[WORKSHOP] DiY-Umbau Sennheiser ew100 - Handsender mit "lila-Ring"=865er-Kapsel

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[WORKSHOP] DiY-Umbau Sennheiser ew100 - Handsender mit "lila-Ring"=865er-Kapsel


Willkommen bei einer weiteren Ausgabe von GeiGit's Bastelstunde. :hat: Heute geht es um die Frage: Was kann man aus einem alten und durch die LTE-Frequenzverschiebung mittlerweile "verbotenen" Sennheiser Handsendemikrofon mit guter 865er-Kapsel noch machen? :gruebel:
Zum Wegwerfen ist es auf jeden Fall zu schade! :tomatoes:

Vorgeschichte


Es begab sich zu der Zeit, dass alle Frequenzen geschätzet und meistbietend verkauft wurden...
...ja, auch ich freue mich an der LTE-Geschwindigkeit meines Smartphones, trotzdem finde ich es nicht gut, dass durch solche Umstellungen aus einer großen Menge an guten Geräten einfach "per Entscheid" (und durchaus auch profitgesteuert) "Edelschrott" gemacht wird.
Jede Menge Vereine, Kirchen, Musiker, Beschaller usw. mussten entweder für teures Geld umrüsten lassen, oder neu kaufen (oder verzichten).
Unsere Gemeinde hat dieser Entscheid jedenfalls zwei EM100-Funksysteme mit 865er-Handsendemikrofon und Headset Taschensender "gekostet".
Ein Umbau hatte sich nicht gelohnt (auch wenn es z.B. im Sender wahrscheinlich nur eine von drei Platinen betroffen hätte) und wir als CGS haben eben in den saurem Apfel gebissen und drei EM300 mit 865er-Kapsel für je 1220€ und zusätzlich einen Taschensender neu beschafft.

Welcher Mikrofonkopf ist verbaut?


Auf den Köpfen der neuen Syteme steht im Klartext "865", auf den alten steht nix und ich wusste erst einmal nicht, was für ein Kopf verbaut wurde.

IMG_20180614_181031.jpg


Nach etwas Recherche fand ich heraus, dass der dekorative lila Ring wohl etwas zu bedeuten hat.
Es ist ein Farbcode für den verwendeten Mikrofonkop und bedeutet wohl folgendes:
grau = (8)25 = dyn Niere
grün = (8)35 = dyn. Niere
blau = (8)45 = dyn Superniere
lila = (8)65 = Kondensator Superniere
schwarz = (8)55 = dyn. Superniere
weiss = (9)35 = dyn Niere
? = (9)45 = dyn Superniere
Somit ist es ein (nicht so einfach wechselbarer) 865er Kopf der (zumindest als Ersatzteil) durchaus noch einiges wert ist:


Und was kann man daraus jetzt machen?


Mein erster Gedanke war natürlich: Bau es doch zu einem "normalen" Kabelmikrofon um. :rolleyes:
Es wäre ein leichtes die Platinen raus zu werfen, das Gehäuse unten aufzubohren, einen XLR-Stecker einzubauen und die Kapsel an ihm anzuschließen. Dann wäre das Mikrofon zwar etwas dicker als ein "normales E865", könnte seinen Dienst aber trotzdem z.B. als Gesangsmikrofon aufnehmen.
Guter Gedanke - aber...
Das ginge bei einem dynamischen Tauchspulenmikrofon und wurde von mir so ähnlich schon beim Umbau meines Sennheiser MD421HL auf XLR praktiziert (siehe Workshop).
Das Problem beim Umbau eines Handsender-Kondensatormikrofons ist die benötigte Schaltung für die 48V-Phantomspeisung. Die ist eben nicht vorhanden und müsste erstmal selbst erstellt, oder gekauft und eingebaut werden.
Ich hatte hier die beiden Kollegen @Astronautenkost und @mikroguenni auch um Rat gefragt und sogar eine (wahrscheinlich) passende Schaltung bekommen (vielen Dank nochmal für eure Mühe!). Trotzdem war mir dann für so ein "Rettungsprojekt" der Aufwand doch etwas zu groß.
Es bliebe noch die Beschaffung und der Einbau eines Steckeradapters mit Spannungswandler (z.B. das Rode Micon-5) oder die Verwendung an einem Taschensender.

Die Verwendung als Gesangsmikrofon auf dem Mikrofonständer mit Phantomspeiseadapter


Ich war mir unsicher, ob die Kapsel mit meinem Phantomspeiseadapter img StageLine EMA-40 funktionieren würde und hatte mir erstmal einen provisorischen Adapter gelötet. Und es hat nicht nur mit der Phantomspeisung aus meinem Cakewalk UA25-EX funktioniert, sondern auch mit der internen Phantomspeisung aus der 1,5V-Batterie.

(Bilder zur vollständigen Ansicht und für weitere Infos anklicken)

Da der Test so gut funktioniert hatte und das e865 vom Klang her im direkten Vergleich sehr ähnlich zu meinem Lieblings-Gesangsmikrofon Audio Technica AT2010 ist, tat sich damit für mich eine neue Möglichkeit auf gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.
Wir sind als Band im Moment daran auf In-Ear umzustellen und ich möchte eine Umschaltmöglichkeit von Gesang auf einen separaten Music Director-Eingang für mein Mikrofon haben. Wen die Hintergründe und diese Umschaltbox interessieren, der darf sich hier gerne darüber einlesen.
Es ist jedenfalls so, dass sich ein Kondensatormikrofon bei eingeschalteter Phantomspeisung vom Pult leider nicht ohne lauten Knall umschalten lässt und ich sah mich schon zukünftig über ein Shure Beta 58A singen...
...aber da sieht man mal wieder Gottes Führung und seine Vorsehungen in meinem Leben. Er zeigt mir mit diesen Sennheiser-Mikrofonen wieder mal verborgene Schätze und gleichzeitig eine Lösung für meine Aufgabenstellung. Denn das e865 läuft ja bei Speisung über den Phantomspeiseadapter auch mit Speisung aus der Batterie und man kann die 48V am Pult ausschalten, hat aber trotzdem noch ein gut klingendes Kondensatormikrofon, bei dem sogar der interne Popschutz noch einen kleinen Ticken besser als beim AT2010 ist. :juhuu:
Auf jeden Fall ist es einen Praxistest wert und ich zerlegte das Funkmikrofon in seine Einzelteile, baute Platinen und Kapsel aus und öffnete auch die Kapsel um den Anschluss mit der richtigen Polung zu machen:

(Bilder zur Vollansicht und für weitere Infos anklicken)

Als Kabel kam der Rest des dünneren Mikrofonkabels aus diesem "Geigenmikrofonadapter" zum Einsatz. Es war dünn genug, dass eine kleine Erweiterung eines Schalterloches reichte um es durchzufädeln. Ich lötete einen passenden Stecker an und steckte es direkt auf die Pins der Mikrofonkapsel.
Leider brummte es im Testbetrieb dann ziemlich und erinnerte mich daran, dass das Gehäuse eines Handmikrofons auch zur Abschirmung der Mikrofonkapsel aus Metal ist. Also brückte ich den Schirm des Kabels noch an der improvisierten internen Kabelklemmung auf eine Schraube und schloss damit das Gehäuse an die Masse an.
Das Brummen war weg und ich hatte ein speziell auf meine Anforderungen zugeschnittenes Kondensator-Gesangsmikrofon welches ohne externe 48V-Phantomspeisung funktioniert. Der Anschluss ist durch den Adapter und das feste Kabel zwar etwas aufwändiger, funktioniert aber und klingt gut! :great:

(Bilder zur Vollansicht und für weitere Infos anklicken)

Die Verwendung der Kapsel ohne Gehäuse am Taschensender zur Instrumentenabnahme


Ich hätte gerne die ausgebaute Kapsel direkt an meinen Taschensendern betrieben.
Damit wäre z.B. eine sehr leichte und hochwertige Tonabnahme eines Akustikinstruments auf einem meiner DIY-Mikrofonhalter möglich (siehe Workschop A-Geige, A-Gitarre).
Oder man könnte den Sender und die Kapsel mit passender Klammer z.B. an ein Saxofon, oder eine Posaune hängen... es gibt viele Möglichkeiten bei denen ein "echtes" 865 zu schwer und zu groß wäre, wo aber die Leichtbauweise ohne Korb und ev. sogar ohne Popschutz-Schaumstoff gut funktionieren könnte. Der kurze, runde Körper würde sich gut zur Klemmung in einer Mikrofonklemme eignen.
Leider hatte ich aber bereits feststellen müssen, dass es dann ziemlich stark brummt.
Die Kabel von der Kapsel zum Anschlußstecker waren eben zu lang und ungeschirmt und auch die offene Elektronik auf der Kapselrückseite war sicherlich gegen Einstreuungen nicht imun.
Ich könnte natürlich auch die Kapsel aus dem Kunststoffhalter ausbauen, würde dabei jedoch die Supernieren-Richtcharakteristik verlieren die durch die Dicke und Form des Einbauringes und die Gestaltung des Freiraumes hinter der Kapsel maßgeblich bestimmt wird. Natürlich würde sich auch noch durch den fehlenden Korb beeinflusst, der ist jedoch in diesem Bereich komplett offen, insofern wird das Fehlen nicht ganz so viel ausmachen.
Wie auch immer. Ohne gute Abschirmung waren diese Gedanken müßig und insofern wurde diese Einsatzmöglichkeit von mir wieder verworfen.

Fazit


Das e865 ist ein gutes Gesangsmikrofon mit sehr gutem internen Popschutz und konnte für mich und meinen Spezialfall mit dem Umschalter für zwei Mischpulteingänge passend umgebaut und modifiziert werden!
Ich werde es bei unserer nächsten Probe ausgiebig testen und einstellen und bin schon echt gespannt wie alles funktioniert!
Ich werde euch meine Live-Erfahrungen hier im Thread natürlich mitteilen, also schaut immer mal wieder vorbei.
Wahrscheinlich werde ich in das zweite Mikrofon einen Steckeradapter mit Spannungswandler einbauen (z.B. das Rode Micon-5). Mal sehn. :gruebel:

...wer noch mehr von mir lesen möchte, darf gerne durch meine Reviews und Workshops stöbern. :coffee:

Vielen Dank für Euer Interesse! Seid gesegnet!
 
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Auch wenn die Reaktionen auf diesen Bericht hier eher spärlich ausgefallen sind, werde ich ihn der Vollständigkeit halber fortführen:

Update


Bis Oktober 2019 habe ich diese Lösung mit diesem Mikrofon bei uns auf der Bühne verwendet und war zufrieden. Dann kaufte ich für die Gemeinde eine externe Phantomspeisung, da wir mittlerweile bis zu zwei Music Director (MD)-Mikrofon-Umschalter auf der Bühne im Einsatz hatten:
Somit war es auch für mich wieder möglich mein geliebtes Audio Technica AT2010 zu verwenden und ich merkte, dass ich echt diesen Klang vermisst hatte! Es passt eben doch besser zu meiner Stimme und sie klingt damit besser!

Somit wurde das umgebaute E865 in der Form nicht mehr benötigt.

Umbau des e865 zu einem vollwertigen Handmikrofon mit XLR-Anschluß


Um es zu einem "Normalen Handmikrofon" mit XLR-Anschluß zu machen, kaufte ich tatsächlich ein Rode Micon-5, da es eine kompakte Bauweise hat und für meinen Umbau gut geeignet zu sein schien:



Das baute ich jetzt direkt in das Gehäuse des Handsenders ein.
Dazu bohrte ich mit dem Stufenbohrer ein passendes Loch von unten in das Gehäuse und anschließend passte ich die drehbare Blende ebenfalls an. Die Wippe des Batteriefachs und deren Arretierungsklappe wurden demontiert und ich bohrte und feilte eine Öffnung um das Kabel bis in's Batteriefach schieben zu können.
IMG_20200115_153051.jpg IMG_20200115_145314.jpg IMG_20200115_152120.jpg
Dann öffnete ich das Gehäuse des Rode Micon-5, lötete das Steckerkabel von der Platine und lötete das auf passende Länge gekürzte geschirmte Kabel an welches auf der anderen Seite den Stecker für die Pins der Mikrofonkapsel hatte.
IMG_20200115_123527.jpg IMG_20200115_123801.jpg IMG_20200115_123820.jpg IMG_20200115_123828.jpg IMG_20200115_124003.jpg
Das Kabel wurde mit einem angelöteten Masseanschluss noch per Schraube an den Metalteil des Mikrofongehäuses angeschlossen um das Gehäuse als Masseschirm zu verwenden.
IMG_20200115_151912.jpg
Dann schrumpfte ich einen Schrumpfschlauch um das Steckergehäuse des Rode Micon-5 der als Tiefenanschlag und Auszugsschutz dienen sollte.
IMG_20200115_145257.jpg
Damit setzte ich nun das Micon-5 in das Loch des unteren Gehäuseteils, öffnete dessen Displayscheibe und goss einigen Heißkleber durch die Displayöffnung. Dann platzierte ich die Displayscheibe darüber.
IMG_20200115_152130.jpg
Nun gab ich noch einiges an Heißkleber von oben in den Spalt zwischen Steckergehäuse und Mikrofongehäuse. Damit war der XLR-Stecker mit dem integrierten Speiseadapter mit dem Mikrofongehäuse fest verbunden.
IMG_20200115_151455.jpg
Nun montierte ich das Mikrofon wieder zusammen, testete es und legte es nochmals neben das zweite Mikrofon, welches sich noch im Originalzustand befand um ein Abschlußbild zu machen.
IMG_20200115_152511.jpg IMG_20200115_152556.jpg IMG_20200115_152710.jpg IMG_20200115_152718.jpg IMG_20200115_153833.jpg IMG_20200115_153814.jpg

Fazit


Das e865 ist jetzt ohne Sender ein ganz normales Kabelmikrofon mit etwas dickerem Griff geworden.
Ich hoffe, dass es trotzdem immer wieder zum Einsatz kommt und sich die Investition und der Umbau auf Dauer auch rentieren.
Ich bin jedenfalls zufrieden mit dem Umbau und habe damit hoffentlich ein weiteres Mikrofon aus der "Edelschrott-Kiste" dauerhaft gerettet (in der sich auch schon mal mein MD421-HL befand bevor es von mir auf XLR umgebaut wurde).
Das zweite e865 wurde zu etwas völlig anderem umgebaut. Der Bericht ist schon in Arbeit, ihr dürft gespannt bleiben, auch dieses Projekt scheint ein echter Erfolg zu werden!
Ich werde berichten!

...wer noch mehr von mir lesen möchte, darf gerne durch meine Reviews und Workshops stöbern. :coffee:

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Update


Mittlerweile ist das Mikrofon jeden Sonntag bei zwei Gottesdiensten im Einsatz. Es ist jetzt das "Standard-Mikro" für den Bandleiter, hängt am erwähnten "Millenium Pocket Phantom" zur Phantomspeisung und anschließend am Umschalter.
Ungedrückt ist es dadurch ein "normales Gesangsmikrofon" und bei gedrücktem Taster das "Musical Director-Mikrofon", mit dem der Bandleiter dann die Anweisungen auf die In-Ears der Musiker sprechen und die Band somit unhörbar für's Publikum leiten kann.
Ihr könnt es hier in unserem YouTube-Kanal im Einsatz sehen und hören: klick

Somit war der Umbau ein Erfolg und absolut lohnenswert!
 
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Das zweite e865 wurde zu etwas völlig anderem umgebaut. Der Bericht ist schon in Arbeit, ihr dürft gespannt bleiben, auch dieses Projekt scheint ein echter Erfolg zu werden!
Ich werde berichten!
Als ich gerade durch meine Reviews und Workshops durchgescrollt hatte, musste ich feststellen, dass ich hier ja noch ein Versprechen gegeben, aber bisher noch nicht eingelöst habe, obwohl der angesprochene Workshop mittlerweile schon eine ganze Zeit lang veröffentlicht ist.
Also, das zweite e865 war erst als "Klotzmikrofon" in meiner Lowden S22 eingebaut, wurde von mit dann aber nach einiger Zeit wieder herausgeholt, in die Kapsel zurückgebaut und mit einem Diy-Halter in einer selbstkonstruierten Entkopplungsspinne wieder eingebaut und tut seitdem einen richtig guten Dienst in meiner "Gitarre fürs Leben"!
Hier geht's zum Workshop:
Workshop - - Einbau eines Sennheiser ME865 Mikrofonmoduls mit "DiY-Entkopplungs-Spinne" in meine Lowden
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