[WORKSHOP] DiY-Umbau Sennheiser ew100 - Handsender mit "lila-Ring"=865er-Kapsel

von GeiGit, 14.06.18.

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  1. GeiGit

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    Erstellt: 14.06.18   #1

    [WORKSHOP] DiY-Umbau Sennheiser ew100 - Handsender mit "lila-Ring"=865er-Kapsel


    Willkommen bei einer weiteren Ausgabe von GeiGit's Bastelstunde. :hat: Heute geht es um die Frage: Was kann man aus einem alten und durch die LTE-Frequenzverschiebung mittlerweile "verbotenen" Sennheiser Handsendemikrofon mit guter 865er-Kapsel noch machen? :gruebel:
    Zum Wegwerfen ist es auf jeden Fall zu schade! :tomatoes:

    Vorgeschichte


    Es begab sich zu der Zeit, dass alle Frequenzen geschätzet und meistbietend verkauft wurden...
    ...ja, auch ich freue mich an der LTE-Geschwindigkeit meines Smartphones, trotzdem finde ich es nicht gut, dass durch solche Umstellungen aus einer großen Menge an guten Geräten einfach "per Entscheid" (und durchaus auch profitgesteuert) "Edelschrott" gemacht wird.
    Jede Menge Vereine, Kirchen, Musiker, Beschaller usw. mussten entweder für teures Geld umrüsten lassen, oder neu kaufen (oder verzichten).
    Unsere Gemeinde hat dieser Entscheid jedenfalls zwei EM100-Funksysteme mit 865er-Handsendemikrofon und Headset Taschensender "gekostet".
    Ein Umbau hatte sich nicht gelohnt (auch wenn es z.B. im Sender wahrscheinlich nur eine von drei Platinen betroffen hätte) und wir als CGS haben eben in den saurem Apfel gebissen und drei EM300 mit 865er-Kapsel für je 1220€ und zusätzlich einen Taschensender neu beschafft.

    Welcher Mikrofonkopf ist verbaut?


    Auf den Köpfen der neuen Syteme steht im Klartext "865", auf den alten steht nix und ich wusste erst einmal nicht, was für ein Kopf verbaut wurde.

    Sennheiser ew100 e865

    Nach etwas Recherche fand ich heraus, dass der dekorative lila Ring wohl etwas zu bedeuten hat.
    Es ist ein Farbcode für den verwendeten Mikrofonkop und bedeutet wohl folgendes:
    grau = (8)25 = dyn Niere
    grün = (8)35 = dyn. Niere
    blau = (8)45 = dyn Superniere
    lila = (8)65 = Kondensator Superniere
    schwarz = (8)55 = dyn. Superniere
    weiss = (9)35 = dyn Niere
    ? = (9)45 = dyn Superniere
    Somit ist es ein (nicht so einfach wechselbarer) 865er Kopf der (zumindest als Ersatzteil) durchaus noch einiges wert ist:


    Und was kann man daraus jetzt machen?


    Mein erster Gedanke war natürlich: Bau es doch zu einem "normalen" Kabelmikrofon um. :rolleyes:
    Es wäre ein leichtes die Platinen raus zu werfen, das Gehäuse unten aufzubohren, einen XLR-Stecker einzubauen und die Kapsel an ihm anzuschließen. Dann wäre das Mikrofon zwar etwas dicker als ein "normales E865", könnte seinen Dienst aber trotzdem z.B. als Gesangsmikrofon aufnehmen.
    Guter Gedanke - aber...
    Das ginge bei einem dynamischen Tauchspulenmikrofon und wurde von mir so ähnlich schon beim Umbau meines Sennheiser MD421HL auf XLR praktiziert (siehe Workshop).
    Das Problem beim Umbau eines Handsender-Kondensatormikrofons ist die benötigte Schaltung für die 48V-Phantomspeisung. Die ist eben nicht vorhanden und müsste erstmal selbst erstellt, oder gekauft und eingebaut werden.
    Ich hatte hier die beiden Kollegen @Astronautenkost und @mikroguenni auch um Rat gefragt und sogar eine (wahrscheinlich) passende Schaltung bekommen (vielen Dank nochmal für eure Mühe!). Trotzdem war mir dann für so ein "Rettungsprojekt" der Aufwand doch etwas zu groß.
    Es bliebe noch die Beschaffung und der Einbau eines Steckeradapters mit Spannungswandler (z.B. das Rode Micon-5) oder die Verwendung an einem Taschensender.

    Die Verwendung als Gesangsmikrofon auf dem Mikrofonständer mit Phantomspeiseadapter


    Ich war mir unsicher, ob die Kapsel mit meinem Phantomspeiseadapter img StageLine EMA-40 funktionieren würde und hatte mir erstmal einen provisorischen Adapter gelötet. Und es hat nicht nur mit der Phantomspeisung aus meinem Cakewalk UA25-EX funktioniert, sondern auch mit der internen Phantomspeisung aus der 1,5V-Batterie.
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    Da der Test so gut funktioniert hatte und das e865 vom Klang her im direkten Vergleich sehr ähnlich zu meinem Lieblings-Gesangsmikrofon Audio Technica AT2010 ist, tat sich damit für mich eine neue Möglichkeit auf gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.
    Wir sind als Band im Moment daran auf In-Ear umzustellen und ich möchte eine Umschaltmöglichkeit von Gesang auf einen separaten Music Director-Eingang für mein Mikrofon haben. Wen die Hintergründe und diese Umschaltbox interessieren, der darf sich hier gerne darüber einlesen.
    Es ist jedenfalls so, dass sich ein Kondensatormikrofon bei eingeschalteter Phantomspeisung vom Pult leider nicht ohne lauten Knall umschalten lässt und ich sah mich schon zukünftig über ein Shure Beta 58A singen...
    ...aber da sieht man mal wieder Gottes Führung und seine Vorsehungen in meinem Leben. Er zeigt mir mit diesen Sennheiser-Mikrofonen wieder mal verborgene Schätze und gleichzeitig eine Lösung für meine Aufgabenstellung. Denn das e865 läuft ja bei Speisung über den Phantomspeiseadapter auch mit Speisung aus der Batterie und man kann die 48V am Pult ausschalten, hat aber trotzdem noch ein gut klingendes Kondensatormikrofon, bei dem sogar der interne Popschutz noch einen kleinen Ticken besser als beim AT2010 ist. :juhuu:
    Auf jeden Fall ist es einen Praxistest wert und ich zerlegte das Funkmikrofon in seine Einzelteile, baute Platinen und Kapsel aus und öffnete auch die Kapsel um den Anschluss mit der richtigen Polung zu machen:
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    Als Kabel kam der Rest des dünneren Mikrofonkabels aus diesem "Geigenmikrofonadapter" zum Einsatz. Es war dünn genug, dass eine kleine Erweiterung eines Schalterloches reichte um es durchzufädeln. Ich lötete einen passenden Stecker an und steckte es direkt auf die Pins der Mikrofonkapsel.
    Leider brummte es im Testbetrieb dann ziemlich und erinnerte mich daran, dass das Gehäuse eines Handmikrofons auch zur Abschirmung der Mikrofonkapsel aus Metal ist. Also brückte ich den Schirm des Kabels noch an der improvisierten internen Kabelklemmung auf eine Schraube und schloss damit das Gehäuse an die Masse an.
    Das Brummen war weg und ich hatte ein speziell auf meine Anforderungen zugeschnittenes Kondensator-Gesangsmikrofon welches ohne externe 48V-Phantomspeisung funktioniert. Der Anschluss ist durch den Adapter und das feste Kabel zwar etwas aufwändiger, funktioniert aber und klingt gut! :great:
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    Die Verwendung der Kapsel ohne Gehäuse am Taschensender zur Instrumentenabnahme


    Ich hätte gerne die ausgebaute Kapsel direkt an meinen Taschensendern betrieben.
    Damit wäre z.B. eine sehr leichte und hochwertige Tonabnahme eines Akustikinstruments auf einem meiner DIY-Mikrofonhalter möglich (siehe Workschop A-Geige, A-Gitarre).
    Oder man könnte den Sender und die Kapsel mit passender Klammer z.B. an ein Saxofon, oder eine Posaune hängen... es gibt viele Möglichkeiten bei denen ein "echtes" 865 zu schwer und zu groß wäre, wo aber die Leichtbauweise ohne Korb und ev. sogar ohne Popschutz-Schaumstoff gut funktionieren könnte. Der kurze, runde Körper würde sich gut zur Klemmung in einer Mikrofonklemme eignen.
    Leider hatte ich aber bereits feststellen müssen, dass es dann ziemlich stark brummt.
    Die Kabel von der Kapsel zum Anschlußstecker waren eben zu lang und ungeschirmt und auch die offene Elektronik auf der Kapselrückseite war sicherlich gegen Einstreuungen nicht imun.
    Ich könnte natürlich auch die Kapsel aus dem Kunststoffhalter ausbauen, würde dabei jedoch die Supernieren-Richtcharakteristik verlieren die durch die Dicke und Form des Einbauringes und die Gestaltung des Freiraumes hinter der Kapsel maßgeblich bestimmt wird. Natürlich würde sich auch noch durch den fehlenden Korb beeinflusst, der ist jedoch in diesem Bereich komplett offen, insofern wird das Fehlen nicht ganz so viel ausmachen.
    Wie auch immer. Ohne gute Abschirmung waren diese Gedanken müßig und insofern wurde diese Einsatzmöglichkeit von mir wieder verworfen.

    Fazit


    Das e865 ist ein gutes Gesangsmikrofon mit sehr gutem internen Popschutz und konnte für mich und meinen Spezialfall mit dem Umschalter für zwei Mischpulteingänge passend umgebaut und modifiziert werden!
    Ich werde es bei unserer nächsten Probe ausgiebig testen und einstellen und bin schon echt gespannt wie alles funktioniert!
    Ich werde euch meine Live-Erfahrungen hier im Thread natürlich mitteilen, also schaut immer mal wieder vorbei.
    Wahrscheinlich werde ich in das zweite Mikrofon einen Steckeradapter mit Spannungswandler einbauen (z.B. das Rode Micon-5). Mal sehn. :gruebel:

    ...wer noch mehr von mir lesen möchte, darf gerne durch meine Reviews und Workshops stöbern. :coffee:

    Vielen Dank für Euer Interesse! Seid gesegnet!
     
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