mich nciht in Frage, das ist mir zu kompliziert.
    Ich habe den Holzrahmen gebaut (40mm), dann mit Steinwolle gefüllt (1 Rahmen = 0.5m² Innenmaß) und dann mit einem sehr Dünnen Stoff überzogen.
    Das hintere Teil hätte ich jetzt mit einer Art Schrankwand (dünne Holzplatte) dicht gemacht. Danach wär der Absorber genau da hingekommen, wo die ersten Schallwellen
    meiner Nahfeldmonitore an die Wand treffen. Ich hätte die aber jetzt mittels Nagel oder Dübel an die Wand gemacht -> ist das problematisch???

    Ansonsten: Riesen Kompliment und noch viel mehr ein große Dankeschön an den Workshop!!!(!!!). Sehr informativ, alle wichtigen Dinge kurz und knapp auf den Punkt gebracht und
    ohne viel herumgerede gezeigt, dass man auch mit günstigeren Mitteln schöne Ergebnisse erzielen kann. Genau so hab ich mir das vorgestellt! ;)
     
  6. Hanseat

    Hanseat Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.12.12   #6
    Die Wirkung zu den Tiefen hin verbessert sich eher noch, wenn man die Absorber etwas entfernt von der Wand aufgängt. Idealerweise sind die Absober dann an der Rückseite jedoch auch "akustisch offen" (d.h. ohne Brett auf der Rückseite).
     
  7. Perfect Drug

    Perfect Drug Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.12.12   #7
    Ein Absorber ist am wirksamsten, wo die Schallschnelle ein Maximum hat (und daraus folgernd der Schalldruck ein Minimum- siehe Bild). Die Schnelle ist direkt an der schallharten Wand logischerweise null, nach l/4 (l=Länge der Schallwelle) maximal. Daraus kann man sich errechnen in welchem Frequenzbereich der Absorber am besten absorbiert:
    z.B.: f= 400 Hz, bei 20°C und einer Schallgeschwindigkeit von 343m/s -> l=0,86m-> l/4= 0,22m.
    D.h. wenn du in diesem Frequenzbereich absorbieren willst sollte sich 22cm vor der Wand Absorbermaterial befinden.
    Wenn du tiefere Frequenzen absorbieren willst musst du dementsprechend weiter weg (z.B. bei 100Hz-> 0,86m). Man sieht, dass man da schon ordentlich Material braucht wenn man nur durch vorsetzen von entsprechend dickem Material absorbieren will.
    ODER man lässt einfach Luft zwischen Absorber und Wand, wodurch man Material spart und die oberen Frequenzen unangetastet bleiben (was oft auch erwünscht ist).

    Oder man lässt sich was ganz anderes einfallen... ;)
    Ob da jetzt an der Rückseite (also an der Wand wenn ich das richtig verstanden habe) ein Brett ist ist egal- den schallharten Abschluss hat man da ja sowieso. Dass er vorne offen sein sollte, dürfte klar sein... ;)

    lg Drug

    abb10.jpg
    Quelle:http://masterclass-sounddesign.de/leseproberaumakustik.htm

    Und noch für faule die Berechnung der Wellenlänge:
    http://www.sengpielaudio.com/Rechner-wellen.htm
     
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